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Gesundheitliches Self-Care für Führungskräfte im Gastgewerbe

Selbstständige sind immer „selbst und ständig“. Allerdings ist das Gastgewerbe für Führungskräfte definitiv eine der anstrengendsten Branchen – nicht nur in kleinen Häusern, in denen der Chef zwangsläufig selbst kräftig mit anpacken muss. Achtsamkeit der eigenen Gesundheit spielt deshalb in diesem Gewerbe eine besonders wichtige Rolle.

Scott GriesselScott Griessel

In den allermeisten Unternehmen ist der Besitzer, der CEO, der Chef, der Boss oder wie genau man ihn nennen möchte, diejenige Person, die den größten Einsatz zeigt. Das muss sie, denn es ist ihr eigenes Unternehmen, das nur durch Einsatz eine echte Unternehmensführung erfahren kann. Das kann sie, weil sämtliche Vorgaben bezüglich Arbeitszeiten und sonstigen Positionen ausschließlich für Angestellte gelten.

Selbstständige im Gastgewerbe tendieren deshalb zu einem erheblichen Teil dazu, jederzeit deutlich mehr zu leisten, als ihnen guttut. Das gilt sowohl für die körperliche Gesundheit als auch die psychische und wirkt sich darüber auf die allgemeine Leistungsfähigkeit und damit direkt den Unternehmenserfolg aus. Anders formuliert: Auf sich selbst zu achten, mag kurzfristig kontraproduktiv wirken, langfristig ist es jedoch ein Gewinn für jeden Betrieb. Denn nichts ist für diesen erfolgsversprechender als eine leistungsfähige, motivierte Führungskraft, die dann volle Leistungen abrufen kann, wenn es nötig ist. Das gelingt mit einigen Kniffen, von denen jedoch jeder einzelne die wichtigste Zutat benötigt, die auch hinter vollem täglichem Arbeitseinsatz steht: Selbstdisziplin.

Echte Gesundheitsvorsorge betreiben

Partner aus dem HORECA Scout

Alle anderen Maßnahmen aus diesem Text sind nichts wert, wenn ein Geschäftsführer nicht an seiner gesundheitlichen Basis anfängt. Das beginnt bereits mit der Wahl der richtigen Krankenversicherung. Die freiwillige Pflichtversicherung in der GKV ist diesbezüglich die meist leistungsschwächste und gleichzeitig teuerste Wahl – wird aber von vielen Selbstständigen im Gastgewerbe deshalb gewählt, weil sie zuvor als Angestellte ebenfalls pflichtversichert waren.

Auf den ersten Blick mag die PKV im Vergleich dazu teurer wirken. Anders als in der GKV sind in der PKV die Gesundheitsleistungen vertraglich festgesetzt und gelten somit ein Leben lang. Durch ihr völlig anderes Leistungsspektrum sowohl was Vorsorge als auch Heilung beinhaltet, ist sie jedoch in der Praxis die gesundheitlich bessere Lösung – und vielfach günstiger noch dazu. Dies sollte jedoch mit einer Krankentagegeldversicherung gekoppelt werden; wenigstens dann, wenn der Geschäftsführer eine wichtige Stütze des täglichen Betriebs ist und es nicht genügend Angestellte gibt.

Aber: Wenn schon eine so machtvolle Absicherung vorhanden ist, sollte auch jedes Angebot genutzt werden, beispielsweise regelmäßige Checkups und Vorsorgeuntersuchungen. Denn bei Maschinen wie bei Gesundheit gilt dieselbe Regel: Wartung ist immer einfacher, schneller und günstiger als Reparieren.

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Möglichst viel delegieren

Selbstständige müssen immer sehr vielfältig befähigt sein und diese Fähigkeiten täglich demonstrieren. Dadurch entsteht jedoch eine immense Gefahr: Viele Geschäftsführer zerreiben sich regelmäßig. Nicht, weil es notwendig wäre, sondern weil sie der Ansicht sind, die einzige Person im Haus zu sein, die zur perfekten Durchführung jeder Aufgabe befähigt wäre. Ein solches Denken ist gefährlich falsch, weil

Themen in diesem Artikel
ManagementGesundheitsmanagement
  • man sich den eigentlichen Aufgaben eines Geschäftsführers nicht vollumfänglich widmen kann.
  • eine zu große Arbeitsbelastung mit allen gesundheitlichen Nachteilen entsteht.
  • ein fatales Signal an die Angestellten gesendet wird: „Ich vertraue euch nicht genug“.

