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Nach Corona: Die Zukunft der Gastronomie oder eine Gastronomie ohne Zukunft?

Seit Anfang diesen Jahres hält das Coronavirus die Welt in Schach und zwingt eine Branche nach der anderen in die Knie. Die Politik wählt den Weg der Eindämmung. Mit Instrumenten wie dem Shutdown des öffentlichen Lebens und dem Aufruf zum Social Distancing, hat sich das Gesellschaftsbild grundlegend geändert – mit einschneidenden Auswirkungen für die Wirtschaft. Vor allem die Tourismus- und Gastronomiebranche treffen die Maßnahmen schwer.

Jason Leung | Unsplash

Aktuelle Herausforderungen an die Gastronomie

Innerhalb weniger Wochen wurde der Status Quo der ganzen Branche komplett neu definiert. Die Gastrobranche ist, mit einem Jahresumsatz von 58,1  Mrd Euro (2018), ein Grundpfeiler der deutschen Wirtschaft. Die Maßnahmen betreffen rund 179.000 Betriebe und deren 754.269  Arbeitnehmer. Die Branche wird getragen durch viele Klein- und Familienunternehmen, die wenig finanzielle Reserven aufweisen 88,5 Prozent der Unternehmen erwirtschafteten 40,2 Prozent des gesamten Branchenumsatzes im Jahr 2017 (Branchenreport zur Gastronomie). Diese werden nun an den Rand der Existenz gedrängt. Gravierende Umsatzeinbußen und Personalausfälle stehen laufenden Kosten und Zahlungsverpflichtungen gegenüber. Die Folgen sind massive Liquiditätsengpässe und die drohende Zahlungsunfähigkeit einer ganzen Branche.

Erschwerend kommen die Altlasten der Gastronomiebranche hinzu. Dazu zählen steigende Personalkosten, Arbeitskräftemangel aufgrund der ungünstigen Arbeitszeiten und auch eine steigende Bürokratie. All diese Faktoren haben bereits im Vorfeld dieser Krise zu sinkenden Margen geführt (Deloitte, 2019). Auf der Gastronomielandschaft liegt momentan ein Schleier der Ungewissheit. Zeit für eine Schockstarre bleibt den Gastronomen und der Politik jedoch nicht, denn nun ist schnelles und unbürokratisches Handeln nötig, um einer ganzen Branche das Überleben zu sichern. 

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Welche Maßnahmen jetzt getroffen werden müssen

Die oberste Prämisse ist die Schaffung von Liquidität. Denn Restaurants, Bars und Cafes haben laufende Kosten, die bezahlt werden müssen. Die Politik sichert Unternehmen finanzielle Unterstützung zu in Form von Überbrückungskrediten, Steuerstundungen oder vereinfachten Regelungen für das Kurzarbeitergeld (Bundesregierung, 2020). Eine tragende Rolle spielt nun auch die Zeit, denn es ist wichtig, dass Hilfsmittel schnell und unbürokratisch fließen, um die Zahlungsfähigkeit der Unternehmen sicher zu stellen. 

Auch Unternehmern wird in diesen Zeiten proaktives Handeln abverlangt. Nun heißt es kreativ werden und das eigene Geschäftsmodell in Frage stellen. Es ist an der Zeit, dass Gastronomen ihr Angebot diversifizieren und sich breiter aufstellen. Viele Restaurants, sofern nicht bereits vorhanden, erreichen ihre Kunden nun mit einem Online Lieferservice. Auch Gutscheine sind eine gute Liquiditätsspritze. Wenn Politik und Gastronomen diese Herausforderung annehmen und gemeinsam schultern, kann die Gastronomielandschaft wieder aufgebaut werden.

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Digitalisierung als Retter in der Not?

Die Digitalisierung wird momentan als Allheilmittel gepriesen. Aber nicht nur in Zeiten von Ausgangssperren und Lockdown spielt sie eine tragende Rolle. Wenn man sich umschaut und einen Blick auf unsere Gesellschaft wirft, kann man feststellen, dass Digitalisierung schon fest in unserem Alltag verankert ist. Tischreservierungen, kontaktloses Zahlen, Essensbestellungen – man kann alles mit wenigen Klicks erledigen. Eine Studie von McKinsey ergab, dass etwa die Hälfte der manuellen Prozesse in Unternehmen automatisiert werden können (Mc Kinsey, 2017). Wenn man sich dies zu Nutze macht, kann man zukünftigen Personalengpässen entgegenwirken. Weitere Handlungsfelder, in denen die Digitalisierung wirken könnte sind zum Beispiel Kundenbeziehung, Unternehmensprozesse oder digitale Geschäftsmodelle. Es gibt viel Potential, welches nun genutzt werden muss. (Digitalisierungsindex, 2017)

Themen in diesem Artikel
CoronaDigitalisierungGastronomieKurzarbeit

Die Zwangspause sollten Gastronomen nutzen, um sich digital zu rüsten und Vorteile der Digitalisierung für ihr Unternehmen zu eruieren und zu implementieren. Ein Blick über den Tellerrand ist nun gefragt. Gastronomen können sich hierbei von ihren ebenso angeschlagenen Kollegen aus der Eventszene viel abgucken. Kurzerhand finden DJ Sets im Wohnzimmer statt, Museumsbesuche werden digital. Neue digitale Formate, wie beispielsweise Dining out at Home, Live Cooking oder Kochwebinare wären auch für die Gastronomie denkbar. Innovation und Unternehmergeist ist in der jetzigen Situation maßgebend für die Überwindung dieser Krise.

Und wie geht es weiter?

Die anhaltende Coronakrise wird die Gastronomieszene lange beschäftigen und der Wiederaufbau wird eine Mammutaufgabe für alle Teilnehmer werden. Die momentane Situation zeigt aber auch, dass unsere Gesellschaft das Miteinander und die Kommunikation untereinander braucht. Die Gastronomie bietet den Menschen Begegnungsstätten und erfüllt somit eine wichtige gesellschaftliche Funktion. Es ist aber auch deutlich geworden, dass man, um widerstandsfähig und wirtschaftlich zu bleiben, das Angebot diversifizieren muss. Es müssen neue Wege gefunden werden, Kunden zu erreichen. Gastronomen müssen sich auf einen neuen Markt einstellen, neue Trends aufspüren und Geschäftsmodelle umstellen, ausweiten und neu erfinden. 

In dem Zuge spielt die Digitalisierung eine Wichtige Rolle. Eben, weil sie immer mehr Einzug in unser Leben erhält und die Möglichkeiten vielfältiger und komplexer werden. Aber Sie bleibt immer nur ein Instrumentarium. Das Wichtigste und womöglich Schwierigste ist, innovative Wege zu gehen, in einer Zeit, die so ungewiss erscheint. Aber darin liegen momentan die größte Chance. Interessant ist auch, wie Experten die langfristige Entwicklung in der Gastronomie sehen: In der imaginären Gastronomielandschaft steht der Koch im Zentrum, der nicht nur kocht, sondern auch wegweisend und lehrend auftritt. Nachhaltigkeit, Personalisierung und Gemeinschaft werden einen hohen Stellenwert haben (ProjectGastronomia, 2018). Gewiss ist im Moment nur folgendes: Rahmenbedingungen werden sich nach der Krise ändern und Gastronomen müssen bereits jetzt anfangen aktiv zu werden.

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