Suche

51 verlorene Arbeitstage pro Jahr: Umfrage zeigt, wie fragmentierte IT-Systeme das Gastgewerbe bremsen

Während Reisende einen schnelleren Service durch KI erwarten, kämpfen Hotels und Gastronomiebetriebe mit einem gegensätzlichen Problem: Fragmentierte IT-Systeme kosten sie enorm viel Zeit und Geld. Gleichzeitig zeigt sich, dass Gäste KI-Services zwar schätzen, den menschlichen Faktor aber nach wie vor höher bewerten, was sich auch im Trinkgeldverhalten widerspiegelt. Das zeigt eine Umfrage von Access Hospitality unter Unternehmen des Gastgewerbes in acht Ländern.

Tim Douglas, PexelsTim Douglas, Pexels

Schweizer Hotels verlieren am meisten Zeit durch Systemfragmentierung

Deutsche Hotels verbringen durchschnittlich 66 Arbeitstage und österreichische Betriebe 67 Tage pro Jahr und Teammitglied damit, zwischen verschiedenen Lösungen zu wechseln und Datensätze manuell zu kombinieren. Schweizer Hotels sind mit 83 verlorenen Arbeitstagen dieser Art die negativen Spitzenreiter.

Eine mögliche Ursache liegt in der Anzahl der verwendeten IT-Systeme. Schweizer Betriebe nutzen im Durchschnitt 5,4 verschiedene Tools, während Deutschland (4,7) und Österreich (4,6) im Mittelfeld liegen. Je mehr verschiedene Tools ein Haus nutzt, desto mehr Zeit verbringt es tendenziell mit dem Wechsel zwischen Lösungen und dem Zusammenführen von Daten.

Partner aus dem HORECA Scout

Ein ähnlicher Zusammenhang besteht zwischen den verlorenen Arbeitstagen dieser Art und den Betriebskosten. In Ländern mit besonders vielen Systemen empfinden Hotelteams 17 bis 21 Prozent ihrer Betriebskosten als verschwendet, während es in Ländern mit weniger Tools 14 bis 18 Prozent sind. Fragmentierte Tool-Landschaften führen demnach zu Produktivitätsverlust und somit zu geringerer Profitabilität.

KI soll retten, was fragmentierte Systeme kosten

Konsequenterweise sehen Hotelbetriebe in KI einen wichtigen Lösungsansatz: 39 Prozent der befragten Betriebe rechnen damit, dass KI Ineffizienzen beseitigt. Für das kommende Jahr setzen sie vor allem auf wesentliche Verbesserungen bei zentralen Geschäftsprozessen (40 Prozent) und bei wiederkehrenden Aufgaben sowie Reportings (37 Prozent). 32 Prozent der Unternehmen versprechen sich durch die Implementierung von KI eine verbesserte Guest Experience und eine höhere Servicequalität.

Lesen Sie auch
DatenschutzGastro, Recht und GewerbeSteuernSoftware und Systeme
Wenn Daten plötzlich nicht mehr verfügbar sind: Das Cloud-Risiko in der Kassenprüfung

Diese Erwartungen treffen auf entsprechende Gästewünsche: 37 Prozent der deutschen und 38 Prozent der österreichischen sowie schweizerischen Verbraucher glauben, dass KI eine bessere Guest Experience bieten könnte als das Personal. Von denjenigen, die dieser Aussage zustimmen, gehen 45 Prozent in Deutschland und Österreich sowie 38 Prozent in der Schweiz davon aus, dass der Service dadurch schneller wird. Zudem erwarten sie das Überwinden von Sprachbarrieren: In Deutschland sind es 41 Prozent, in Österreich 42 Prozent und in der Schweiz 40 Prozent. Deutsche und Schweizer Befragte sehen außerdem die Chance auf weniger Fehler bei Buchungen oder Bestellungen (37 Prozent). Für die Österreicher sind dagegen präzisere Informationen und Empfehlungen entscheidender (42 Prozent).

