Suche

Rote Arbeitshosen erlaubt: Arbeitgeber dürfen Dienstkleidung vorschreiben – unter bestimmten Bedingungen

Darf ein Arbeitgeber vorschreiben, welche Farbe die Arbeitshose seiner Mitarbeitenden haben soll? Ja, sagte das Landesarbeitsgericht Düsseldorf – und setzte damit ein klares Zeichen für unternehmerische Gestaltungsspielräume im Arbeitsalltag.

cottonbro studio, Pexelscottonbro studio, Pexels

Der Fall: Techniker verweigert rote Hose

Ein technischer Mitarbeiter eines Großunternehmens im Bereich Gebäude- und Anlagentechnik hatte sich geweigert, eine vom Arbeitgeber vorgeschriebene rote Schutzhose zu tragen. Er sah darin eine Verletzung seines allgemeinen Persönlichkeitsrechts – insbesondere seines Rechts auf freie Entfaltung. Die rote Farbe widerspreche seinem Geschmack und beeinträchtige sein Erscheinungsbild im privaten und beruflichen Umfeld. Der Arbeitgeber kündigte das Arbeitsverhältnis schließlich – und der Fall landete vor Gericht.

Das Urteil: Einheitlichkeit und Sichtbarkeit rechtfertigen Eingriff

Das Landesarbeitsgericht Düsseldorf bestätigte in zweiter Instanz (Urteil vom 21.02.2024, Az. 12 Sa 275/23) die Entscheidung des Arbeitgebers. Die Richter führten aus: Die Vorgabe der roten Hose sei sachlich gerechtfertigt. Sie diene der einheitlichen Außendarstellung des Unternehmens sowie der besseren Sichtbarkeit der Mitarbeitenden – also sowohl Marketing- als auch Arbeitsschutzinteressen. In diesem Kontext müsse das Persönlichkeitsrecht des Mitarbeiters zurücktreten.

Partner aus dem HORECA Scout

Wichtig: Die Entscheidung bezieht sich auf Berufskleidung im betrieblichen Umfeld. Für private Kleidung oder äußerliche Merkmale wie Frisur, Bart oder Tattoos gelten höhere Schutzstandards – insbesondere, wenn keine objektiven Gründe für eine Einschränkung vorliegen.

Rechtlicher Rahmen: Was Arbeitgeber vorschreiben dürfen

Wann der Arbeitgeber Vorgaben zur Haarfarbe, Fingernägeln oder der Bekleidung machen darf, erläutert der Kölner Fachanwalt für Arbeitsrecht Volker Görzel, Leiter des Fachausschusses „Betriebsverfassungsrecht und Mitbestimmung“ des VDAA – Verband deutscher ArbeitsrechtsAnwälte e. V. mit Sitz in Stuttgart und ordnet das Urteil in die allgemeine Rechtslage ein: Arbeitgeber dürfen das äußere Erscheinungsbild von Beschäftigten beeinflussen, wenn dafür ein berechtigtes Interesse besteht. Dazu zählen etwa:

Lesen Sie auch
Finanzen und ControllingRecht und ComplianceRechtsprechung und Urteile
GEMA passt TV-Tarif an: Rückerstattungen für Gastgewerbe möglich
  • Sicherheitsgründe (z. B. Schutzkleidung, Sichtbarkeit),
  • Hygienevorgaben (etwa in der Gastronomie oder im medizinischen Bereich),
  • Repräsentation (z. B. Uniformen, Dresscodes im Service),
  • Corporate Identity (Farbvorgaben, Logos, einheitliches Auftreten).
Themen in diesem Artikel
Recht und FinanzenArbeitskleidungRechtUrteile

Allerdings gilt stets der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit. Eingriffe in die Privatsphäre – etwa Verbote bestimmter religiöser Kleidungsstücke oder restriktive Vorgaben zu Frisur und Aussehen – sind nur in Ausnahmefällen zulässig. Auch Mitbestimmungsrechte des Betriebsrats müssen beachtet werden.

