Suche
Anzeige

Versicherung: Was tun bei einer Betriebsunterbrechung?

Eine Betriebsunterbrechung ist für Hoteliers und Gastronomen immer eine sehr unangenehme Sache. Noch unangenehmer wird es, wenn die Versicherung nicht zahlt und betroffene Unternehmer im Schadenfall auf den Kosten sitzenbleiben sollen. Rechtsanwalt Tim Banerjee, unter anderem spezialisiert auf Versicherungs- und Haftungsrecht, gibt Hilfestellung im Falle einer Betriebsunterbrechung und der damit verbundenen Versicherungslage.

FG Trade | iStockphotoFG Trade | iStockphoto

Was ist eine Betriebsunterbrechung?

Unter einer Betriebsunterbrechung (Betriebsstörung) versteht man, ganz allgemein, unerwartet eintretende Ereignisse, die auf den geplanten Produktionsprozess oder Geschäftsprozess einwirken und den vorgesehenen Arbeitsablauf behindern oder sogar verhindern. In Hotellerie und Gastronomie heißt das beispielsweise: In der Küche bricht ein Feuer aus, ein kaputtes Wasserrohr überschwemmt eine ganze Etage, ein Sturm verwüstet den Wellnessbereich. Die Folge: Der Betrieb muss fürs Erste stillgelegt werden, Gäste können nicht mehr empfangen werden.

Was kann bei einer Betriebsunterbrechung finanziell passieren?

Die finanziellen Folgen einer Betriebsunterbrechung können elementar sein, betont Rechtsanwalt Tim Banerjee (Banerjee & Kollegen, Mönchengladbach). Er berät regelmäßig Hoteliers und Gastronomen im Schwerpunkt Versicherungsrecht. Er rechnet vor: „Typischerweise liegt die Gesamtkostenquote eines Betriebs bei durchschnittlich 75 Prozent. Nimmt man einen Jahresumsatz von 600.000 Euro als Grundlage, kommen Gesamtkosten von 450.000 Euro heraus, also 37.500 Euro monatlich. Fällt der Umsatz jetzt einen Monat aus, fehlen 50.000 Euro. Die in jedem Falle laufenden Kosten für Personal, Energie, Versicherungen etc. reißen dann ein erhebliches Loch in die Kasse und reduzieren auf jeden Fall schon einmal den Gewinn des Unternehmers. Und wer keinen Liquiditätspuffer hat, muss schnell zwischenfinanzieren, ansonsten setzt er sich dem Risiko einer Insolvenz aus.“ Dazu heißt es beim GDV Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e.V.: „Sowohl die Häufigkeit von Betriebs­unterbrechungen nimmt zu als auch die Schadenshöhe“, sagt Michael Busch, Leiter der GDV-Kommission Sachversicherungen Firmengeschäft. Lieferketten und Produktionsprozesse würden nicht nur internationaler, sondern auch immer vernetzter, digitaler und dadurch anfälliger für Störungen. Auch Fiskalbehörden und Lieferanten würden kaum auf unbestimmte Zeit auf ausstehende Zahlungen verzichten und warten wollen. Und nicht zu vergessen die Gäste, deren bereits ihre Anzahlungen für kommenden Hotelaufenthalte geleistet hätten und die jetzt rückabgewickelt werden müssten. Dazu könnten auch noch mögliche Entschädigungen für ausfallende Events und, und, und kommen.

Partner aus dem HORECA Scout

Wie können sich Betriebe nun vor den Folgen einer Betriebsunterbrechung schützen?

„Im Fokus steht die Betriebsunterbrechungsversicherung. Diese ersetzt den entgangenen Betriebsgewinn und den Aufwand an fortlaufenden Kosten, also beispielsweise Personalkosten und Provisionen, Aufwendungen für Betriebs- und Hilfsstoffe zur Betriebserhaltung, Mieten, Pachten und einiges mehr“, sagt Tim Banerjee. Durch die Versicherung bleibe nicht nur die Liquidität des Betriebes erhalten. Es werde auch sichergestellt, dass eventuelle Zinsverpflichtungen aus betrieblichen Krediten erfüllt werden können. Zudem gilt laut Rechtsanwalt Banerjee: „Die Betriebsunterbrechungsversicherung überbrückt die Zeit bis zur Wiederherstellung der vollen Betriebs- und Umsatzleistung, ohne dass Unternehmer die eigene Substanz, also das Eigenkapital, angreifen müssen.“

Lesen Sie auch
Finanzen und ControllingRecht und ComplianceFührung, Management und Leadership
Vom blinden Fleck zum Millionenschaden: Mitarbeiterbetrug in der Gastronomie

Versicherungen sind nur gut, wenn sie funktionieren. Wie stellen Hoteliers und Gastronomen sicher, dass sie die finanzielle Kompensation wirklich erhalten?

