Suche

Mit KI zu mehr Nachhaltigkeit: Wie algorithmengestützte Planung Lebensmittelabfälle vermeidet

Allein in Deutschland landen jedes Jahr rund 11 Millionen Tonnen Lebensmittel in der Tonne. Fast ein Fünftel davon fällt in der Außer-Haus-Verpflegung (AHV) an. Das ist nicht nur aus ethischer Sicht verwerflich – auch aus Umwelt- und Kostengründen sollten sich Unternehmen Gedanken darüber machen, wie sie ihre Lebensmittelverschwendung senken können. Doch wie gelingt das?

FoodjiFoodji

Was sind wesentliche Treiber von Lebensmittelverschwendung in der AHV? 

Generell fallen innerhalb der AHV mehr Lebensmittelabfälle an als in privaten Haushalten. Wird dort etwa ein Fünftel der Lebensmittel entsorgt, ist es in Mensen, Restaurants und Kantinen mehr als ein Drittel. Zu den Gründen zählen beispielsweise Unsicherheiten im Umgang mit Hygieneregeln, die dazu führen, dass noch genießbare Speisen irrtümlich entsorgt werden. Auch mangelndes Wissen über die mögliche Weiterverarbeitung von Zubereitungsresten führt zu Abfällen, die eigentlich keine sein sollten. Hinzukommt übrig gebliebenes Essen an Buffets, in Ausgabebehältern oder auf dem Teller selbst – oft, weil Mengen zu großzügig bemessen wurden. Das wohl größte Problem stellt Überproduktion dar, das heißt, es entstehen mehr Lebensmittel, als am Ende tatsächlich abgenommen werden. Dahinter steckt der Gedanke, alle Speisen zu jeder Zeit anbieten zu können. Zudem wirkt die Ware im Rahmen eines üppigen Angebots oft attraktiver. Liegt nur noch ein Brötchen in der Auslage, macht das potenzielle Kund:innen am Ende womöglich misstrauisch – und das wollen Anbieter um jeden Preis vermeiden. 

Welche Kosten verursacht Lebensmittelverschwendung? 

In die Erzeugung und Herstellung von Lebensmitteln fließen jede Menge Ressourcen. Neben Anbauflächen, Wasser, Tierfutter oder Düngemitteln fallen entlang der nachgelagerten Wertschöpfungskette Treibhausgase für Transport, Lagerung, Weiterverarbeitung oder Verpackung an. Und das in großem Stil: Laut WWF ist das globale Ernährungssystem für mehr als ein Drittel aller Treibhausgasemissionen verantwortlich. Landen die Lebensmittel, die am Ende dieser Prozesskette stehen, in der Tonne, sind auch die darin steckenden Ressourcen dahin. Entsprechend hoch sind die ökologischen Kosten: Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen schätzt, dass bis zu 10 Prozent des globalen Treibhausgasausstoßes durch Lebensmittelverschwendung entstehen. Das ist fünfmal mehr, als in der Luftfahrtbranche anfallen. Würden die deutschen Privathaushalte ihre Lebensmittelabfälle halbieren, ließen sich laut Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft rund 6 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente einsparen – etwa so viel, wie die Einwohner:innen einer Stadt von der Größe Bremens jährlich verursachen. 

Partner aus dem HORECA Scout

Auch aus ökonomischer Sicht kommt Lebensmittelverschwendung Unternehmen teuer zu stehen: Laut Zahlen der Initiative United Against Waste belaufen sich die Kosten für Einkauf, Zubereitung und Entsorgung von 1 kg Lebensmitteln auf rund 4 Euro. Verschiedenen Expertenschätzungen zufolge fallen in einem Betriebsrestaurant pro Mahlzeit rund 100 g Reste an. In einer Kantine, in der am Tag 500 Menschen essen, entstehen also täglich Kosten von 200 € – bei durchschnittlich 21 Öffnungstagen pro Monat sind das rund 50.000 € im Jahr. Und all das nur für Lebensmittel, die nicht gegessen werden. 

