Suche
Anzeige

Kampf um die Teller: Personalbeschaffung im Post-Corona-Jahr 2023

Im Schatten von Biergärten, gebuchten Sommerurlauben und lebhaften Restaurant-Terrassen bahnt sich im Gastgewerbe die hektischste Zeit des Jahres an. Doch während die Gäste sich auf kulinarische Köstlichkeiten und sorglose Sonnentage freuen, kämpfen viele Betriebe mit einer kniffligen Herausforderung: Personalmangel. Ein Blick auf die Herausforderungen der Personalbeschaffung und wie kreative Lösungen und neue Trends diese Branche revolutionieren können.

Brooke Cagle, UnsplashBrooke Cagle, Unsplash

Die hohen Fluktuationen, unregelmäßigen Arbeitszeiten und begrenzten Karriereaussichten stellen die Personalbeschaffung in dieser Branche vor einen wahren Balanceakt. Und als ob das nicht genug wäre, hat die Pandemie die bestehende Situation noch prekärer gemacht. Denn viele Menschen haben nach den Corona-Lockdowns ihre Schürzen an den Nagel gehängt und sich beruflich neu erfunden.

Schlimmer geht immer

Die Pandemie hat zu Entlassungen und Kurzarbeit geführt, was den ohnehin angespannten Arbeitsmarkt und den Mangel an Personal noch verstärkt hat. Zahlreiche erfahrene und qualifizierte Mitarbeitende haben den Weg in andere Branchen eingeschlagen und sich ganz vom Gastgewerbe verabschiedet.

Partner aus dem HORECA Scout

Gleichzeitig bleibt die Erholung und Nachfrage ungewiss und schwankend wie das Wetter auf hoher See. Die Auswirkungen der Pandemie auf die Branche waren ungleichmäßig, einige Regionen und Sektoren erholen sich schneller als andere. Die Unsicherheit über die zukünftige Nachfrage erschwert es den Unternehmen, ihre Personalbedürfnisse effektiv zu planen. Flexibilität und Anpassungsfähigkeit sind hier gefragt, um den sich wandelnden Marktbedingungen gerecht zu werden und erfolgreich zu sein.

Doch nicht nur die Unsicherheit bereitet Kopfzerbrechen, sondern auch die veränderten Anforderungen im Gastgewerbe. Die Pandemie hat gewisse Trends beschleunigt und neue betriebliche Anforderungen eingeführt. Die Einführung kontaktloser Technologien, verbesserte Hygieneprotokolle und ein größerer Fokus auf Gesundheits- und Sicherheitsmaßnahmen sind nun von entscheidender Bedeutung. Es ist unerlässlich, Mitarbeitende zu rekrutieren, die mit den neuen Technologien vertraut sind und über das erforderliche Wissen und die Anpassungsfähigkeit verfügen, um den neuen Anforderungen gerecht zu werden.

Neben diesen strukturellen Herausforderungen hat das Gastgewerbe auch mit seinem schlechten Ruf zu kämpfen. Missstände wie niedrig bezahlte Jobs, ein stressiges Arbeitsumfeld, lange Arbeitszeiten und unregelmäßige Schichtpläne haben ihren Tribut gefordert und wurden viel zu lange vernachlässigt. Arbeitgeber*innen müssen diese Bedenken proaktiv angehen und dabei den Fokus auf langfristige Personalentwicklung, ein Bekenntnis zur Gesundheit und Sicherheit sowie das Wohlbefinden der Mitarbeiter*innen legen.

Lesen Sie auch
Finanzen und ControllingRecht und ComplianceFührung, Management und Leadership
Vom blinden Fleck zum Millionenschaden: Mitarbeiterbetrug in der Gastronomie

Zudem verändern sich die Erwartungen der Gäste im Gastgewerbe ständig. Gäste erwarten heutzutage personalisierte Erlebnisse, schnelle Reaktionszeiten und einen reibungslosen Kontakt. Die Suche nach Mitarbeiter*innen, die diesen erhöhten Erwartungen gerecht werden können, kann eine Herausforderung darstellen. Rekrutierungsstrategien müssen daher darauf abzielen, Kandidat*innen mit ausgezeichneten zwischenmenschlichen Fähigkeiten, Anpassungsfähigkeit und einer kundenorientierten Denkweise zu identifizieren.

Mit klarem Kurs durch schweren Seegang

Wenn das Gastgewerbe den Stürmen des Fachkräftemangels, der unsicheren Erholung und schwankenden Nachfrage sowie dem Rufmanagement trotzen will, braucht es einen klaren Kurs beim Recruiting:

Themen in diesem Artikel
PersonalentwicklungPersonalplanungRecruiting

Halten ist besser als Suchen: Die beste Lösung gegen Personalengpässe besteht darin, erst gar nicht rekrutieren zu müssen. Durch die Implementierung von Maßnahmen zur Mitarbeiter*innenbindung können hohe Fluktuationen reduziert werden. Dazu gehören wettbewerbsfähige Vergütungs- und Benefits-Pakete, Aufstiegs- und Karrieremöglichkeiten sowie eine positive Unternehmenskultur, die Mitarbeiter*innenbindung und Zufriedenheit fördert.

