Die gute Nachricht vorneweg: Hotellerie und Gastronomie wachsen, zuletzt mit einem Umsatzplus von nominal 3,2 Prozent, und die Unternehmen treiben mit ihren stabilen Beschäftigungszahlen den deutschen Jobmotor an. Doch was heißt das eigentlich, Wachstum? Kommen einfach, vielleicht aus reinem Zufall oder einer spontanen Laune heraus, mehr Gäste, ohne dass der Wirt etwas dafür tun muss? Nun, sicherlich haben die guten Zahlen des Gastgewerbes auch etwas mit der gut geölten Konjunktur in Deutschland zu tun – aber eben nicht nur. Denn Wachstum hat auch immer eine strategische Komponente und basiert immer wieder auf einem konkreten Expansionsplan. Dann schafft der Unternehmer durch gezielte Erweiterung die Grundlage für ein Neugeschäft – und wächst damit.

Doch wie funktioniert eine solche Expansion, welche Fragestellungen stehen für Hoteliers und Gastronomen im Raum, welche Anforderungen kommen auf einen expansionswilligen Unternehmer zu? Auf diese und mehr Fragen sollten Betriebsinhaber Antworten finden, bevor sie das Projekt Expansion angehen. Sonst können die Überraschungen recht unangenehm sein. „Im Wesentlichen ist natürlich zu klären: Was bringt mir ein Erweiterungsschritt strategisch langfristig, welche positiven Aspekte lassen sich hier tatsächlich in der Praxis erzielen?“ Für Andreas Schreiner, Inhaber der aufs Gastgewerbe spezialisierten Unternehmensberatung Tietz & Schreiner aus Berlin, ist das die Kernfrage. „In der Regel stehen bei einem Expansionsplan wirtschaftliche Aspekte (Gewinnoptimierung/-erhöhung) und organisatorische Aspekte (Personalauslastung) sowie auch marktspezifische Aspekte (Erweiterung Angebotsprofil, Markteroberungen, etc.) im Vordergrund.“

In einem zweiten Schritt müsse der Unternehmer die sinnvollen Möglichkeiten der Expansion ausloten. Wachstum könne natürlich laut Andreas Schreiner an ein und demselben Standort durch Erweiterung der Kapazitäten stattfinden.

Neue Bereiche ins Portfolio?

Dazu gehören Aus- und Umbauten, Neueinstellungen, die Einführung neuer Angebote und einiges andere mehr. Ebenso könnten weitere Standorte für Hotel oder Gastronomie geschaffen werden. „Auch besteht die Möglichkeit, verwandte oder gar völlig neue Bereiche in das eigene Portfolio mit aufzunehmen. So kann ein Wirt beispielsweise auch ein Handelsgeschäft betreiben. Das habe ich schon erlebt“, sagt der Unternehmensberater.
Der Expansionsvorgang könne aber auch durch den Erwerb eines bestehenden Unternehmens erfolgen, so Andreas Schreiner. Das ist eine besondere Herausforderung: Es ist wohl immer leichter, im eigenen Haus etwas zu tun, als einen Betrieb zu kaufen und ihn zu bewirtschaften. Besonders auf kaufmännischer Seite werfe das Fragen auf. „Finanzieren lässt sich eine Neuinvestition grundsätzlich ebenso wie der Kauf eines Unternehmens. Es gibt die gleichen Finanzierungs- und Förderprogramme, im Falle des Unternehmenserwerbs allerdings mit Unterschieden in Zuschussprogrammen bezüglich des Kaufs einer bestehenden Immobilie.

“ Wichtig zu wissen sei, dass ein bestehendes Unternehmen erst einmal zu bewerten sei. An dieser Stelle machten viele Unternehmer den Fehler, sich mehr oder weniger ausschließlich an Immobilienwerten zu orientieren. Das helfe aber nicht weiter, betont Andreas Schreiner. „Entscheidend ist die Ertragskraft und damit der Ertragswert eines zu erwerbenden Unternehmens. Dieses gilt es einzuschätzen beziehungsweise sogar zu bewerten. Bei eigenkapitalschwachen Finanzierungskonzepten spielt eine Bewertung aufgrund der Sicherheitenlage natürlich eine zunehmende Rolle.“ Einfacher ausgedrückt laute die

Regel: Wer vollständig aus Eigenmitteln finanziere könne, könne sich natürlich auf sein Gefühl beim Unternehmenskauf verlassen. Andreas Schreiner rät aber dazu, dies besser zu unterlassen – die Risiken seien groß, mit einer solchen Aktion eine Bruchlandung hinzulegen.

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