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Digitale Gastronomie schafft nach der Pandemie einen Place-to-be

Seit über einem Jahr lag die Hoestenpumpe, Restaurant und Dorfkneipe in Wüllen – einem Stadtteil der Digitalstadt Ahaus – verlassen da. Coronabedingt gab der ehemalige Betreiber den Betrieb auf, jetzt wurde er von zwei jungen Brüdern dank digitaler Unterstützung wieder zum Leben erweckt. Mit einer cleveren Geschäftsidee wurde auch direkt das Problem des fehlenden Küchenpersonals gelöst.

HoesteHoeste

Ende Juni 2022 eröffneten Ludwig (25) und Kilian (27) die neue Hoeste mit erstmal 120 Sitzplätzen auf der Terrasse und einem Angebot an Getränken und Snacks. Ein echtes Speiseangebot gab es zum Start nicht, da die Innenräume noch renoviert wurden und für die Küche auch kein Personal zu finden war.

Ohne Gastronomieerfahrung planten die Brüder ihren neuen Betrieb so digital wie möglich aufzubauen. Um richtig effizient zu arbeiten und den Personaleinsatz auf ein Minimum zu beschränken, kam für Ludwig Groten nur der Einsatz von Self Ordering durch die Gäste in Frage. Da viele Ahauser Gastronomen (vom Imbiss, über Steakhaus bis zum Club) bereits die Software chayns für Bestell- und Bezahlprozesse (Selforder) nutzen, war es nur logisch, das bekannte System auch in der Hoeste einzuführen. Jetzt scannen die Gäste die QR-Codes auf den Tischen, bestellen über die digitale Speisekarte und bezahlen auch direkt per Smartphone. Bargeld gibt es in der Hoeste nicht. Selbst die Musik wird nicht über eine klassische Jukebox ausgewählt, sondern über ein Menüpunkt auf der Website. Die Gäste können sich mit ihren mobilen Endgeräten durch die vorher festgelegten Playlisten forsten und einen Song auf die Warteschlange setzen. Automatisch spielen die Musikboxen den gewünschten Song des Gastes, ohne das sich jemand vordrängeln kann. Für die Songauswahl bezahlen muss man noch nicht, da es zu der guten Atmosphäre in der Hoeste beisteuert und auch die Schlager-Playlist nur zu einer bestimmten Zeit von 0 bis 2 Uhr zur Verfügung steht. Durch die verschiedenen verschlankten Prozesse fallen viele Wege weg und der tägliche Betrieb ist mit nur einem Barkeeper unter der Woche und einem Barkeeper, sowie einer Servicekraft am Wochenende möglich. Zum Glück, denn viel mehr Personal findet sich in diesem kleinen Stadtteil auch gar nicht.

Voraussetzungen, um die Hoeste so digital betreiben zu können, ist eine flächendeckende gute WLAN-Verbindung, ein Betriebssystem wie chayns, welches die gesamte Zahlungsabwicklung und Kommunikation, sowie die zahlreichen Anwendungen mit sich bringt und natürlich auch eine ganze Menge Mut, der sich direkt ausgezahlt hat. Direkt vom Start an wurde das Angebot gut angenommen, da die Gäste heutzutage ohnehin alles mit ihrem eigenen Smartphone machen. Warum dann nicht auch darüber bestellen oder die Musik auswählen, stellt Kilian Groten infrage.

Immer öfter fragten die Gäste aber auch nach einem echten Speiseangebot. Da kein Koch zu finden war, suchten die Brüder nach einer Alternative und fanden sie in ihrem Self Order System und der Pizzeria von Gegenüber. Eine Auswahl an Pizzen wurde einfach in der digitalen Speisekarte ergänzt. Wenn jetzt in der Hoeste eine Pizza bestellt wird, landet die Bestellung auf dem Terminal der Pizzeria, wird zubereitet und über die Straße gebracht. Das geschieht ohne Plastiktüten und Pappkartons, direkt auf dem Teller. Eine Win-Win-Situation für Gäste, Pizzeria, Hoeste und die Umwelt.

Damit auch die Anlieferung von Getränken optimiert werden kann, wurde der lokale Getränkelieferant an das System gekoppelt. Denn nicht nur Self Order Prozesse lassen sich darüber abwickeln, sondern vieles mehr, unter anderem auch die Anbindung von Schließmechanismen und die damit verbundene Rechtevergabe. Diese Rechte bekommt der Lieferant für sein Smartphone, um dann die Bluetooth-Schlösser zu öffnen und den Nachschub ins Lager zu bringen. Das setzt natürlich Vertrauen voraus, führt aber dazu, dass beide Seiten von der Flexibilität profitieren.

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Ohne großen Aufwand und Investitionen haben die beiden Brüder die Hoeste wieder zu einem Mittelpunkt der Wüllener Dorfgemeinschaft gemacht. Die digitalen Möglichkeiten der Plattform chayns unterstützen die dabei, führen Getränke und Speiseangebote zusammen und erlauben einen wirtschaftlichen Betrieb auch in Zeiten von Personalknappheit. In der Zukunft soll auch noch mehr in Gebäudesteuerung investiert werden, sodass sich das gesamte Gebäude mit dem Smartphone ein- und ausschalten lässt und damit noch mehr Wege gespart werden.

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