Suche

BGH-Urteil lehnt Betriebsschließungspolicen bei Lockdown ab

Am 26.01.2022 verhandelte der Bundesgerichtshof, kurz BGH, über die Klage eines Gastronomen, der von seiner Versicherung in Bezug auf seine Betriebsschließungspolice eine Entschädigung für coronabedingte Schließungen forderte. Der Anspruch wurde abgelehnt. Rebecca Gellert, Rechtsanwältin für Immobilienrecht bei der Korten Rechtsanwälte AG, ordnet das Urteil kurz ein.

Korten Rechtsanwälte

In der Regel wird der erste Verhandlungstermin dazu genutzt, Rechtsansichten auszutauschen und eine Tendenz aufzeigen. Entsprechend überraschend war, dass der BGH bereits gestern in dieser Sache geurteilt hat – insbesondere im Hinblick auf den Umfang der rechtlich aufgeworfenen Fragen.

Noch viel erstaunlicher ist aber das Urteil in der Sache selbst. Der BGH hat sich zugunsten des Versicherers ausgesprochen und die Revision des klagenden Gastwirtes zurückgewiesen. Diese Entscheidung dürfte für zahlreiche Versicherungsnehmer sehr bitter sein. Insbesondere, da vorangegangene Urteile, wie beispielsweise das des OLG Karlsruhe (Az. 12 U 4/21) für die Klägerseite Hoffnungen geschürt hat.

Anders als das OLG in Karlsruhe wertete der BGH, dass der Katalog der Krankheiten und Krankheitserreger aus dem Infektionsschutzgesetz, auf das sich gewöhnlich entsprechende Klauseln der Versicherer beziehen, abschließend sei. Die Bezugnahme auf das Infektionsschutzgesetz deutet der BGH im Sinne eines durchschnittlichen Versicherungsnehmers als ergänzende Klarstellung. Da der Wortlaut klar und verständlich sei, verstoße die Formulierung auch nicht gegen das Transparenzgesetz (§ 307 Abs. 1 und 2 BGB), so der BGH weiter.

Partner aus dem HORECA Scout

Diese Entscheidung ist richtungsweisend. Zwar unterscheiden sich bei anhängigen Verfahren einige Bedingungen in ihrem Wortlaut, jedoch wurde die Entscheidungstendenz für andere Verfahren mit diesem Urteil festgelegt, soweit – wie vorliegend – in der Klausel eine Auflistung von Krankheiten und Krankheitserregern erfolgt ist. In Anbetracht dessen, dass der BGH an die Transparenz von AGB-Klauseln grundsätzlich sehr strenge Maßstäbe knüpft, ist die Entscheidung nicht nachvollziehbar.

Aus meiner Sicht sollte bereits zu denken geben, dass der Wortlaut der gegenständlichen Klausel von Juristen und juristischen Spruchkörpern unterschiedlich verstanden wird. Zudem haben zahlreiche Versicherungsnehmer Klage erhoben, für die die Formulierung weder verständlich noch klar ist. Somit besteht ein Widerspruch zur Begründung des BGH, welcher doch auf das Verständnis des durchschnittlichen Versicherungsnehmers abzielt. Aus meiner persönlichen Sicht – und damit stehe ich sicherlich nicht alleine da – ist das vorliegende Urteil eine Fehlentscheidung. Recht haben ist leider nicht immer Recht bekommen.

Access Hospitality
Künstliche Intelligenz, KI und Automation

Hotelsuche im Wandel: Wie KI und Social Media den Weg zur Buchung verändern

Reisende starten ihre Hotelsuche heute auf TikTok, Instagram oder bei KI-Diensten wie Perplexity – nicht mehr nur bei Google. Was bedeutet das für Häuser, die künftig noch gefunden und gebucht werden wollen? Zwischen Stammdatenpflege, Bewertungsmanagement und Social-Media-Strategie entscheidet sich, wer in den neuen Antwortmaschinen auftaucht – und wer unsichtbar bleibt.

Vitaly Gariev, Pexels
Branche und Trends

Was Fußballfans rund um die WM bestellen – und was das für Betriebe zeigt

Während der FIFA Fußball-Weltmeisterschaft 2026 hat ein großer Lieferdienst erstmals ausgewertet, was deutsche Fans vor und nach Spielen bestellen. Das Ergebnis überrascht: Die stärksten Zuwächse finden sich nicht bei Bier und Pizza, sondern bei Partydekoration und Einweggeschirr. Die Daten zeigen, wie sehr Fußball-Großereignisse zum gemeinsamen sozialen Ritual geworden sind – mit klaren Mustern bei Vorbereitung und Verarbeitung.

Weitere Artikel zum Thema

Canva
Eine Gewerbesteuer-Rückerstattung klingt erst einmal nach guten Nachrichten für Hoteliers und Gastronomen. Doch Vorsicht: Was der Staat an Zinsen obendrauf zahlt, will das Finanzamt als Betriebseinnahme versteuert sehen. Ein aktuelles BFH-Urteil macht klar, dass diese[...]
Canva
Frame for Business GmbH
Online-Bewertungen auf Google, TripAdvisor oder Booking.com prägen die Wahrnehmung von Hotels und Gastronomiebetrieben maßgeblich und beeinflussen Buchungsentscheidungen oft innerhalb weniger Sekunden. Einzelne negative Einträge können dabei eine überproportionale Wirkung entfalten – insbesondere dann, wenn sie[...]
Frame for Business GmbH
Firmbee, Unsplash
Ein aktuelles Urteil des OLG Frankfurt sorgt für Klarheit – und Handlungsbedarf. Negative Google-Bewertungen können für Hotels und Restaurants existenzbedrohend sein. Kein Wunder also, dass viele Betriebe Agenturen beauftragen, die versprechen, unliebsame Bewertungen bei Google[...]
Firmbee, Unsplash
Poster POS, Unsplash
Arbeitsschutz, Kassennachschau, Online-Bewertungen: Was wie drei getrennte Baustellen wirkt, folgt 2026 einem gemeinsamen Prinzip. Betriebe müssen jederzeit belegen können, was sie wissen, was sie tun und wer wofür verantwortlich ist. Digitale Dokumentation wird damit vom[...]
Poster POS, Unsplash
ColiN00B, Pixabay
Ab September 2026 gelten europaweit verbindliche Regeln für Nachhaltigkeitsaussagen. Hotels, Restaurants und Pensionen müssen ihre Kommunikation grundlegend überprüfen – sonst drohen Abmahnungen und Vertrauensverlust.[...]
ColiN00B, Pixabay
Unser Newsletter

Bleiben Sie auf dem Laufenden mit regelmäßigen Informationen zum Thema Gastgewerbe. Ihre Einwilligung in den Empfang können Sie jederzeit widerrufen.