Suche

Mehrumsatz durch Erhöhung des Deckungsbeitrags für Getränke

Der mit Getränken erwirtschaftete Deckungsbeitrag reicht nicht aus um die Servicefachkräfte ausreichend zu bezahlen. Das wird die nächsten Jahre so bleiben, wenn keine Maßnahmen zur Erhöhung des Deckungsbeitrages bei Getränken und Serviceleistung ergriffen werden. Uwe Ladwig, Inhaber von F & B Support in Willich, zeigt die Möglichkeiten zur Steigerung des Deckungsbeitrags detailliert auf.

F & B Support

Wenn es gut läuft, liegt der Getränkeanteil im Durchschnitt bei 35% bis 40% des Gesamtumsatzes der Speisen und Getränke. Wenn es eher schlecht läuft, sind es weniger als 30% Getränkeanteil am Gesamtumsatz. Dafür gibt es zwei Hauptgründe.

Der 1. Grund ist die Reduzierung der Mehrwertsteuer bei Speisen von 19% auf 7%. Das ist ein schöner Grund, weil mehr Deckungsbeitrag (12%) bei Speisen für den Betrieb übrig bleibt, natürlich nur unter der Voraussetzung, dass der Gastronom seine Preise bei der Senkung der Mehrwertsteuer nicht reduziert hat.

Der 2. Grund teilt sich, zum Einen trinken die Gäste nicht mehr so viel, zum Anderen werden den Gästen nicht mehr genug Getränke angeboten, weil einfach die Servicefachkräfte für einen proaktiven Verkauf fehlen.

Partner aus dem HORECA Scout

Eine typische Aussage von Gästen und Mitarbeitern der Gastronomie lautet „Mit Getränken verdient der Gastronom das meiste Geld bzw. mit den Getränken machen wir den meisten Umsatz.“ Doch ist das wirklich so? Was heißt Geld verdienen in der Betriebswirtschaft? Am besten prüfen Sie es einfach selbst, wie, wird nun wie folgt kurz beschrieben.

Schritt 1

Ermittlung des Umsatzverhältnisses in % zwischen Speisen und Getränke –
mit folgender Formel können Sie das mit den Zahlen aus Ihrem Betrieb durchführen:

Lesen Sie auch
Künstliche Intelligenz, KI und AutomationSoftware und SystemeDigitalisierung
Kostenlose Menü-Analyse deckt Umsatzpotenzial im Room Service auf

Getränkeumsatz x 100 / Gesamtumsatz F&B
Beispiel: 649.000 € x 100 / 1.578.000 € = 41,1% (guter Getränkeanteil)

Bei jedem Ergebnis zwischen 30 – 35% oder niedriger, besteht das Potenzial, durch Erhöhung der Verkaufskontakte den Getränkeanteil und die Marge zu erhöhen.

Themen in diesem Artikel
BeverageRecht und FinanzenDeckungsbeitrag

Schritt 2

Beantwortung der Frage: Womit verdient unser Restaurant mehr Geld – Getränke oder Speisen?

In dem Bereich, wo der Deckungsbeitrag 1 (DB 1) auch Rohgewinn genannt höher ist, verdienen wir mehr Geld. Den DB 1 können wir ganz einfach mit folgender Formel errechnen:

Umsatz netto – Wareneinsatz netto = DB 1

Lesen Sie auch
Beleuchtung und DekorationAusstattung und Interieur
Glanzvolle Akzente im Hoteldesign: Rechnen sich echte Edelmetalle?

Die benötigten Zahlen zur Ermittlung des DB 1 (Nettoumsatz Speisen, Nettoumsatz Getränke, Wareneinsatz Speisen, Wareneinsatz Getränke) besorgen Sie sich aus der Betriebswirtschaftliche Auswertung (BWA) oder Ihrem Controllingsystem.

Übrigens: Das Finanzamt oder der Steuerberater nennt den DB 1 auch Rohgewinn. Daraus ergibt sich die Richtwertkennzahl Rohgewinnaufschlagssatz (RGAS). Ist der RGAS des Betriebes niedriger als die Richtwertkennzahl vom Finanzamt, kann es ggf. zu einer Betriebsprüfung kommen. Daher ist die regelmäßige Kontrolle, ob der RGAS passt = hoch genug ist, ganz wichtig.

