Suche

Erst denken. Dann digitalisieren.

Seit geraumer Zeit befinden sich die Gastronomie, aber auch der Getränke- und Lebensmittelgroßhandel im Umbruch. Allianzen werden geschmiedet, IT-Unternehmen zu teilweise immensen Summen übernommen, Onlinebestellsysteme eingeführt, der Markt mit neuen, cloudbasierten Kassensystemen und anderen digitalen Lösungen überschwemmt.

Digitalisierung in der Gastronomie und HotellerieKet4up - iStockphoto.comKet4up - iStockphoto.com

Immer mehr Gastronomen investieren in die Digitalisierung – und hoffen, dass damit ihre Probleme, angefangen bei der gesetzeskonformen Datenverarbeitung bis hin zum Fachkräftemangel, gelöst sind.

Doch im Aktionismus vergessen viele den Blick auf das große Ganze. Entscheidend ist nicht der Einsatz von digitalen Lösungen, sondern die Frage, welche Ziele damit erreicht werden sollen. An dieser Stelle lohnt sich ein Blick auf Unternehmen, die mit digitalen Daten schon seit längerer Zeit erfolgreich umgehen: Amazon beispielsweise arbeitet mit einer radikalen Kundenorientierung. Im Prinzip weiß der Riese aus den USA manchmal schon, was die Kunden wollen, bevor diese selbst das Bedürfnis haben.

Wie funktioniert das System? Bei Amazon steht der Kunde mit seinen Bedürfnissen und Erwartungen im Mittelpunkt. Die Basis ist das Wissen über den Kunden und die Umsetzung dieser Erkenntnisse in Daten und Algorithmen für die systeminternen Prozesse. Je umfassender dieses Wissen ist, desto individueller kann der einzelne Kunde betreut werden.

Partner aus dem HORECA Scout

Das Wissen kann jedoch nur genutzt werden, wenn es in einen Kontext gestellt bzw. nach logischen Regeln im Hinblick auf ein zu lösendes Problem ausgewertet wird. Es geht primär nicht darum, was alles durch die Digitalisierung möglich gemacht wird, sondern worin die Ziele des Unternehmens liegen.

Um die Möglichkeiten der Digitalisierung nutzen zu können,
braucht das Unternehmen

  1. einen klaren Plan, welche Ziele erreicht werden sollen,
  2. eine geeignete Datenstruktur, die die angestrebten Ziele ermöglicht,
  3. eine optimale IT-Lösung, die die Daten umfassend verarbeiten kann, sowie
  4. ein konsequentes Datenmanagement.
Lesen Sie auch
Recht und ComplianceGehalt, Benefits und AltersversorgungRecruiting und Fachkräftemangel
Neue Spielregeln bei der Vergütung: Was die EU-Entgelttransparenzrichtlinie für Hotellerie und Gastronomie bedeutet

Themen in diesem Artikel
Software und SystemeDigitalisierung

Im Anschluss an die Zieldefinition stellt sich die Frage, welche Daten benötigt werden, um mit der Anwendung der digitalen Lösung das Problem zu beheben und Regeln zu schaffen. Bei Entscheidungen über IT-Systeme, gleichgültig ob Kasse, Bestellsystem, ERP-System oder andere digitale Lösungen, wird dieser Aspekt häufig übersehen.

Jede IT-Anwendung fußt auf einer Datenstruktur. Wenn diese entweder den notwendigen Detaillierungsgrad nicht aufweist, z. B. bei Getränken die Gebindeart nicht erfasst werden kann oder Rezepte nicht mit einzelnen Ressourcen hinterlegt sind, können auf diesen Daten aufsetzende Regeln nicht ausgeführt werden.

Mindestens genauso gravierend ist die Datenqualität. Falsch zugeordnete Daten führen zu falschen Ergebnissen bei der Auswertung. Wird beispielsweise ein neues Gericht in der Kasse so angelegt, dass ein alter Datensatz mit neuem Namen versehen, aber die darunterliegenden Ressourcen nicht geändert werden, versagt das beste Ressourcenmanagement und die Auswertungen von Verbräuchen liefern falsche Ergebnisse.