Erweiterung des Talentpools: Um Fachlücken zu schließen und Vielfalt zu fördern, sollten verstärkt Kandidat*innen aus nicht-traditionellen Quellen in Betracht gezogen werden. Dazu können Partnerschaften mit Gemeindeorganisationen, Bildungseinrichtungen und Branchenverbänden genutzt werden. Praktikumsprogramme, Ausbildungen und gezielte Rekrutierungsinitiativen können ebenfalls dazu beitragen, Kandidat:innen mit vielfältigen Hintergründen und Erfahrungen anzuziehen.

Technologieeinsatz: Technologie kann das Recruiting erleichtern und den Prozess für Bewerber*innen verbessern. Dies umfasst die Verwendung von sogenannten Bewerbermanagementsystemen, einer Software (ATS) zur Verwaltung von Stellenangeboten und Bewerbungen. Darüber können auch Videointerviews für die ersten Bewerbungsgespräche abgewickelt werden und die Vorauswahl und Einordnung von Kandidat*innen automatisiert werden.

Lesen Sie auch
AußengastronomieGastro, Recht und Gewerbe
Terrassengebühren 2026: Wer zahlt wie viel fürs Draußensitzen?

Arbeitgebermarke und Rufmanagement: Ein starker Fokus auf den Aufbau und die Förderung einer starken Arbeitgebermarke, sprich der Außenwahrnehmung als Arbeitgeber durch Bewerber*innen sollte im Gastgewerbe mehr Aufmerksamkeit erhalten. Entscheidend dafür ist, das Besondere am eigenen Betrieb zu identifizieren und ein zeitgemäßes und wettbewerbsfähiges Paket aus Vergütung und Nebenleistungen zu bieten und nach außen darzustellen. Die Pflege von Online-Bewertungen auf Plattformen wie kununu und der Austausch mit potenziellen Kandidat*innen über soziale Medien und Bewertungsplattformen für Arbeitgeber können auch einen positiven Einfluss auf die Wahrnehmung des Unternehmens haben.

Voll auf der Trendwelle

Im weiten Ozean des Gastgewerbe-Recruitings tauchen immer wieder neue Entwicklungen und Trends auf, mit denen man sich zumindest auseinandersetzen sollte, um ihren Wert für die eigene Personalbeschaffung zu prüfen:

Virtuelles und Remote-Recruiting: Die Pandemie hat die Einführung virtueller Kanäle wie Videointerviews, Online-Assessments und virtuelle Jobmessen beschleunigt. Diese Trends werden voraussichtlich anhalten, da sie Bequemlichkeit, Kosteneffizienz und die Möglichkeit bieten, einen größeren Talentpool zu erreichen. Allerdings muss auch berücksichtigt werden, dass bestimmte Berufe im Gastgewerbe eine hohe soziale Komponente haben, bei denen Fähigkeiten am besten in persönlichen Interviews beurteilt werden können.

Künstliche Intelligenz (KI) und Automatisierung bei der Vorauswahl: KI-gesteuerte Chatbots und Bewerbermanagementsysteme können etwa den ersten Kontakt mit Bewerber*innen effizient bewältigen, was den Rekrutierungsprozess vereinfacht. Dennoch sollte man vorsichtig sein, KI nicht übermäßig zu nutzen. KI-gesteuerte Tools können möglicherweise potenzielle Kandidat*innen übersehen, die großes Potenzial aufgrund von übertragbaren Fähigkeiten haben, die nicht sofort erkennbar sind.

ACCONSIS
Finanzen und Controlling

Vom blinden Fleck zum Millionenschaden: Mitarbeiterbetrug in der Gastronomie

50 Mitarbeiter, jahrelang unbemerkt, ein sechsstelliger Schaden: Die Razzia in einem Restaurant in München hat eine unbequeme Frage zurück auf die Tagesordnung gebracht – wie gut kennen Gastronomen eigentlich die Abläufe in ihrem eigenen Haus? Steuerberater Christopher Arendt erklärt, wo die typischen Schwachstellen sitzen und warum wachsende Betriebe ihre Kontrollen jetzt mitwachsen lassen müssen.

Robert Bye, Unsplash
Außengastronomie

Terrassengebühren 2026: Wer zahlt wie viel fürs Draußensitzen?

