Suche

Gegen den Fachkräftemangel: Bildungsurlaub fürs Recruiting nutzen

Der Fachkräftemangel im Gastgewerbe stellt Unternehmen vor enorme Herausforderungen. Wie gesetzlicher Bildungsurlaub als wertvolles Instrument zur Mitarbeitergewinnung und -bindung genutzt werden kann, darüber schreibt Lara Körber. Sie ist Gründerin von Bildungsurlauber.de – dem größten Aufklärungs- und Kursfinderportal für Bildungsurlaub in Deutschland.

Lydia GorgesLydia Gorges

Egal ob in der Küche, im Service und an der Rezeption, die Personalengpässe im Gastgewerbe sind spürbar – die damit steigende Arbeitsbelastung für die verbleibenden Mitarbeitenden führt zu höherer Fluktuation oder mehr Krankentagen. Ein Kreislauf, der nicht nur alte Mitarbeitende, sondern auch potentiell neue Mitarbeitende bei der Jobwahl beeinflusst. 

Attraktive Arbeitsbedingungen als Schlüssel zur Lösung

Aufgrund des deshalb herrschenden Wettbewerbsdrucks müssen Unternehmen neue Wege gehen: Eine attraktive Arbeitgebermarke ist heute entscheidend, um die besten Talente anzuziehen und langfristig zu binden. Dabei spielen nicht nur Gehaltserhöhungen oder Boni eine Rolle.

Partner aus dem HORECA Scout

Die Bedürfnisse der Arbeitnehmenden ändern sich – Wertschätzung, Gesundheit und Entwicklungsmöglichkeiten rücken immer stärker in den Fokus. Ein Ansatz, der diese Themen verbindet und Unternehmen als attraktive Arbeitgebende positionieren kann, ist gesetzlicher Bildungsurlaub. 

Bildungsurlaub: Unterschätztes Recruiting-Instrument 

In Deutschland haben Beschäftigte (mit Ausnahme von Sachsen und Bayern) gesetzlichen Anspruch auf fünf bis zehn Tage Bildungsurlaub pro Jahr, um an als Bildungsurlaub anerkannten Weiterbildungsseminaren teilzunehmen. Während dieser Zeit werden sie von ihrem Unternehmen bei voller Gehaltszahlung freigestellt, allerdings tragen sie die Seminarkosten selbst.

Lesen Sie auch
Recht und ComplianceRechtsprechung und UrteileSteuernSoftware und SystemeMarketing
Mehr Prüfungen, mehr Überblick: Warum 2026 zur Chance für Gastronomie und Hotellerie wird

Das Besondere: Neben beruflichen Qualifizierungen sind auch unter anderem Seminare als Bildungsurlaub anerkannt, welche die mentale oder körperliche Gesundheit fördern. Gerade Beschäftigte im Gastgewerbe, die häufig unter körperlicher Belastung und  psychischem Druck stehen, können solche Bildungsurlaube unterstützen.

Programme zur Stressbewältigung, Yoga-Seminare oder Schulungen zur Konfliktlösung stärken nicht nur die Resilienz der Mitarbeiter, sondern schaffen auch einen Mehrwert für das Unternehmen. Ein entspannter, motivierter Mitarbeiter arbeitet effizienter und bleibt länger im Betrieb.

Themen in diesem Artikel
PersonalentwicklungRecruiting und FachkräftemangelFachkräftemangel

Zudem wird durch die Förderung individueller Interessen ein stärkeres Zugehörigkeitsgefühl erzeugt. Der Mitarbeiter spürt: „Mein Arbeitgeber kümmert sich um mich – nicht nur um meine Arbeit.“

Wertschätzung durch offene Kommunikation

Rein rechtlich gesehen, müssen Unternehmen den Bildungsurlaub gewähren, sofern die Anträge korrekt gestellt sind. Doch in der Praxis sind viele Arbeitgeber skeptisch, was die Abwesenheit von Mitarbeitern während ohnehin knapper Personalressourcen angeht. Diese Haltung kann zu Konflikten führen und das Betriebsklima belasten.

Ein anderer Ansatz wäre, Bildungsurlaub als strategisches Instrument in der Unternehmenskommunikation zu nutzen. Wenn Arbeitgebende aktiv für Bildungsurlaub werben und seine Vorteile hervorheben, senden sie eine starke Botschaft: „Wir investieren in dich – auch über den Arbeitsalltag hinaus.“

Lesen Sie auch
Künstliche Intelligenz, KI und AutomationSoftware und SystemeRecruiting und Fachkräftemangel
Wenn das Kochwissen die Küche verlässt: Wie digitale Sous-Chefs Großküchen entlasten

Beispielsweise könnten Unternehmen auf ihrer Website oder in internen Meetings auf Möglichkeiten des Bildungsurlaubs hinweisen. Mitarbeitende könnten ermutigt werden, passende Kurse zu finden und diese mit dem Unternehmen abzustimmen. Diese Offenheit signalisiert nicht nur Transparenz, sondern auch echtes Interesse an der Entwicklung der Mitarbeitenden.

Bildungsurlaub als Teil der Stellenanzeige

Die Positionierung als moderner, mitarbeiterorientierter Arbeitgebender beginnt bereits bei der Stellenausschreibung. In einem umkämpften Arbeitsmarkt kann die Erwähnung von Bildungsurlaub ein entscheidender Vorteil sein. Viele Bewerbende wissen nicht, dass ihnen dieses Recht zusteht, und werden positiv überrascht sein, wenn sie es direkt in der Stellenanzeige lesen.