Das Datenmanagement ist eine große Herausforderung, denn die Gastronomie hat bislang kaum mit systematischen Analysen gearbeitet, war auf eine saubere Erfassung von Daten nicht angewiesen. Dementsprechend fehlt die Sensibilität für Datenqualität, die nun im Rahmen der einzelnen Schritte auf dem Weg zur Digitalisierung erarbeitet werden muss.

Lesen Sie auch
Finanzen und ControllingSoftware und Systeme
Kartenzahlungsgebühren – Zusammensetzung und typische Fallstricke

Da trotzdem eine ausreichende Datenqualität sichergestellt werden soll, müssen möglichst viele relevante Daten aus übergeordneten Datenquellen wie Produktkatalogen der Lieferanten kommen oder im System selbst erzeugt werden. Dies gelingt mit komplexen Allround-Systemen, die die komplette Prozesskette mit Bestellsystem, Warenwirtschaft und Kasse abdecken, wesentlich besser als mit unabhängigen Einzellösungen, die im schlimmsten Fall nicht miteinander kompatibel sind.

Um im Angesicht des breit gefächerten Angebotes zur Digitalisierung der Geschäftsbereiche die richtige Wahl zu treffen, sollte im ersten Schritt eine Definition der Ziele erfolgen und im Anschluss daran eine Erhebung der hierfür benötigten Datenstruktur.

Für die Digitalisierung gilt: Die Datenstruktur und das Datenmanagement folgen der Strategie. Und dann erst kann eine Entscheidung für ein IT-System erfolgen, das jederzeit in der Lage sein muss, alle anfallenden Daten zu verarbeiten, um die gewünschten Ziele und Anforderungen zu erfüllen.

Dr. Thomas Meuche ist Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Hochschule Hof, Beirat bei mehreren Familienunternehmen und beschäftigt sich als Gesellschafter der ServicePlus GmbH intensiv mit der Digitalisierung der Gastronomie. ServicePlus hat ein integriertes Gastro-Managementsystem entwickelt.

johannes86, iStockphoto
Gehalt, Benefits und Altersversorgung

Neue Spielregeln bei der Vergütung: Was die EU-Entgelttransparenzrichtlinie für Hotellerie und Gastronomie bedeutet

Bis Juni 2026 muss Deutschland die EU-Entgelttransparenzrichtlinie in nationales Recht umsetzen. Die neuen Regelungen betreffen Betriebe jeder Größe und bringen weitreichende Änderungen im Umgang mit Gehältern. Wer sich jetzt vorbereitet, verschafft sich einen entscheidenden Vorsprung im Wettbewerb um Fachkräfte.

Future Payments GmbH
Finanzen und Controlling

Kartenzahlungsgebühren – Zusammensetzung und typische Fallstricke

Viele Gastronomen wissen nicht, welche Kosten ihr Kartenterminal wirklich verursacht. Gebührenmodelle sind komplex, Verträge unübersichtlich – und das Kleingedruckte kann monatlich mehrere hundert Euro Unterschied bedeuten. Spätestens mit einer möglichen Kartenzahlungspflicht wird dieses Thema zum wirtschaftlichen Faktor, den kein Betrieb mehr ignorieren sollte.

EVENTMACHINE
Events und Messen

KI-Agent konfiguriert ganze Events und erhält sofortige Angebote – ohne menschliches Zutun

Was geschieht, wenn künstliche Intelligenz nicht mehr nur berät, sondern eigenständig handelt? Ein Event-Tech-Unternehmen hat einen KI-Agenten auf seinen webbasierten Konfigurator losgelassen – mit verblüffenden Ergebnissen. Die Maschine plant komplexe Veranstaltungen, erkennt Sparpotenziale und trifft Designentscheidungen wie ein erfahrener Eventmanager. Für Hotels und Locations stellt sich damit eine existenzielle Frage: Sind ihre Systeme bereit für Anfragen, die nicht von Menschen kommen?

