Suche
Anzeige

Experte zu Querelen zwischen Bund und Ländern zur KassenSichV

Gestern endete die Nichtbeanstandungsfrist des Bundesfinanzministeriums bezüglich der Kassensicherungsverordnung – und nur selten hat die Branche so viele Querelen zwischen Bund und Ländern erlebt wie zu diesem Thema. Als Experte für TSEs, KassenSichV und Kassennachschauen nimmt Dr. Mirco Till bezieht dazu Stellung und blickt dabei auch auf das Thema Kassennachschauen ab Oktober.

Gastro-Mis GmbHGastro-Mis GmbH

Mitgehangen, mitgefangen

Wie bei jeder Regulierungs- oder Kontrollmaßnahme trifft sie natürlich auch jene, die sich ohnehin vorbildlich verhalten, denn könnte man die schwarzen Schafe im Voraus erkennen, um nur diese zu kontrollieren, bräuchte es die ganzen Maßnahmen nicht.

Dann wäre da noch die Kundensicht: Warum soll ausgerechnet in einem derart schweren Jahr eine Maßnahme umgesetzt werden, die die geplagten Unternehmer weiteres Geld kostet? Die Finanzministerien einiger Länder haben klar Stellung bezogen und ein Kompetenzgerangel der besonderen Art gestartet.

Partner aus dem HORECA Scout

Der 30.09. gilt – nicht – doch – nicht?

Selten ist man so hautnah dabei, wenn sich Bund und Länder streiten wie im Falle der KassenSichV Fristen. Beide scheinen über Veröffentlichungen miteinander oder besser gegeneinander zu kommunizieren.

„Dass sich BMF und Länder gegenseitig so auf die Füße steigen, führt meiner Meinung nach zu einer starken Verunsicherung, sonst aber zu nicht viel. Auch wenn ich meistens eine recht deutliche Meinung und Position habe und auch vertrete, in diesem Fall… Keine Ahnung, wie das ausgehen soll“, kommentiert der KassenSichV Experte Dr. Mirco Till, Geschäftsführer der Gastro-MIS in Gräfelfing bei München, die aktuellen Vorgänge mit seiner privaten Meinung – wie er betont.

Lesen Sie auch
Finanzen und ControllingRecht und ComplianceSteuernSoftware und Systeme
Kassennachschau: Wenn Rabatte zum Prüfungsrisiko werden
[cs_gb id=32307]

Rechtssicherheit? Fehlanzeige

Rechtlich ist die Lage schwierig. Das BMF gibt als „Ober“ die Regeln vor, an die sich gehalten werden muss. Eigentlich. Doch die „Unter“ – also die Länder-Finanzministerien – halten selbstbewusst dagegen und sitzen als weisungsbefugter Arbeitgeber für die Prüfer möglicherweise am längeren Hebel. Möglicherweise, denn um das Ganze noch konfuser zu gestalten: Die erste Instanz ist der Prüfer, der ja selbst mit gegensätzlichen Weisungen konfrontiert ist. Rechtssicherheit gibt es momentan, dank gegensätzlicher Veröffentlichungen und teilweise recht allgemeiner Formulierungen, keine.

Themen in diesem Artikel
Software und SystemeKassengesetz

„Wenn Mama und Papa sich streiten, sollten die Kinder sich raushalten.“ führt Dr. Mirco Till weiter aus. „Daher möchte ich weder die einen noch die anderen Schreiben bewerten. So viel steht allerdings fest: auf der sicheren Seite ist man nur, wenn man die strengste Regelung proaktiv erfüllt.“

Gerüchte und Halbwahrheiten

Was gerade bei Veröffentlichungen zu DSFinV-K und Technischen Sicherheitseinrichtungen auffällt, ist die große Schere an „Fakten“, die öffentlich verbreitet und diskutiert werden. Auf der einen Seite seien da Cloud-TSEs, die noch Hardware benötigen, um zu funktionieren. Auf der anderen Seite gäbe es auch Hardware TSEs, die allerdings sehr teuer wären und nur mit einer einzigen Kasse verbunden werden könnten und dann auch noch alle drei Jahre getauscht werden müssten.

