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Deutsche Umwelthilfe fordert verbindliche Mehrweg-Förderung durch Umweltministerin Lemke und Kommunen

Die beste Lösung für das Einwegmüllproblem ist, Mehrweg zum Standard zu machen. Das ist die Kernbotschaft der zweiten Deutschen Mehrweg-Konferenz, die die Deutsche Umwelthilfe (DUH) am 22. November 2022 in Berlin ausrichtete.

Florian ReimannFlorian Reimann

Gemeinsam mit vielen teilnehmenden Unternehmen und Verbänden fordert die DUH von Bundesumweltministerin Steffi Lemke, aber auch von Kommunen, gezielte Maßnahmen zur Mehrweg-Förderung. Dazu gehören ein Abfallvermeidungsziel, Mehrwegquoten, Einwegabgaben, eine steuerliche Besserstellung von Mehrweg sowie eine grüne öffentliche Beschaffung.

Barbara Metz, DUH-Bundesgeschäftsführerin: „Zum Schutz von Klima und Ressourcen zählt jede Verpackung, die nicht neu produziert werden muss. Die konsequente Umsetzung der Mehrwegquote im Verpackungsgesetz ist hierfür ein wichtiger Schritt: Allein bei alkoholfreien Getränken beträgt das Einsparpotential bis zu 970.000 Tonnen CO2 pro Jahr. Doch die Realität bei Discountern wie Aldi und Lidl ist eine andere. Dort werden überhaupt keine Mehrweg-Getränkeverpackungen, sondern Einweg-Plastikflaschen und Dosen angeboten. Deshalb muss Bundesumweltministerin Lemke handeln und das ständige Unterschreiten der gesetzlichen Mehrwegquote durch eine Abgabe von mindestens 20 Cent auf Einweg-Plastikflaschen und Dosen zusätzlich zum Pfand sanktionieren.“

Die ab 1. Januar 2023 in Kraft tretende Mehrwegangebotspflicht wird aus Sicht der DUH zudem nicht ausreichen, um Mehrweg-to-go-Verpackungen marktdominant zu machen. Die Stadt Tübingen zeigt mit seiner Steuer auf Einweg-to-go-Geschirr auf kommunaler Ebene, was Umweltministerin Steffi Lemke auf Bundesebene tun sollte.

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„Die Mehrwegangebotspflicht regelt nicht, wie viele Getränke und Speisen in Mehrweg herausgegeben werden müssen. Sie kann einfach unterlaufen werden, indem die Rückgabe verkompliziert und Mehrweg unzureichend beworben wird. Damit möglichst viele Verbraucherinnen und Verbraucher auf Mehrweg umsteigen, braucht es finanzielle Anreize. Das zeigt das Beispiel Tübingen eindrücklich: Durch die Einführung einer kommunalen Verbrauchssteuer auf Einweg-to-go-Geschirr hat die Vermüllung des öffentlichen Raumes innerhalb kürzester Zeit deutlich abgenommen“, erklärt DUH-Leiter für Kreislaufwirtschaft Thomas Fischer.

Die innovativen Produkte, die auf der Mehrwegkonferenz vorgestellt werden, zeigen: Der Ansatz zur Wiederverwendung kann auf viele neue Bereiche problemlos ausgeweitet werden. Ein aktuelles Erfolgsbeispiel sind Mehrwegpaletten zum Transport von Pflanzen vom Erzeuger zum Händler. Bislang wurden dabei 95 Prozent Einweg-Plastikpaletten eingesetzt und so tausende Tonnen Müll verursacht. Durch die im August 2022 gegründete Genossenschaft „Euro Plant Tray“ wurde ein europaweites Mehrwegpoolsystem für Pflanzen auf den Weg gebracht.

Für Molkereiprodukte und weitere Lebensmittel, wie zum Beispiel Nussmus, kommen indes immer häufiger MMP-Standardgläser zum Einsatz. Dazu Metz: „Je mehr Anwender mit eigenen Produkten in Standardgläsern auf den Markt kommen, desto wichtiger wird ein zentrales Poolmanagement. Es reicht nicht aus, Mehrweg-Gläser einfach nur in den Markt zu bringen. Es braucht unternehmensübergreifende Zusammenarbeit zur Gebindenutzung, Rückführung, Spülung und Poolpflege. Eine zentrale gemeinsame Poolsteuerung gehört zu den wichtigsten Punkten für eine erfolgreiche und branchenweite Mehrweglösung.“

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Hintergrund

Um Wege aus der Einweg-Plastikkrise aufzuzeigen und innovative neue Mehrwegansätze vorzustellen, hat die DUH die Deutsche Mehrweg-Konferenz ins Leben gerufen und in diesem Jahr zum zweiten Mal durchgeführt. An der Veranstaltung haben mehr als 300 hochkarätige Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Politik, Gesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft in Berlin teilgenommen. Die Key-Note zur Eröffnung hielt Bundesumweltministerin Steffi Lemke.

Themen in diesem Artikel
Nachhaltigkeit und UmweltschutzMehrweg

Die Konferenz wird im Rahmen des Projekts „Mehrweg. Mach mit!“ ausgerichtet. Das Projekt ist Teil der Nationalen Klimaschutzinitiative der Bundesregierung und wird durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz gefördert, aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages.

 

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