Biohotel Eggensberger, T. Reinelt
Allgemeine Haustechnik

Risikofaktor Hotelklimatisierung – warum klassische Lösungen dem Erfolg im Weg stehen

Klimaanlagen gehören zur Standardausstattung in Hotels – doch genau diese Selbstverständlichkeit wird zum Problem. Denn während Gäste Kühlung erwarten, lehnen viele gleichzeitig die Begleiterscheinungen klassischer Systeme ab: Lärm, Zugluft, trockene Luft. Hotels investieren also in Technik, die zwar gebucht, aber kritisiert wird. Wie kann dieser Widerspruch aufgelöst werden? Und welche Alternativen bieten sich an, die nicht nur die Gästezufriedenheit steigern, sondern auch die Betriebskosten senken?

Bayerische Staatsbrauerei Weihenstephan
Beverage

Helles auf Erfolgskurs: Warum Bayerns Lieblingsbier zum Gastro-Zugpferd wird

Mild, malzig, massentauglich – und zunehmend auch alkoholfrei: Das Helle hat sich vom bayerischen Klassiker zum bundesweiten Bestseller entwickelt. Die Bayerische Staatsbrauerei Weihenstephan, älteste Brauerei der Welt, zeigt in ihrem aktuellen Themendienst, warum der Bierstil gerade jetzt für Gastronominnen und Gastronomen interessant wird – und wo die größten Absatzchancen schlummern.

Deng Xiang, Unsplash
Künstliche Intelligenz, KI und Automation

Mews BI – Zentralisierte Datenauswertung für die Hotellerie

Hotels sammeln täglich Unmengen an Daten – aus Buchungssystemen, Kassenlösungen, Online-Portalen. Die Herausforderung: Diese Informationen sinnvoll zu verknüpfen und daraus strategische Entscheidungen abzuleiten. Mews will genau das mit seinem neuen Business-Intelligence-Tool erleichtern.

Weitere Artikel zum Thema

Future Payments GmbH
Viele Gastronomen wissen nicht, welche Kosten ihr Kartenterminal wirklich verursacht. Gebührenmodelle sind komplex, Verträge unübersichtlich – und das Kleingedruckte kann monatlich mehrere hundert Euro Unterschied bedeuten. Spätestens mit einer möglichen Kartenzahlungspflicht wird dieses Thema zum[...]
Future Payments GmbH
EVENTMACHINE
Was geschieht, wenn künstliche Intelligenz nicht mehr nur berät, sondern eigenständig handelt? Ein Event-Tech-Unternehmen hat einen KI-Agenten auf seinen webbasierten Konfigurator losgelassen – mit verblüffenden Ergebnissen. Die Maschine plant komplexe Veranstaltungen, erkennt Sparpotenziale und trifft[...]
EVENTMACHINE
Deng Xiang, Unsplash
Hotels sammeln täglich Unmengen an Daten – aus Buchungssystemen, Kassenlösungen, Online-Portalen. Die Herausforderung: Diese Informationen sinnvoll zu verknüpfen und daraus strategische Entscheidungen abzuleiten. Mews will genau das mit seinem neuen Business-Intelligence-Tool erleichtern.[...]
Deng Xiang, Unsplash
NOBIX Group GmbH
IT-Sicherheit spielt auch für kleine Unternehmen eine große Rolle: 80 Prozent aller gemeldeten Ransomware-Angriffe 2025 trafen KMU. Auch, weil sie oft eine leichte Beute sind. Wer rechtlich für sein Unternehmen verantwortlich ist, sollte daher handeln[...]
NOBIX Group GmbH
Ringhotels e.V. (v.l.n.r. Petra Weindl, Crank, Ruwen Porochnow)
Ein humanoider Roboter eröffnet eine Hotelversammlung – klingt nach Science-Fiction? Bei Ringhotels ist es Realität. Die Kooperation zeigt eindrucksvoll, dass Innovation und Gastfreundschaft keine Gegensätze sind. Während „Crank" die Bühne betritt, wird klar: Die Hotellerie[...]
Ringhotels e.V. (v.l.n.r. Petra Weindl, Crank, Ruwen Porochnow)
Unser Newsletter

Bleiben Sie auf dem Laufenden mit regelmäßigen Informationen zum Thema Gastgewerbe. Ihre Einwilligung in den Empfang können Sie jederzeit widerrufen.