Lesen Sie auch
Software und SystemeBranche und TrendsMarketing
Vom Like zum Umsatz: Wie Social Media für volle Tische sorgt

„Sicher gibt es Konstellationen, bei denen man durchaus eine Cloud basierte TSE bevorzugen könnte. Gerüchte, dass bei jedem Betrieb mit mehr als fünf Kassen Hardware-TSEs nicht mehr wirtschaftlich seien, sind allerdings Unsinn. Je nach Architektur, können an eine einzelne unserer USB-TSEs mit übrigens fünfjähriger Laufzeit via (offline) Netzwerk bis zu 100 Kassen angeschlossen werden“, stellt Till klar.

Kassennachschauen ab Oktober

Egal ob man sich für die Einbindung von Cloud-TSEs entscheidet und damit auf die Anerkennung des Härtefalls sowie Zertifizierung bis Ende März hofft oder die jetzt schon zertifizierten Hardware-TSEs verwendet, sicher ist nur eins: Die Kassennachschauen kommen im Oktober und dann gilt es, die Prüfer davon überzeugen, dass eine detaillierte Prüfung in Form einer Betriebsprüfung nicht notwendig ist. Völlig unabhängig vom Ergebnis (unterstellen wir dem geprüften Betrieb, dass er sich vollkommen gesetzeskonform verhält): Die investierte Zeit, die nervliche Belastung bis zur Ergebnis-Verkündung und womöglich noch eine Betriebsunterbrechung – das alles kann man sich sparen, wenn man den Betrieb jetzt schon mit zertifizierten TSEs ausstattet. Dann kann eine Kassennachschau in einer Minute erledigt sein: Anonymen Testkauf tätigen, ungefragt den Bon ausgehändigt bekommen, Abgleich der Transaktions- und Sicherheitsdaten – im Idealfall per Scan des Prüf-QR-Codes – und schon ist die Prüfung erledigt.

[cs_gb id=32307]

 

Zum Autor:

Dr. Mirco Till ist seit 10 Jahren Geschäftsführer & Hauptgesellschafter der Gastro-MIS GmbH und vorrangig für die Software-Entwicklung, TSEs digitaler Kassen sowie die nachhaltige Unternehmensstrategie zuständig. Der anerkannte Experte für manipulationssichere Kassensysteme ist Mitglied der ersten Stunde des Deutschen Fachverbandes für Kassen- und Abrechnungssystemtechnik (DFKA), seit 2016 Mitglied der Arbeitsgruppe Taxomonie sowie seit 2019 Mitglied dessen Expertenrates. 

ACCONSIS
Finanzen und Controlling

Kassennachschau: Wenn Rabatte zum Prüfungsrisiko werden

Rabatte, Gratiskaffee oder offene Artikel gehören in vielen Gastronomiebetrieben zum Alltag. Bei einer Kassennachschau können genau diese Eingriffe jedoch zum Problem werden, wenn sie nicht sauber dokumentiert und systematisch im Kassensystem abgebildet sind. Im vierten Teil unserer Serie zur Kassennachschau geht es darum, warum Preisüberschreibungen, schwache Stammdaten und Freitextartikel für Betriebe riskant werden können.

orderbird
Branche und Trends

Vom Like zum Umsatz: Wie Social Media für volle Tische sorgt

Social Media entscheidet immer häufiger mit, wo wir essen gehen. Gäste entscheiden heute oft schon online anhand von Bildern, Videos oder Empfehlungen, ob ein Restaurant oder Café zu ihren Vorlieben passt. Wie Gastronomen den Sprung vom Like zur Reservierung schaffen und warum Bewertungen auf Social Media gerade jetzt wichtiger werden, erklärt Natalie Seifert, Head of Marketing bei orderbird.