Der Job eines Geschäftsführers ist es, im Gastgewerbe ebenso wie überall sonst, buchstäblich „das Geschäft zu führen“. Alles andere sollte deshalb an die Mitarbeiter ausgelagert werden. Dafür sind sie schließlich da. Dieses Vertrauen müssen Selbstständige sich um ihrer Gesundheit willen verschaffen, sonst ist das Unternehmen in Gefahr. Dazu sollte im Zweifelsfall sogar die IHK angesprochen werden, dort gibt es spezielle Kurse, in denen diese Fähigkeit geschult wird.

Einfach mal Feierabend machen

Selbst in Hotels, in denen 24 Stunden jemand an der Rezeption steht, sind Geschäftsführer oft diejenigen, die morgens noch vor der Frühschicht eintreffen und abends erst gehen, wenn höchstens noch einige Gäste an der Bar sitzen – sofern sie nicht schon zu nachtschlafender Zeit im Großmarkt waren.

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Im Gastgewerbe ergeben sich daraus für viele Geschäftsführer Arbeitszeiten, die sich im Bereich von 15 und mehr Stunden täglich bewegen. Viele sehen einen achtstündigen Arbeitstag schon als „kurz“ an. Dagegen hilft es, sich ins Gedächtnis zu rufen, warum es so strenge Arbeitszeitregelungen für Angestellte gibt. Letztlich hat dies alles (auch) mit dem Gesundheitsschutz zu tun.

In der Folge gelten zwei Regeln:

  • Wer gute Leute einstellt, kann sich immer auf diese verlassen.
  • Wer delegieren lernt, kann sich gleichzeitig auf seine Kernfunktionen konzentrieren.

Wenn es nichts gibt, was sofort erledigt werden muss, sollten Gastgewerbegeschäftsführer sich deshalb ganz einfach freinehmen – regelmäßig.

Entspannen lernen

Die heutige Welt wird von immer mehr Freizeitstress geprägt. Im Gegensatz zum Berufsstress also einer, den sich Menschen freiwillig aufladen – meist durch den Versuch, die Freizeit mit so vielen Aktivitäten wie möglich füllen zu können.

Allerdings unterscheidet unser Körper nicht zwischen dem Auslöser des Stresses. Er kennt lediglich Eustress und Distress – wobei bei Selbstständigen meist letzteres der Fall ist. Also Stress, der durch eine nicht zu kompensierende Dauerbelastung entsteht.

Die Freizeit spielt hierbei eine große Rolle. Denn je stärker hier ebenfalls Distress einwirkt, desto

  • stärker steigt die allgemeine Belastung,
  • länger dauert jede Regenerationsphase und
  • größer ist die Gefahr für Fehler.

Jeder Geschäftsführer erfährt durch seinen normalen Aufgabenbereich verschiedene Stressoren, die für sich allein schon (zumindest phasenweise) in Distress ausarten können. Kommt dann aber noch weiterer Freizeitstress hinzu, ist das Maß buchstäblich rasch voll.

Diesbezüglich kann man wirklich nur raten, die Freizeit folgendermaßen zu gestalten:

  1. Alles, was hier passiert, sollte situationsabhängig freiwillig geschehen. Also keine Zwänge durch beispielsweise Vereinsmitgliedschaften.
  2. Ausschließlich Freizeitgestaltungen, die einem persönliche Freude bereiten, zu denen man sich also nicht motivieren muss.
  3. Nach Möglichkeit viele Hobbys, die eher ruhiger Natur sind und nicht selbst noch actionreich – wenngleich ein wenig sportliche Betätigung definitiv nicht schaden kann.
  4. Maximale Abwesenheit des Unternehmens, auch in gedanklicher Hinsicht. Also möglichst keine Hobbys, die mit dem Alltag in Verbindung stehen.

Damit tun Geschäftsführer nicht nur ihren „Akkus“, sondern langfristig der Gesundheit einen großen Gefallen. Übrigens spricht diesbezüglich wirklich nichts dagegen, seine Freizeit ganz entspannt auf der Couch zu verbringen.

Eines allerdings sollte dabei immer beachtet werden: Wer seinen Hotelgästen den bestmöglichen Schlaf garantieren möchte, sollte nicht weniger als denselben strengen Maßstab an sich selbst anlegen. Individuell angepasster guter, hochwertiger Schlaf ist unsagbar wichtig und kann vieles kompensieren, selbst wenn in der Hauptsaison volles Haus herrscht. Doch guten Schlaf muss man wirklich wollen und durch zahlreiche Vorgehensweise ausgestalten.

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