Suche
Anzeige

Neue Wege in der Hotellerie: Wie die Symbiose aus Digitalisierung und Mensch den Sprung in die Zukunft ermöglicht

Ob im Hotelbetrieb, für Buchungen oder beim Feedback – Digitalisierung und KI sind aus der modernen Hotellerie nicht mehr wegzudenken. Sie hilft Unternehmen vielerorts, Prozesse zu vereinfachen und Kosten zu reduzieren. Andreas von Reitzenstein, COO der LÉGÈRE HOTELGROUP, ist Experte für Digitaliserung und setzt auf verschiedene smarte Tools für einen effizienten Hotelbetrieb.

FIBONA GmbHFIBONA GmbH

Welche Entwicklungen gibt es derzeit in der Hotelbranche?

Die Hotellerie steht vor bedeutenden Herausforderungen. Wie derzeit viele Branchen sind auch wir vom Mitarbeitermangel betroffen. Es ist daher entscheidend, die verfügbaren Mitarbeiter so effizient wie möglich einzusetzen. Die Digitalisierung bietet hierfür eine wertvolle Unterstützung und ist ein zentrales Thema im Kontext der aktuell stattfindenden Branchentransformation. Außerdem wollen wir den Wandel hin zu mehr Nachhaltigkeit, Ressourcenschonung und Umweltschutz in Hotels aktiv mitgestalten. Darüber hinaus verändern sich die Bedürfnisse und Gewohnheiten der Gäste, getrieben durch technologischen Fortschritt und gesellschaftlichen Wandel. Besonders bei Geschäftsreisenden sind die Erwartungen an Service, Komfort, Flexibilität und Schnelligkeit zuletzt gestiegen.

Welche Bedeutung hat Digitalisierung in der Hotellerie, welche Vorteile bietet sie?

Moderne Technologien und smarte Tools helfen uns an all unseren Standorten, Prozesse zu vereinfachen. Wir setzen künstliche Intelligenz für eine bessere Guest Journey und Kundenzufriedenheit ein, was es uns ermöglicht, individueller auf verschiedene Anliegen einzugehen. Wir wollen die Vereinfachung und Effizienzsteigerung des Digitalisierungsfortschritts nutzen, beispielsweise in der Kundenkommunikation. Die enorme Entlastung unserer Mitarbeiter ist beispielsweise einer der vielen Vorteile, die wir in der KI sehen. Sie sorgt nachhaltig für betriebliche Effizienz und gleichbleibend hohe Qualität in der Gästekommunikation. Zusammenfassend bleibt den Mitarbeitern dadurch mehr Zeit für das, was wichtig ist – nämlich die Gäste und ihre individuellen Bedürfnisse. Das fördert Zufriedenheit, Loyalität und Reputation.

Partner aus dem HORECA Scout

Welche Aufgaben übernimmt die KI bei der LÉGÈRE HOTELGROUP? Welche Tools nutzen Sie und ist KI fähig, unternehmensspezifisch zu handeln?

KI unterstützt uns in zahlreichen Belangen. Wir haben bereits seit mehreren Jahren das Revenue-Management-System IDeaS implementiert, welches das Buchungsverhalten der Gäste und des Marktes analysiert und auf Grundlage dieser Daten durch präzise Nachfrageprognosen bei der Gestaltung der Zimmerpreise hilft und optimiert. Es automatisiert manuelle Aufgaben wie Datenanalyse, Preisberechnung sowie Berichterstellung und ermöglicht eine dynamische Preisgestaltung. So können wir daten- und marktorientierte Entscheidungen besser treffen, betriebliche Kapazitäten planen und Belegungslücken verringern. Das macht sich schlussendlich auch im Gesamtertrag bemerkbar.

