Finanzen

Steuerprüfung: Unternehmer sollten ihre Rechte kennen

Eine Betriebsprüfung ist für viele Hoteliers und Gastronomen eine Horrorvorstellung. Daher werden sie diese regelmäßig nicht „auf eigene Faust“ überstehen wollen. Unbedachte Aussagen sowie Hinzuschätzungen gehen häufig mit hohen Steuernachforderungen einher. Wie aber sollen Unternehmer bei einer Steuerprüfung vorgehen?

© Ridofranz | i Stockphoto

Was ist eine Steuerprüfung?

Die steuerliche Außenprüfung (in der Praxis auch Betriebsprüfung oder Steuerprüfung genannt) ist ein besonderes Verfahren der steuerlichen Sachverhaltsermittlung. Neben der allgemeinen Außenprüfung gibt es die besonderen Außenprüfungen, wie die Lohnsteuer- Außenprüfung und die Umsatzsteuer-Sonderprüfung. Mit der Betriebsprüfung besteht die Möglichkeit, Entscheidungen an „Ort und Stelle des Geschehens”, also im Unternehmen, nachzuprüfen.

Was kann bei einer Außenprüfung passieren?

„Die steuerliche Außenprüfung kann  zu sehr ungünstigen Ergebnissen führen. Durch Hinzuschätzungen können beispielsweise hohe Nachforderungen resultieren. Grundsätzlich abzugsfähige Ausgaben werden mitunter aus formalen Gründen nicht anerkannt, simple Fehler im Handling fallen auf oder eher dürftig geführte Fahrtenbücher halten einer Überprüfung nicht stand. Das Feld der Betriebsprüfer für mögliche Beanstandungen ist sehr weit gefasst“, sagt Steuerberater Daniel Hermes aus der Wirtschaftskanzlei Beiten Burkhardt in Düsseldorf. Selbst dann, wenn Unternehmer und Steuerbüro nach bestem Wissen und Gewissen gearbeitet hätten und der Überzeugung seien, sämtliche Pflichten erfüllt zu haben, könnten böse Überraschungen drohen.

Wie sollten Unternehmer vorgehen?

Unternehmer sollten eine Betriebsprüfung grundsätzlich nicht auf die leichte Schulter nehmen, warnt Daniel Hermes, sondern stets auf den Steuerberater, Wirtschaftsprüfer oder Rechtsanwalt als Partner, Berater und engen Begleiter vertrauen. Schließlich kennt dieser die Kniffe und Tricks der Finanzbehörden und der Betriebsprüfer und steht Unternehmern bei der Abwehr unberechtigter Ansprüche zur Seite. Der Berater kann dementsprechend auf bestimmte Versuche und Fragen des Prüfers angemessen reagieren und einschätzen, ob das Vorgehen überhaupt zulässig ist.

Weshalb ist das wichtig?

„Die Erfahrung zeigt, dass manche Prüfer versuchen, auch streitige Mehrergebnisse durchzusetzen. Fallen solche Versuche im Rahmen einer Außenprüfung auf, kann der Steuerberater unmittelbar intervenieren und darauf hinwirken, dass nur die Dinge beanstandet werden, zu denen das Steuerrecht auch berechtigt“, erläutert Daniel Hermes. Zumal erfahrene Prüfer natürlich auch ein Händchen dafür hätten, bestimmte Fragen so zu stellen, dass ein Unternehmer den eigentlichen Hintergrund möglicherweise nicht erkennt und sich dementsprechend durch eine unvorteilhafte Antwort in Schwierigkeiten manövriert. „Der Unternehmer kann schlichtweg nicht einschätzen, welche Tragweite gewisse Antworten haben können. Übernimmt hingegen der Berater die gesamte Kommunikation, wird diese Falle von vornherein ausgeschlossen.“

Welche formalen Voraussetzungen für die Durchführung einer Betriebsprüfung gibt es?