Welche Strategien gibt es, Lebensmittelverschwendung in der AHV zu vermeiden? 

Um Lebensmittelverschwendung zu vermeiden, müssen Angebot und Nachfrage möglichst gezielt aufeinander abgestimmt werden. Ein erster Schritt auf diesem Weg besteht darin, sich einen Überblick über die Situation zu verschaffen. Eine Studie des Thünen-Instituts hat hierzu unter anderem die Durchführung eines Abfallmonitorings als effektive Maßnahme identifiziert. Dabei werden Lebensmittelabfälle gewogen und ihr Ursprung erfasst. Die so gewonnenen Daten geben Aufschluss darüber, an welchen Stellen Maßnahmen zur Abfallvermeidung am wirksamsten greifen können, und erlauben eine genauere Mengenplanung. 

Lesen Sie auch
Recht und ComplianceGehalt, Benefits und AltersversorgungRecruiting und Fachkräftemangel
Neue Spielregeln bei der Vergütung: Was die EU-Entgelttransparenzrichtlinie für Hotellerie und Gastronomie bedeutet

Aufklärung und Sensibilisierung beim Küchen- und Service-Personal, die Überprüfung von Planungsroutinen und höhere Flexibilität im Speiseplan erleichtern es Köch:innen, Reste und Lagerbestände zu verwerten. Die direkte Ansprache der Gäste ermöglicht, individuell auf gewünschte Portionsgrößen oder Vorlieben einzugehen. Zusammen mit Angeboten zur Mitnahme von übriggebliebenem Essen trägt dies ebenfalls dazu bei, zu vermeiden, dass Essen in der Tonne landet. Insgesamt ließen sich laut Expert:innen durch Maßnahmen wie diese rund 30 bis 50 Prozent der Lebensmittelabfälle vermeiden.  

Themen in diesem Artikel
NachhaltigkeitKILebensmittelabfälle

Wie lassen sich hohe Verfügbarkeit und nachhaltiger Umgang mit Lebensmitteln vereinbaren? 

Eine datenbasierte Planung ist hierbei ebenso zielführend wie die Berücksichtigung der Präferenzen der Gäste. Diese Maßnahmen lassen sich wie beschrieben durch kontinuierliches Abfallmonitoring sowie sensibilisiertes Küchen- und Service-Personal umsetzen. Darüber hinaus ist eine bedarfsgerechte Planung auf Basis standortspezifischer Präferenzen und Abnahmemengen mittlerweile auch mithilfe intelligenter Technologie möglich. KI und Machine Learning sind in der Lage, Trends und Muster im Nachfrageverhalten zu erkennen und das Angebot genau darauf abzustimmen. Plattformen, die sich dieses Prinzip zunutze machen, kommen heute bereits im Zusammenhang mit intelligenten Essensautomaten zum Einsatz, die teils einen Zero-Waste-Ansatz verfolgen. Diese bieten Unternehmen ohne eigene Kantine eine kosteneffiziente Möglichkeit, ihren Mitarbeitenden rund um die Uhr frische und gesunde Mahlzeiten anzubieten. In Unternehmen mit eigenem Betriebsrestaurant eignen sie sich als ergänzende Verpflegungsoption für diejenigen Beschäftigten, die die Kantine z. B. aufgrund von Arbeitszeit oder -ort nicht erreicht. Auf diese Weise helfen sie Betriebsrestaurants, besser zu wirtschaften und nicht für alle Eventualitäten planen zu müssen. 

Warum sollten Unternehmen auf eine nachhaltige Betriebsverpflegung achten? 

