Drei Uhr morgens, irgendwann im Juni: Aus Guadalajara läuft Mexiko gegen Südkorea, und wer das in Deutschland sehen will, sitzt mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit allein auf der Couch. Vielleicht mit einer Tüte Chips, vielleicht schon halb eingeschlafen, garantiert nicht in der vollen Kneipe um die Ecke. Das ist das strukturelle Problem dieser Weltmeisterschaft, das sich auch mit dem klügsten Vertrag nicht wegverhandeln lässt: Wenn in Nordamerika angepfiffen wird, schläft Europa. Die Bilder von 2006, die fremden Menschen, die nach dem ersten Tor zu Freunden wurden – die wird es 2026 nur an wenigen Abenden geben.
Genau an diesen wenigen Abenden hängt jetzt eine Vereinbarung, die die Deutsche Telekom und Sky am Mittwoch geschlossen haben. Sie heilt das Zeitproblem nicht. Aber sie sorgt zumindest dafür, dass die Partien zu halbwegs menschlichen Stunden – Frankreich gegen Senegal um 21 Uhr, Niederlande gegen Japan um 22 Uhr, das deutsche Auftaktspiel – auch dort laufen, wo Fußball seine eigentliche Magie entfaltet: nicht zu Hause, sondern unter Leuten.
Ein Pakt unter ehemaligen Rivalen
Die Telekom hält sämtliche 104 WM-Spiele, aber sie hat keinen Draht in die deutsche Gastronomie. Sky hat den Draht seit Jahrzehnten, aber die Rechte sind weg. Statt nebeneinander her zu verlieren, klinkt sich MagentaTV nun in die Sky-Business-Plattform ein. Gastronomiebetriebe mit Sky-Receiver bekommen drei eigens geschaltete WM-Kanäle der Telekom ohne Aufpreis dazu. Wer keinen Sky-Vertrag hat, kann einen befristeten „Gastro-Pass" buchen. Die FIFA-Lizenzen, ohne die rechtlich nichts läuft, gibt es im selben Paket.
Die Pointe dieses Deals steckt in den Logos. Sky hat in den vergangenen Jahren eine Niederlage nach der anderen einstecken müssen: Champions League weg, Teile der Bundesliga weg, jetzt die WM bei der Telekom. Und ausgerechnet der Konkurrent, der die Spiele weggeschnappt hat, ist nun derjenige, der das Geschäft mit Bars, Hotels und Public-Viewing-Veranstaltern rettet. Für Sky ist das ein bitterer Pragmatismus – aber besser, fremde Ware zu verkaufen, als die eigene Infrastruktur leer laufen zu lassen.
44 Spiele nur bei MagentaTV – und ein Frühstücksclub
Für die Zuschauer zu Hause bleibt die Rechnung dieselbe wie bei der EM 2024: ARD und ZDF zeigen 60 Spiele, die Telekom alle. Wer keine Partie verpassen will, kommt am MagentaTV-Abo nicht vorbei. Die 44 Exklusivspiele haben es teilweise in sich – Niederlande gegen Japan, Frankreich gegen Senegal, Schottland gegen Brasilien. Dazu drei Achtelfinals, zwei Viertelfinals, das Spiel um Platz drei. Auch die komplette Vorrunde der Türkei läuft nur bei der Telekom, was in den türkischen Cafés zwischen Berlin-Neukölln und Duisburg-Marxloh nicht unbemerkt bleiben dürfte.
Bleibt das Zeitzonenproblem. Die Telekom versucht es mit einem schlauen Trick aufzufangen: Ab dem 11. Juni läuft täglich ein „Breakfast Club" aus dem WM-Studio, frei empfangbar, mit Micky Beisenherz als Erklärer für müde Zuschauer. Wer um sechs Uhr morgens das Nachtspiel verpasst hat, soll wenigstens beim Kaffee noch das Gefühl bekommen, dabei zu sein. Die deutschen Spiele kommentiert Wolff Fuss, im Expertenkreis sitzen Thomas Müller, Jürgen Klopp, Mats Hummels und Tabea Kemme, moderiert wird unter anderem von Johannes B. Kerner und Laura Wontorra.
Ob daraus noch einmal ein Sommermärchen wird, entscheiden am Ende nicht Verträge zwischen Konzernen und auch nicht der Sendeplan. Sondern elf Spieler auf einem Platz, irgendwo zwischen Vancouver und Miami. Telekom und Sky haben immerhin dafür gesorgt, dass es nicht an der Übertragung scheitert. Den Rest muss diesmal der Wecker richten.