Es sind verschiedene Kriterien zu beachten, die auch zu einer Unzulässigkeit einer Prüfung führen können. Zu den Voraussetzungen gehört beispielsweise, dass für den Prüfungszeitraum die Betriebsgrößenklasse zu beachten ist – nicht jedes Unternehmen kann prinzipiell zu jeder Zeit geprüft werden. „Weiterhin ist die Prüfungsanordnung in angemessener Zeit vor dem Beginn der Prüfung bekannt zu geben. In der Prüfungsanordnung ist sodann der Umfang der Außenprüfung anzugeben. Dies dient neben dem Schutz des Unternehmers auch der Vermeidung von Unklarheiten hinsichtlich Art und Umfang der durchzuführenden Maßnahmen. Die Prüfer müssen sich bei Erscheinen grundsätzlich unmittelbar ausweisen und den tatsächlichen Beginn der Außenprüfung unter Angabe von Datum und Uhrzeit aktenkundig machen“, betont Daniel Hermes. „Eine Außenprüfung ist übrigens immer dann unzulässig, wenn bereits im Vorfeld feststeht, dass sich aus ihr keine steuerlichen Folgen ergeben können. Derartige Aspekte kann der Steuerberater – neben weiteren – analysieren und bewerten. Im Zweifelsfall wird er bereits gegen die Anordnung einer Betriebsprüfung im Wege des Einspruches vorgehen.“

Kann an der Anordnung einer Außenprüfung etwas geändert werden?

In geeigneten Fällen kann der Beginn der Außenprüfung auf einen anderen Zeitpunkt verlegt werden, wenn dafür wichtige Gründe glaubhaft gemacht werden. Ein Hotelier oder Gastronom kann beispielsweise eine Verlegung beantragen, wenn er oder sein Steuerberater plötzlich erkrankt, beträchtliche Betriebsstörungen durch die Außenprüfung zu erwarten sind oder er schlichtweg urlaubsbedingt verhindert ist. Auch hierbei ist es die Aufgabe des Steuerberaters, den Antrag auf Verschiebung bei den Behörden zu platzieren und entsprechend zu begründen.

Bisher keine Kommentare zu “Steuerprüfung: Unternehmer sollten ihre Rechte kennen”

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Weitere Artikel zum Thema

Urteil

Gastronom erhält über 1 Million Euro aus Betriebsschließungsversicherung

© geralt | Pixabay

Das Landgericht München I fällte vor wenigen Tagen ein viel beachtetes Urteil zur Betriebsschließungsversicherung. Eine Versicherung muss einem Gastronomen 1.014.000 EUR zahlen. Rechtsanwalt Dr. Burkhard Tamm ist Fachanwalt für Versicherungsrecht und er erläutert die juristischen Hintergründe. Nach seiner fachlichen Meinung werden sich viele Versicherungsnehmer auf diese Entscheidung stützen können.

Booking.com

IHA unterstützt Sammelklage wegen kartellrechtswidriger Bestpreisklauseln

© Sang Hyun Cho | iStockphoto

Seit spätestens 2004 hat Booking.com Bestpreisklauseln angewandt, mit denen das Buchungsportal den angeschlossenen Hotels untersagte, auf irgendeinem anderen Vertriebsweg Zimmer zu günstigeren Raten anzubieten. Mit diesen Klauseln schirmte Booking.com sein Geschäftsmodell kartellrechtswidrig gegen jeglichen Wettbewerb ab, was es dem Unternehmen letztlich erlaubte, Buchungsprovisionen von bis zu 50 % des Übernachtungspreises von den Hoteliers zu kassieren. Nun wurde eine Sammelklage eingereicht.

Recht

Gästelisten: diese Pflichten und Rechte haben Gastronomen

Die ungeliebten Gästelisten sind zuletzt wieder stark in den Fokus gerückt. In manchen Bundesländern hat die Polizei die Herausgabe für die Strafverfolgung verlangt und Politik und DEHOGA appellieren an Gastronomen und Gäste, richtige Daten einzutragen und die Listen korrekt zu führen. Der Rechtsanwalt Dr. Daniel Kötz erläutert daher, ob der Gastronom für die Korrektheit der Daten in den Listen haftet, welche Daten erhoben werden dürfen und wann die Listen beschlagnahmt werden dürfen.

Recht

Corona-Soforthilfe: Müssen Betriebe Gelder zurückzahlen?

© Nicole Mutschke

Zahlreiche Betriebe aus der Gastronomie haben die staatliche Corona-Soforthilfe für Selbstständige und Kleinbetriebe in Anspruch genommen. Einige Unternehmen haben in letzter Zeit schon Post bekommen und wurden – für sie mitunter überraschend – zur Rückzahlung von Geldern aufgefordert. Rechtsanwältin Nicole Mutschke, Inhaberin der Mutschke Rechtsanwaltsgesellschaft mbH, erklärt, was es damit auf sich hat und was nun auf die Antragsteller zukommen kann.