Nachhaltigkeit gewinnt für die Reputation und Attraktivität eines Arbeitgebers zunehmend an Bedeutung. Neben den ethischen, ökologischen und ökonomischen Aspekten, die für einen nachhaltigen Umgang mit Lebensmitteln sprechen, hat dieser daher auch einen Einfluss auf die Employer Brand und kann indirekt zur Fachkräftegewinnung beitragen. Eine Foodji-Studie unter 1.034 Kund:innen hat gezeigt, dass sich Nachhaltigkeit für 96 Prozent von ihnen mitunter dadurch definiert, dass Lebensmittelverschwendung gezielt vermieden wird. Laut Capgemini ist das Problembewusstsein unter Verbraucher:innen seit der Pandemie stark gewachsen. Ein aktives Handeln wird von Unternehmen erwartet und von Verbraucherseite honoriert. Ergreifen Arbeitgeber entsprechende Maßnahmen, gehen sie damit also auch die sich wandelnden Wertvorstellungen ihrer Beschäftigten ein und übernehmen Verantwortung für ein Thema, das zunehmend Beachtung erfährt. Smarte Technologien helfen ihnen dabei. Mithilfe von Lösungen wie intelligenten Essensautomaten hat insbesondere die Betriebsverpflegung das Potenzial, hier zum Vorreiter zu werden. Algorithmengestützte Planung ermöglicht es, die richtige Balance zwischen Frische, schneller Verfügbarkeit und Rentabilität zu finden – und setzt dabei neue Maßstäbe in Sachen Nachhaltigkeit. 

Lesen Sie auch
Finanzen und ControllingSoftware und Systeme
Kartenzahlungsgebühren – Zusammensetzung und typische Fallstricke

Zu Foodji

johannes86, iStockphoto
Gehalt, Benefits und Altersversorgung

Neue Spielregeln bei der Vergütung: Was die EU-Entgelttransparenzrichtlinie für Hotellerie und Gastronomie bedeutet

Bis Juni 2026 muss Deutschland die EU-Entgelttransparenzrichtlinie in nationales Recht umsetzen. Die neuen Regelungen betreffen Betriebe jeder Größe und bringen weitreichende Änderungen im Umgang mit Gehältern. Wer sich jetzt vorbereitet, verschafft sich einen entscheidenden Vorsprung im Wettbewerb um Fachkräfte.

Future Payments GmbH
Finanzen und Controlling

Kartenzahlungsgebühren – Zusammensetzung und typische Fallstricke

Viele Gastronomen wissen nicht, welche Kosten ihr Kartenterminal wirklich verursacht. Gebührenmodelle sind komplex, Verträge unübersichtlich – und das Kleingedruckte kann monatlich mehrere hundert Euro Unterschied bedeuten. Spätestens mit einer möglichen Kartenzahlungspflicht wird dieses Thema zum wirtschaftlichen Faktor, den kein Betrieb mehr ignorieren sollte.

EVENTMACHINE
Events und Messen

KI-Agent konfiguriert ganze Events und erhält sofortige Angebote – ohne menschliches Zutun

Was geschieht, wenn künstliche Intelligenz nicht mehr nur berät, sondern eigenständig handelt? Ein Event-Tech-Unternehmen hat einen KI-Agenten auf seinen webbasierten Konfigurator losgelassen – mit verblüffenden Ergebnissen. Die Maschine plant komplexe Veranstaltungen, erkennt Sparpotenziale und trifft Designentscheidungen wie ein erfahrener Eventmanager. Für Hotels und Locations stellt sich damit eine existenzielle Frage: Sind ihre Systeme bereit für Anfragen, die nicht von Menschen kommen?

Biohotel Eggensberger, T. Reinelt
Allgemeine Haustechnik

Risikofaktor Hotelklimatisierung – warum klassische Lösungen dem Erfolg im Weg stehen

Klimaanlagen gehören zur Standardausstattung in Hotels – doch genau diese Selbstverständlichkeit wird zum Problem. Denn während Gäste Kühlung erwarten, lehnen viele gleichzeitig die Begleiterscheinungen klassischer Systeme ab: Lärm, Zugluft, trockene Luft. Hotels investieren also in Technik, die zwar gebucht, aber kritisiert wird. Wie kann dieser Widerspruch aufgelöst werden? Und welche Alternativen bieten sich an, die nicht nur die Gästezufriedenheit steigern, sondern auch die Betriebskosten senken?

