Nachhaltige Digitalisierung

Gastronomie darf sich neu erfinden

Besonders Gastronomen leiden unter den Auswirkungen der Corona-Pandemie. Umsatzeinbußen von 70% und mehr sind keine Seltenheit, sondern eher der Regelfall. Um das Minus einzudämmen, haben sich viele Lokalbetreiber dazu entschlossen, einen Lieferservice einzurichten. Allerdings fehlt hier oft die Langfriststrategie, um aus Kunden auch Stammkunden zu machen. Claudio Catrini, Begleiter von Unternehmen im digitalen Wandel, skizziert in diesem Artikel die wichtigsten Punkte einer nachhaltigen Digitalisierung von Gastronomiebetrieben.

© Claudio Catrini

Nahrung kann man nicht digitalisieren – Marken schon

Sich einer Lieferservice-App anzuschließen, die bis zu 30% Provision für ihren Service verlangt, ist kein Schritt in Richtung Digitalisierung. Digitalisierung soll am Ende des Tages frei machen und nicht Abhängigkeiten generieren. Deshalb ist es unumgänglich, dass Gastronomiebetriebe digitales Branding und Marketing betreiben. Das beginnt bei der Professionalisierung der eigenen Homepage und endet bei einem strategisch klugen 5-Stufen-Plan, der aus Kunden Stammkunden macht. Viel zu viele Betriebe, nicht nur in der Gastronomie, sind, derzeit verständlich, auf den schnellen Gewinn aus. Mittelfristig ist es jedoch klüger, aus diesen einmaligen Kunden Stammkunden zu produzieren und dies mit Hilfe der Digitalisierung von Prozessen.

Claudio Catrini: Eine Homepage alleine reicht nicht

Eine eigene Homepage zu haben, ist wirklich nur eine Basis, denn das haben viele andere Gastronomiebetriebe auch. Dennoch machen viele den Fehler, nicht auf eine responsive Gestaltung zu achten. Was bedeutet das? Es ist mittlerweile bekannt, dass über 80% – Tendenz steigend – über mobile Endgeräte das Internet durchforsten. Wenn die Darstellung nicht auf Smartphone, Tablet und Co. ausgerichtet ist, dann wird ganz schnell die Webseite der Konkurrenz aufgesucht. Man verliert potenzielle Kunden, bei optisch nicht ansprechender oder praktikabler Darstellung.
Weiters bietet Digitalisierung die Möglichkeit, glasklar herauszufinden, woher die Besucherströme kommen. Für das Marketing sind diese Daten fantastisch, da sie haargenau aufschlüsseln, welche Maßnahmen Erfolg haben und welche nicht.

Steuern Sie Ihren Kundenstrom

Viel zu viele Unternehmen machen sich nicht die Mühe, diese Tracking-Mechanismen, in Form eines Pixels, zu setzen. Die Alternative ist, sich auf den Zufall zu verlassen, was in einer digitalisierten Welt jedoch völlig unnötig und langfristig sogar gefährlich ist. Eine Kombination aus digitalem Branding und Marketing ist dabei am erfolgversprechendsten. Bleiben Sie dabei nicht bei der Optimierung Ihrer eigenen Homepage stehen, sondern gestalten Sie Ihren Auftritt auf den angesagten Social Media Portalen wie Facebook, Instagram oder YouTube. Dort befindet sich mit großer Sicherheit ein großer Teil Ihrer Zielgruppe. Um den Prozess der Kundengewinnung zu beschleunigen, schalten Sie bezahlte Werbeanzeigen, angepasst auf ihre Wunschklientel. Dafür braucht es gar keine riesigen Budgets, sondern sie starten einfach mit wenigen Euro pro Tag und steigern sich, wenn sich die Kampagnen als erfolgreich herausstellen.

Digitales Branding als Unterscheidungsmerkmal

Auf den Sozialen Medien können Sie eine unverwechselbare Marke aufbauen. Jedes Lokal, jedes Gericht und auch jeder Lokalbesitzer hat seine eigene Story zu erzählen, die für Unverwechselbarkeit sorgt.
Stellen Sie sich dafür unter anderem folgende Fragen:

• Wofür stehen Sie?
• Was macht das Lokal besonders?
• Wer steckt hinter dem Lokal? Was ist die Philosophie dahinter?
• Was sind Ihre Werte?
• Was sind Ihre Ziele?
• Wie gehen Sie mit den Herausforderungen der Krise um?
• Was möchten Sie Ihren Kunden mitteilen?

Antworten auf diese Fragen können über die Sozialen Medien geteilt werden und so für Kommunikation und Interaktion mit der Zielgruppe sorgen. Wenn Sie es schaffen, unverwechselbar wahrgenommen zu werden, dann werden Menschen Ihre Homepage besuchen und zu Kunden werden.

Digitalisierung des bestehenden Betriebes ist zu teuer

Immer wieder hört man vom Vorurteil, dass es zu teuer oder bereits zu spät wäre, das eigene Unternehmen zu digitalisieren. Es ist verständlich, dass diese enormen Umsatzeinbrüche tiefe finanzielle, aber auch motivationale Spuren, hinterlassen haben. Dennoch ist die Alternative, nämlich aufgeben, keine wirkliche.