Tim Banerjee weiß: „Nach dem Schaden ist oftmals vor dem Streit. Der Versicherer wird versuchen, die eigenen Kosten so gering wie möglich zu halten, wenn er die versicherten, weiterlaufenden fixen Kosten und die Erträge berechnet und die Einsparungen, etwa beim Wareneinkauf, gegenüberstellt. Das kann dazu führen, dass ein Hotelier oder Gastronom wesentlich weniger Geld von der Versicherung erhält, als er tatsächlich durch die Betriebsunterbrechung verliert.“ Versicherungsschutz sei ein hochkomplexes Thema, gerade im gewerblichen Bereich. Wer dabei nicht mit professionell und zielgerichtet vorgehe, könne schnell Nachteile erleiden. Der Rechtsanwalt sorge als Parteivertreter des Versicherungsnehmers dafür, dass der Prozess nicht zu seinen Ungunsten abgewickelt werde, etwa durch eine einseitige Bewertung des Schadens oder eben die unvorteilhafte Berechnung der Auszahlungssumme. Das bedeutet: „Der versierte Anwalt kennt alle Fallstricke bei der Schadensabwicklung. Er behält die immer unübersehbare Entwicklung der Schadenspositionen und die Stundenverrechnungssätze im Blick, kennt die aktuelle Rechtsprechung und alle notwendigen Dokumente, die zur schnellen und vor allem fairen Schadenabwicklung beigebracht werden müssen.“ Tim Banerjee begleitet gastgewerbliche Unternehmer bei der Kommunikation mit der Versicherung und übernimmt die Schadensabwicklung. Er ermittelt den Sachstand, prüft die Versicherungspolicen und Schadenssummen, rechnet den Schaden hoch und sorgt für eine saubere Abwicklung aller Themen mit der Gesellschaft.

Themen in diesem Artikel
Versicherungen und RisikomanagementManagementBetriebsschließungCorona

Wie sieht es in Zeiten der Covid-19-Pandemie mit dem Versicherungsschutz aus? Man hört immer wieder von Streitigkeiten bei der Betriebsschließungsversicherung.

In der Tat, stellt Tim Banerjee fest: „Muss die Betriebsschließungsversicherung zahlen, wenn Betriebe wegen behördlicher Restriktionen nicht öffnen dürfen? Diese Frage beschäftigt mehr und mehr Gerichte, weil die Schadensummen zum Teil sehr hoch sind. Dabei haben die Gerichte auch tatsächlich die Verpflichtungen der Versicherungsgesellschaften teilweise abgeschwächt.“ Damit Versicherungen für Betriebsschließungen wegen des Lockdowns zahlen müssen, kommt es laut Oberlandesgericht (OLG) Karlsruhe auf die konkrete und verständliche Formulierung in den Versicherungsbedingungen an. Hoteliers und Gastronomen sollten aber nicht von vorneherein den Kopf in den Sand stecken und die Ablehnungen klaglos hinnehmen. „Wichtig ist für betroffene gastgewerbliche Unternehmer, dass sie die Versicherungsbedingungen ihrer Betriebsschließungsversicherung genau von einem spezialisierten Rechtsanwalt überprüfen lassen. Stellt sich heraus, dass ihnen rechtlich gesicherte Ansprüche zustehen, sollten sie nicht scheuen, im Zweifel die komplette Palette der möglichen Rechtsmittel bis hin zur Versicherungsschutzklage einzusetzen“, stellt der Versicherungsexperte heraus.

Über den Autor

Lesen Sie auch
AußengastronomieGastro, Recht und Gewerbe
Terrassengebühren 2026: Wer zahlt wie viel fürs Draußensitzen?

Tim Banerjee ist Rechtsanwalt und spezialisiert auf die Bereiche Vertriebsrecht, Versicherungs- und Haftungsrecht sowie Wirtschaftsstrafrecht. Zudem ist er Lehrbeauftragter an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung NRW.

ACCONSIS
Finanzen und Controlling

Vom blinden Fleck zum Millionenschaden: Mitarbeiterbetrug in der Gastronomie

50 Mitarbeiter, jahrelang unbemerkt, ein sechsstelliger Schaden: Die Razzia in einem Restaurant in München hat eine unbequeme Frage zurück auf die Tagesordnung gebracht – wie gut kennen Gastronomen eigentlich die Abläufe in ihrem eigenen Haus? Steuerberater Christopher Arendt erklärt, wo die typischen Schwachstellen sitzen und warum wachsende Betriebe ihre Kontrollen jetzt mitwachsen lassen müssen.

Robert Bye, Unsplash
Außengastronomie

Terrassengebühren 2026: Wer zahlt wie viel fürs Draußensitzen?

