Suche

Zukunftsfähig mit Mehrweg

Angesichts der Einschränkungen durch die Corona-Krise bieten mehr Gastronomiebetriebe Speisen zum Mitnehmen bzw. Essenslieferungen an. Laut Umweltbundesamt (UBA) verursachten 2017 Einweggeschirr und Verpackungen „to-go“ über 346.000 Tonnen Müll, unter Corona stieg der Verpackungsmüll nochmal um gut 7 % an. Zwar sind seit Juli Einweg-Produkte aus Plastik und Styropor, wie z. B. Trinkhalme, Einmalgeschirr und -besteck europaweit verboten, doch man täuscht sich, wenn man davon ausgeht, Papier und Holz seien ökologisch und sozial verträgliche Alternativen. Wo immer möglich sollten zukunftsfähig orientierte Gastronomen verstärkt auf Mehrweg-Lösungen setzen.

photoguns, iStockphotophotoguns, iStockphoto

Beim Wechsel von Plastik- auf Primärfaserpapierverpackungen verschieben sich die Probleme nur in andere Bereiche. Zwar lassen sich Papiere ohne Kunststoffbeschichtung wieder dem Recycling zuführen, doch die Herstellung ist höchst problematisch. Zum einen ist die Papierindustrie drittgrößter Energieverbraucher nach Metallerzeugung und Chemischer Industrie und die Herstellung benötigt Wasser und Chemikalien. Zum anderen steigt der Druck auf die Wälder, die wichtige Partner beim Kampf gegen die Klimakrise sind und viel zu schade für kurzlebige Nutzung. Vielmehr sollte ihr Holz im Bau CO2-intensive Rohstoffe wie Stahl oder Beton ersetzen. Allerdings in Maßen, denn Waldschutz und -regeneration machen gerade angesichts der verheerenden Schäden der vergangenen Trockensommer eine viel behutsamere Forstwirtschaft notwendig, die sich am Ökosystemschutz orientieren muss und an den Leistungen, die der Wald für uns als Gesellschaft erbringt. So fordern Waldexpert*innen aus Umweltverbänden und Universitäten mehr Wald naturnah zu belassen und die Einschläge deutlich zu reduzieren.
Selbst das stärkste Waldzertifizierungs-System FSC erlaubt Urwaldabholzung, z. B. in Russland und Kanada. Von dort beziehen wir einen Teil unseres Papierholzes, doch es gelten nicht Deutschlands strenge FSC Standards. Auch in Skandinavien werden schützenswerte Bestände eingeschlagen. Kommen Papierfasern hingegen aus Eukalyptusplantagen in Brasilien, gehören Wasserverknappung und Pestizidbelastung zu den Folgen. Zudem werden Bauernfamilien unter teils schweren Menschenrechtsverletzungen von ihrem Land vertrieben. Wo weder Mehrweg noch Recyclingpapier Anwendung finden kann, sollten deshalb Primärfaserqualitäten aus heimischem, FSC-zertifiziertem Wald gewählt werden. Ebenso werden FSC-Wälder z. B. in Österreich empfohlen. Die Holzherkunft muss man bei den Herstellern bzw. Händlern erfragen, da sie i. d. R. nicht transparent ist.
Leider sind auch „biobasierte“ und „biologisch abbaubare“ Einwegprodukte z. B. aus Mais mit Belastungen für Mensch, Umwelt und Klima verbunden und stellen oft eine direkte Flächenkonkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion dar (s. UBA https://www.umweltbundesamt.de/publikationen/biobasierte-biologisch-abbaubare-einwegverpackungen). Vorsicht ist also geboten bei Bewerbungen als „nachhaltig“, „natürlich“, „nachwachsend“ – entscheidend sind anerkannte Umweltzeichen mit überprüfbaren Kriterien. Dies gilt natürlich auch für Tüten, Servietten, Besteck.
Eine Lösung bieten Poolsysteme für Lebensmittel und Getränke, die Becher, Teller, Schüsseln und Deckel zum Verleih anbieten und sich um die Logistik kümmern. Eine Auflistung verschiedener Anbieter bietet die UBA-Broschüre. Zwei von ihnen, Faircup / FairBox2go und Recup / Rebowl, erfüllen die Kriterien des Blauen Engel für ressourcenschonende Mehrwegsysteme (u. a. Anforderungen an Materialien, Logistik und Recycling der Behälter am Ende ihrer Lebensdauer). Ebenso können Gastronomen auch eigene Gefäße z. B. mit Logo anbieten und die Kund*innen dazu auffordern, Behältnisse mitzubringen. Die Broschüre gibt Hilfestellung zu Finanzierung, Organisation, Hygiene – laut Lebensmittelverband ist Mehrweg auch in der Pandemie kein Problem! – sowie Rückgabeanreizen. Kommunen oder Mehrwegsystemanbieter übernehmen Schulungen für Mitarbeitende und stellen kostenfrei Infrastruktur zum hygienischen Befüllen und Austausch von Gefäßen wie Rückgabekörbe und Kellen plus Werbematerial. Mehrkosten können durch erhöhte Kundenbindung und Gewinnung neuer Kund*innen ausgeglichen werden. Denn das steigende Bewusstsein der Bevölkerung für die drängenden ökologischen Krisen macht das Angebot von Mehrwegsystemen immer mehr zum Imagefaktor und Wettbewerbsvorteil. Außerdem profitieren teilnehmende Betriebe von kommunalen Vernetzungsaktivitäten und Pressearbeit und werden auf Online-Plattformen und Apps der Systemanbieter beworben.
Die Nutzung von Mehrweglösungen ist ein entscheidender Beitrag zu Ressourcenschutz, Energieeinsparung, Natur-, Klima- und Artenschutz. Entsprechend machen EU-Initiativen wie der Green Deal Einwegverpackungen immer unattraktiver. Ideal wäre ein deutschlandweites System wie bei Pfandflaschen, mit einheitlichen Gefäßen und kurzen Transportwegen. Auch hier können Gastronomen aktiv werden, indem sie die Politik zum Handeln auffordern und dabei deutlich machen: „Wir sind bereit, traut Euch!“.
Weitere Informationen rund um das Thema Mehrweg bieten die Seiten des Umweltbundesamtes.
Evelyn Schönheit, Dipl. Umweltwissenschaftlerin, Forum Ökologie & Papier

