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 „Me Economy“, Vier-Tage-Woche und der Einsatz von KI

Immer mehr Beschäftigte wählen ihre Arbeitgeber ähnlich sorgfältig aus wie Produkte und Dienstleistungen, die sie im Alltag konsumieren. Diese Entwicklung hin zu einem beruflichen Konsumverhalten, markiert einen Wandel im Verhältnis zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern. Auf welche weiteren Arbeitsmarkttrends müssen sich Unternehmen und Arbeitnehmende 2024 einstellen?
Brooke Cagle, Unsplash

Der Arbeitsmarkt 2024 wird von vier Hauptkräften geprägt: demografischer Wandel, technologischer Fortschritt, Wettbewerbsfaktoren und individuelle Wahlmöglichkeiten der Beschäftigten. „Im modernen Arbeitsumfeld verändern sich die Arbeitskonzepte grundlegend durch Technologie, globale Vernetzung und sozioökonomische Entwicklungen. Ein neues Verhältnis, ein neuer „Vertrag“ zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern entsteht, während traditionelle Rollen sich neu formen. Anpassung, Kreativität, Zusammenarbeit und Flexibilität sind entscheidend, während Nachhaltigkeit, Digitalisierung und Automatisierung die Arbeitsweise umgestalten“, sagt Iwona Janas, Country Manager der ManpowerGroup Deutschland.

Trend 1: Überbrücken der Generationslücke durch Re- und Upskilling

Bis 2030 wird die Gen Z voraussichtlich 58 Prozent der Arbeitskräfte ausmachen. Unternehmen stehen vor einem Ungleichgewicht zwischen aufstrebenden Mitarbeitenden der Generation Z und solchen, die kurz vor dem Ruhestand stehen. Dies bringt komplexe Personalherausforderungen mit sich: Ältere Mitarbeitende scheiden aus, während die Gen Z neue Fähigkeiten benötigt, die Technologie und zwischenmenschliche Aspekte vereinen. Gezieltes Reskilling und Mentoring überbrücken Generationenlücken. Cross-Training-Programme fördern den Wissensaustausch, während Weiterbildung die Gesamtproduktivität steigert.

Trend 2: KI wird mehr Arbeitsplätze schaffen als aufheben

Eine Mehrheit der Arbeitgeber (58 Prozent) glaubt, dass KI und VR in den nächsten zwei Jahren einen positiven Einfluss auf die Mitarbeiterzahl ihrer Organisation haben werden. Die Zukunft der Arbeit erfordert Offenheit für Veränderungen und kontinuierliches Lernen. Es gilt, mit und nicht gegen die neuen Werkzeuge zu arbeiten. Unternehmen sollten die neuen Technologien als Verbündete betrachten, die die menschlichen Fähigkeiten ergänzen. Zukünftig erfolgreich werden die Unternehmen sein, die ihre Mitarbeitenden in den Mittelpunkt stellen und ihre digitalen Kompetenzen fördern. Bezogen auf das Recruiting planen laut Studie 71 Prozent der Unternehmen weltweit, KI einzusetzen.

Trend 3: Grüne Transformation als Jobtreiber

Die weltweite grüne Transformation wird in den nächsten fünf Jahren der wichtigste Jobtreiber sein. Mit der steigenden Nachfrage nach grünen Arbeitsplätzen benötigen Unternehmen Mitarbeitende, die ihre Klimaschutzziele umsetzen können. Gleichzeitig berücksichtigen Kandidat*innen die Umweltschutzaktivitäten eines Unternehmens, bevor sie ein Stellenangebot annehmen. Eine Studie der ManpowerGroup ergab, dass 62 Prozent der Arbeitnehmenden den Ruf eines Unternehmens in Bezug auf Umweltschutz überprüfen. Konkrete Maßnahmen zur Umweltfrage sind für viele Arbeitnehmende ein entscheidender Faktor bei der Auswahl von Beschäftigungsmöglichkeiten (60 Prozent).

Trend 4: Faire Bezahlung als Produktivitätsfaktor

Wirtschaftliche Unsicherheit hindert 23 Prozent der Arbeitnehmenden daran, ihre Wunschjobs auszuüben. Jobwechsel sind seltener als noch vor ein paar Jahren. Arbeitgeber müssen ein Gleichgewicht zwischen attraktiven Gehältern und profitablen Wachstumszielen finden. Faire Bezahlung bleibt der wichtigste Faktor für Produktivität und Mitarbeiterbindung. Unternehmen suchen neben höheren Löhnen auch nach anderen Mitteln, um wettbewerbsfähig zu bleiben und qualifizierte Talente zu halten, indem sie Autonomie, Flexibilität und sinnstiftende Arbeit fördern.

Trend 5: Die „Me Economy“

Mitarbeitende erwarten, dass ihre Arbeitsrealität genauso individualisiert wird und sich nach ihren Bedürfnissen richtet, wie sie es zum Beispiel beim Einkaufen oder der Nutzung von Smartphones erleben. In der so genannten „Me Economy“, einer Ich-zentrierten Arbeitswelt, suchen sie nach Flexibilität sowie Autonomie und die Work-Life-Balance hat höchste Priorität. Fast jeder fünfte Arbeitnehmende (18 Prozent) wäre bereit, für eine bessere Work-Life-Balance auf Gehalt zu verzichten. Die beliebtesten Benefits sind eine Vier-Tage-Woche (64 Prozent), flexible Arbeitszeiten (45 Prozent) und die Möglichkeit, von zu Hause auszuarbeiten (35 Prozent). Doch während sich viele Unternehmen für eine Rückkehr zur Präsenzarbeit im Büro einsetzen, wächst die Kluft zwischen Mitarbeitererwartungen und Arbeitgeberwünschen.

Trend 6: Gen Z prägt die Zukunft der Arbeitskultur

Die Arbeitswelt verändert sich rapide, von den Erwartungen und Arbeitsweisen der Arbeitnehmenden bis zur demografischen Zusammensetzung. Die aktuelle „Kulturrevolution“ ist stark von der Gen Z geprägt. Sie stellen psychische Gesundheit in den Vordergrund und nehmen Führungskräfte in die Verantwortung. So bewerteten nur 15 Prozent der Gen Z ihre psychische Gesundheit als hervorragend. Unternehmen, die sich anpassen und für das Mitarbeiterwohl sorgen sowie flexible Arbeitsumgebungen schaffen, haben bessere Chancen, qualifizierte Mitarbeitenden zu gewinnen und zu halten. Zusätzlich erwarten 60 Prozent der Arbeitnehmenden der Gen Z von ihren Arbeitgebern personalisierte Karrierepfade, regelmäßige Betreuung durch geschulte Mentorinnen und Mentoren sowie auf individuelle Ziele zugeschnittene Pläne. Zukunftsorientierte Unternehmen nutzen fortschrittliche Analyse- und Feedbackprozesse, um die Employee Experience zu individualisieren.

Zum Workforce-Trendreport

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