Lesen Sie auch
Gastro, Recht und GewerbeRecht und ComplianceSteuernSoftware und Systeme
Kassenpflicht ab 100.000 Euro: Was auf Gastronomie und Hotellerie zukommen könnte

Eine neuere Innovationen ist eine Reputationsmanagementsoftware, die die Beantwortung und Analyse von Kundenrezensionen erleichtert. Großer Vorteil hierbei ist die direkte Integration in Buchungsplattformen, Bewertungsportale und Google sowie die zentrale Verwaltung der verschiedenen Quellen. Die hier zum Einsatz kommende KI lernt dabei stetig, kann mehrsprachig antworten und etabliert eine individuelle Brand Voice. Die Auswertungen, die wir aus dem Feedback gebündelt ziehen können, analysieren wir und ziehen sie gezielt in die Verbesserung unserer Dienstleistung mit ein. Außerdem haben wir einen Chatbot auf unserer Website und über Whatsapp integriert, der Kommunikationsaufgaben übernimmt und wiederkehrende Anfragen beantwortet. Auch dieser ist in Design und Tonalität auf unsere beiden Hotelmarken abgestimmt. Zusätzlich analysieren wir die Kommunikationsinhalte und verbessern über den Informationsfluss unsere Website durch inhaltliche Anpassungen. 

Wie nehmen Gäste die digitalen Angebote an? Welche Vorteile ergeben sich für sie daraus?

Wir erhalten positives Feedback auf die digitalen Neuerungen. Bereits seit einiger Zeit bieten wir unseren Gästen einen digitalen Pre-Check-in bzw. Self-Check-in in unseren Häusern der Marke LÉGÈRE EXPRESS an. Der Pre- bzw. Self-Check-in trägt z. B. zu einem besseren Aufenthaltserlebnis bei, da der Gast so unabhängig von Uhrzeiten einchecken kann und seine Bedürfnisse nach Zeitersparnis, Komfort, Flexibilität und modernem Service bedient werden. Natürlich entscheidet der Gast aber immer noch selbst, ob er das digitale Angebot nutzen möchte – der persönliche Service steht für uns im Vordergrund. Ergänzend dazu bieten wir eine digitale Gästemappe auf den Zimmern sowie eine digitale Speisekarte in unseren Restaurants an. Auch unsere X-PRESS Markets bieten maximalen Komfort und Flexbilität, da sich Gäste rund um die Uhr in Selbstbedienung mit Snacks und Gebrauchsgütern versorgen können. Unsere Offensive im Bereich Digitalisierung – intern wie extern – beschleunigt Prozesse, reduziert z. B. unnötige Drucksachen und erhöht zugleich die Kundenzufriedenheit.

Themen in diesem Artikel
Künstliche Intelligenz, KI und AutomationKI

Wir möchten das Hotelerlebnis schon vor, während und auch noch nach dem Aufenthalt gästeorientiert gestalten. So antwortet der Chatbot rund um die Uhr auf wiederkehrende Fragen, wie beispielsweise nach Verfügbarkeiten oder Frühstückszeiten, und das in der jeweiligen Sprache des Gastes. Dieser profitiert dadurch von kürzeren Antwortzeiten, hat aber jederzeit auch die Option auf einen Mitarbeiter-Livechat, um komplexere Fragestellungen persönlich online beantwortet zu bekommen. Das Buchungserlebnis auf unserer Website soll anschließend möglichst nutzerfreundlich, schnell und unkompliziert von der Hand gehen.

Entlang der gesamten Customer Journey setzen wir vermehrt auf personalisierte Kommunikation am Gast und haben dafür das CRM-System dailypoint integriert. Dieses ermöglicht es uns, durch zentrale Gästedatenverwaltung ein Besuchserlebnis auf höchstem Niveau zu bereiten. Anhand der so erstellten Gastprofile können wir genau auf Vorlieben, Wünsche oder Rückfragen des Gastes eingehen, ihn über Pre-Stay-, In-Stay- und Post-Stay E-Mails mit relevanten Infos versorgen und ihm personalisierte Angebote wie z.B. Zimmer-Upgrades, Early Check-in / Late Check-out Angebote oder Restaurant- und Baraktionen zu unterbreiten. Das fördert ein Gefühl von Exklusivität und Wertschätzung und damit einhergehend die Gästezufriedenheit und -bindung. Wir optimieren unsere Kommunikation kontinuierlich, z. B. durch die Integration Veranstaltungen während des Aufenthaltes oder Empfehlungen für Aktivitäten und Sehenswürdigkeiten.