TheFork
Branche und Trends

No-Shows in der Gastronomie: Ursachen, wirtschaftliche Auswirkungen und wirksame Gegenmaßnahmen im Reservierungsmanagement

Nicht wahrgenommene Reservierungen zählen zu den wirtschaftlich relevantesten Einflussfaktoren im Gastronomiebetrieb und wirken sich unmittelbar auf Umsatz und Auslastung aus. Aktuelle Marktauswertungen zeigen zugleich, dass sich No-Shows durch strukturierte Prozesse im Reservierungsmanagement deutlich reduzieren lassen. Welche Maßnahmen führen dabei in der Praxis zu stabileren Abläufen?

Gemini
Kostenmanagement

KI in der Spülküche: Wenn die Maschine erkennt, was sie spült

Bandspülmaschinen mit Kameras, Untertischgeräte mit Lernkurve, Spülanlagen mit dynamischer Energieverteilung – die Hersteller bringen Künstliche Intelligenz in einen der unterschätztesten Bereiche der Profi-Küche. Ein Überblick über drei Ansätze, die sich erkennbar unterscheiden.

SumUp, Unsplash
Finanzen und Controlling

E-Rechnungspflicht: Warum Hospitality-Betriebe jetzt handeln müssen

Die digitale Rechnungsstellung wird zur gesetzlichen Pflicht – und das schneller als viele denken. Während der Empfang elektronischer Rechnungen bereits seit Jahresbeginn verpflichtend ist, müssen Hotels und Restaurants ab 2027 schrittweise auch beim Versand umstellen. Wer weiterhin auf Papier oder simple PDF-Dokumente setzt, riskiert Compliance-Probleme. Die HGK Hotel- und Gastronomie-Kauf eG bietet mit einer cloudbasierten Lösung einen Weg, der ohne umfangreiche IT-Projekte auskommt.

