Umsatzsteuer

Besteuerung von Hotel-Nebenleistungen: Dieses Urteil könnte Sprengkraft haben

Es ist einer der aktuellen Streitpunkte bei Steuerprüfungen in Hotels: Welcher Umsatzsteuersatz gilt für Nebenleistungen, wie Frühstück, Sauna oder Parkplatz. 19 Prozent, sagen die Steuerprüfer, die Nebenleistung habe der Hauptleistung zu folgen, sagen Unternehmer, Verbände und einige Steuerexperten. Jetzt kommt Bewegung in die Sache, denn der EuGH hat mit einer Entscheidung eine für die Branche möglicherweise relevante Entscheidung getroffen.

EuGH hat mit einer Entscheidung eine für die Branche möglicherweise relevante Entscheidung in Bezug auf die Umsatzsteuer getroffen.
© mohamed_hassan | Pixabay

Demnach könnten für Nebenleistungen im Hotel künftig generell sieben Prozent Umsatzsteuer anfallen. Denn der EuGH hat in seinem Urteil festgestellt, dass eine einheitliche Leistung, die aus zwei separaten Bestandteilen (Haupt- und Nebenleistung mit unterschiedlichen Steuersätzen) besteht, dem Umsatzsteuersatz unterliegt, der für die Hauptleistung gilt. Das alleine reicht aber noch nicht. Die Richter haben aber zudem bekräftigt, dass dieser Grundsatz auch dann gelte, wenn der Preis jedes Bestandteils des Gesamtpreises bestimmt werden kann. Eine Aufteilung in unterschiedliche Steuersätze sei daher nicht gerechtfertigt.

Steuerexperten sehen in dem Urteil einen ersten Schritt zu einer einheitlichen Besteuerung aller Hotelleistungen, warnen allerdings davor, jetzt vorschnell die aktuelle Regelung zu verändern. Um den Sachverhalt für die deutsche Hotellerie zu klären, hat der DEHOGA Bundesverband ein wissenschaftliches Rechtsgutachten in Auftrag gegeben und will ein Musterverfahren bis hin zum EuGH führen, denn beim aktuellen Urteil ging es nicht um ein Verfahren in Deutschland, und Gegenstand waren nicht Hotelleistungen.

Oberstes Ziel des DEHOGA ist es, den reduzierten Umsatzsteuersatz für Übernachtungsleistungen zu erhalten. Allerdings sieht es der DEHOGA als seine Aufgabe, die durch die EuGH Entscheidung aufgeworfenen Fragen durch die Begleitung eines entsprechenden Gerichtsverfahrens bis zum EuGH klären zu lassen und für die Hotels in Deutschland Rechtssicherheit zu schaffen.

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5 Kommentare zu “Besteuerung von Hotel-Nebenleistungen: Dieses Urteil könnte Sprengkraft haben”

  1. und wie sieht es aus mit dem Restaurant Besuch im Hotel des Hotel Gastes, wie wird dann das Aussehen wenn man zum Abendessen im Hotel Restaurant einkehrt. 7 % oder 19%. Der würde sich alles zum negativen entwickeln für die Gastronomie.
    da ich Gastronom bin und mir die 19% Umsatzsteuer auf das Essen schon lange mir ein Dorn im Auge ist. Finde ich das als einen guten Ansatz aber es geht ums Ganze wir Wirte oder Gastronomen sind ja extremes benachteiligt bei der ganzen Situation.
    Bei uns in der Gastronomie ist es so dass wir tatsächlich bei dem Essen beraubt werden vom Staat so empfinde ich das. dass sich der Staat an unserer Leistung extremst bereichert finde ich eine Frechheit wir werden tatsächlich beraubt,kaufen dürfen wir für 7% abgeben dürfen wir für 19% die 12 % Umsatzsteuer die uns einfach so genommen werden finde ich eine riesige Frechheit. Da sollte man richtig ansetzen für alle Klarheit schaffen wir sind ja auch ein großer Teil der Hotellerie ansonsten würde ja jeder bei dieser Lösung ein Hotel Restaurant eröffnen um das ganze zu umgehen. Das würde eine riesige Verschiebung der gastronomischen Verhältnisse zum Restaurant führen was auch ungerechtfertigt wäre. und es wäre eine Wettbewerbsverzerrung die mit normalen und legalen Mitteln nicht zu händeln wäre. Mit freundlichen Grüßen Stilianos Alexandridis

  2. Endlich der erste Schritt in die richtige Richtung .
    Seit Jahren unterstütze ich den DEHOGA in der Forderung 7 % Steuer auf alle Leistungen ( Hotel sowie Speisen im Restaurant) Jeder der in der Hotellerie und Gastronomie tätig ist , weiß wie es wirklich aussieht ,viele Betriebe schließen und finden keinen Nachfolger, speziell im ländlichen Raum.
    Personal-suche wird immer schwieriger ,denn wer will schon dann arbeiten wenn andere frei haben .
    Durch die Steuerliche Entlastung von den im vorigen Beitrag genannten 12 % MWST hätten wir endlich einen Spielraum um den Beruf ,durch deutlich bessere Bezahlung wieder attraktiver zu machen.
    Hoffentlich bleibt es hier nicht bei einem Strohfeuer und Deutsche Richter womöglich anders entscheiden wie in der EU. Die Möglichkeit zur Veränderung in der Besteuerung ist aus meiner Sicht nach dem Urteil des EuGH so gut, wie seit langem nicht. MFG Dietmar

  3. Ich bin der Meinung das man als Nur Gastronom ( reiner Restaurantbetreiber ) eh schon benachteiligt ist.
    Ob es der Preiskampf mit der Schwarzgastronomie ist oder die Besteuerung von Vereinen wenn sie ein Straßenfest veranstalten. Die Bäckereien und Metzgereien die mittlerweile komplette Mittagessen anbieten haben die 7 % und wir die für Fachlich versiertes Personal , Professionalität, Qualität, Kompetenz und Einhaltung aller Vorschriften und Verordnungen ( Berufsgenossenschaft, Gewebeaufsicht, Gema u.s.w.) sorgen sollen die 19 %.
    Das ist nicht fair.
    Ein Beispiel: Eine Hochzeit mit ca. 100 Pers. Ca ein Drittel wird in Hotels und Pensionen in der näheren Umgebung untergebracht zu 7 %, und gefeiert wird bei mir zu 19%, da wird es traurig. Die einen verdienen das Geld mit Schlaf und wir die den Ganzen Tag mit der Bewirtung zu tun haben das Nachsehen.
    Es ist nicht richtig das ich benachteiligt bin nur weil ich keine Zimmer habe.

  4. Sehr geehrter Herr Alecandridis !

    Ich glaube , Sie sind nicht auf dem laufenden . In einem Hotel mit angeschlossenem Restaurant müssen wir immer
    schon die 19 % (ehemals 16%) , für Speisen und Getränke abliefern .

    Hier geht es darum , das die 7 % Prozent immer mehr „angeknabbert“ werden .
    Meine Frau und ich betreiben einen Hotelbetrieb mit Abendessen , und zahlen im Schnitt für 60 % des Umsatzes

    7 % Mwst , und für 40 % des Umsatzes 19 % Mwst .

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