Suche
Anzeige

Registrierkassenpflicht ab 100.000 Euro: Warum kleine Gastronomiebetriebe die Rechnung zahlen

  • Ab 2027 müssen Gastronomiebetriebe ab 100.000 Euro Jahresumsatz elektronische Kassensysteme einsetzen – eine Schwelle, die bereits kleine Wirtshäuser erreichen
  • Die Anschaffungskosten von rund 5.000 Euro belasten wirtschaftlich schwache Betriebe erheblich, während große Steuerschlupflöcher unberührt bleiben
  • Branchenvertreter fordern eine Anhebung der Grenze auf mindestens 250.000 Euro sowie finanzielle Ausgleichsregelungen

Joshua Rodriguez, Unsplash Joshua Rodriguez, Unsplash

„100.000 Euro Umsatz klingen nach viel – doch in der Realität ist das in der Gastronomie schnell erreicht, selbst bei Betrieben mit nur einem kleinen Biergarten oder eingeschränkten Öffnungszeiten“, erklärt VEBWK-Vorsitzender Franz Bergmüller, „Bei diesen Summen reden wir keineswegs über Schwarzgeldmillionäre, sondern über Menschen, die oft gerade so über die Runden kommen. Für sie ist eine neue Kasse um 5.000 Euro eine massive Belastung.“

Die Maßnahme sei daher ein klassischer Fall von Überregulierung, so Bergmüller weiter. „Die Politik täuscht mit großen Schlagworten wie ‚Steuerbetrug‘ – trifft aber genau jene, die tagtäglich ehrlich arbeiten und ihre Einnahmen bereits sauber dokumentieren.“ Die großen Steuerbetrugsfälle spielen sich nicht in der Dorfkneipe ab, sondern in ganz anderen Dimensionen, etwa über manipulierte Großkassensysteme oder Briefkastenfirmen. „Wenn ein Gewerkschafter im Radio von angeblich 50 Milliarden Euro Steuerhinterziehung spricht, ist das nichts anderes als Stimmungsmache und eine Verunglimpfung einer gesamten Branche. Die größte Mafiaorganisation in Sizilien, die laut Fernsehbericht auch in Deutschland aktiv ist, macht rund 14 Milliarden Umsatz – da soll unsere Gastronomie das Vielfache an illegalen Umsätzen generieren? Das ist völlig unverhältnismäßig!“

Außerdem sei der Vorwurf laut Bergmüller sachlich falsch platziert: „Wer Schwarzumsätze generieren will, gibt diese erst gar nicht erst in die Kasse ein – egal ob analog oder digital. Seit 2017 können die Steuererklärungen außerdem elektronisch mit Vergleichsdaten abgeglichen werden. Die Finanzämter haben längst wirksame Mittel, um Plausibilitätsprüfungen durchzuführen. Dafür braucht es keine neue Bürokratiekeule.“

Partner aus dem HORECA Scout

Bergmüller fordert daher eine deutliche Anhebung der Umsatzgrenze, mindestens auf 250.000 Euro, um kleine Betriebe nicht zu überfordern. Die Maßnahme darf zudem nicht ohne Ausgleichsregelung kommen, um die Anschaffung von Kassensystemen zu kompensieren. Zudem spricht sich der VEBWK-Vorsitzende für effektiven Bürokratieabbau und eine Reduzierung von Regelungen statt neuer Dokumentationspflichten und Vorgaben aus.

„Wir müssen weg von einem Klima des Misstrauens gegenüber Kleinbetrieben und hin zu echter Unterstützung“, so Bergmüller, „Wer glaubt, durch eine 100.000-Euro-Grenze die großen Steuerschlupflöcher zu schließen, liegt schlicht falsch. Dafür zerstört man ein weiteres Stück Wirtshauskultur und erschwert den Alltag ehrlicher Unternehmer.“

ACCONSIS
Recht und Compliance

Der unsichtbare Fehler: Wie die TSE Betriebe in der Prüfung angreifbar macht

Belege werden korrekt gedruckt, Kartenzahlungen laufen, der Tagesabschluss meldet keinen Fehler – und trotzdem kann die technische Sicherheitseinrichtung im Hintergrund zur Schwachstelle werden. Warum gerade TSE-Themen in der Kassennachschau besonders heikel sind und an welchen Stellen Gastronomiebetriebe regelmäßig angreifbar werden.

