Storytelling, Randgruppen und Nachhaltigkeit

Innovative Konzepte statt Standards

Egal ob Restaurant, Café oder Hotel – wer heute noch als Gästemagnet zählen und gut besucht werden will, darf nicht auf der Stelle treten. Nicht nur durch die Digitalisierung ist ein konstanter Wandel vorgegeben, auch die innovativen Konzepte großer Hotel- oder Gastronomieketten geben Impulse, die jeder für seinen Betrieb aufgreifen und umsetzen kann. Hier gilt: Keine Angst, auch einmal etwas zu wagen, über den eigenen Tellerrand schauen und innovative Ansätze nutzen.

© Selina LTD

Der Trend rund um Storytelling

Die eigene Geschichte gibt dem Betrieb die nötige Authentizität, um Gäste nicht nur zu beherbergen, sondern zu beheimaten. Geschichten vermitteln dem Gast das Gefühl, einen Einblick hinter die Kulissen zu gewinnen. Dank der digitalen Kanäle können Hotelgäste schon vor ihrem Besuch auf Facebook oder Instagram mehr und vor allem emotionalere Informationen zum Hotel abrufen, als es der Buchungsprozess erlaubt. Warum also nicht auch mal Mitarbeiter vorstellen oder den digitalen Besucher auf eine Zeitreise mitnehmen und Fotos vom Betrieb zu Anfangszeiten posten?

Wer denkt, das große Ketten keine Geschichten erzählen können, der irrt. Einen Wachstumsrekord stellen derzeit die Häuser der Selina-Kette auf. Die Hotelmarke aus Südamerika kommt mit den ersten zwei Dependancen in Deutschland 2019 auch nach Berlin. Um jedem Hotel das eigene Storytelling und Raum für individuellen Charme zu gewähren, werden stets Architekten, Designer, Handwerker und Künstler der Region mit der Gestaltung und dem Ausbau beauftragt. Außerdem lässt sich das Unternehmen nicht bei der Suche nach Standorten festlegen und gibt so älteren Hotels am Ende ihres Lebenszyklusses eine neue Chance oder entdeckt den Charme ehemaliger Industriebauten für sich. 

Grün, grüner, nachhaltig

Neben der Digitalisierung ist die Nachhaltigkeit eines der Themen, die das Denken der Menschen heutzutage beeinflussen. Nie zuvor wurde von Gästen so sehr darauf geachtet, wie nachhaltig ein Betrieb aufgestellt ist. Es beginnt im Kleinen mit den Plastik-Strohhalmen, die eigentlich niemand mehr in der Schublade haben sollte und geht bis zu klimaneutralen Hotels und autarker Energiegewinnung. Auch hier beginnt der Prozess mit einer Bestandsaufnahme: Wo steht mein Betrieb, was ist mein Ziel und wie kann ich es erreichen?

Wer sich innerhalb der Branche ein wenig umsieht, kann zahlreiche Möglichkeiten für nachhaltiges Wirtschaften erkennen. Beginnend in den Küchen beim Wareneinsatz, wo regionale und saisonale Lebensmittel eine bedeutendere Rolle einnehmen sollten. Alternative Energien können vielfältig bezogen und eingesetzt werden, bis hin zu eigenen Blockheizkraftwerken für den Hotelbetrieb. Auch die tägliche Zimmerreinigung ist eine Tradition, deren Sinnhaftigkeit von immer mehr Hoteliers infrage gestellt wird. Die Hotelkette bietet Gästen, die auf das tägliche Reinemachen verzichten, ein Gratis-Getränk. Die Konsequenz: Innerhalb von zwei Monaten wurden 10.000 Zimmerreinigungen und dadurch der damit verbundene Energie- und Wasserverbrauch eingespart. Wer sich mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinandersetzt und die Umsetzung im eigenen Betrieb an seine Gäste kommuniziert, kann über die eigenen Grenzen hinaus Ansporn geben. 

Randgruppen zur Zielgruppe machen

Warum immer nur der breiten Masse folgen? In den letzten Jahren ist deutlich geworden, dass immer mehr Unternehmen Randgruppen in den Fokus stellen und damit deutliche Erfolge verzeichnen können. Wer die gastronomische Entwicklung betrachtet wird feststellen, dass sich auch Betriebe mit kleinen Zielgruppen, wie z.B. Veganer, starkes Wachstum sichern konnten. Wer sich im Hotel-Segment umschaut wird auch hier feststellen, dass besonders die jungen Häuser nicht mehr alles daran setzen, jedem zu gefallen, sondern ihren eigen Weg verfolgen. Wem es nicht gefällt, für den bleiben genügend Alternativen. Wichtig für jeden Gastgeber: Authentizität muss auf jeden Fall gewahrt werden. Wer sich für eine Nische entscheidet, muss voll und ganz dahinter stehen und nicht nur einem Trend folgen. Wer sich selbst treu bleibt und sein Konzept lebt, kann Gäste beeindrucken und überzeugen. 

Wo gearbeitet wird, kann auch entspannt werden – und umgekehrt

Auch wenn alle von einer Work-Life-Balance träumen, in der Beruf und Freizeit strikt getrennt werden können, sieht die Realität doch oft anders aus. Warum also sollten sich Gastronomen und Hoteliers diesen Umstand nicht zunutze machen? Was früher als nüchterner Tagungsraum im Hotel bekannt war, wird heute im kompletten Gastgewerbe, übergreifend von Hotellerie zu gastronomischen Betrieben, mit Coworking-Spaces ergänzt.
Hier finden sich Freiberufler, digitale Nomaden oder sogar kleine Startups zusammen, um nebeneinander zu arbeiten und sich ergebende Networking-Möglichkeiten zu nutzen. Wer seinen Hotelgästen die Möglichkeit bietet, nicht nur allein auf dem Zimmer zu arbeiten, sondern auch in der Lobby Raum und Möglichkeit bietet, kann neben Zusatzumsatz z.B. durch Getränke und Speisen auch neue Gäste gewinnen. Auch in Restaurants oder Cafés gilt: Wer mit kostenlosem WLAN und ausreichend Lademöglichkeiten für Laptop, Smartphone und Co. lockt, kann Freizeit- und Working-Angebot geschickt kombinieren.

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