Suche
Anzeige

TSE Implementierung bei Kassen: viele Fragen sind zu klären

Welche TSE-Lösung benötigt man bei Kassensoftware, die direkt vom Rechenzentrum aus betrieben wird? Müssen Apotheken-Käufe auf Monats- oder gar Quartalsrechnungen von der TSE erfasst werden? Muss man als Anbieter von Hotelsoftware alle Geschäftsvorfalltypen unterstützen? Diese Fragen sind nur ein kleiner Vorgeschmack auf die Fragezeichen, die Technischen Sicherheitseinrichtungen in den Köpfen von Technikern und Kunden hinterlassen. Der Kassensystem-Anbieter Gastro-Mis hat mit Peter Rumpf, Geschäftsführer des Kassensystem iPOS gesprochen, wie er die Fragezeichen beseitigt hat.

Alvarog1970 | iStockphotoAlvarog1970 | iStockphoto

Herr Rumpf, Sie sind kein langjähriger Amadeus-Kunde – im Kassengeschäft vielleicht sogar Wettbewerber – und dennoch haben Sie sich entschieden, bei der TSE Implementierung auf Gastro-MIS zu vertrauen. Wie kam das?

In den vergangenen Monaten ging aus zahlreichen Medienberichten eines klar hervor: Die KassenSichV verlangt Gastronomen und Händlern einiges ab. Was es aber nicht zu derart großer Aufmerksamkeit geschafft hat, ist die Tatsache, dass die neue Regelung auch Kassensystemherstellern einiges abverlangt. Viele der Forderungen müssen erst einmal auf das eigene System interpretiert werden.

Wie meinen Sie das? Gibt es für TSE und DSFinV-K nicht sogar ganz konkrete Bespiele, wie die Prozesse einzurichten sind?

Das ist richtig, vereinzelt wurden auch konkrete Beispiele zur Orientierung bereitgestellt. Allerdings sind Kassensysteme weder genormt noch zertifiziert, was dafür sorgt, dass es hunderte verschiedene Kassensoftwares in Deutschland gibt, die wiederum in Millionen (oder Milliarden?) Konfigurationsvarianten münden. Sie sehen also, die Wahrscheinlichkeit, dass die Beispiele genau auf Ihre Kasse und vor allem die Prozesse passen, ist geringer als dass sie es nicht tun.

Partner aus dem HORECA Scout

Erklären Sie das bitte genauer: Wie schwerwiegend sind die Unterschiede bei den Kassenkonfigurationen? Als Laie stellt man sich das gerne als eher trivial vor. Letzten Endes müssen ja nur Verkäufe dargestellt werden…

Zunächst eine kleine Korrektur: Es geht nicht nur um Verkäufe, sondern um Geschäftsvorfälle. Damit sind alle Prozesse gemeint, die zu einer Veränderung des Kassenbestands führen – also auch Auszahlungen, Einzahlungen, Anzahlungen…. Dann gilt seit der KassenSichV die Regel, dass nicht nur alle Geschäftsvorfälle selbst, sondern auch jene Prozesse abgesichert werden müssen, die zu einem Geschäftsvorfall führen werden oder könnten. Man braucht allerdings gar nicht so weit zu blicken. Auch Verkauf ist nicht gleich Verkauf.

Lesen Sie auch
Finanzen und ControllingRecht und ComplianceFührung, Management und Leadership
Vom blinden Fleck zum Millionenschaden: Mitarbeiterbetrug in der Gastronomie

Haben Sie ein konkretes Beispiel für verschiedene Verkaufsprozesse? Worin besteht der Unterschied?

Sicher. Es gibt beispielsweise kurze und lange Bestellprozesse, die unterschiedlich behandelt werden müssen, denn für die TSE ist äußerst relevant, wann der Geschäftsvorfall gestartet und wann beendet wurde.

Themen in diesem Artikel
Software und SystemeKassensystemTSE

Kurze Bestellprozesse findet man typischerweise an Supermarkt-Kassen: Die Produkte werden über den Scanner gezogen, um von der Kasse erfasst zu werden und sind – je nachdem wie viele es waren – einen Moment später auch schon abgerechnet. Der Bestellprozess ist damit im Normalfall sehr schnell beendet. Es wird allerdings schnell komplex, wenn der Kunde beispielsweise seinen Geldbeutel im Auto vergisst und die Transaktion “pausiert” werden muss. Welche Zeiten werden dann erfasst?