Dabei könnten Unternehmen konkrete Beispiele anführen: „Wir fördern deine Weiterbildung – von Barista-Kursen bis zu Stressbewältigungstraining im Bildungsurlaub.“ Solche Aussagen heben ein Unternehmen aus der Masse hervor und sprechen gezielt Menschen an, die nach langfristigen Perspektiven suchen.

Ein weiterer Vorteil: Die Integration von Bildungsurlaub ins Employer Branding zeigt, dass sich das Unternehmen seiner sozialen Verantwortung bewusst ist. Gerade jüngere Generationen, die oft stärker auf Work-Life-Balance und Werteorientierung achten, könnten dadurch gezielt angesprochen werden.

Bildungsurlaub: Nicht nur ein Arbeitnehmer-Recht, sondern eine Arbeitgeber-Chance

Im Gastgewerbe ist es wichtiger denn je, kreative Lösungen gegen den Fachkräftemangel zu finden: Bildungsurlaub kann eine davon sein. Durch transparente Kommunikation und aktive Förderung können Unternehmen nicht nur ihre Attraktivität als Arbeitgebender steigern, sondern auch die langfristige Zufriedenheit und Gesundheit ihrer Beschäftigten fördern.

Die Investition in die Menschen, die den Erfolg des Gastgewerbes möglich machen, ist eine Investition in die Zukunft der Branche. Indem Unternehmen Bildungsurlaub nicht nur zulassen, sondern gezielt in ihr Recruiting und Employer Branding einbauen, setzen sie ein starkes Zeichen: Wir stehen nicht nur für großartigen Service – wir stehen auch für großartige Arbeitsplätze.

Mehr Informationen

StockSnap, Pixabay
Branche und Trends

Hunger auf Stammgäste: Wie digitale Kundenbindung die Gastronomie verändert

Steigende Kosten, knappes Personal, verschärfter Wettbewerb – und trotzdem sollen die Tische voll und die Gäste treu bleiben? Ein neuer Branchenreport zeigt: Wer seine Gäste digital bindet, gewinnt nicht nur mehr Umsatz, sondern echte Verbundenheit. Doch Vorsicht: Pauschale Angebote reichen längst nicht mehr. Was Gäste heute wirklich erwarten und warum das Smartphone den Stempelpass ablöst.

NakNakNak, Pixabay
Branche und Trends

Branchenverbände gegen Tierhaltungskennzeichnung: Wenn Bürokratie Tierwohl verhindert

Die Bundesregierung plant, die Tierhaltungskennzeichnung auf Restaurants, Kantinen und verarbeitete Lebensmittel auszuweiten. Acht Branchenverbände von der Systemgastronomie bis zum Bäckerhandwerk laufen dagegen Sturm. Ihr Argument: Die Reform belastet Betriebe mit Millionenkosten und bürokratischem Aufwand – ohne dass mehr Tierwohl entsteht. Im Gegenteil: Sie könnte sogar dazu führen, dass Gastronomen auf schlechtere Haltungsformen umsteigen.

ZfP Reichenau; Meiko
Allgemeine Haustechnik

Modernes Spül- und Restesystem für einen Betrieb im Wandel

Im Zentrum für Psychiatrie Reichenau werden täglich 800 Mahlzeiten für Patienten und Mitarbeitende zubereitet. Als die alte Spülanlage den Geist aufgab, entschied sich die Klinik nicht einfach für Ersatz – sondern für einen grundsätzlichen Neuanfang. Warum ein funktionierender Spülraum in einer psychiatrischen Einrichtung zum Schlüsselfaktor wird und wie moderne Technik den Arbeitsalltag eines ganzen Teams verändert hat.

Weitere Artikel zum Thema

Läkkerai
Fachkräftemangel, ungelernte Aushilfen, mehrsprachige Teams – und mittendrin ein Küchenchef, der alle Rezepte im Kopf trägt. Was passiert, wenn er kündigt? Eine wachsende Zahl an Profi-Küchen setzt deshalb auf digitales Küchenmanagement. Ein Blick auf einen[...]
Läkkerai
RATIONAL
Gastronomie- und Hotelküchen kämpfen mit massivem Personalmangel, explodierenden Energiekosten und steigenden Nachhaltigkeitsanforderungen – während Gäste gleichzeitig höchste Qualität erwarten. Wie gehen Profis weltweit damit um? Und welche Strategien versprechen wirklich Entlastung? Eine internationale Studie mit[...]
RATIONAL
johannes86, iStockphoto
Bis Juni 2026 muss Deutschland die EU-Entgelttransparenzrichtlinie in nationales Recht umsetzen. Die neuen Regelungen betreffen Betriebe jeder Größe und bringen weitreichende Änderungen im Umgang mit Gehältern. Wer sich jetzt vorbereitet, verschafft sich einen entscheidenden Vorsprung[...]
johannes86, iStockphoto
Patrick Steeger
Während die Fluktuationsrate im Gastgewerbe bei 68 Prozent verharrt und der Krankenstand historische Höchstwerte erreicht, kämpfen Hotels und Restaurants mit strukturellen Personalproblemen. Kann systematisches Gesundheitsmanagement hier mehr sein als nur eine Symptombekämpfung? Ein Blick auf[...]
Patrick Steeger
Isabelle Weyand
Im Gastgewerbe, wo sich Qualität im Takt von Schichten, Auslastung und kurzfristigen Ausfällen verändert, ist eine effektive Führung entscheidend. Um unter diesen Bedingungen erfolgreich zu sein, benötigen Führungskräfte Verfahren, die Entscheidungen beschleunigen und die Folgen[...]
Isabelle Weyand
Unser Newsletter

Bleiben Sie auf dem Laufenden mit regelmäßigen Informationen zum Thema Gastgewerbe. Ihre Einwilligung in den Empfang können Sie jederzeit widerrufen.