Unter allen befragten Verbraucher ist der Wunsch nach Echtzeit-Übersetzungen besonders groß: In Deutschland wünschen sich dies 33 Prozent, in Österreich 41 Prozent und in der Schweiz sogar 42 Prozent. Schnelleres Bestellen und Bezahlen steht für 28 Prozent der deutschen, 34 Prozent der österreichischen und 30 Prozent der Schweizer Befragten oben auf der Liste.

Themen in diesem Artikel
Digitalisierung

Integrierte Systeme als Fundament für Skalierung

Ohne integrierte Systemlandschaften verlieren Hotels nicht nur wertvolle Arbeitszeit, sondern können auch das Potenzial von KI nicht ausschöpfen. 96 Prozent der Hotelbetriebe und 88 Prozent der Gastronomieunternehmen sind davon überzeugt, dass integrierte IT-Systeme ihnen bei der Skalierung ihres Betriebs helfen können.

76 Prozent wünschen sich konsolidierte Echtzeitdaten über alle Geschäftsbereiche hinweg. Ein Fünftel davon sieht diesen Schritt als Gamechanger für Arbeitsalltag. Entsprechend sehen 34 Prozent der Betriebe in besseren Datenanalysen für schnellere Entscheidungen den Hauptvorteil einer KI-Implementierung.

Sieben Prozent Trinkgeld für Menschen, drei Prozent für KI

26 Prozent der Befragten in der DACH-Region wollen lieber mit einer KI als mit einem Menschen interagieren. Fast alle Befragten geben einem Menschen Trinkgeld: In Deutschland sind es 96 Prozent, in Österreich 98 Prozent und in der Schweiz 97 Prozent. Dagegen möchte etwa die Hälfte KI-Robotern oder -Services gar kein Trinkgeld geben. In Deutschland sind das 48 Prozent, in Österreich 45 Prozent und in der Schweiz 53 Prozent. Diejenigen, die das doch tun, geben ein Trinkgeld in Höhe von zwei bis vier Prozent des Gesamtbetrags. Bei Menschen sind es dagegen durchschnittlich 8 bis 9 Prozent der Rechnung.

Lesen Sie auch
DatenschutzVersicherungen und RisikomanagementSoftware und Systeme
Aktuelle IHA-Warnung: Wenn die Bettwanzen-Beschwerde zur Phishing-Falle wird

Die Zahlungsbereitschaft für KI-Services entsteht bei spürbarer Zeitersparnis: 27 Prozent der Deutschen sind bereit für einen erweiterten KI-Service zahlen, wenn dieser einen schnelleren Service garantiert. In Österreich und der Schweiz sind sogar mehr als ein Drittel der Befragten dazu bereit (35 Prozent). Für 25 Prozent der befragten Deutschen ist es ein Grund, für KI-Services zu bezahlen, wenn sie nie mehr Schlange stehen. Für die Österreicher und Schweizer ist dagegen eine nahtlose Erfahrung über alle Touchpoints hinweg entscheidender (34 Prozent).

KI sollte Wartezeiten verkürzen, nicht Menschen ersetzen

„Gäste erwarten einen schnelleren Service, den das Gastgewerbe durch Zeitersparnis im Betrieb mithilfe von KI erreichen kann”, sagt Champa Magesh, Managing Director von Access Hospitality. „KI sollte jedoch Wartezeiten verkürzen, nicht Menschen verdrängen. Die Herausforderung liegt zunächst darin, die fragmentierten Systemlandschaften zu konsolidieren, um dann das Potenzial von KI voll ausschöpfen zu können.“

„Technologie ersetzt keine Gastfreundschaft – sie schafft den Freiraum, sie zu leben. Hotels, die ihre Systeme integrieren und KI nutzen, können ihren Teams mehr Zeit für das geben, was wirklich zählt: außergewöhnliche Gästeerlebnisse zu schaffen. Die Zukunft der Hotellerie liegt nicht in der Wahl zwischen Mensch oder Maschine, sondern darin, beide optimal zu kombinieren.“

Methodik

Die Umfrage wurde vom 30.07.2025 bis 07.08.2025 von Access Hospitality durchgeführt. Es wurden 1.000 Unternehmen des Gastgewerbes und 8.000 Verbraucher ab 18 Jahren in acht Ländern befragt, darunter Großbritannien, USA, Deutschland, Österreich, Schweiz, Australien, Indonesien und Indien. In der DACH-Region wurden 1.001 Verbraucher befragt. Alle Befragten hatten zum Zeitpunkt der Befragung erst kürzlich ein Hotel oder ein Restaurant besucht.

