Der Hotelverband Deutschland (IHA) kritisiert den Gesetzesentwurf aus August zur Umsetzung der EU-Pauschalreiserichtlinie in deutsches Recht als unangemessen und unverhältnismäßig. „Auf die ohnehin schon überzogenen Vorgaben der EU-Richtlinie sattelt der Referentenentwurf noch drauf. So erklärt die Bundesregierung auch Einzelreiseleistungen wie Hotelbuchungen zu Pauschalreisen. Wo noch nationaler Umsetzungsspielraum besteht, setzt die Bundesregierung ihn konsequent gegen die Interessen der mittelständisch geprägten Hotellerie und einseitig für einen falsch verstandenen Verbraucherschutz ein“, moniert Otto Lindner, Vorsitzender des Hotelverbandes. Der Gesetzentwurf, der das Regelwerk der gesamten Tourismuswirtschaft reformieren soll, enthält zudem eine Fülle schwammiger und schlicht unverständlicher Vorschriften: „Selbst den Passagen, bei denen sich das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz um eine originalgetreue Umsetzung bemüht, fehlt es an Rechtsklarheit und -sicherheit. Die ebenso mögliche wie gebotene Einbeziehung von Ferienwohnungen dagegen unterlässt die Bundesregierung und verschärft damit wieder einmal die Wettbewerbsverzerrung zu Lasten der Hotellerie.“

Otto Lindner, Vorsitzender des Hotelverbands Deutschland (IHA)

Otto Lindner, Vorsitzender des Hotelverbands Deutschland (IHA) (Foto: Lindner Hotels)

Selbst Tagesreisen mit einem Wert von mehr als 75 Euro gelten als Pauschalreisen. „Wenn Gäste im Hotel vor Ort noch einen Tagesausflug dazu buchen, müssten sie demzufolge denselben bürokratischen Formalismus über sich ergehen lassen, als ob sie ihren Jahresurlaub erneut buchten. Dafür haben weder Gäste noch wir als Gastgeber Verständnis“, kritisiert Lindner. „Es passt ins Bild, dass der Gesetzgeber zugleich auch noch das Bußgeld für Hoteliers, die Kundengelder ohne Insolvenzabsicherung annehmen, um das Sechsfache von 5000 auf 30.000 Euro erhöhen will. Aufgrund der unklaren Rechtslage kann der Hotelier aber nicht einmal wissen, ob es sich bei seinem Angebot um eine Pauschalreise handelt. Rechtsstreitigkeiten, Bürokratie und Zusatzkosten sind unweigerlich vorprogrammiert“, macht der IHA-Vorsitzende Lindner deutlich und fordert: „Die Bundesregierung muss den Gesetzentwurf zurückziehen und noch einmal grundlegend überarbeiten.“