Finanzen

Betriebsvermögen: Wie können Hoteliers und Gastronomen investieren?

Unternehmerische Geldanlage ist alles andere als einfach bei einem sicheren Zinsniveau von Null. Die Liquidität eines Betriebs sollte also so angelegt werden, dass die Substanz geschützt ist und eine rentierliche Weiterentwicklung ermöglich wird.

© Adeolu Eletu, Unsplash

Die guten Jahre verschaffen dem Gastgewerbe satte Gewinne

In den vergangenen Jahren lief es gut für das deutsche Gastgewerbe, sehr gut sogar. Hotellerie und Gastronomie konnten sich über historisch gute Zahlen freuen, die Hotellerie in Deutschland beispielsweise ist nach dem neunten Rekordjahr in Folge auch wieder hervorragend ins Jahr 2019 gestartet.

Das hat dazu geführt – und führt weiterhin dazu – dass sich viele Betriebe über nicht unerhebliche Gewinne freuen können. Und wiederum viele dieser substanzstarken Unternehmen sitzen dementsprechend auf einer durchaus vorzeigbaren Summe an Betriebsvermögen, weil sie keine Investitionen vornehmen mussten/müssen und das Geld auch nicht dafür benötigen, um eine wirtschaftliche Krise zu überstehen. Daher stellt sich die Frage, was Hoteliers und Gastronomen mit ihrer strategischen Liquidität anfangen sollen? Die Antwort ist eigentlich ganz einfach: Sie sollten es anlegen, damit sie darauf eine Rendite erwirtschaften und das Vermögen, um es zum Zeitpunkt X für einen bestimmten Zweck einsetzen zu können.

Geldanlage – aber wie?

„Doch die Umsetzung ist heutzutage alles andere als einfach. Denn die Geldanlage für Unternehmen ist zu einem sehr komplexen Thema geworden. Anlageformen wie Giro- und Tagesgeldkonten, aber auch sehr sichere Staats- und Unternehmensanleihen bewegen sich bei einem Zinsniveau von Null. Das bedeutet, dass Betriebsvermögen über die Jahre durch die Inflation beschädigt wird. Kurzum folgt daraus, dass die strategische Unternehmensliquidität, die in der Zukunft für Investitionen zur Verfügung stehen soll, genauso wie das Privatvermögen professionell angelegt werden muss“, sagt Lothar Koch, Portfoliomanager bei der GSAM AG und Berater des Investmentfonds „Target European L/S“, der vor allem in kleine und mittlere europäische Unternehmen investiert und diese Investitionen durch bestimmte Finanzinstrumente absichert.

Sein Ansatz: „Das Vermögen muss so angelegt werden, dass es durch die Kapitalanlage behutsam weiterentwickelt werden kann, aber zugleich so flexibel ist, dass Hoteliers und Gastronomen jederzeit schnell darauf zugreifen können. Das ist gar keine Frage der Höhe, mit 100.000 Euro muss genauso umgegangen werden mit einer Million Euro. Es unterscheiden sich höchstens die eingesetzten Instrumente“, sagt Lothar Koch. Das Investmentuniversum kann sich auf recht klassische Anlageformen wie professionell gemanagte Aktienpakete beziehen, Aktien- oder Mischfonds, Investments in Anleihen und alternative Anlageklassen, aber auch passive Indexfonds oder sogar Spezialfonds, wenn das Unternehmen über mehr Vermögen verfügt. Ausgeschlossen sein sollten grundsätzlich unter anderem geschlossene Fondsprodukte oder auch Private Equity-Beteiligungen. Diese sind absolut unflexibel und binden Kapital sehr lange.

Finanzplanung sollte im Fokus stehen

Kochs Kollege und Netzwerkpartner Rolf Klein, der in Krefeld das Rolf Klein Family Office mit einem Fokus auf kleinere und mittlere Vermögen führt, betont in dem Zusammenhang die Bedeutung der Finanzplanung. „Auch hierbei wird der Bezug zum privaten Bereich deutlich. Der Unternehmer braucht eine laufende Betreuung in seinen Finanzfragen, um so genau und zielgerichtet seinen betrieblichen Finanzbedarf inklusive prognostizierbarer größerer Zu- und Abflüsse planen zu können. Dies bezieht auch Fragen wie die Unternehmensnachfolge mit ein. Die professionelle Finanzplanung versetzt Hoteliers und Gastronomen in die Lage, fundierte Anlageentscheidungen zu treffen, und verhindert Kaffeesatzleserei.“ Das mache das Vermögensmanagement wesentlich leichter und effizienter, weiß Rolf Klein aus der Beratungspraxis. Und die Prinzipien des Family Office-Managements (also die strategische und operative Verwaltung und Kontrolle des Vermögens einer Familie) im privaten Bereich ließen sich mit Blick auf das Anlagevermögen auch gut auf Unternehmen übertragen.

Wichtig: Diese unternehmerische Finanzplanung sollte mit der steuerlichen Planung in Einklang gebracht werden. „Die Zusammenarbeit von Berater, Manager und Steuerberater ergibt durchaus Sinn, weil die Ergebnisse dadurch nochmals optimiert werden können. Gastgewerbliche Unternehmen haben damit die Möglichkeit, die Kompetenzen verschiedener Profis zu bündeln“, rät Rolf Klein.

Auf einen wichtigen zusätzlichen Aspekt in der unternehmerischen Geldanlage weist Hartmut Petersmann hin, Gründer und Geschäftsführer des Petersmann Instituts für den unabhängigen Finanzberater. „Die Kosten einer Kapitalanlage, vor allem von Investmentfonds, sind entscheidend für den Anlageerfolg. Es gibt einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen Kosten, Risiken und Performancequalität.“ In den beiden Studien „Transaktionskosten in Fonds“ (von Hartmut Petersmann) und „Fondskosten – der Schlüssel einer erfolgreichen Fondsauswahl?“ von Unternehmensberater Bernd Baur (bbconsulting) in Zusammenarbeit mit dem Petersmann Institut können Unternehmer diese Zusammenhänge inklusive fundierter Ratschläge nachlesen.

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