1&1 Versatel
Allgemeine Haustechnik

Ausfallsichere Kassensysteme dank SD-WAN: Warum moderne Filialnetze in der Gastronomie immer wichtiger werden

In der modernen Systemgastronomie hängt ein reibungsloser Betrieb immer stärker von einer stabilen und intelligent gesteuerten Netzwerkinfrastruktur ab. Fällt die Internetverbindung aus, sind je nach Kassen- und IT-Architektur nicht nur Bestellprozesse, sondern auch Kartenzahlungen, Reservierungs-Systeme, Cloud-Synchronisationen und die Anbindung an Warenwirtschafts- und Backoffice-Systeme beeinträchtigt. Wie sich Betriebe mit dem Zusammenspiel aus leistungsfähigem Glasfaser-Internet, SD-WAN und Mobilfunk-Backup robuster aufstellen können, erläutert Frank Rosenberger, Vorsitzender der Geschäftsführung von 1&1 Versatel.

Magda Ehlers, Pexels
Allgemeine Haustechnik

Frühling bringt Tauben-Boom: Warum Immobilienbetreiber jetzt handeln sollten

Stadttauben entwickeln sich für Immobilienbetreiber zunehmend zum wirtschaftlichen Risiko. Der aggressive Kot schädigt Fassaden und Materialien, Balkone werden unbenutzbar, Mieter fordern Mietminderungen. Gleichzeitig fehlt vielen Eigentümern die Orientierung: Welche Abwehrmaßnahmen sind tierschutzkonform, langfristig wirksam und rechtlich zulässig? Experten erklären, warum das Problem im Frühjahr eskaliert – und warum Baumarkt-Lösungen meist scheitern.

DBL
Recruiting und Fachkräftemangel

Flexibilität durch Mietservice: Poolkleidung für wechselnde Teams

Saisonkräfte, kurzfristige Aushilfen, wechselnde Teams – in der Gastronomie ist Flexibilität bei der Personalplanung entscheidend. Doch wie stellt man sicher, dass alle Mitarbeitenden professionell ausgestattet sind, ohne ständig neue Berufskleidung beschaffen zu müssen? Poolkleidung im Mietservice bietet eine praktische Lösung für diese Herausforderung.

Weitere Artikel zum Thema

ACCONSIS
Rabatte, Gratiskaffee oder offene Artikel gehören in vielen Gastronomiebetrieben zum Alltag. Bei einer Kassennachschau können genau diese Eingriffe jedoch zum Problem werden, wenn sie nicht sauber dokumentiert und systematisch im Kassensystem abgebildet sind. Im vierten[...]
ACCONSIS
orderbird
Social Media entscheidet immer häufiger mit, wo wir essen gehen. Gäste entscheiden heute oft schon online anhand von Bildern, Videos oder Empfehlungen, ob ein Restaurant oder Café zu ihren Vorlieben passt. Wie Gastronomen den Sprung[...]
orderbird
1&1 Versatel
In der modernen Systemgastronomie hängt ein reibungsloser Betrieb immer stärker von einer stabilen und intelligent gesteuerten Netzwerkinfrastruktur ab. Fällt die Internetverbindung aus, sind je nach Kassen- und IT-Architektur nicht nur Bestellprozesse, sondern auch Kartenzahlungen, Reservierungs-Systeme,[...]
1&1 Versatel
Canva
Ein KI-generiertes Zimmerfoto auf der Buchungsseite, der Speisekarten-Text aus ChatGPT, das Instagram-Motiv per Knopfdruck: Ab dem 2. August sind solche Inhalte kennzeichnungspflichtig. Was der EU AI Act konkret fordert, wo die Grenze zur klassischen Bildbearbeitung[...]
Canva
Gastfreund GmbH
Zwei Drittel aller Gäste fordern heute aktiv digitale Kommunikationslösungen, doch viele Hotels hinken weit hinterher. Was einst als Innovation galt, ist längst zur Grunderwartung geworden und wer jetzt nicht handelt, verliert nicht nur Wettbewerbsvorteile, sondern[...]
Gastfreund GmbH
Unser Newsletter

Bleiben Sie auf dem Laufenden mit regelmäßigen Informationen zum Thema Gastgewerbe. Ihre Einwilligung in den Empfang können Sie jederzeit widerrufen.