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Wie entsteht ein nachhaltiges 5-Sterne Wellnesshotel?

Wellness und Luxus ist für viele Menschen der Inbegriff von Urlaub. Über Nachhaltigkeit und umweltfreundliches Reisen wollen die wenigsten Nachdenken. Dabei ist es gerade der Wellnessbereich, der mit Sauna- und Pooltechnik jede Menge Wasser und Energie verbraucht. Wie schafft man es, Nachhaltigkeit, Wellness und Luxus zu verbinden? Lukas Obendorfer vom Hotel Der Birkenhof Genussresort & Spa hat Antworten.
Birkenhof ***** Genussresort & Spa

„Ich bin tagtäglich im Haus dafür zuständig, da brauche ich nicht viel überlegen“, meint Lukas Obendorfer auf die Frage, ob er vorab über die Fragen geschaut hätte. Seit er die Verwaltung des Birkenhofs übernommen hat, hat sich einiges verändert. Insbesondere in den letzten Jahren zählten dazu auch zahlreiche Projekte, die die Nachhaltigkeit des Genussresorts voranbrachten. Green Pearls® hat mit ihm über seine Herzensprojekte gesprochen und darüber, wie man 5-Sterne, Wellness und Nachhaltigkeit miteinander verbinden kann.

Sind Sie eher der Sauna-Typ, der Pool-Typ oder eher der Typ „Ich mach um den Wellnessbereich einen Bogen“?

Ich mache um den Wellnessbereich, wenn ich privat wegfahre keinen Bogen. Ich bin eher der, der ins Wasser geht, aber gern auch ab und an in die Sauna. Ich bin auf jeden Fall nicht der extreme Saunagänger, der jeden Saunaaufguss mitmachen muss.

Würden Sie den Birkenhof als nachhaltiges Wellnesshotel bezeichnen? Und wenn ja seit wann?

Ich würde den Birkenhof schon als nachhaltiges Wellnesshotel bezeichnen. Allein, weil wir als einer von 20 Betrieben von Green Sign Level 5, also das Maximum, was man erreichen kann, erreicht haben.

Vor drei Jahren haben wir angefangen, uns stetig zu verändern, aber den großen Wurf haben wir letztes Jahr gemacht, als wir das Energiekonzept umgestellt haben. Seitdem sind wir stark mit dabei.

Der Wellnessbereich ist ja der Punkt in Hotels, wo sehr viele Energiefresser zu finden sind. Wie bekommt man einen Wellnessbereich nachhaltig? Und vor allem: Wo fängt man bei so einem Riesenprojekt an mit der nachhaltigen Umgestaltung?

Nachhaltig bekomme ich sowas, indem man wie wir im letzten Jahr durch eine Transformation geht. Wir haben uns jetzt zu 90 % vom Gas abgewendet und setzen auf Hackschnitzelheizungen. In der Zukunft sollen die Hackschnitzel auch in einem Blockheizkraftwerk (BHKW) verarbeitet werden.

Wenn man die Pooltechnik allein betrachtet: Unsere drei Außenpools werden alle [über Nacht] mit Rollos abgedeckt, sodass die Leistung der Pumpen reduziert werden kann und somit auch weniger Chemie gebraucht wird. Einer der Pools fährt nachts sogar zwei Zentimeter runter. Dieses Luftpolster bringt eine enorme Energieersparnis.

Was war die aus Ihrer Sicht erfolgreichste Maßnahme?

Den größten Unterschied hat, glaube ich, die Umstellung auf unser Blockheizkraftwerk letztes Jahr gemacht. Das war auch eine der größten Investitionen bisher. Vorher haben wir mit Kleinstprojekten angefangen wie wassersparende Armaturen, E-Ladesäulen und so weiter. Aber das waren wirklich nur kleine Maßnahmen.

Wir haben an der Rezeption einen Monitor stehen, wo alle unsere nachhaltigen Gedanken und Projekte angezeigt werden. Da bemerkt man auch den ein oder anderen Gast, der stehen bleibt, das aufmerksam durchliest und dann auch hinterher nachfragt.

»Ich glaube, wer Gutes tut, soll drüber sprechen – und dann kann man den Gast auch für das eine oder andere begeistern.« Lukas Obendorfer (Der Birkenhof)

Wie genau funktioniert Ihr Energiekonzept?

Bei uns ist es so: Wir haben zwei Heizkessel, die rein Hackschnitzel verbrennen und Wärme erzeugen. Wenn wir uns dann endlich mit dem Netzbetreiber einig sind, dann kommt noch ein Holzvergaser dazu. Wir machen also aus Holz Gas und das stecken wir in ein BHKW und erzeugen so 70 kW elektrische und 110 kW thermische Energie. Darüber decken wir dann unsere Grundlast.

Wo bekommen Sie das Holz her?

Wir haben keine eigene Forstwirtschaft, sondern einen Liefervertrag mit der regionalen Bauernvereinigung. Ich schätze das sehr, denn so können wir die Region unterstützen. Wenn der Bauer im Nachbarort die Gewerbesteuer zahlt, kann die Gemeinde wieder etwas Neues bauen, anschaffen oder ausbauen.

Zudem nimmt man die Bevölkerung mit. Die wissen, dass es da ein großes Projekt gibt, bei dem sie mitverdienen, mitwachsen und sich mitentwickeln können.

Das Energiekonzept mit Holzvergaser und Blockheizkraftwerk ist schon so etwas wie Ihr Herzensprojekt, oder?