Sommer, Sonne, Außengastronomie – und eine Rechnung, die je nach Standort um den Faktor 60 auseinandergehen kann. Pünktlich zum Start der Hauptsaison hat der Bund der Steuerzahler die Terrassengebühren für rund 200 deutsche Städte erhoben. Das Ergebnis macht deutlich, wie unterschiedlich Städte Außengastronomie bepreisen.

wattline GmbH
Allgemeine Haustechnik

Energieverbrauch im Gastgewerbe: Wo die größten Kostentreiber liegen

Strom, Gas, Heizung – Energiekosten gehören zu den größten Ausgabenposten in Hotels und Restaurants. Doch die Höhe der Rechnung ist alles andere als Zufall: Öffnungszeiten, Gästeaufkommen und die Lage des Betriebs spielen eine ebenso große Rolle wie die technische Ausstattung. Wer weiß, an welchen Stellschrauben sich tatsächlich drehen lässt, kann Kosten senken – ohne dabei auf Qualität zu verzichten. Doch welche Faktoren wiegen am schwersten, und wo verbergen sich die größten Einsparpotenziale?

Canva
Digitalisierung

KI-Inhalte kennzeichnen: Was ab 2. August 2026 gilt

Ein KI-generiertes Zimmerfoto auf der Buchungsseite, der Speisekarten-Text aus ChatGPT, das Instagram-Motiv per Knopfdruck: Ab dem 2. August sind solche Inhalte kennzeichnungspflichtig. Was der EU AI Act konkret fordert, wo die Grenze zur klassischen Bildbearbeitung liegt – und warum Betriebe, die das ignorieren, Abmahnungen und empfindliche Bußgelder riskieren.

Lightspeed, L Seden
Branche und Trends

Nachhaltigkeit in der Gastronomie stößt an die Preisgrenze

Eine aktuelle Verbraucherumfrage von Lightspeed bringt eine unbequeme Wahrheit ans Licht: Deutschlands Restaurantgäste fordern nachhaltige Konzepte – regional, saisonal, müllvermeidend. Doch sobald es ans Bezahlen geht, kippt die Begeisterung. Mehr als die Hälfte akzeptiert maximal fünf Prozent Aufschlag. Für Gastronomiebetriebe wird die grüne Transformation damit zur ökonomischen Gratwanderung.

Gastfreund GmbH
Branche und Trends

Warum Hotels 2026 ohne digitale Gästekommunikation Marktanteile verlieren

Zwei Drittel aller Gäste fordern heute aktiv digitale Kommunikationslösungen, doch viele Hotels hinken weit hinterher. Was einst als Innovation galt, ist längst zur Grunderwartung geworden und wer jetzt nicht handelt, verliert nicht nur Wettbewerbsvorteile, sondern schlicht den Anschluss. Ein aktueller Branchenreport der Gastfreund GmbH zeigt, wo der größte Hebel liegt – und warum die eigentliche Herausforderung nicht Technologie, sondern Integration ist.

Weitere Artikel zum Thema

ACCONSIS
50 Mitarbeiter, jahrelang unbemerkt, ein sechsstelliger Schaden: Die Razzia in einem Restaurant in München hat eine unbequeme Frage zurück auf die Tagesordnung gebracht – wie gut kennen Gastronomen eigentlich die Abläufe in ihrem eigenen Haus?[...]
ACCONSIS
Lightspeed, L Seden
Eine aktuelle Verbraucherumfrage von Lightspeed bringt eine unbequeme Wahrheit ans Licht: Deutschlands Restaurantgäste fordern nachhaltige Konzepte – regional, saisonal, müllvermeidend. Doch sobald es ans Bezahlen geht, kippt die Begeisterung. Mehr als die Hälfte akzeptiert maximal[...]
Lightspeed, L Seden
Gastfreund GmbH
Zwei Drittel aller Gäste fordern heute aktiv digitale Kommunikationslösungen, doch viele Hotels hinken weit hinterher. Was einst als Innovation galt, ist längst zur Grunderwartung geworden und wer jetzt nicht handelt, verliert nicht nur Wettbewerbsvorteile, sondern[...]
Gastfreund GmbH
Jakub Żerdzicki, Unsplash
Rekordübernachtungen und steigende Insolvenzen – die deutsche Hotellerie navigiert 2025 durch widersprüchliche Signale. Während die Auslastung anzieht, brechen die Zimmerpreise ein. Was bedeutet diese Schere zwischen operativem Erfolg und schwindendem Ertrag für Betriebe, die bereits[...]
Jakub Żerdzicki, Unsplash
Daniel, Unsplash
Das Gastgewerbe ist im April der stärkste Wachstumstreiber im deutschen Mittelstand. Der aktuelle DATEV Mittelstandsindex zeigt aber auch, warum die Zahlen mit Vorsicht zu interpretieren sind.[...]
Daniel, Unsplash
Unser Newsletter

Bleiben Sie auf dem Laufenden mit regelmäßigen Informationen zum Thema Gastgewerbe. Ihre Einwilligung in den Empfang können Sie jederzeit widerrufen.