Beispiel zur Ermittlung des DB 1:
Umsatz netto Getränke – Wareneinsatz netto Getränke = DB 1 Getränke
649.000 € – 79.000  €= 570.000 €

Umsatz netto Speisen – Wareneinsatz netto Speisen = DB 1 Speisen
929.000 € – 295.000 € = 634.000 €

In diesem Beispiel ist der DB 1 für Speisen höher, in diesem Restaurant wird also mit Speisen mehr Geld, mehr Euros verdient. Weshalb schreibe ich hier extra Euros? Weil ganz viele Gastrokollegen und Berater leider immer noch zu viel in Prozenten anstatt in Euros denken. Prozente können nicht zur Bank gebracht werden.

Ganz wichtig ist es, diese Berechnungen für den eigenen Betrieb durchzuführen und alle Mitarbeiter, die auf den DB 1 einen Einfluss haben, darüber zu informieren und trainieren.

Schritt 3

Jetzt gehen wir noch einen Schritt weiter. Wir errechnen den DB 2. Wir wollen herausfinden, welche Abteilung mehr DB 2 erwirtschaftet. Diese Information ist entscheidend für weitere, notwendige Maßnahmen zur Verbesserung des Betriebsergebnisses.

Einen besseren DB 2, auch operatives Abteilungsergebnis genannt, benötigen wir zwingend, um in den nächsten Jahren die anstehenden Herausforderungen wie mehr Fachkräfte, Azubis, Verdienst, Liquidität, Automatisierung, Digitalisierung, Verbesserung der Produktivität, Weiterbildung zur Qualifizierung der Mitarbeiter u.v.m. bezahlen zu können.

Beispiel zur Ermittlung des DB 2:
Umsatz netto Getränke – Wareneinsatz netto Getränke – Personalkosten Service = DB 2 Getränke
649.000 € – 79.000 € – 307.000 € = 263.000 €

Umsatz netto Speisen – Wareneinsatz netto Speisen – Personalkosten Küche = DB 2 Speisen
929.000 € – 295.000 € – 264.000 € = 370.000 €

Umsatz netto F&B – Wareneinsatz F&B – Personalkosten F&B = DB2 F&B
1.578.000 € – 374.000 € – 571.000 € = 633.000 €

In diesem Beispiel aus einem klassischen, gastronomischen Betrieb, ist der DB2 in der Küche höher als im Service. Diese Analyse öffnet so die Augen für die richtigen Maßnahmen, um den DB 2 zu erhöhen. 1.) Zahlen 2.) Kopf und 3.) Bauch ist die Reihenfolge für eine erfolgreiche Verbesserung. Mit dem Gesamt DB 2 müssen alle Kosten wie Pacht, Energie, Verwaltung, Marketing, AfA, GWG, Zinsen und der Unternehmergewinn gedeckt werden. Aus dieser Systematik ist der Begriff Deckungsbeitrag entstanden.

Das Ergebnis dieses gastronomischen Betriebes beim DB 1 und DB 2 ist kein Einzelfall. In vielen Restaurants wird zu wenig getrunken oder es werden zu wenige Getränke verkauft, um die Dienstleistung Service bezahlen zu können bzw. fehlende Servicemitarbeiter zurückzugewinnen. Es kommt auch in Betrieben nicht selten vor, dass der Deckungsbeitrag 2 im Service an Tagen minus ist. Doch leider weiß es keiner. Frei nach dem Motto, was ich nicht weiß macht mich nicht heiß. Ob das eine gute Lösung ist für die Zukunft ist, den DB 2 nicht täglich zu Wissen, halte ich für sehr sehr sehr gefährlich.

Neben dem Mehrverkauf von Getränken, Umstellung auf Deckungsbeitragskalkulation ist die Anwendung von Getränke- und Servicepauschalen eine weitere Möglichkeit zur Verbesserung des DB. Bei Feierlichkeiten werden mit Getränke- und Servicepauschalen oder den All-Inklusiv-Feiern (das Rundum-Sorglos-Paket) bereits beste Ergebnisse erzielt. Ich bin überzeugt, dass diese Maßnahmen für die Zukunft sogar zwingend erforderlich sind, ansonsten werden die Probleme Fachkräftemangel, geringer Verdienst und geringe Liquidität in der Gastronomie niemals gelöst.

Die Möglichkeiten zur Erhöhung des DB für Getränke auf einen Blick

  1. Getränkekalkulation auf Deckungsbeitrags Preispolitik umsteigen
  2. Die Mitarbeiter im Service auf Mehrverkauf trainieren
  3. Einsatz von Getränke- und Servicepauschalen bei Veranstaltungen
  4. Verkaufskontakte durch das Serviceteam erhöhen

Profis haben immer eine Lösung. Amateure lösen Ihre Probleme immer nach dem Motto – Wir brauchen mehr Fachkräfte. Immer wieder will die Hotellerie und Gastronomie scheinbar Ihre Probleme immer nur durch mehr Mitarbeiter lösen (die vorhandenen zu trainieren findet immer noch viel zu wenig statt). Die Lösung mehr Mitarbeiter wird es aber in absehbarer Zukunft nicht mehr geben. Nur mit dem richtigen Denkweise der Preisgestaltung, Automatisierung und Digitalisierung können wir die Herausforderung der nächsten Jahre lösen.