Privat
Finanzen und Controlling

GKV-Reform ab 2027: Was auf Betriebe im Gastgewerbe als Arbeitgeber zukommt

Steigende Minijob-Beiträge, eine angehobene Bemessungsgrenze und ein neuer Ehegatten-Zuschlag: Die Krankenkassenreform wird meist aus Sicht der Versicherten diskutiert – doch für Hoteliers und Gastronomen entscheidet sie ab 2027 direkt über das Personalbudget. Warum trifft ausgerechnet das Gastgewerbe die Reform härter als fast jede andere Branche, und welche Zahlen sollten Betriebe kennen, bevor das Jahresbudget steht?

Google DeepMind, Unsplash
ESG Reporting und CSRD Standards

Neues RAL-Gütezeichen: So soll nachhaltige Gastronomie messbar werden

Ein neues RAL-Gütezeichen soll nachhaltiges Wirtschaften in gastronomischen Betrieben anhand einheitlicher Kriterien überprüfbar machen. Die Anforderungen reichen vom Einkauf und der Speiseplanung über Personal und Lebensmittelsicherheit bis zu Energieverbrauch und Abfallmanagement. Angesprochen sind Gemeinschaftsverpflegung, Catering sowie Individual- und Systemgastronomie.

Weitere Artikel zum Thema

ACCONSIS
Die Kassennachschau kommt meist unangekündigt – und entscheidet sich selten an einem einzelnen Fehler, sondern an Mustern, Abläufen und Nachvollziehbarkeit. Gerade in der Gastronomie erleben wir immer wieder dieselben Schwachstellen: technisch oft korrekt, aber organisatorisch[...]
ACCONSIS
Torsten Dettlaff, Pexabay, Pexels
Nach Angaben des Verbands wirkte die Beschwerde professionell und plausibel. Im Hotel wurden deshalb zunächst interne Abläufe und das vermeintlich betroffene Zimmer überprüft. Erst dabei fiel auf, dass die genannte Zimmernummer 721 in dem Betrieb[...]
Torsten Dettlaff, Pexabay, Pexels
Canva
Ein einziger technischer Check, knapp 20.000 Hotel-Websites – und ein Ergebnis, das die Branche aufhorchen lässt: Ausgerechnet die Häuser mit den meisten Sternen patzen am häufigsten. Was steckt hinter dem „Luxus-Paradox", und warum wird digitale[...]
Canva
Aerps.com, Unsplash
Immer mehr Reisende lassen sich Unterkünfte von ChatGPT, Gemini oder anderen KI-Systemen empfehlen. Eine Untersuchung von 515 gehobenen Hotels im deutschsprachigen Raum zeigt: Privat geführte Einzelhäuser sind dort deutlich seltener sichtbar als Hotelketten und Mehrhausbetriebe.[...]
Aerps.com, Unsplash
ProFina Deutschland GmbH
Ein Kassensystem, das mitten im Wochenendgeschäft ausfällt, verlorene Reservierungsdaten, abgegriffene Gästeinformationen: Cyberangriffe treffen längst nicht mehr nur Großkonzerne. Auch kleine Restaurants, Cafés und Hotels rücken ins Visier der Kriminellen – oft ohne eigene IT-Abteilung im[...]
ProFina Deutschland GmbH
Unser Newsletter

Bleiben Sie auf dem Laufenden mit regelmäßigen Informationen zum Thema Gastgewerbe. Ihre Einwilligung in den Empfang können Sie jederzeit widerrufen.