Heute ist Motel One aus dem deutschen Hotelmarkt nicht mehr wegzudenken: 48 Häuser mit knapp 12.700 Zimmern und einen Umsatz von 256 Millionen Euro waren 2014 mit 4,2 Millionen Gästen im Schnitt zu 75 Prozent ausgelastet. Alleine in diesem Jahr hat der 61-Jährige schon sechs neue Motels eingeweiht, im vergangenen waren es acht. Dabei ist die Marschrichtung klar. Neueröffnungen in Wien, London, Brüssel und Prag zeigen: Europa ist das Ziel. Gastgewerbe-Magazin hat sich mit dem „Hotelier des Jahres 2009“ unterhalten. Im Interview spricht Dieter Müller über den Fachkräftemangel, den Mindestlohn und warum er sich über den Begriff Billighotel ärgert.

Gastgewerbe-Magazin: Sind sie ein einfacher oder schwieriger Gast?
Dieter Müller: Wenn die Leistung stimmt, bin ich ein einfacher Gast.

Was macht für Sie ein gutes Hotel aus?
Das sind in erster Linie die Mitarbeiter. Natürlich spielen die Ausstattung, das Design oder die Lage auch eine Rolle. Aber die Seele eines Hotels sind seine Mitarbeiter. Sie können im schönsten Hotel der Welt einchecken – aber wenn man an die Rezeption kommt und dort unfreundlich oder inkompetent empfangen wird, dann wiegt dies das ganze Drumherum nicht auf.

Die Häuser Ihres Motel One-Konzeptes bezeichnet man gemeinhin auch als „Billighotels“. Ärgert Sie dieser Ausdruck?

Der Qualitätsgedanke steht bei Motel One im Vordergrund, zum Beispiel bei Ausstattung und Materialien – wie hier in Saarbrücken.

Der Qualitätsgedanke steht bei Motel One im Vordergrund, zum Beispiel bei Ausstattung und Materialien – wie hier in Saarbrücken. (Foto: Motel One)

Ja – das ärgert mich, weil es einfach nicht zutreffend ist. Nichts an einem Motel One ist billig. Weder die Qualität der Standorte, der Gebäude und schon gar nicht die Einrichtung. Ganz im Gegenteil. Wir realisieren eine Qualität auf höchstem Niveau. Unsere Mitarbeiter erbringen eine Dienstleistung auf einem Fünf-Sterne-Level und werden im Übrigen von den Gästen auch so bewertet.

Die Branche beschäftigt sich mit dem Mindestlohn, sie hat sehr dagegen gekämpft. Wie wir wissen vergebens. Wie stehen Sie dazu und wie gehen Sie damit um?
Das war bei uns eigentlich kein Thema. Es gibt nur einen einzigen Bereich, den das bei uns treffen würde. Und das waren die Reinigungskräfte. Doch sie unterliegen dem sogenannten „Entsendegesetz“. In diesem waren schon seit mehreren Jahren Mindestlöhne festgelegt, die auch zum Teil über dem heutigen lagen. Die Aufgeregtheit der Branche richtete sich auch mehr oder weniger gegen den bürokratischen Aufwand der Aufzeichnungspflichten. Das macht in der Tat nunmehr einen höheren Aufwand erforderlich.

Das ist ein gutes Stichwort. Viele Ihrer Kollegen stöhnen wegen dem Dickicht an Bürokratie und dem Reglementierungswahnsinn. Nehmen wir etwa die Allergenkennzeichnung, das Korsett des Arbeitszeitschutzgesetzes oder die Dokumentationspflicht beim Mindestlohn. Können Sie sich denn damit gut arrangieren?
Ja, die Bürokratie treibt manchmal Blüten und stellt auch uns immer wieder vor Herausforderungen, die man sich eigentlich sparen könnte. Hier sollte unser Verband im Vorfeld solcher Entscheidungen und Gesetze mehr eingebunden sein. Jetzt wieder bei der Diskussion um die Umsatzsteuer auf die eigentlich kostenfreie Saunanutzung. Als Hotelkette haben wir es bei der Organisation der Bürokratie vielleicht ein bisschen einfacher. Aber ich verstehe die kleinen Hotelbetreiber, denen macht das sehr zu schaffen. Vor allem ist es die Unflexibilität, die in vielen dieser Verordnungen beinhaltet ist.

Ein anderes Schlagwort: Der Fachkräftemangel. Wie generieren Sie fähige Mitarbeiter?
Dieses Thema begleitet mich seit 40 Jahren. Auch damals haben wir schon darüber nachgedacht, wie wir gute Leute für uns gewinnen können. Bereits da war es in der Branche relativ schwierig, fähige Mitarbeiter zu finden. Es ist also ein Problem, das irgendwie nie aus der Mode kommt. Aber es hat sich natürlich durch den demografischen Wandel verschärft. Unsere Antwort darauf ist einfach: Wir tun viel dafür, um ein attraktiver Arbeitgeber zu sein: Faire Bezahlung mit Incentive-Anreizen bei guten Leistungen, überdurchschnittliche Weiterbildungsmöglichkeiten sowie attraktive Karrierechancen im In- und Ausland. Das Wichtigste ist jedoch ein gutes Klima, geprägt von gegenseitigem Respekt. Es muss Spaß machen, ein Teil des Motel One- Teams zu sein.

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