SuitePad
Digitalisierung

Kostenlose Menü-Analyse deckt Umsatzpotenzial im Room Service auf

Der Zimmerservice vieler Hotels verschenkt systematisch Umsatz – oft ohne dass die Betreiber es wissen. Ein neues Analyse-Tool macht die Schwachstellen innerhalb von zwei Minuten sichtbar und zeigt auf Basis von über 200.000 Bestellvorgängen, wo konkret Optimierungsbedarf besteht.

Nick Fewings, Unsplash
Ausstattung und Interieur

Glanzvolle Akzente im Hoteldesign: Rechnen sich echte Edelmetalle?

Gold im Hoteldesign ist mehr als pure Dekoration – es ist ein Statement. Doch zwischen dem optischen Wow-Effekt und der wirtschaftlichen Realität liegt eine komplexe Kalkulation. Volatile Rohstoffpreise, aufwändige Handwerkskunst und anspruchsvolle Pflege: Wann lohnt sich der Griff zum echten Edelmetall, und wo reicht geschicktes Akzentuieren aus?

StockSnap, Pixabay
Branche und Trends

Hunger auf Stammgäste: Wie digitale Kundenbindung die Gastronomie verändert

Steigende Kosten, knappes Personal, verschärfter Wettbewerb – und trotzdem sollen die Tische voll und die Gäste treu bleiben? Ein neuer Branchenreport zeigt: Wer seine Gäste digital bindet, gewinnt nicht nur mehr Umsatz, sondern echte Verbundenheit. Doch Vorsicht: Pauschale Angebote reichen längst nicht mehr. Was Gäste heute wirklich erwarten und warum das Smartphone den Stempelpass ablöst.

Weitere Artikel zum Thema

Poster POS, Unsplash
Arbeitsschutz, Kassennachschau, Online-Bewertungen: Was wie drei getrennte Baustellen wirkt, folgt 2026 einem gemeinsamen Prinzip. Betriebe müssen jederzeit belegen können, was sie wissen, was sie tun und wer wofür verantwortlich ist. Digitale Dokumentation wird damit vom[...]
Poster POS, Unsplash
NakNakNak, Pixabay
Die Bundesregierung plant, die Tierhaltungskennzeichnung auf Restaurants, Kantinen und verarbeitete Lebensmittel auszuweiten. Acht Branchenverbände von der Systemgastronomie bis zum Bäckerhandwerk laufen dagegen Sturm. Ihr Argument: Die Reform belastet Betriebe mit Millionenkosten und bürokratischem Aufwand –[...]
NakNakNak, Pixabay
johannes86, iStockphoto
Bis Juni 2026 muss Deutschland die EU-Entgelttransparenzrichtlinie in nationales Recht umsetzen. Die neuen Regelungen betreffen Betriebe jeder Größe und bringen weitreichende Änderungen im Umgang mit Gehältern. Wer sich jetzt vorbereitet, verschafft sich einen entscheidenden Vorsprung[...]
johannes86, iStockphoto
Future Payments GmbH
Viele Gastronomen wissen nicht, welche Kosten ihr Kartenterminal wirklich verursacht. Gebührenmodelle sind komplex, Verträge unübersichtlich – und das Kleingedruckte kann monatlich mehrere hundert Euro Unterschied bedeuten. Spätestens mit einer möglichen Kartenzahlungspflicht wird dieses Thema zum[...]
Future Payments GmbH
Bayerische Staatsbrauerei Weihenstephan
Mild, malzig, massentauglich – und zunehmend auch alkoholfrei: Das Helle hat sich vom bayerischen Klassiker zum bundesweiten Bestseller entwickelt. Die Bayerische Staatsbrauerei Weihenstephan, älteste Brauerei der Welt, zeigt in ihrem aktuellen Themendienst, warum der Bierstil[...]
Bayerische Staatsbrauerei Weihenstephan
Unser Newsletter

Bleiben Sie auf dem Laufenden mit regelmäßigen Informationen zum Thema Gastgewerbe. Ihre Einwilligung in den Empfang können Sie jederzeit widerrufen.