Luciano Oliveira, Unsplash
Marketing

Alle 104 Spiele, drei WM-Kanäle, ein Frühstücksclub: So zeigen Telekom und Sky die Fußball-WM 2026

Wenn die WM um drei Uhr morgens anpfeift: Die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in Nordamerika stellt das deutsche Publikum vor eine ungewohnte Frage: Wie schaut man eigentlich gemeinsam, wenn die Spiele mitten in der Nacht laufen? Telekom und Sky haben darauf jetzt eine gemeinsame Antwort gefunden – mit allen 104 Spielen in der Gastronomie, drei eigenen WM-Kanälen und einem „Breakfast Club“ für die frühen Stunden.

Anastasia Ilina-Makarova, Pexels
Branche und Trends

HolidayCheck Bewertungs-Report 2026: Wie unterschiedlich Generationen bewerten – von objektiver Recherche bis zur digitalen Selbstinszenierung

Fünf Sterne oder ein TikTok-Video? Eine repräsentative Studie zeigt: Wie Menschen Hotelbewertungen nutzen und verfassen, hängt stark vom Alter ab. Während Babyboomer systematisch mehrere Plattformen vergleichen, entscheidet die Gen Z spontan und emotional – und vertraut dabei besonders auf Social Media. Was bedeutet diese Verschiebung für Hoteliers und Gastronomen?

Weitere Artikel zum Thema

RATIONAL
Gastronomie- und Hotelküchen kämpfen mit massivem Personalmangel, explodierenden Energiekosten und steigenden Nachhaltigkeitsanforderungen – während Gäste gleichzeitig höchste Qualität erwarten. Wie gehen Profis weltweit damit um? Und welche Strategien versprechen wirklich Entlastung? Eine internationale Studie mit[...]
RATIONAL
Führungscrew der Augustinum Gastronomie mit Geschäftsführer Christoph Specht (rechts), Augustinum
Die Augustinum Gastronomie hat ihr selbstgestecktes Ziel zur Reduzierung von Lebensmittel-Abfällen deutlich übertroffen. Statt der angestrebten 30 Prozent wurden bereits 36 Prozent erreicht – das entspricht einer jährlichen Einsparung von 228 Tonnen bundesweit. Das Unternehmen[...]
Führungscrew der Augustinum Gastronomie mit Geschäftsführer Christoph Specht (rechts), Augustinum
ACHAT Hotels
Ein neues Hotel in Flughafennähe erreicht nach zwölf Monaten eine Belegung von 70 Prozent – ein Wert, für den etablierte Häuser Jahre benötigen. Das LOGINN Hotel Köln Airport kombiniert klassische Hotelzimmer mit voll ausgestatteten Apartments[...]
ACHAT Hotels
Miriam Grothe
Fünf Tage, mehr als 1.200 Ausstellende, rund 85.000 Besuchende – die INTERNORGA 2026 hat vom 13. bis 17. März in Hamburg gezeigt, dass die Branche trotz Fachkräftemangel und Kosten- sowie Digitalisierungsdruck nicht stillsteht. Die Stimmung[...]
Miriam Grothe
Urte Bösche
Der Kostendruck in der Hotellerie zwingt zum Umdenken: Statt auf den niedrigsten Einkaufspreis zu setzen, rücken langfristige Wirtschaftlichkeit und Ressourcenschonung in den Fokus. Doch wie rechnen sich Investitionen, die auf den ersten Blick teurer erscheinen?[...]
Urte Bösche
Unser Newsletter

Bleiben Sie auf dem Laufenden mit regelmäßigen Informationen zum Thema Gastgewerbe. Ihre Einwilligung in den Empfang können Sie jederzeit widerrufen.