Relevanz für das Gastgewerbe

Im Hotel- und Gastronomiebereich sind Fragen der Dienstkleidung besonders praxisrelevant. Ob Uniformen im Empfangsbereich, Kochjacken in der Küche oder einheitliche Outfits im Service – oft steht hier das professionelle Erscheinungsbild im Mittelpunkt. Das Urteil stärkt die Rechte von Arbeitgebern, solche Vorgaben durchzusetzen – vorausgesetzt, sie sind klar, sachlich begründet und werden konsequent umgesetzt.

Praxistipp

Wer eine Kleiderordnung einführen möchte, sollte dies transparent kommunizieren und idealerweise arbeitsvertraglich oder per Betriebsvereinbarung regeln. Vorgaben zum äußeren Erscheinungsbild dürfen nicht diskriminierend sein. Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) schützt vor Benachteiligung aufgrund von Rasse, Geschlecht, Religion, Behinderung, Alter oder sexueller Identität. Entscheidungen müssen gerechtfertigt und dürfen nicht diskriminierend sein. Im Konfliktfall hilft eine objektive Begründung – und der Hinweis auf Sicherheit, Hygiene oder das Erscheinungsbild gegenüber Gästen – bei der rechtssicheren Umsetzung.

Lesen Sie auch
Künstliche Intelligenz, KI und AutomationSoftware und SystemeMarketing
Social GEO: Schon wieder nur ein neues Buzzword oder doch entscheidend für eine gute KI-Sichtbarkeit von Hotels?

Quellen:
VDAA
RSW Beck

Canva
Finanzen und Controlling

GEMA passt TV-Tarif an: Rückerstattungen für Gastgewerbe möglich

Die GEMA hat den Tarif für die öffentliche Wiedergabe von Fernsehsendungen (FS-Tarif) zum 1. Januar 2025 angepasst. Grundlage ist ein Urteil des Oberlandesgerichts München. Die Änderung betrifft unmittelbar die Einstufung von Fernsehgeräten nach Bildschirmgröße und die Art der Berechnung der Vergütung. Für viele Betriebe kann dies zu geringeren laufenden Kosten und zu Rückerstattungen führen.

Online Birds
Künstliche Intelligenz, KI und Automation

Social GEO: Schon wieder nur ein neues Buzzword oder doch entscheidend für eine gute KI-Sichtbarkeit von Hotels?

Die Sichtbarkeit von Hotels verlagert sich zunehmend in KI-gestützte Such- und Empfehlungssysteme. Social GEO – die strategische Optimierung von Social-Media-Inhalten für KI-basierte Entscheidungsprozesse – wird dabei zum entscheidenden Faktor. Philipp Ingenillem, Branchenexperte und Gesellschafter von Online Birds, über die Bedeutung von Social GEO und eine kostenfreie Online-Session im Februar.

DEHOGA Bundesverband
Branche und Trends

DEHOGA launcht digitale Wissensplattform für Mitgliedsbetriebe

Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) stellt seinen Mitgliedern ab sofort eine KI-gestützte Mobile App zur Verfügung. Die Anwendung konsolidiert erstmals das gesamte Verbandswissen in einem digitalen Werkzeug – von rechtlichen Grundlagen über betriebliche Checklisten bis zu regionalen Brancheninformationen. Statt mühsamer Recherche erhalten Gastronomen und Hoteliers durch Künstliche Intelligenz sofort aufbereitete Antworten aus verifizierten Quellen.

WWS Wirtz, Walter, Schmitz GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Steuerberatungsgesellschaft
Finanzen und Controlling

Unternehmensverkauf im Gastgewerbe: Übergang in den Ruhestand als strategische und finanzielle Herausforderung

Der Verkauf eines Hotels oder gastronomischen Betriebs aus Altersgründen ist eine komplexe, strategisch anspruchsvolle Transaktion, die fundierte Vorbereitung, wirtschaftliches Augenmaß und Verhandlungsgeschick erfordert. Eine realistische Bewertung, eine frühzeitig durchgeführte Verkäufer-Due-Diligence sowie ein klar strukturiertes Verhandlungskonzept sind zentrale Erfolgsfaktoren auf dem Weg zu einem fairen und tragfähigen Kaufpreis.

