Suche

Abmahnung vermeiden: 10 Maßnahmen für den Datenschutz am Arbeitsplatz

Der Schreibtisch ist für viele nicht nur Arbeitsplatz, sondern auch Ablagefläche für Dokumente, Arbeitsmappen und Kaffeetassen. Während die Kaffeetasse bleiben darf, sollten geschäftliche Dokumente zum Feierabend oder bei Abwesenheit weggeräumt werden. Viele weitere Regeln sorgen für Datenschutz am Arbeitsplatz – die Missachtung kann über Abmahnungen bis zur Kündigung führen. Zehn Gebote, die den Datenschutz am Arbeitsplatz sicherstellen.

Alpha Oinam, UnsplashAlpha Oinam, Unsplash

Wer bestimmt die Regeln am Arbeitsplatz?

Während die Regeln früher mehr im Ermessen des Arbeitgebers lagen, zeichnen sich mittlerweile weitgehend die Datenschutz-Grundverordnung und ISO 27001 (Internationale Norm für Informationssicherheits-Managementsysteme) für die Vorgaben verantwortlich. Die Gesetze und Richtlinien sollen Unternehmen dabei unterstützen, den Datenschutz in Bezug auf sensible und personenbezogene Daten zu erfüllen. Festzulegen sind die Vorgaben im betriebsinternen Datenschutzkonzept und den technisch und organisatorischen Maßnahmen (TOM).

Die zehn goldenen Regeln

Wir empfehlen Arbeitgebern, die Regeln für den Datenschutz am Arbeitsplatz an jeden Beschäftigten auszuhändigen und zusätzlich am Arbeitsplatz zu hinterlegen.

Partner aus dem HORECA Scout
  1. Der Zugriff auf Computer und/oder Laptop muss passwortgeschützt sein, bei Abwesenheit muss sich der Passwortschutz automatisch einschalten
  2. Passwörter dürfen niemals auf Zettel o.ä. geschrieben und im direkten Umfeld des Arbeitsgerätes hinterlassen werden (Schreibtischunterlage, Monitor)
  3. Passwörter müssen nach dem Offboarding umgehend geändert werden – immer auch darauf achten, dass die Passwörter dem gängigen Sicherheitsstandard entsprechen (Kombination aus Zahlen, Ziffern und Sonderzeichen)
  4. Hardware unbekannter Herkunft darf nicht am PC oder Laptop angeschlossen werden
  5. Dokumente mit personenbezogenen Daten gehören nicht auf den Schreibtisch, sondern in eine abschließbare Schublade oder einen abschließbaren Aktenschrank
  6. E-Mails von unbekannten Absendern sollten sorgfältig geprüft und dubiose Anhänge sicherheitshalber nicht geöffnet werden
  7. Offene WLAN Netzwerke sollten vermieden werden
  8. Log-in Daten gehören ebenso wie Passwörter zu sensiblen Daten und dürfen nicht einsehbar abgelegt und auch nicht an Freunde und andere Dritte weitergegeben werden
  9. Beim Verlust von Hardware oder Unregelmäßigkeiten muss sofort die zuständige Abteilung oder die Geschäftsleitung informiert werden. Sollte es zu einer Datenschutzpanne kommen, sind entsprechende Maßnahmen einzuleiten
  10. Wer nicht nur am eigenen Arbeitsplatz, sondern auch in der Öffentlichkeit (z.B. Cafe, Bahn) arbeitet, darf keine Einblicke auf sensible Daten gestatten

Gab es schon Kündigungen wegen Missachtung des Datenschutzes am Arbeitsplatz?

Im Frühjahr 2022 hat das LAG Sachsen die Kündigung einer Mitarbeiterin aufgrund zahlreicher Verstöße gegen organisatorische Maßnahmen am Arbeitsplatz als berechtigt eingestuft. Der Arbeitgeber hatte der Angestellten, einer Kreditsachbearbeiterin, nach zahlreichen Er- und Abmahnungen wegen Nicht-Einhaltung der Clean-Desk-Policy gekündigt. Nachdem die Beschäftigte sich in erster Instanz noch mit Erfolg gegen die Kündigung wehren konnte, urteilte das LAG wie folgt: „In der Summe handelt es sich um erhebliche Pflichtverletzungen, die auch zu Ablaufstörungen bei der Beklagten geführt haben.“

Lesen Sie auch
Datenschutz
Trotz geplanter DSGVO Mini-Reform: Datenschutz bleibt Pflicht – und strategischer Vorteil für (System-)Gastronomen

Was bedeutet Clean-Desk-Policy?

Bei der CDP geht es darum, in welchem Zustand der Mitarbeiter seinen Arbeitsplatz zurücklassen sollte – ganz gleich, ob Mittagspause, Meeting oder Feierabend anstehen. Dabei geht es nicht nur darum, die Kaffeetasse in die Spülmaschine zu räumen, sondern sensible Dokumente nicht unbeobachtet zu lassen. Im Idealfall liegen keinerlei Akten oder Dokumente offen auf dem Schreibtisch – ganz gleich ob selbiger im öffentlichen Raum mit Kundenkontakt, im Großraumbüro oder im eigenen Büro steht.

Themen in diesem Artikel
DatenschutzAbmahnungArbeitsplatzDatenschutz

In Zeiten, in denen mit Home-Office und Desk-Sharing nicht mehr jeder an einem festen Arbeitsplatz arbeitet, ist es sinnvoller denn je, eine diesbezügliche Richtlinie in Arbeitsverträge aufzunehmen. Der Arbeitgeber sollte mit der Durchsetzung einer CDP dem Arbeitnehmer auch alle erforderlichen Hilfsmittel, wie z.B. abschließbare Rollcontainer oder Aktenschränke zur Verfügung stellen.