Wie bereits weiter oben beschrieben, sind Digitalisierungsmaßnahmen nicht unbedingt teuer, sondern auch für ein kleines Budget gut umsetzbar, zumindest am Beginn. Die ersten Hürden, in Form einer responsiven Webseite, müssen in jedem Fall genommen werden. Ist dies erledigt gilt es, einen strategischen Plan aufzusetzen, wie in 5 Schritten ein Kunde zu einem Stammkunden werden kann, denn wenn er fünfmal bei Ihnen kauft, dann ist er Stammkunde. Fragen Sie sich also, was Sie dafür tun können, Ihrem Kunden Geschmack auf mehr zu machen.

Soziale Medien erfordern soziale Kommunikation

Je interaktiver Sie Ihre Kommunikation gestalten, desto besser ist es für den Aufbau einer Community von Stammgästen. Sorgen Sie in Ihren Postings für einen Raum der Interaktion. Fragen Sie nach Meinungen! Veranstalten Sie Wettbewerbe! Führen Sie Gewinnspiele durch! All das wird Ihnen dabei helfen, mit möglichst wenig finanziellem Einsatz, möglichst viel Reichweite und damit Bekanntheit zu generieren.
Weiters agieren die meisten Lokale relativ regional. Das Schalten von Werbungen über Google oder Werbeanzeigen auf Facebook ist dabei wesentlich günstiger, da die Reichweite gar nicht so groß sein muss. Hier kann man mit kleinem Budget bereits große Fortschritte erzielen. Wichtig ist, dass man einen Partner an der Seite hat, der bereits erfolgreich bewiesen hat, wie Digitalisierung für Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen funktioniert.

Fazit von Claudio Catrini

Das Hauptziel jedes Gastronomen muss es sein, möglichst viele Stammkunden aufzubauen. Dieser Prozess verlagert sich, wegen der Covid-Pandemie, in die Weiten des Internet. Hier müssen andere Prozesse und Strategien umgesetzt werden.
Digitalisierung kann tatsächlich, und das mit kleinem Budget, dafür sorgen, dass Umsätze wieder angekurbelt und neue Stammkunden gefunden werden. Eine strategisch kluge Vorgehensweise ist dabei unumgänglich, wie überall im Leben.

Zur Webseite des Autors

Über den Autor:

Claudio Catrini ist einer der führenden digitalen Unternehmensberater innerhalb der D-A-CH-Region. Mit über 20 Jahren Erfahrung weiß der gebürtige Sizilianer ganz genau, worauf es in Verkauf und Marketing ankommt. Seine Lösungsansätze als strategischer Berater bringen Unternehmern einen klaren Nutzen in Verbindung mit hohen ethischen und moralischen Werten.

 

Bisher keine Kommentare zu “Gastronomie darf sich neu erfinden”

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Weitere Artikel zum Thema

Umfrage

Kontrollen statt Restriktionen – Konsequente Kontaktdatenerfassung statt Schließungen

© Victor He, Unsplash

Gemeinsam mit dem DEHOGA Nordrhein wollen wir wissen, wie Sie als Gastronomen und Hoteliers zu den beschlossenen Schließungen und Auflagen stehen. Wir sind der Meinung, dass die strenge Einhaltung der Hygieneregeln in den Betrieben es den Gästen, die der Nachverfolgbarkeit zustimmen und sich an alle Vorschriften halten, ermöglichen sollte, auch weiterhin gastronomische Angebote nutzen zu können. Eine Verlagerung der Geselligkeit in die private Illegalität zu Lasten unserer Branche ist nicht sinnvoll! Sagen Sie uns Ihre Meinung und nehmen Sie an unserer Umfrage teil.

Infektionsschutz

Vier Tipps für die Auswahl des richtigen Luftreinigers

© CRT Cleanroom Technology GmbH

Hotellerie und Gastronomie in ganz Deutschland warten sehnsüchtig auf die Wiedereröffnung unter Schutzauflagen. Um die Rückkehr zur Normalität zu beschleunigen, denken viele Gastgeber über den Einsatz von Luftreinigern nach. Viele Hoteliers und Gastronomen haben bereits hohe Investitionen in Luftfilteranlagen getätigt. Achim Thelen, Geschäftsführer der CRT Cleanromm-Technology GmbH, Hersteller des Raumluftreinigers RoomGuard hat die wichtigsten Aspekte zusammengetragen, die vor einem Kauf zu beachten sind.

Überblick in KW 29/2021

Corona-Update für das Gastgewerbe: Leiharbeit und Kurzarbeit, Hochwasserschäden, Neues zur Bundesregelung Schadensausgleich, Urlaubsrückkehr

© Markus Winkler von Pexels

Wichtige Updates und Informationen zur Corona-Krise für die Gastronomie und Hotellerie: +++ Leiharbeitskräfte zählen in der Kurzarbeit bei Beschäftigtenzahl mit +++ Übersicht Corona-Verordnungen und Testpflicht in Bundesländern +++ Corona-Zahlen steigen weiter +++ Neuer Kurzleitfaden zur Bundesregelung Schadensausgleich +++ Hochwasserschäden – das sollten Versicherte beachten +++ Urlaubsrückkehr in Zeiten von Corona +++

Download

BGN: Maßnahmenplan zur Trinkwasserhygiene in Corona-Zeiten

© Myriam Zilles

Normalerweise sichert der regelmäßige Verbrauch die Hygiene des Trinkwassers. Wenn aber, wie jetzt während der Covid-19-Pandemie, die TrinkwasserInstallationen vorübergehend nicht genutzt werden, also Wasserhähne geschlossen und Duschen und Toiletten unbenutzt bleiben, müssen Betreiber sich etwas einfallen lassen, wenn’s wieder los geht. Denn Trinkwasser ist nicht steril und kann verkeimen, wenn es zu lange in der Leitung steht.