Thomas Wagner, Messe Stuttgart
Branche und Trends

INTERGASTRA 2026: Wie das Young Talents Camp der Branche neuen Schwung gibt

Der Fachkräftemangel trifft das Gastgewerbe härter als viele andere Branchen. Die INTERGASTRA 2026 setzt mit dem Young Talents Camp ein deutliches Zeichen: In Halle 7 entsteht ein Erlebnisraum, der jungen Menschen zeigt, welche Perspektiven Hotellerie und Gastronomie bieten – fernab von Hochglanzbroschüren, dafür mit echten Einblicken von Praktikern.

BRITA
Events und Messen

BRITA auf der INTERGASTRA 2026: Wie intelligente Wasserfiltration Betriebsabläufe vereinfacht

Der Wasserfilterspezialist BRITA nutzt die INTERGASTRA 2026 in Stuttgart für die Präsentation mehrerer Neuheiten aus dem Profi-Segment. Im Mittelpunkt stehen digitale Überwachungssysteme, die den Filterwechsel automatisieren, sowie spezialisierte Lösungen für Spülmaschinen und Dampfgargeräte. Messebesucher können sich von Live-Demonstrationen überzeugen und frisch zubereitete Kostproben genießen.

Weitere Artikel zum Thema

Canva
Die GEMA hat den Tarif für die öffentliche Wiedergabe von Fernsehsendungen (FS-Tarif) zum 1. Januar 2025 angepasst. Grundlage ist ein Urteil des Oberlandesgerichts München. Die Änderung betrifft unmittelbar die Einstufung von Fernsehgeräten nach Bildschirmgröße und[...]
Canva
WWS Wirtz, Walter, Schmitz GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Steuerberatungsgesellschaft
Der Verkauf eines Hotels oder gastronomischen Betriebs aus Altersgründen ist eine komplexe, strategisch anspruchsvolle Transaktion, die fundierte Vorbereitung, wirtschaftliches Augenmaß und Verhandlungsgeschick erfordert. Eine realistische Bewertung, eine frühzeitig durchgeführte Verkäufer-Due-Diligence sowie ein klar strukturiertes Verhandlungskonzept[...]
WWS Wirtz, Walter, Schmitz GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Steuerberatungsgesellschaft
Andreas Muhme für TA Steuerberatung GmbH
Zum Jahresbeginn 2026 treten zahlreiche steuerliche Neuerungen in Kraft, die auch das Hotel- und Gastgewerbe unmittelbar betreffen. Neben der dauerhaft gesenkten Umsatzsteuer auf Speisen verändern sich unter anderem Abschreibungsregeln und arbeitsnahe Rahmenbedingungen. Welche Stellschrauben sind[...]
Andreas Muhme für TA Steuerberatung GmbH
applord GmbH
Künstliche Intelligenz verändert den Gastronomiealltag rasant – doch zwischen Effizienzgewinn und Rechtssicherheit liegt ein schmaler Grat. Während automatisierte Prozesse Arbeitsabläufe beschleunigen, verschärfen EU-Verordnungen die Anforderungen an Transparenz und Kontrolle. Wer KI rechtskonform einsetzen will, muss[...]
applord GmbH
mip Consult GmbH
E-Mail-Marketing lebt von Reichweite – doch ohne rechtskonforme Einwilligungen wird jede Kampagne zum Risiko. Moderne Consent-Management-Plattformen sind längst mehr als digitale Pflichtübung: Sie verknüpfen Marketing, Kundenservice und Compliance zu einem durchgängigen System, das Vertrauen schafft[...]
mip Consult GmbH
Unser Newsletter

Bleiben Sie auf dem Laufenden mit regelmäßigen Informationen zum Thema Gastgewerbe. Ihre Einwilligung in den Empfang können Sie jederzeit widerrufen.