Unternehmensführung

Kinderfreie Restaurants? Eine Diskussion im deutschen Sommerloch.

Es war wohl das Aufreger-Thema in diesem Sommer: Auf der Ferieninsel Rügen hatte Rudolf Markl sein Restaurant „Oma’s Küche“ ab 17 Uhr für Kinder unter 14 Jahren geschlossen. Große Schlagzeilen in den Medien und heiße Diskussionen in den sozialen Medien.

Diskriminierung oder gleiches Recht für alle?
© djedzura | iStockphoto.com

Inhaber Markl begründete seinen Schritt mit über Jahre gereiften Überlegungen, denn das Verhalten der Kinder werde immer schlimmer und führe immer häufiger zu Störungen der anderen Gäste. Im Interview mit Spiegel Online formulierte er die Schuld aber nicht allein bei den Kindern: „Vor allem die Eltern sind mit der Zeit immer ignoranter geworden. Manche geben ihre Verantwortung an unserer Tür ab. Unser Job ist es aber nicht, Kinder zu erziehen, sondern den Gästen eine gute Zeit mit leckeren Essen und Getränken zu bescheren.“. Deshalb bleibt „Oma’s Küche“ ab 17 Uhr für Kinder tabu.

Die ganze Aufregung, die durch einen Bericht entstanden ist, kann Markl nicht ganz verstehen, denn er habe auch viele positive Rückmeldungen bekommen. „Unsere Gäste sind ja nicht ausschließlich Touristen, sondern auch Leute, die auf der Insel arbeiten. Nach Feierabend wollen die ihre Ruhe haben.“ Für Eltern mit Kindern gebe es auf der Insel ja noch über 300 andere Restaurants.

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So ähnlich sieht es auch der DEHOGA Bundesverband, der von einer Diskriminierung, die von der Branche ausgehe, nicht gelten lassen will. Kinder nicht in den Betrieb zu lassen sei ein individuelles Konzept, das sich an eine spezielle Zielgruppe wende. „So wie man in einzelnen Betrieben speziell auf die Bedürfnisse von Erwachsenen eingeht, haben sich viele gastgewerbliche Betriebe auch speziell auf die besonderen Wünsche und Bedürfnisse von Familien eingestellt“, so der DEHOGA Bundesverband.

Noch zusätzlich befeuert wurde das Thema durch ein Statement der Antidiskriminierungsstelle des Bundes. Die Behörde hält einen Ausschluss von Kindern in Restaurants für rechtlich bedenklich und bezieht sich auf das allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG), das auch vor Benachteiligungen aufgrund des Lebensalters schütze. Es müsse einen „nachvollziehbaren Grund“ für den Ausschluss geben, wobei ein zu hoher Lärmpegel, der andere Gäste störe, wohl nicht ausreiche. Bernhard Franke, kommissarischer Leiter der Antidiskriminierungsstelle, schlug vor statt einer pauschalen Regelung einzelne Eltern mit ihren störenden Kindern aus dem Lokal zu verweisen. Dann ist das Kind aber schon in den Brunnen gefallen, um dieses Wortspiel zu missbrauchen.

Offen bleibt bei diesem Thema die Frage, warum sich die Medien zwischen München und Hamburg gerade auf dieses Beispiel stürzten, denn in allen Regionen und Städten gibt es kinderfreie Restaurants. Auch bleiben einige Hotel für Gäste unter 16 Jahren verschlossen, weil die Gäste dort nach Ruhe und Erholung suchen statt durch Kinderlachen und -geschrei „gestört“ zu werden. Viel Lärm also in den Medien um ein Thema, das weder neu noch wirklich interessant ist. Aber klar, nach mehr als sechs Wochen Dauerhitze waren wohl die anderen Sommerloch-Themen schon abgearbeitet…

Aber es geht auch anders, nämlich zu 100% Familienurlaub!

2 Kommentare zu “Kinderfreie Restaurants? Eine Diskussion im deutschen Sommerloch.”

  1. Die Entscheidung des Kollegen ist mutig und richtig ! Wer einmal miterlebt hat wie nervend Kindergeschrei in einem Restaurant auf die Gäste wirken kann und auf das völlige Unverständnis der Eltern (meist Mütter) bei einem Hinweis des Wirtes oder der Bedienung stößt, weis das die Entscheidung richtig ist- auch dann, wenn die sich bestens unterhaltenden Damen den Wirt als „kinderfeindlich“ darstellen anstatt sich um ihre Kinder zu kümmern…

  2. Es ist richtigt dieses Thema mal in der Öffentlichkeit zu diskutieren. Gerade letzte Woche waren in unseren Lokal Eltern mit 3 Kindern so im Alter zwischen 8 und 13 Jahren. Die Gäste waren zu dieser Zeit alleine im Lokal und die Kinder liefen sofort los um sämtliche Bierdeckel einzusammeln. Ist ok sind sie beschäftigt. Sie fielen auch nicht durch lautes Geschrei oder rumgerenne auf sondern weil sie nicht wußten wie man in der Öffentlichkeit isst. Als Sie das Lokal verließen waren die Pommes über den ganzen Tsch verteilt und auf dem Boden kleingeschnitten Schnitzelstücke so das erstmal ein Besen hermußte. Von den Eltern kein Komentar.
    Dann ist es bei anderen Gästen oft vorgekommen das die Eltern in Gesprächen tief versunken sind und nicht mitbekommen das ihre Kinder in der zwischenzeit über “ Tische und Bänke “ laufen und Tischdecken anmalen.
    Daher kann ich die Kollegen verstehen die eine Kinderfreie Zone haben. Zur Anmerkung: Es gibt auch Familien da wissen die Kinder sich zu benehmen solange sie im Lokal sind und wir haben auch zwei Kinder inzwischen erwachsen und wir sind füher auch mit ihnen Essen gewesen sie haben sich aber immer zu beschäftigen gewußt.

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Maximilian Waldmann ist einer der erfolgreichsten Start-up-Unternehmer in Deutschland. Seine Ideen für die Digitalisierung der Hotellerie gehen weit über einzelne Lösungen hinaus. In seine App Conichi hat HRS erst kürzlich zehn Millionen Euro investiert. Im Exklusiv-Interview spricht Maximilian Waldmann über den Stand der Digitalisierung und seine Ideen. Außerdem fordert er die Branche auf, über alle Prozesse mit dem Gast ganz neu nachzudenken.