Personalplanung

New Work – warum der 4-Stunden Tag ein mögliches Konzept ist

4 Stunden arbeiten und trotzdem genug Geld für ein glückliches Leben verdienen? Für viele Menschen klingt das nach einem wahren Traum. Das innovative New Work Konzept setzt genau auf diesen Zustand und passt sich damit dem stetigen Wandel der Arbeitswelt entschlossen an. Aber ist in Zeiten der Digitalisierung und Optimierung zahlreicher Branchen ein derartiger Paradigmenwechsel auf dem deutschen Arbeitsmarkt überhaupt denkbar?

Flexible Arbeitszeiten für mehr Freizeit und Motivation.
© BRUNO CERVERA |Unsplash

Was zeichnet das New Work Konzept aus?

Das New Work Konzept basiert auf dem amerikanischen Philosophen Frithjof Bergmann, der als Erster einen nur vier Stunden langen Arbeitstag voraussagte. Die Freiheit spielte in seinen Überlegungen stets eine übergeordnete Rolle, weshalb er auf diese besonders viel Wert legte. Durch die vielseitigen Diskussionen um politische Entwicklungen im wirtschaftlichen Kontext wird dieser Vorschlag heute vermehrt wieder aufgegriffen und im Kontext Arbeit von morgen erneut zu einer denkbaren Alternative.

Durch diese neue Form der Arbeitszeit-Einteilung sollen neue Motivationen auf dem Arbeitsmarkt geschaffen werden, sodass Arbeiten wieder mehr an Menschlichkeit gewinnt. Besonders für die jüngeren Generationen soll ein derartiger Wechsel Anlass zu einer guten Life-Work Balance sein, durch die der Mensch und seine individuelle Motivation jederzeit im Zentrum der Arbeitswelt stehen.

Mehr Anreize können sich lohnen

Teil des New Work Konzeptes ist diesbezüglich allerdings nicht nur eine Reduzierung der Arbeitszeiten. Neben dieser Forderung umfasst das Konzept beispielsweise auch einen Abbau bestehender Hierarchien, wodurch Selbstbewusstsein und Freiheit auf dem Arbeitsmarkt wieder mehr an Bedeutung gewinnen sollen.

Auch Flexibilität wird diesbezüglich zu einem wahren Schwerpunkt, durch die sich Arbeitsort, -zeit und natürlich auch die Branche entsprechend einfacher wechseln lassen. All diese Forderungen nach mehr Freiheit werden gleichzeitig durch eine offenere Kommunikation und transparentere Auseinandersetzung gestärkt, um die Personalführung auf das moderne Niveau anzuheben.

Kann das wirklich funktionieren? – ein Beispiel aus der Praxis

Das Hotel Deichgraf in Wremen, welches aus einem Team mit 28 Mitarbeitern besteht, hat selbst bereits grundlegend etwas an der Personalführung verändert. Der Leiter des Hotels setzt an dieser Stelle auf flache Hierarchien, durch die jeder Mitarbeiter selbst die Möglichkeit bekommt, etwas zur positiven Entwicklung des Hotels beizutragen.

Jeder Mitarbeiter hat somit die Chance, selbst am Erfolg des Hotels beteiligt zu sein und mit neuen Aufgaben in Berührung zu kommen. Das grundlegende Leistungsprinzip wird dadurch komplett neu definiert, wodurch die Zufriedenheit des Berufs wichtiger ist als das bloße Abarbeiten vorhandener Strukturen. Durch die Förderung der Mitarbeiter hat sich im Hotel selbst die Krankheitsquote auf drei Prozent verringert, während die Zufriedenheitsquote mittlerweile mehr als 80 Prozent erreicht hat.

Diese Ansätze führen zu einer erfolgreichen Neuauslegung der Arbeitswelt

Das New Work Konzept ist diesbezüglich mehr als eine geringfügige Neuauslegung vorhandener Arbeitsstrukturen. Viel mehr bezeichnet dieses Konzept einen gesamten Wechsel der Arbeitsstruktur, durch den jeder Teil eines Teams eine grundlegende Wertschätzung erfährt.

Das Lernen durch den vielseitigen Austausch miteinander spielt dabei eine entscheidende Rolle, da nur durch die gemeinsame Interaktion eine stimmige Arbeitsatmosphäre entstehen kann. Durch zufriedenere Arbeitnehmer fällt die Kommunikation zudem direkt leichter, weil keine Abhängigkeit mehr durch Hierarchien und andere Einflüsse besteht.

Dabei ist die Balance aus dem privaten und beruflichen Leben äußerst wichtig. Dazu gehören auch Schlaf, Bewegung und eine gesunde Ernährung, durch die ein vitaler Start in den Tag problemlos möglich ist. Verantwortung im Beruf lässt sich dabei nur stemmen, wenn ein freizeitlicher Ausgleich zur Regeneration der täglich erforderlichen Kräfte geschaffen wird.

Menschliche Werte sind dabei wichtiger als bloße Methoden, weshalb auf eine offene und transparente Arbeitsgestaltung geachtet werden sollte. Strategien und weitere Konzepte gehören dabei natürlich zur Arbeitswelt dazu, sollten allerdings nicht mit den Bedürfnissen der Mitarbeiter und Partner konkurrieren.

Wertschätzung sorgt grundsätzlich für eine angenehmere Arbeitsatmosphäre, da sich Mitarbeiter durch Zustimmung oder andere positive Reaktionen bestätigt fühlen. So hat jedes Mitglied des Teams die individuelle Möglichkeit, sein Potenzial zu entfalten und seinen Ideen sowie Vorschlägen freien Lauf zu lassen.

Die Eignung des Konzepts für die Hotel- und Gastronomiebranche

Vor allem in der Hotellerie oder Gastronomie kann eine grundlegende Freiheit schnell zum Verlust der Kontrolle führen. Dennoch ist Vertrauen in das eigene Personal diesbezüglich entscheidend, weshalb das New Work Konzept auch im Dienstleistungsbereich hitzig diskutiert wird. Bisher kann aber natürlich jedes Unternehmen selbst über seine Strukturen bestimmen und die täglichen Aufgaben entsprechend anpassen.

In einer Branche, die derart auf vielseitige Mitarbeiter angewiesen ist, wird eine überzeugende Recruiting-Strategie allerdings immer wichtiger. New Work kann dabei selbst zu einem wichtigen Ansatz werden, durch den sich Hotels und Restaurants einen Wettbewerbsvorteil verschaffen und zu wirklich attraktiven Arbeitgebern aufsteigen. So wird der 4-Stunden Tag eventuell doch zu einer ernsten Alternative auf dem Arbeitsmarkt der Zukunft.

2 Kommentare zu “New Work – warum der 4-Stunden Tag ein mögliches Konzept ist”

  1. Ein solches Konzept mit nur 4 Stunden Arbeit pro Arbeitstag kann evtl. in Bereichen funktionieren die keinen Kunden oder Gästekontakt haben, oder wenn es uns gelingt Gäste zu finden die für eingeschränkte Leistungen den doppelten Preis bezahlen.

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