Sommer, Sonne, Außengastronomie – und eine Rechnung, die je nach Standort um den Faktor 60 auseinandergehen kann. Pünktlich zum Start der Hauptsaison hat der Bund der Steuerzahler die Terrassengebühren für rund 200 deutsche Städte erhoben. Das Ergebnis macht deutlich, wie unterschiedlich Städte Außengastronomie bepreisen.

wattline GmbH
Allgemeine Haustechnik

Energieverbrauch im Gastgewerbe: Wo die größten Kostentreiber liegen

Strom, Gas, Heizung – Energiekosten gehören zu den größten Ausgabenposten in Hotels und Restaurants. Doch die Höhe der Rechnung ist alles andere als Zufall: Öffnungszeiten, Gästeaufkommen und die Lage des Betriebs spielen eine ebenso große Rolle wie die technische Ausstattung. Wer weiß, an welchen Stellschrauben sich tatsächlich drehen lässt, kann Kosten senken – ohne dabei auf Qualität zu verzichten. Doch welche Faktoren wiegen am schwersten, und wo verbergen sich die größten Einsparpotenziale?

Canva
Digitalisierung

KI-Inhalte kennzeichnen: Was ab 2. August 2026 gilt

Ein KI-generiertes Zimmerfoto auf der Buchungsseite, der Speisekarten-Text aus ChatGPT, das Instagram-Motiv per Knopfdruck: Ab dem 2. August sind solche Inhalte kennzeichnungspflichtig. Was der EU AI Act konkret fordert, wo die Grenze zur klassischen Bildbearbeitung liegt – und warum Betriebe, die das ignorieren, Abmahnungen und empfindliche Bußgelder riskieren.

Lightspeed, L Seden
Branche und Trends

Nachhaltigkeit in der Gastronomie stößt an die Preisgrenze

Eine aktuelle Verbraucherumfrage von Lightspeed bringt eine unbequeme Wahrheit ans Licht: Deutschlands Restaurantgäste fordern nachhaltige Konzepte – regional, saisonal, müllvermeidend. Doch sobald es ans Bezahlen geht, kippt die Begeisterung. Mehr als die Hälfte akzeptiert maximal fünf Prozent Aufschlag. Für Gastronomiebetriebe wird die grüne Transformation damit zur ökonomischen Gratwanderung.

Gastfreund GmbH
Branche und Trends

Warum Hotels 2026 ohne digitale Gästekommunikation Marktanteile verlieren

Zwei Drittel aller Gäste fordern heute aktiv digitale Kommunikationslösungen, doch viele Hotels hinken weit hinterher. Was einst als Innovation galt, ist längst zur Grunderwartung geworden und wer jetzt nicht handelt, verliert nicht nur Wettbewerbsvorteile, sondern schlicht den Anschluss. Ein aktueller Branchenreport der Gastfreund GmbH zeigt, wo der größte Hebel liegt – und warum die eigentliche Herausforderung nicht Technologie, sondern Integration ist.

Weitere Artikel zum Thema

LudgerA, Pixabay
Im April 2026 startete in Wiesbaden ein neuer Jahrgang der Mineralwassersommelier-Ausbildung. Die seit 20 Jahren etablierte Qualifizierung des Handelsverbandes für Heil- und Mineralwasser vermittelt Fachkräften aus Gastronomie und Handel das notwendige Rüstzeug für eine kompetente[...]
LudgerA, Pixabay
Patrick Steeger
Während die Fluktuationsrate im Gastgewerbe bei 68 Prozent verharrt und der Krankenstand historische Höchstwerte erreicht, kämpfen Hotels und Restaurants mit strukturellen Personalproblemen. Kann systematisches Gesundheitsmanagement hier mehr sein als nur eine Symptombekämpfung? Ein Blick auf[...]
Patrick Steeger
Isabelle Weyand
Im Gastgewerbe, wo sich Qualität im Takt von Schichten, Auslastung und kurzfristigen Ausfällen verändert, ist eine effektive Führung entscheidend. Um unter diesen Bedingungen erfolgreich zu sein, benötigen Führungskräfte Verfahren, die Entscheidungen beschleunigen und die Folgen[...]
Isabelle Weyand
Hamburg Messe und Congress GmbH, Internorga 2025, Deep Dive Area
Messestände anschauen kann jeder. Aber echtes Praxiswissen mitnehmen? Die HospitalityPioneers zeigen auf der Internorga 2026, wie das geht – in ingesamt 60 kompakten Deep Dives. e2n ist mit sechs Vorträgen zu Personalmanagement, Teamführung und nachhaltiger[...]
Hamburg Messe und Congress GmbH, Internorga 2025, Deep Dive Area
PelfWave
Personalausfall im Restaurant löst eine Kettenreaktion aus: Mehr Schichten für andere, höhere Belastung, neue Ausfälle. 44 Prozent Fluktuation und 40 Prozent unbesetzte Stellen zeigen – wer qualifiziertes Personal hält, verschafft sich einen echten Wettbewerbsvorteil. Doch[...]
PelfWave
Unser Newsletter

Bleiben Sie auf dem Laufenden mit regelmäßigen Informationen zum Thema Gastgewerbe. Ihre Einwilligung in den Empfang können Sie jederzeit widerrufen.