Rechtstipp

Mehrwertsteuersenkung: folgen nun mehr Betriebsprüfungen?

Zur Unterstützung der Wiederbelebung von öffentlichem Leben und der Wirtschaft hat die Bundesregierung auch eine Änderung des Mehrwertsteuersatzes beschlossen. Zuvor wurde der für die Gastronomie der Steuersatz für Speisen von 19 % auf 7 % abgesenkt. Welcher Steuersatz gilt ab wann nun und was ist zu tun? Rechtsanwalt und Steuerrechtsexperte Johannes Höfer klärt auf und sagt voraus, dass die Finanzverwaltungen noch mehr Betriebsprüfungen vornehmen werden.

© Johannes Höfer

Allgemeine Änderungen

Das Konjunkturpaket sieht vor, dass im zweiten Halbjahr 2020 die Mehrwertsteuer ganz allgemein von 19 % auf 16 % reduziert wird. Der ermäßigte Steuersatz sinkt von derzeit 7 % auf 5 %. Diese Änderung des Steuersatzes gilt vom 1. Juli 2020 bis zum 31. Dezember 2020. Danach gelten wieder die alten Steuersätze.
Das bedeutet, dass alle Lieferungen und Leistungen, auf die Mehrwertsteuer gezahlt werden muss, mit den neuen Steuersätzen bepreist werden müssen. Die Einteilung welcher Steuersatz auf eine Lieferung oder Leistung anzuwenden ist, ändert sich nicht. Das bedeutet, dass Waren oder Dienstleistungen, die vor der Änderung mit 19 % besteuert wurden nunmehr mit 16 % besteuert werden müssen.

Änderungen in der Gastronomie

Um die zwischenzeitlich brachliegende Gastronomie zu unterstützen wird für die Zeit vom 30. Juni 2020 bis zum 1. Juli 2021 der Mehrwertsteuersatz für Speisen von 19 % auf 7 % abgesenkt. Demgegenüber bleiben Getränke mit 19 % mehrwertsteuerpflichtig. Bei den Getränken gibt es allerdings nach wie vor die Ausnahme für Milch und Wasser, die mit dem ermäßigten Steuersatz besteuert werden müssen. Auch die Regelungen zu Außer-Haus-Umsätzen bleiben davon unberührt.
Das bedeutet dann konkret: Speisen zum Verzehr an Ort und Stelle werden bis 31.12.2020 mit 5% Umsatzsteuer berechnet, dann ein halbes Jahr (bis 30.6.2021) mit 7% und dann wieder mit 19%.

Sie haben eine Frage dazu? Nehmen Sie hier Kontakt auf:

Auswirkungen der Steueränderungen für die Unternehmen

Wie bisher auch müssen sämtliche Unternehmer ihre Umsätze aufzeichnen. Im Rahmen der Mehrwertsteuer macht es dabei keinen Unterschied, ob der Gewinn durch Einnahmeüberschussrechnung oder eine Bilanz ermittelt wird. Der Unternehmer ist nach dem Umsatzsteuergesetz dazu verpflichtet, die Umsätze mit den verschiedenen Mehrwertsteuersätzen einzelnen aufzuzeichnen. Dabei ist insbesondere auch die Trennung der unterschiedlichen Mehrwertsteuersätze und die korrekte Anwendung auf die angebotenen Waren oder Dienstleistungen besonders wichtig. In Betriebsprüfungen ist dies, gerade auch in der Gastronomie, immer wieder Streitpunkt.

Das bedeutet für den Unternehmer nun, dass die Systeme zur Erstellung von Rechnungen kurzfristig umgestellt werden müssen. Auch Kassensysteme müssen auf die neuen Steuersätze umgestellt werden. Wird ein zu hoher Steuerbetrag in einer Rechnung ausgewiesen, muss dieser Steuerbetrag -obwohl falsch- an das Finanzamt gezahlt werden. Dies kann nur vermieden werden, wenn die falsche Rechnung berichtigt wird.

Es ist schon jetzt davon auszugehen, dass insbesondere die Umstellung der Mehrwertsteuersätze in der Gastronomie für die Finanzverwaltung Anlass sein werden, in den folgenden Jahren die Gastronomen verstärkt zu prüfen. Aber auch alle anderen von den Änderungen betroffenen Unternehmer dürfen nicht sorglos mit den Aufzeichnungen umgehen.