Im Gegensatz dazu stehen Bestellungen in der Gastronomie, wo die “Produkte” bestellt, verzehrt und dann erst abgerechnet werden. Wenn der Gast beispielsweise beim Bezahlen noch einen Espresso dazu bestellt, wird es bei der Absicherung richtig schön kompliziert.

Ok, verstanden. Offene Fragen gibt es genug. Wie kamen Sie nun auf die Gastro-MIS und wobei hat sie Ihnen geholfen?

Durch die vielen Kleinigkeiten, die nicht eins zu eins aus der KassenSichV herauszulesen sind, haben sich schnell Gruppen zum Meinungsaustausch gebildet. Das geschah sicherlich auf verschiedenen Kanälen aber in unserem konkreten Fall gab eine Xing-Gruppe zum Thema Registrierkassen den Ausschlag. Dort hatten sich glücklicherweise nicht nur Anwender mit Fragen, sondern auch Experten, die diese beantworten, zusammengefunden. Dr. Till war einer der aktiven TSE bzw. KassenSichV fachkundigen, die sich jeder Frage in ihrem Wissensgebiet annahmen. Als Mitglied der Arbeitsgruppe Taxonomie und (Mit-)Leiter der TSE-Feldtests, konnte er auf eine tiefere Wissensbasis zurückgreifen als viele andere. Dieses Wissen stellte er gerne und unentgeltlich der Community zur Verfügung, wie er immer wieder betonte.

Lesen Sie auch
AußengastronomieGastro, Recht und Gewerbe
Terrassengebühren 2026: Wer zahlt wie viel fürs Draußensitzen?

Dann half Ihnen Gastro-MIS vorwiegend über dieses Forum?

Anfangs ja. Allerdings können in einem öffentlichen Forum nur begrenzt komplexe Probleme adressiert werden. Dann wurden wir auf den “Premium-Support” von Gastro-MIS aufmerksam. Dort würden ganze Projekte begleitet, wie es hieß.

Ohne zu technisch zu werden, welches Projekt haben Sie von Gastro-MIS begleiten lassen?

Wir betreuen mehrere hundert Standorte mit mehreren tausend Kassen. Unsere Idee dabei ist, die Umrüstung für unsere Kunden möglichst “unsichtbar” ablaufen zu lassen. Idealerweise soll der Kunde die TSE nur anstecken müssen und den Rest erledigen wir per Fernwartung. Nur in Einzelfällen wollen wir vor Ort tätig werden.

Die Schwierigkeit dabei besteht darin, alle Initial-Prozesse, die zur TSE Signatur führen, und auch in der DSFinV-K erscheinen, korrekt abzubilden. Dabei war uns der Gastro-MIS Support eine große Hilfe.

Ein Beispiel zum Schluss für eine konkrete Fragestellung?

Gern. In der KassenSichV steht eigentlich, dass Automaten nicht betroffen sind. Man merkt allerdings schnell, dass die Aussage nicht pauschal Bestand hat. Einer unserer Kunden hat sechzig Automaten im Einsatz, welche im Kassennetzwerk hängen. Wir haben also beispielsweise gefragt, ob und wie diese per Technischer Sicherheitseinrichtung abgesichert werden müssen.  

ACCONSIS
Finanzen und Controlling

Vom blinden Fleck zum Millionenschaden: Mitarbeiterbetrug in der Gastronomie

50 Mitarbeiter, jahrelang unbemerkt, ein sechsstelliger Schaden: Die Razzia in einem Restaurant in München hat eine unbequeme Frage zurück auf die Tagesordnung gebracht – wie gut kennen Gastronomen eigentlich die Abläufe in ihrem eigenen Haus? Steuerberater Christopher Arendt erklärt, wo die typischen Schwachstellen sitzen und warum wachsende Betriebe ihre Kontrollen jetzt mitwachsen lassen müssen.

Robert Bye, Unsplash
Außengastronomie

Terrassengebühren 2026: Wer zahlt wie viel fürs Draußensitzen?

Sommer, Sonne, Außengastronomie – und eine Rechnung, die je nach Standort um den Faktor 60 auseinandergehen kann. Pünktlich zum Start der Hauptsaison hat der Bund der Steuerzahler die Terrassengebühren für rund 200 deutsche Städte erhoben. Das Ergebnis macht deutlich, wie unterschiedlich Städte Außengastronomie bepreisen.

wattline GmbH
Allgemeine Haustechnik

Öffnungszeiten, Auslastung, Standort: Welche Faktoren den Energieverbrauch im Gastgewerbe bestimmen

Strom, Gas, Heizung – Energiekosten gehören zu den größten Ausgabenposten in Hotels und Restaurants. Doch die Höhe der Rechnung ist alles andere als Zufall: Öffnungszeiten, Gästeaufkommen und die Lage des Betriebs spielen eine ebenso große Rolle wie die technische Ausstattung. Wer weiß, an welchen Stellschrauben sich tatsächlich drehen lässt, kann Kosten senken – ohne dabei auf Qualität zu verzichten. Doch welche Faktoren wiegen am schwersten, und wo verbergen sich die größten Einsparpotenziale?

