Robert-Koch-Institut warnt

Legionellen-Gefahr in Hotel-Pools nach dem Corona-Lockdown

Sehnsüchtig erwartete Lockerung: Die Öffnung von Wellnessbereichen und Hotel-Pools. Doch nun warnt das Robert-Koch-Institut: Durch die Stilllegung können sich in den betreffenden Trinkwasseranlagen vermehrt Legionellen verbreitet haben. Was ist zu tun?

Legionellen im Hotelpool nach dem Restart vermeiden
Legionellen im Hotelpool nach dem Restart vermeiden (© Drew Gilliam, Unsplash)

Unter welchen Umständen steigt das Legionellenwachstum?

In den letzten Wochen und Monaten lagen Hotelpools und Wellnessbereiche brach. Durch die coronabedingte Stilllegung kann es bei bei nicht sachgemäßer Wartung unter Umständen zu einem erhöhten Legionellenwachstum in den betreffenden Trinkwasseranlagen kommen. Bei der nun erfolgenden Wiederinbetriebnahme von bisher ganz oder teilweise geschlossener Einrichtungen oder Wasserentnahmestellen kann jetzt möglicherweise ein vermehrtes Auftreten von Legionellosen festgestellt werden. 

Wie werden Legionellen übertragen?

Legionellen werden als Erreger durch zerstäubtes, beziehungsweise vernebeltes Wasser übertragen. Die Verbreitung der Tröpfchen über die Luft führt zum Einatmen der Erreger. Duschen, Whirlpools, Wasserhähne oder Luftbefeuchter sind typische Ansteckungsquellen. 

Wer ist besonders gefährdet?

Menschen können durch das Einatmen erregerhaltiger Aerosole, wie sie beispielsweise bei der Nutzung von Duschen oder Wasserhähnen einer Trinkwasseranlage mit erhöhter Legionellenkonzentration entstehen können, an einer Lungenentzündung – der sogenannten Legionärskrankheit – erkranken. Wird die Krankheit erkannt, bestehen gute Heilungschancen, wenn nicht, muss mit einem schweren Krankheitsverlauf gerechnet werden.

Es gibt noch ein weiteres, eher unbekanntes Krankheitsbild, das Pontiac-Fieber. Hier treten ebenfalls grippeähnliche Symptome auf, es handelt sich jedoch nicht um eine Lungenentzündung und zeichnet sich durch einen leichteren Krankheitsverlauf aus.

Besonders Menschen mit einem geschwächten Immunsystem, Senioren und auch Raucher sind gefährdet, außerdem erkranken häufiger Männer als Frauen.

Legionellen werden nicht von Mensch zu Mensch übertragen!

Welche Maßnahmen müssen ergriffen werden?

Betreiber von Hotels mit Pool und Wellnessbereich sollten den einwandfreien Betrieb der Trinkwasseranlage in ihren Gebäuden sicherstellen und im Vorfeld der Wiedereröffnung die erforderlichen technischen Maßnahmen zur Minimierung des Infektionsrisikos beachten. Die Maßnahmen vor Wiederinbetriebnahme einer Trinkwasseranlage sind in den bekannten Technischen Regelwerken beschrieben – u. a. in den Richtlinien DIN EN 806-5 und VDI 6023 sowie in den Arbeitsblättern W551 und W557 des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches (DVGW). Hinweise zu gesundheitlichen Aspekten von Trinkwasserinstallationen finden sich auch in dem kostenlos vom Umweltbundesamt (UBA) herausgegebenen Ratgeber „Trink was – Trink-wasser aus dem Hahn“

 

Weiterführende allgemeine Informationen zu Legionellen bietet das Robert-Koch-Institut, auf die aktuelle Lage zugeschnittene Daten finden sich im Epidemiologischen Bulletin vom 8. Juni 2020.

Bisher keine Kommentare zu “Legionellen-Gefahr in Hotel-Pools nach dem Corona-Lockdown”

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Weitere Artikel zum Thema

Prognose von Experten

Hotel 2.0 – So könnte ein Hotel nach Corona aussehen

Eins scheint klar: Ein schnelles Zurück zur Normalität wird es nicht geben. Vielmehr sieht alles nach einer stufenweisen Lockerung der Restriktionen aus. Social Distancing und Sicherheitsvorkehrungen werden uns noch über Monate lang erhalten bleiben werden. Dabei stellen sich nun zwei Fragen für Hoteliers: Was ist im Hotel zu verändern, um dem erhöhten Sicherheitsbedürfnis der Gäste gerecht zu werden? Wie sind die ergriffenen Maßnahmen an die Gäste zu kommunizieren? Die Experten von Online Birds beantworten diese Fragen.

Strafrechtliche Aufarbeitung beginnt

Finanzämter und Staatsanwaltschaften nehmen Missbrauch staatlicher Corona-Hilfen ins Visier

© Alexander Kersten

Der Staat hat seit dem Ausbruch der Pandemie unterschiedliche Corona-Hilfen in Milliardenhöhe ausgezahlt. Jetzt beginnt auch die steuerrechtliche und strafrechtliche Aufarbeitung dieser staatlichen Unterstützungsleistungen. Dazu überprüfen Finanzämter und wohl auch Staatsanwaltschaften die Berechtigung zur Inanspruchnahme von Hilfen. Dr. Alexander Kersten, Rechtsanwalt, Steuerberater und Fachanwalt für Steuerrecht, erläutert die Hintergründe und wer mit einer Kontrolle von Finanzbehörden und Staatsanwaltschaften rechnen muss.

Hygiene

Nachhaltigkeit in Waschräumen: Mit kleinen Veränderungen Großes bewirken

© CWS

Nachhaltigkeit und Umweltschutz sind in den vergangenen Jahren zu gesellschaftlichen Kernthemen geworden. Durch die notwendigen Schutzmaßnahmen, die mit der andauernden Corona-Pandemie einhergehen, sind in vielen Lebensbereichen allerdings Rückschritte in diesen Bereichen zu beobachten. Ein erhöhter Verbrauch an Materialien wie Einweghandschuhen, Papierhandtüchern und Verpackungen stellt vielerorts eine zusätzliche Umweltbelastung dar. Dabei müssen sich Nachhaltigkeit und Effizient nicht unbedingt ausschließen.