Ja, das ist schon mein Herzensprojekt. Aber ich habe natürlich auch noch andere. Zum Beispiel sind wir bezüglich PV-Anlagen am Überlegen und Planen, was wir da tun können. Auch an unserem Fettabscheider sind wir jetzt dran. Der Plan ist, dass wir da Bakterien hinzufügen, die das Fett aufspalten, sodass wir den Fettabscheider länger nicht entleeren müssen.

Was wir erst seit ein paar Wochen in Betrieb genommen haben, ist unsere Kompostieranlage. Das machen wir mit einem niederländischen Unternehmen zusammen. Diese Anlage funktioniert so, dass ich da alle meine Speisereste und organischen Abfälle hineinschütte und die Kompostieranlage das mit Bakterien, Wärme und einer Rührfunktion umwälzt. Ich fülle die etwa eine Woche, lasse sie 24 Stunden arbeiten und dann entnehme ich Kompost, den ich sieben muss und dann austragen kann. Somit spare ich CO2, weil der LKW nicht mehr herkommen muss, ich habe keine Entsorgungskosten mehr, ich brauche für meinen Garten keinen Kompost kaufen und habe nährstoffreichen Boden, den ich weiterverarbeiten kann.

»Nur wenn wir partizipieren, andere begeistern und sie dazu bewegen, mitzumachen, dann kommen wir in der Gänze auch auf ein Ergebnis!« Lukas Obendorfer (Der Birkenhof)

Was wäre etwas, wo Sie den Hotelier-Kollegen sagen würden: „Mach das auf jeden Fall!“

Ich muss sagen, PV-Anlagen rentieren sich für mich schon. Auch die Zusammenarbeit mit der Firma Hargassner, mit denen wir unsere Heizkessel gemacht haben, ist super interessant. Und natürlich unsere Kompostieranlage.

Hätten Sie sich irgendwo mehr erhofft?

Mehr erhofft? Ja, ich habe mir vielleicht erhofft, dass die Bürokratie in gewissen Dingen einfacher wäre. Und dass mein Holzvergaser schon läuft, weil er seit einem Jahr fertig zusammengebaut in dem Raum steht. Ein aktuelles Gesetz zur Einspeisung ist seit Dezember eigentlich da, aber die Netzbetreiber wissen nicht, wie sie es umsetzen sollen. Und selbst wenn man die Regierung anschreibt und da nachfragt, heißt es: „Wissen wir auch nicht.“

Also blockieren bürokratische Vorgaben nachhaltige Entwicklungen.

Ja, die Bürokratie ist schon manchmal ein Punkt, wo ich mir meinen Teil denke … Wenn wir etwas verändern wollen, dann müssen wir jetzt etwas tun und nicht noch drei Jahre warten.

Wenn wir mal einen Blick in die Zukunft werfen: Wo sehen Sie den Birkenhof?

Wir wollen unsere Ausrichtung auf Wellness und auch gute Küche weiter fokussieren und nach vorne bringen; schauen, was vielleicht in der Gegend an regionalen Lieferanten aufkommt und mit denen kooperieren.

Für mich und meine ganze Familie ist auch der soziale Aspekt wichtig. Auf den Punkt sind wir noch gar nicht eingegangen. Mich freut es, wenn ich zehn verschiedene Nationen bei mir beschäftigen kann. Menschen, die hier ihr Geld verdienen, das nach Hause schicken und dort ihre Häuser bauen. Dazu gehört auch, dass wir mal ein Projekt mit einem Hospiz unterstützen oder unsere Zusammenarbeit mit der örtlichen Feuerwehr, denen wir das eine oder andere Fest sponsern. Ich glaube auch, wenn man als großer Betrieb und Arbeitgeber ansässig ist, sollte man nicht sagen: „Ich sitze oben auf dem Berg und das Drumherum ist mir egal“, sondern ich sollte meine Mitmenschen und die Bevölkerung bei gewissen Themen, soweit das dann geht, mitnehmen.

Wo liegt für Sie die größte Herausforderung um Nachhaltigkeit auf der einen und Urlaubsbedürfnisse der Gäste, wie Wellness und Luxus, zu verbinden?

Ich glaube, es ist sehr gut möglich, Luxus und Nachhaltigkeit zu verbinden. Wir sind 5-Sterne-Haus und Level 5 Green Sign zertifiziert. Es gibt viele Möglichkeiten, wo man nachhaltig etwas tun kann, ohne den Gast einzuschränken. Ich glaube, wer Gutes tut, soll drüber sprechen – und dann kann man den Gast auch für das eine oder andere begeistern.

Wie entwickelt man Nachhaltigkeit im Tourismus weiter?

Für mich ist Nachhaltigkeit ein Prozess. Ich kann nicht nachhaltig sein und gleichzeitig sagen: Ich schmeiß jetzt direkt alle Matratzen aus den Zimmern raus und kaufe nachhaltige Matratzen. Ich muss das Stück für Stück machen. Wenn ich ein neues Produkt finde, lasse ich das alte erst auslaufen bzw. verbrauche es und dann nehme ich das neue.

Was mich auch stolz macht, ist, wenn ich irgendwo hinfahren und von meinen Erfolgen oder auch Misserfolgen berichten kann. Nachhaltigkeit ist kein Wettbewerbsvorteil gegenüber irgendjemanden. Nur wenn wir partizipieren, andere begeistern und sie dazu bewegen, mitzumachen, dann kommen wir in der Gänze auch auf ein Ergebnis!

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