Welche Risiken bestehen, wenn die nötigen Vorgaben nicht eingehalten werden?

Nicht selten liegen durch Aktenberge oder auch einzelne Dokumente mehr Informationen offen herum als nötig. Während es in einer Rechtsanwaltskanzlei oder einer Arztpraxis ein ganz offensichtlicher Verstoß gegen den Datenschutz ist, gilt es auch in herkömmlichen Büros, Vorsicht walten zu lassen. Denn nicht nur Kunden und Patienten dürfen keinen Blick auf fremde Akten werden, je nach Sensibilität dürfen auch die Kollegen keine Einsicht nehmen. Die DSGVO regelt dies mit dem sogenannten Need-to-know Prinzip, worüber die Weitergabe an unberechtigte Dritte ausgeschlossen werden soll.

Lesen Sie auch
Datenschutz
Cyberangriffe – wie das Gastgewerbe sich auf Datenschutzvorfälle vorbereiten sollten

Nicht zuletzt sollten die Unterlagen natürlich auch vor den Blicken von Reinigungs- oder Sicherheitspersonal verborgen bleiben. Neben der Vermeidung des Verstoßes gegen den Datenschutz sollten Unternehmen auch im eigenen Interesse handeln und können mit der CDP Industriespionage verhindern.

Wer gegen die Gesetze für personenbezogen Daten verstößt, muss mit empfindlichen Bußgeldern rechnen.

Sie haben Fragen zum Datenschutz in Ihrem Betrieb? Wir helfen Ihnen gerne!

Sterne-Advo
Recht und Compliance

Kununu-Fall rechtskräftig: Was Arbeitgeber bei anonymen Bewertungen verlangen können

Anonyme Bewertungen auf Arbeitgeberportalen können Hotels und Gastronomiebetriebe erheblich treffen – besonders, wenn unklar bleibt, ob die bewertende Person tatsächlich Kontakt zum Betrieb hatte. Nach einem rechtskräftigen Kununu-Beschluss ordnet Rechtsanwalt Jan Meyer im Interview ein, wann Portale die Echtheit prüfen müssen, welche Kritik Arbeitgeber weiterhin hinnehmen müssen und warum bei zweifelhaften Bewertungen schnelles Handeln entscheidend ist.

Towfiqu barbhuiya, Unsplash
Finanzen und Controlling

Finanzen im Griff: Wie ein Steuerberater Gastronomen bei Buchhaltung und Liquidität unterstützt

Drei Prozent Umsatzrendite, steigende Kosten und ein Dickicht aus Umsatzsteuersätzen, TSE-Pflicht und Meldevorschriften: Für Gastronomiebetriebe entscheidet sich die finanzielle Handlungsfähigkeit selten am Kontostand, sondern an den richtigen Kennzahlen. Welche Werte den Unterschied machen und wie eine branchennahe steuerliche Betreuung zum Steuerungsinstrument wird.

Courtney Cook, Unsplash
Branche und Trends

Eiscreme-Report 2025: Preise, Lieblingssorten und Verkaufsmuster im DACH-Vergleich

Sommer, Sonne – und ganz viel Eis: Der Eiscreme-Index 2025 nimmt das alljährliche Eis-Konsumverhalten in Deutschland, Österreich und der Schweiz unter die Lupe. Welche Eissorten haben die Nase vorn? Wann ist die beliebteste Eiszeit? Was kostet die Kugel mittlerweile – und wo wird am günstigsten und wo am teuersten geschlemmt? orderbird hat das Eis-Konsumverhalten der letzten Jahre untersucht und spannende Trends identifiziert.

Weitere Artikel zum Thema

ALLEHERZEN GmbH
Am 2. August 2026 greifen die Transparenzpflichten des EU AI Acts – trotz verschobener Fristen an anderer Stelle. Doch reicht es aus, KI-Systeme nur zu kennzeichnen? Und was passiert, wenn Künstliche Intelligenz eigenständig Prozesse in[...]
ALLEHERZEN GmbH
ACCONSIS
Die Kassennachschau kommt meist unangekündigt – und entscheidet sich selten an einem einzelnen Fehler, sondern an Mustern, Abläufen und Nachvollziehbarkeit. Gerade in der Gastronomie erleben wir immer wieder dieselben Schwachstellen: technisch oft korrekt, aber organisatorisch[...]
ACCONSIS
Torsten Dettlaff, Pexabay, Pexels
Nach Angaben des Verbands wirkte die Beschwerde professionell und plausibel. Im Hotel wurden deshalb zunächst interne Abläufe und das vermeintlich betroffene Zimmer überprüft. Erst dabei fiel auf, dass die genannte Zimmernummer 721 in dem Betrieb[...]
Torsten Dettlaff, Pexabay, Pexels
ProFina Deutschland GmbH
Ein Kassensystem, das mitten im Wochenendgeschäft ausfällt, verlorene Reservierungsdaten, abgegriffene Gästeinformationen: Cyberangriffe treffen längst nicht mehr nur Großkonzerne. Auch kleine Restaurants, Cafés und Hotels rücken ins Visier der Kriminellen – oft ohne eigene IT-Abteilung im[...]
ProFina Deutschland GmbH
Helena Lopes, Pexels
Seit Anfang 2025 ist die Meldescheinpflicht für deutsche Gäste abgeschafft. In der Praxis füllen Hotelgäste den Zettel trotzdem weiter aus. Die Hessische Staatskanzlei hat den DEHOGA jetzt gebeten, die Betriebe noch einmal daran zu erinnern.[...]
Helena Lopes, Pexels
Unser Newsletter

Bleiben Sie auf dem Laufenden mit regelmäßigen Informationen zum Thema Gastgewerbe. Ihre Einwilligung in den Empfang können Sie jederzeit widerrufen.