Braustüberl siegt über Google

Google-Funktion „Wartezeit“ und ihre Bedeutung für das Gastgewerbe

Das Herzogliche Braustüberl Tegernsee ging gegen den Giganten Google vor – und siegte. Es ging um die Wartezeiten-Funktion auf Google, diese waren laut Braustüberl schlichtweg falsch, nun sind sie verschwunden. Google entfernte sie und bat um Aufhebung des anstehenden Gerichtstermins. Welche Bedeutung hat die Wartezeiten-Funktion für Gastronomiebetriebe und wie beeinflusst sie das Tagesgeschäft?

© PhotoMIX-Company, Pixabay

Das Braustüberl Tegernsee war irritiert: Obwohl Tische frei waren, zeigte Google lange Wartezeiten an – im Sommer teilweise bis zu 90 Minuten. Um keine Kunden zu verschrecken, forderte das Herzogliche Braustüberl Tegernsee die Entfernung der Wartezeiten aus dem Google-Eintrag, ein Gerichtstermin war für August angesetzt. Doch plötzlich war nach Bekanntwerden des Falls in den Medien bereits im Juli das Wartezeiten-Chart verschwunden – den Gerichtstermin wollte Wirt Peter Hubert trotzdem wahrnehmen. Doch auch hier kam es anders: Google erkannte den Unterlassungsanspruch an und bat um Aufhebung des Termins. Jetzt feiert ganz Bayern den Sieg des Braustüberl über den Internet-Riesen.

Konsequenzen des gewonnenen Streits zwischen Braustüberl und Google

Es könnte der Anfang von etwas Größerem sein: Nach dem Sieg war Peter Hubert in aller Munde und mehrere Dutzend ebenfalls Betroffene schilderten dem Braustüberl-Wirt ihre Sorgen bezüglich Geschäftsschädigung durch falsche Angaben. Der DEHOGA Bayern sieht eine Chance für andere Betriebe in ähnlichen Situationen und prüft, ob man gemeinsam von Verbandsseite aus gegen Google vorgehen sollte. So oder so steht der Weltkonzern nun unter Druck, die Funktionstüchtigkeit des benutzten Algorithmus zu prüfen und anzupassen. 

Was macht die Google Funktion „Wartezeiten“? Was ist der Unterschied zu „Stoßzeiten“?

Gibt ein Nutzer bei Google den Namen eines Gastronomiebetriebes ein, erscheinen grundsätzliche Informationen zum Betrieb, die nicht vom Inhaber eingegeben oder beeinflusst werden können. Hierzu zählt auch der Absatz „Besuch planen”. Je nach Betriebsgröße und entsprechend erfassten Datensätzen von Google-Nutzern steht hier eine Angabe zur Aufenthaltsdauer (zum Beispiel „In der Regel verbringen Menschen hier 1 bis 2,5 Stunden“) und auch eine Information zur Wartezeit (zum Beispiel „Zwischen 19:30 und 20:30 Wartezeiten bis zu 15 Min.“). 

Zum Thema Stoßzeiten wird ein Balkendiagramm angezeigt, aus dem der Besucherandrang je nach Uhrzeit ersichtlich wird. Automatisch erscheint der aktuelle Wochentag, es können jedoch die Stoßzeiten für alle Wochentage eingesehen werden.

Sowohl die Angaben zu Warte- als auch zu Stoßzeiten werden automatisch aus den Daten der Kundenbesuche vergangener Wochen generiert und sind somit stets auf dem aktuellen Stand.

Woher kommen die Informationen über die Wartezeiten?

Es sind keine Google-Mitarbeiter in den Gastronomien weltweit unterwegs, um Wartezeiten zu protokollieren und anwesende Gäste oder belegte Tische zu zählen. Die Angabe der Zahlen basiert auf anonymisierten Daten von Google-Nutzern, die den Google-Standortverlauf aktiviert haben, über einen weltweit einheitlichen Algorithmus werden diese Daten ausgewertet. Es ist den Besitzern von Gastronomie-Betrieben nicht möglich, die Einblendung eigenständig zu aktivieren oder zu bearbeiten.

Für den Nutzer bedeutet dies Vorteile innerhalb der Google-Produkte wie zum Beispiel Empfehlungen aufgrund schon besuchter Orte oder Echtzeit-Informationen für die Verkehrsbelastung des Arbeitsweges. 

Warum ist diese Funktion für Gäste wichtig?

Die Mittagspause ist kurz, der Babysitter hat nur zwei Stunden Zeit – Gäste haben oftmals nur einen bestimmten Zeitrahmen für die Planung eines Restaurant-Besuches. Wie praktisch wäre es, wenn schon vorher absehbar ist, in welchem Restaurant die Bestellung am schnellsten auf dem Tisch steht? Genau hier setzt die Wartezeiten-Funktion von Google an und zeigt, zu welchen Uhrzeiten die Wartezeit besonders lang ist oder wann es schnell geht. Da die Ergebnisse auf Basis der letzten Wochen erstellt werden und von Google selbst  als „geschätzt“ angegeben werden, sollten diese Angaben niemals als Fixwert angesehen werden, weder von Gast noch Gastgeber.  

Was ist zu tun, wenn die Angaben falsch sind?

Es ist nicht möglich, als Unternehmer persönlich die Daten des Google-Eintrages bezüglich Warte- und Stoßzeiten zu ändern. Dennoch bietet sich Gastronomen über Google My Business eine kostenlose Plattform, über die mit Hilfe von Texten und Fotos sowie grundsätzlichen Informationen der eigene Betrieb beschrieben werden kann. Unternehmer sollten diese Möglichkeit der Mitgestaltung ihres Google-Eintrages zu ihrem Vorteil nutzen.

Wer fehlerhafte Angaben anmerken möchte, kann über einen Link eine Rückmeldung an Google übermitteln. Google prüft den Antrag und entscheidet, ob Änderungen genehmigt werden. Eine Klage gegen Google sollte trotz des Präzedenzfalles „Braustüberl“ gut abgewogen werden. Grundsätzlich sind amerikanische Unternehmen dieser Größe in Deutschland schwer erreichbar, auch wenn es zahlreiche Standorte und gar eine eigene Rechtsabteilung in Deutschland gibt. Gern wird an die Zentrale in den USA verwiesen, was grundsätzlich für einen Anwalt kein Problem darstellen sollte, aber die Dimensionen des Verfahrens verschieben sich in diesem Moment auch unter dem finanziellen Aspekt.

Angaben prüfen und Feedback abgeben

Prüfen auch Sie Ihre Angaben bei Google und geben Sie uns Feedback, ob alles ok ist oder auch bei Ihnen falsche Warte- oder Stoßzeiten berechnet wurden. Entweder direkt im Kommentarfeld oder per E-Mail an grothe@gastgewerbe-magazin.de

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