Und nach dem Aufenthalt ist das Kundenfeedback für uns natürlich essenziell, um daraus Verbesserungspotenziale und Markttrends ziehen zu können. Hier streben wir nach einer Antwortrate nahe 100 Prozent als Teil unserer Wertschätzung für den Gast und um Vertrauen aufzubauen. Die KI ist dabei eine zeitsparende Unterstützung, die Kritikpunkte filtert und einen Entwurf vorschlägt, der vom Mitarbeiter noch personalisiert wird. Es wird also weiterhin persönlich auf jede Bewertung geantwortet, denn die authentische und persönliche Beziehungspflege ist für uns ein Kernziel. Kein Rezensent soll nur unpersönliche Textbausteine erhalten.

Lesen Sie auch
Recht und ComplianceRechtsprechung und UrteileArbeitszeit, Dienstplan, und Schichtplanung
Attest ab Tag 1, Telefon-AU vor dem Aus: Was auf Hoteliers und Gastronomen zukommt

Wie ist Ihr Ausblick auf die Hotelbranche für die kommenden Jahre?

Die Zukunft gehört denen, die Technologie und Menschlichkeit kombinieren: digital, aber nicht unpersönlich. Digitalisierung ist schon längst Alltag, aber KI hat die Branche nun grundlegend geprägt und verändert. Das wird für Unternehmen eine Herausforderung, verbunden mit großen Chancen. Hotels, die frühzeitig auf intelligente Lösungen setzen, werden Marktanteile und Vertrauen bei den Gästen gewinnen und ihre Effizienz steigern können. Beispielsweise beschleunigen digitale Angebotsprozesse die Kundenansprache und gleichzeitig den Service, damit schlussendlich die Zufriedenheit unserer Gäste. Ich sehe Digitalisierung als strategisches Instrument zur Gästebindung, Mitarbeiterentlastung und Wettbewerbsdifferenzierung sowie zur Prozessoptimierung in Angebotserstellung und Einkauf. Darüber hinaus unterstreicht sie – etwa durch die Einsparung von Tonnen an Papier – den Wandel zu nachhaltiger Orientierung. Auch unsere Gruppe wird weiter auf bisherige Digitalisierungsprojekte aufbauen, um unseren Servicegedanken mittels modernster Technologien kontinuierlich weiterzuentwickeln, ohne dabei die persönliche Dienstleistung zu vernachlässigen. In Zukunft werden Prozesse zunehmend automatisiert und vorausschauend ablaufen. Digitale Zahlungsmöglichkeiten inklusive Alipay und WeChatPay sowie digitale und automatisierte Check-in-Lösungen sind heute schon Standard. Demgegenüber wird KI im bei der Gästekommunikation, Personalisierung, Automatisierung interner Abläufe, im Marketing, im Revenue Management und in der Datenanalyse sehr rasant wachsen. 

Pavel Danilyuk, Pexels
Gastro, Recht und Gewerbe

Kassenpflicht ab 100.000 Euro: Was auf Gastronomie und Hotellerie zukommen könnte

Der Papierbon soll fallen, die elektronische Kasse zur Pflicht werden, und wer künftig keinen Beleg bereitstellt, müsste erstmals ein Bußgeld zahlen. Der Entwurf aus dem Bundesministerium der Finanzen sieht die Kassenpflicht ab 2028 vor und legt die nächste Stufe unterhalb der 100.000-Euro-Grenze bereits an. Beschlossen ist noch nichts, doch die Richtung ist erkennbar.

