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Hotelklassifizierung: Je ehrlicher die Sterne, desto besser für alle

Wer verreist, will meist wissen, was ihn erwartet. Eine wichtige Orientierung geben dabei die Sterne der Deutschen Hotelklassifizierung. Derzeit tragen rund 8300 Betriebe die Auszeichnung. Nach mehreren Fernsehberichten über Missbrauch bei der Nutzung der Sterne hat der DEHOGA in den letzten Monaten viel unternommen, um den Wert der Marke „Deutsche Hotelklassifizierung“ hoch zu halten.

Bei den Sternen nah an der Wahrheit bleibenstrecosa | Pixabaystrecosa | Pixabay

Das Reiseland Deutschland liegt sowohl bei Gästen im Inland als auch im Ausland weiter im Trend und überzeugt mit einer Fülle an Urlaubsmöglichkeiten wie Geschäftsreisezielen – und mit einer riesigen Bandbreite an unterschiedlichsten Hotels. Nie war die Auswahl größer. Hier den Überblick zu behalten ist nicht einfach. Eine verlässliche Orientierungs- und Entscheidungshilfe bieten die Hotelsterne. Die Gäste erhalten eine klare Übersicht über die Leistungen und Angebote, die sie im jeweiligen Hotel erwarten dürfen.

Hierzulande dürfen Hotels nur mit den Sternen werben, sofern sie diese nach einer Überprüfung anhand objektiver Kriterien durch eine neutrale Stelle zuerkannt bekommen haben. Diese neutrale Stelle ist die Deutsche Hotelklassifizierung des DEHOGA. „Derzeit sind rund 8.300 Betriebe gültig klassifiziert“, heißt es vom DEHOGA. Das sind über 40 Prozent aller in Frage kommenden Betriebe. Vor zehn Jahren, waren es nur 7.741.

Vor gut zwei Jahren ist die Deutsche Hotelklassifizierung in die Schlagzeilen geraten. Fernsehreporter hatten den missbräuchlichen Gebrauch von Hotelsternen aufgedeckt. „Teilweise haben Betriebe mit veralteten Sternen geworben, teilweise haben sie sich die Sterne selbst gegeben“, berichtet Wolfgang Henke, der in Nordrhein-Westfalen die Deutsche Klassifizierung leitet. „Wir haben uns verlassen und auf die Ehrlichkeit der Unternehmer vertraut.“ Doch dieses Vertrauen wurde bitter enttäuscht. Enttäuscht durch Hoteliers, die das System missbraucht haben.

Weckruf

Die Fernsehberichte hatten für Wolfgang Henke aber auch eine gute Seite: „Dadurch sind alle wach geworden.“ Der DEHOGA hat eine Agentur beauftragt, die im Internet systematisch nach Missbrauchsfällen sucht. „Seit Herbst 2016 haben wir auf die oben genannte Weise insgesamt mehr als 2.000 (genau 2.053) Fälle ermittelt, in denen auf hoteleigenen Internetseiten illegitim mit Sternen geworben wurde“, meldet der DEHOGA. Die Maßnahmen zeigen Erfolg, denn die Quote der Verdachtsfälle ist bei den beiden bisher ausgewerteten Screenings rückläufig: „Sie lag im Herbst 2016 beim ersten Monitoring bei 5,5 Prozent und sank im Rahmen des zweiten Monitorings im Frühjahr 2017 auf 3,8 Prozent.“ Bei 472 der aufgedeckten Fälle (rund 23 Prozent) ist zwischenzeitlich eine Klassifizierung erfolgt bzw. beantragt, so die Bilanz des DEHOGA. Weiteren Fällen, die von den Wettbewerbszentralen oder von Kollegen und Kunden gemeldet werden, geht der DEHOGA natürlich ebenfalls nach. Die dann fällige Unterlassungserklärung kostet rund 250 Euro. Reagiert der entsprechende Betrieb nicht, wird es noch teurer.

Für Wolfgang Henke ist die Zwischenbilanz ein gutes Zeichen. Denn für alle Beteiligten geht es um den Wert der Marke „Hotelklassifizierung“. Nur zu einer ehrlichen Marke könnten die Gäste Vertrauen aufbauen, nur dann könnten alle davon profitieren. „Je ehrlicher die Marke, desto besser für alle“, so Henke, der noch einmal ausdrücklich darauf hinweist, dass die Sterne geschützt sind und auch eine ähnlichen Symbole verwendet oder im Fließtext auf „Sterne“ Bezug genommen werden darf.

Dabei ist die Klassifizierung des eigenen Betriebes eine lohnende Investition. Denn: Immer mehr Gäste achten auf dieses Zeichen und buchen nur in klassifizierten Betrieben. Für DEHOGA-Mitglieder gibt es bei der Hotelklassifizierung sogar einen Vorteilstarif.

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Themen in diesem Artikel
ManagementHotelklassifizierungHotelsterne

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