Canva
Digitalisierung

KI-Inhalte kennzeichnen: Was Gastronomen und Hoteliers ab August wissen müssen

Ein KI-generiertes Zimmerfoto auf der Buchungsseite, der Speisekarten-Text aus ChatGPT, das Instagram-Motiv per Knopfdruck: Ab dem 2. August sind solche Inhalte kennzeichnungspflichtig. Was der EU AI Act konkret fordert, wo die Grenze zur klassischen Bildbearbeitung liegt – und warum Betriebe, die das ignorieren, Abmahnungen und empfindliche Bußgelder riskieren.

Lightspeed, L Seden
Branche und Trends

„Green Gap“ – Lightspeed-Umfrage zeigt Nachhaltigkeits-Paradox in der Gastronomie

Eine aktuelle Verbraucherumfrage von Lightspeed bringt eine unbequeme Wahrheit ans Licht: Deutschlands Restaurantgäste fordern nachhaltige Konzepte – regional, saisonal, müllvermeidend. Doch sobald es ans Bezahlen geht, kippt die Begeisterung. Mehr als die Hälfte akzeptiert maximal fünf Prozent Aufschlag. Für Gastronomiebetriebe wird die grüne Transformation damit zur ökonomischen Gratwanderung.

Gastfreund GmbH
Branche und Trends

Warum Hotels 2026 ohne digitale Gästekommunikation Marktanteile verlieren

Zwei Drittel aller Gäste fordern heute aktiv digitale Kommunikationslösungen, doch viele Hotels hinken weit hinterher. Was einst als Innovation galt, ist längst zur Grunderwartung geworden und wer jetzt nicht handelt, verliert nicht nur Wettbewerbsvorteile, sondern schlicht den Anschluss. Ein aktueller Branchenreport der Gastfreund GmbH zeigt, wo der größte Hebel liegt – und warum die eigentliche Herausforderung nicht Technologie, sondern Integration ist.

Weitere Artikel zum Thema

ACCONSIS
50 Mitarbeiter, jahrelang unbemerkt, ein sechsstelliger Schaden: Die Razzia in einem Restaurant in München hat eine unbequeme Frage zurück auf die Tagesordnung gebracht – wie gut kennen Gastronomen eigentlich die Abläufe in ihrem eigenen Haus?[...]
ACCONSIS
Canva
Ein KI-generiertes Zimmerfoto auf der Buchungsseite, der Speisekarten-Text aus ChatGPT, das Instagram-Motiv per Knopfdruck: Ab dem 2. August sind solche Inhalte kennzeichnungspflichtig. Was der EU AI Act konkret fordert, wo die Grenze zur klassischen Bildbearbeitung[...]
Canva
Gastfreund GmbH
Zwei Drittel aller Gäste fordern heute aktiv digitale Kommunikationslösungen, doch viele Hotels hinken weit hinterher. Was einst als Innovation galt, ist längst zur Grunderwartung geworden und wer jetzt nicht handelt, verliert nicht nur Wettbewerbsvorteile, sondern[...]
Gastfreund GmbH
TheFork
Nicht wahrgenommene Reservierungen zählen zu den wirtschaftlich relevantesten Einflussfaktoren im Gastronomiebetrieb und wirken sich unmittelbar auf Umsatz und Auslastung aus. Aktuelle Marktauswertungen zeigen zugleich, dass sich No-Shows durch strukturierte Prozesse im Reservierungsmanagement deutlich reduzieren lassen.[...]
TheFork
SumUp, Unsplash
Die digitale Rechnungsstellung wird zur gesetzlichen Pflicht – und das schneller als viele denken. Während der Empfang elektronischer Rechnungen bereits seit Jahresbeginn verpflichtend ist, müssen Hotels und Restaurants ab 2027 schrittweise auch beim Versand umstellen.[...]
SumUp, Unsplash
Unser Newsletter

Bleiben Sie auf dem Laufenden mit regelmäßigen Informationen zum Thema Gastgewerbe. Ihre Einwilligung in den Empfang können Sie jederzeit widerrufen.