Markus Winkler, Pexels
Gastro, Recht und Gewerbe

Der Strohhalm als Prüffall: Was die neuen PFAS-Grenzwerte für die Gastronomie bedeuten

Seit dem 12. August gelten in der EU erstmals Grenzwerte für PFAS in Lebensmittelverpackungen. Zwei Monate später folgt ein zweiter Stichtag, der Papier und Karton im Lebensmittelkontakt direkt trifft. Für Gastronomiebetriebe wird damit ein Cent-Artikel zum Compliance-Thema. Und ausgerechnet die Alternative, auf die nach dem Plastikverbot fast alle umgestiegen sind, ist die am häufigsten belastete.

Markus Höfemann
Branche und Trends

Gastfreundschaft 2035 – Zehn Thesen von Niels Battenfeld zur Zukunft der Privathotellerie

Wird die Hotellerie von morgen von Künstlicher Intelligenz bestimmt – oder von etwas ganz anderem? Niels Battenfeld, Gründer der Lieblingsplatz Hotels, setzt in zehn zugespitzten Thesen einen bewussten Kontrapunkt zur gängigen Transformationsdebatte. Seine Kernfrage zielt nicht auf Technologie, sondern auf das Gefühl, das bleibt: Wie sieht Gastfreundschaft im Jahr 2035 aus, wenn wirtschaftliche Effizienz und echte Begegnung zusammenspielen müssen?

Waldemar Brandt, Unsplash
Allgemeine Haustechnik

Gasträume kühlen ohne Umbau: Worauf es bei mobilen Klimageräten und Luftreinigern ankommt

Wenn eine fest installierte Klimaanlage nicht möglich ist, bleiben mobile Klimageräte und Luftreiniger die praktikable Lösung für Gasträume. Entscheidend sind drei Dinge: die richtige Kühlleistung für die Raumgröße, ein Gerät mit zwei Schläuchen statt einem und eine Aufstellung, die Gäste nicht durch Lärm oder Zugluft stört. Der Rest ist Betriebsführung.

Weitere Artikel zum Thema

Markus Höfemann
Wird die Hotellerie von morgen von Künstlicher Intelligenz bestimmt – oder von etwas ganz anderem? Niels Battenfeld, Gründer der Lieblingsplatz Hotels, setzt in zehn zugespitzten Thesen einen bewussten Kontrapunkt zur gängigen Transformationsdebatte. Seine Kernfrage zielt[...]
Markus Höfemann
Emiliano Vittoriosi, Unsplash
Speisekartentexte aus ChatGPT, Hotelfotos aus Midjourney, Social-Media-Posts auf Knopfdruck: KI gehört im Gastgewerbe längst zum Alltag. Seit dem 2. August 2026 gelten die Transparenzpflichten aus Artikel 50 des EU AI Acts. Die gute Nachricht vorweg:[...]
Emiliano Vittoriosi, Unsplash
TheFork
Reservierung, Tischplanung, Gästekommunikation und Zahlung laufen in vielen Restaurants längst digital – aber oft noch nebeneinander. Gastautor Carlo Carollo von TheFork erklärt, warum der nächste Schritt nicht noch mehr einzelne Tools sind, sondern besser vernetzte[...]
TheFork
DEHOGA Deutsche Hotelklassifizierung GmbH, Campaign Creators, Unsplash
Seit 1996 bieten die offiziellen Hotelsterne Gästen Orientierung und Hotels eine einheitliche Grundlage für die Positionierung. Zum 30-jährigen Bestehen richtet die Deutsche Hotelklassifizierung den Blick nach vorn: Die Sterne sollen künftig auch von KI-gestützten Such-[...]
DEHOGA Deutsche Hotelklassifizierung GmbH, Campaign Creators, Unsplash
Gemini, onlinebirds
Reisende fragen heute ChatGPT und Gemini nach dem passenden Hotel – doch viele Betriebe tauchen in diesen Empfehlungen gar nicht erst auf. Die erste Auswertung des AI Prompt Scores zeigt: Wer künftig von KI-Systemen empfohlen[...]
Gemini, onlinebirds
Unser Newsletter

Bleiben Sie auf dem Laufenden mit regelmäßigen Informationen zum Thema Gastgewerbe. Ihre Einwilligung in den Empfang können Sie jederzeit widerrufen.