Bayerische Staatsbrauerei Weihenstephan
Beverage

Helles auf Erfolgskurs: Warum Bayerns Lieblingsbier zum Gastro-Zugpferd wird

Mild, malzig, massentauglich – und zunehmend auch alkoholfrei: Das Helle hat sich vom bayerischen Klassiker zum bundesweiten Bestseller entwickelt. Die Bayerische Staatsbrauerei Weihenstephan, älteste Brauerei der Welt, zeigt in ihrem aktuellen Themendienst, warum der Bierstil gerade jetzt für Gastronominnen und Gastronomen interessant wird – und wo die größten Absatzchancen schlummern.

Deng Xiang, Unsplash
Künstliche Intelligenz, KI und Automation

Mews BI – Zentralisierte Datenauswertung für die Hotellerie

Hotels sammeln täglich Unmengen an Daten – aus Buchungssystemen, Kassenlösungen, Online-Portalen. Die Herausforderung: Diese Informationen sinnvoll zu verknüpfen und daraus strategische Entscheidungen abzuleiten. Mews will genau das mit seinem neuen Business-Intelligence-Tool erleichtern.

Weitere Artikel zum Thema

Biohotel Eggensberger, T. Reinelt
Klimaanlagen gehören zur Standardausstattung in Hotels – doch genau diese Selbstverständlichkeit wird zum Problem. Denn während Gäste Kühlung erwarten, lehnen viele gleichzeitig die Begleiterscheinungen klassischer Systeme ab: Lärm, Zugluft, trockene Luft. Hotels investieren also in[...]
Biohotel Eggensberger, T. Reinelt
Deng Xiang, Unsplash
Hotels sammeln täglich Unmengen an Daten – aus Buchungssystemen, Kassenlösungen, Online-Portalen. Die Herausforderung: Diese Informationen sinnvoll zu verknüpfen und daraus strategische Entscheidungen abzuleiten. Mews will genau das mit seinem neuen Business-Intelligence-Tool erleichtern.[...]
Deng Xiang, Unsplash
Führungscrew der Augustinum Gastronomie mit Geschäftsführer Christoph Specht (rechts), Augustinum
Die Augustinum Gastronomie hat ihr selbstgestecktes Ziel zur Reduzierung von Lebensmittel-Abfällen deutlich übertroffen. Statt der angestrebten 30 Prozent wurden bereits 36 Prozent erreicht – das entspricht einer jährlichen Einsparung von 228 Tonnen bundesweit. Das Unternehmen[...]
Führungscrew der Augustinum Gastronomie mit Geschäftsführer Christoph Specht (rechts), Augustinum
Online Birds GmbH
Online Birds hat sein kostenfreies Analysetool Hotel Digital Score um den AI-Prompt-Score erweitert. Die neue Kennzahl zeigt datenbasiert, wie häufig ein Hotel in KI-generierten Antworten von Systemen wie ChatGPT, Gemini oder Perplexity erscheint. Damit reagiert[...]
Online Birds GmbH
LebensWert Gastgeber GmbH
Der nachhaltige Caterer LebensWert Gastgeber setzt in seinen Küchen auf eine Speiseplanung, die sich konsequent an den Jahreszeiten orientiert. Dieses Prinzip prägt Einkauf, Menügestaltung und Kommunikation mit Gästen und wirkt sich messbar auf Frische, Geschmack[...]
LebensWert Gastgeber GmbH
Unser Newsletter

Bleiben Sie auf dem Laufenden mit regelmäßigen Informationen zum Thema Gastgewerbe. Ihre Einwilligung in den Empfang können Sie jederzeit widerrufen.