Fehler bei den Aufzeichnungen führen regelmäßig zur Schätzungsbefugnis des Finanzamts. Erfahrungsgemäß sorgt dies für Streit und ist teuer. Daher gilt: Vorsorge ist besser als Nachsorge.

Bei Fragen dazu können Sie sich an Rechtsanwalt Johannes Höfer per E-Mail (kanzlei@port7.de) oder Telefon (0251 / 203 188 00) wenden.

Sie haben eine Frage dazu? Nehmen Sie hier Kontakt auf:

Bisher keine Kommentare zu “Mehrwertsteuersenkung: folgen nun mehr Betriebsprüfungen?”

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Weitere Artikel zum Thema

Arbeitsrecht

Einführung einer Impfpflicht von Beschäftigten durch Arbeitgeber?

© Annabelle Marceau

Durch die Zulassung eines Corona-Impfstoffes scheint der Ausweg aus der Corona-Pandemie eröffnet: Durch die beabsichtigte Immunisierung der Bevölkerung können nunmehr auch Gastronomen und Hoteliers auf eine Rückkehr zum „Normalbetrieb“ hoffen. Da eine „Herdenimmunität“ in der Bevölkerung aber noch geraume Zeit in Anspruch nehmen wird, scheint die Impfung von Beschäftigten im Hotel- und Gastgewerbe zur Minderung des Ansteckungsrisikos als schnell umsetzbares Ziel. Ob Arbeitgeber eine solche Impflicht rechtswirksam einführen können, erklärt Rechtsanwältin Annabelle Marceau, Mitglied des Arbeitsrechtsteams von Oppenhoff & Partner.

Unternehmensführung

Stammgäste und neue Gäste zurückgewinnen

© cookie_studio | Freepiks

Für die Unternehmen und Mitarbeiter bleibt es eine spannende Zeit. Denn Gäste-Kontakt mit Abstand wird heuer im Herbst und im Winter in der Tourismusbranche anhalten. Das ist Grund genug, dass sich das Team der Marketing-Berater von Kohl & Partner darüber Gedanken gemacht hat. Lesen Sie mit welchen vielversprechenden Marketing- und Kommunikationsmaßnahmen entlang der von Kohl & Partner definierten Corona Guest Journey Sie Ihre Stammgäste zurück und neue Gäste gewinnen können.

Zukunftstrends

Das kommt 2021 auf den Tisch: 5 Gastro-Trends nach dem Pandemie-Jahr

© DisobeyArt | iStockphoto

Zwangsschließungen, Umsatzeinbrüche, Kurzarbeit: Nachdem das Gastro-Jahr 2020 ganz im Zeichen der Pandemie stand, wird Covid-19 die Branche auch 2021 nachhaltig verändern. Die Politik versucht, die durch Lockdowns gezeichnete Branche mit staatlichen Programmen wirtschaftlich am Leben zu halten. „Wer am Ende durch diese Krise kommt, ist derzeit noch nicht abzusehen”, sagt Felix Schönfelder, Geschäftsführer von Socialwave. Mit Blick auf das Gastro-Jahr 2021 erwartet Schönfelder fünf Trends, die den individuellen Erfolg von Gastronomiebetrieben im kommenden Jahr maßgeblich mitbestimmen werden.

Doppelinterview mit Otto Lindner und Thomas Spreitzer

Digitaler Neustart für die Hotelbranche

Auch im Gastgewerbe hat sich mit der Wiedereröffnung von Hotels und Restaurants nach dem Ad-hoc-Lockdown im März gezeigt: Die Digitalisierung konnte die Schließung nicht verhindern, hat aber das Wiederhochfahren erleichtert und bietet die Chance für neue Geschäftsideen. Ein Interview mit Otto Lindner, Chef der Lindner Hotels AG und Vorsitzender des Hotelverbands Deutschland (IHA), und Thomas Spreitzer, Digitalisierungsexperte und bei der Telekom verantwortlich für den Vertrieb KMU und Marketing Geschäftskunden.