DEHOGA; ROMAN ODINTSOV, Pexels
Gastro, Recht und Gewerbe

Was am Frühstücksbuffet jetzt anders wird: DEHOGA-Leitfaden erklärt die neuen EU-Regeln für Honig, Marmelade und Fruchtsäfte

Erdbeerkonfitüre darf jetzt wieder Marmelade heißen, im Honigglas muss jedes Herkunftsland einzeln stehen, und in der Konfitüre steckt mehr Frucht als bisher: Seit dem 14. Juni 2026 gelten neue EU-Vorgaben für Honig, Marmelade, Konfitüre und Fruchtsäfte – mit unmittelbaren Folgen für Hotellerie und Gastronomie. Ein neuer DEHOGA-Praxis-Leitfaden ordnet die Änderungen für das Gastgewerbe ein.

Ivan Vranić, Unsplash
Ausstattung und Interieur

Einbrüchen ins Restaurant vorbeugen – welche Maßnahmen können dabei helfen?

Rund 90.000 Einbrüche zählte Deutschland 2024 – und längst nicht mehr nur in Privatwohnungen. Auch Restaurants geraten zunehmend ins Visier krimineller Banden. Neben gestohlenem Bargeld bleiben oft zerstörte Einrichtung und tagelange Schließungen zurück. Gerade für kleinere Lokale kann das schnell existenzbedrohend werden – selbst mit Versicherung. Doch mit den richtigen Maßnahmen lässt sich das Risiko deutlich senken. Welche das sind, zeigt dieser Überblick.

Lightspeed
Branche und Trends

Digital ja – aber bitte mit Herz: Was Restaurantgäste erwarten

Aufmerksamkeit, Freundlichkeit, ein echtes Willkommen – was ein gelungenes Restauranterlebnis ausmacht, hat weniger mit Technik zu tun, als man im Digitalzeitalter vermuten würde. Eine internationale Umfrage gibt Aufschluss darüber, worauf Gäste tatsächlich Wert legen und wie unterschiedlich sie auf Unzufriedenheit reagieren.

Click A Tree
Kostenmanagement

7 Wege für profitable Nachhaltigkeit in der Gastronomie

Nachhaltigkeit in der Gastronomie – klingt nach Verzicht und hohen Investitionen? Irrtum. Wer ökologische und soziale Verantwortung strategisch einsetzt, steigert nicht nur das Image, sondern auch die Rendite. Sieben praxiserprobte Wege zeigen, wie sich Umweltschutz, Teamzufriedenheit und wirtschaftlicher Erfolg gewinnbringend verbinden lassen – vom wertschätzenden Employer Branding bis zur intelligenten Müllreduktion.

e2n
Arbeitszeit, Dienstplan, und Schichtplanung

Spontane Personalausfälle: schnell reagieren, langfristig vorbeugen

5:02 Uhr. Die erste Krankmeldung kommt rein. Um 6 Uhr öffnet die Bäckerei-Filiale. Und plötzlich muss alles schnell gehen – Verkauf besetzen, Ruhezeiten prüfen und irgendwie den Überblick behalten. In solchen Momenten ist ein digitaler Dienstplan Gold wert. Ob Gastro, Hotellerie oder Backbranche: Gerade in der anstehenden Hochsaison ist es besonders wichtig, auf spontane Ausfälle vorbereitet zu sein oder sie im Voraus zu vermeiden.

Weitere Artikel zum Thema

ACCONSIS
Belege werden korrekt gedruckt, Kartenzahlungen laufen, der Tagesabschluss meldet keinen Fehler – und trotzdem kann die technische Sicherheitseinrichtung im Hintergrund zur Schwachstelle werden. Warum gerade TSE-Themen in der Kassennachschau besonders heikel sind und an welchen[...]
ACCONSIS
Lightspeed
Aufmerksamkeit, Freundlichkeit, ein echtes Willkommen – was ein gelungenes Restauranterlebnis ausmacht, hat weniger mit Technik zu tun, als man im Digitalzeitalter vermuten würde. Eine internationale Umfrage gibt Aufschluss darüber, worauf Gäste tatsächlich Wert legen und[...]
Lightspeed
e2n
5:02 Uhr. Die erste Krankmeldung kommt rein. Um 6 Uhr öffnet die Bäckerei-Filiale. Und plötzlich muss alles schnell gehen – Verkauf besetzen, Ruhezeiten prüfen und irgendwie den Überblick behalten. In solchen Momenten ist ein digitaler[...]
e2n
Canva
Eine Gewerbesteuer-Rückerstattung klingt erst einmal nach guten Nachrichten für Hoteliers und Gastronomen. Doch Vorsicht: Was der Staat an Zinsen obendrauf zahlt, will das Finanzamt als Betriebseinnahme versteuert sehen. Ein aktuelles BFH-Urteil macht klar, dass diese[...]
Canva
Resume Genius, Unsplash
Ab 1. Januar 2027 wird die elektronische Rechnung für Geschäfte zwischen Unternehmen in Deutschland zur Pflicht. Doch wie gut sind die Betriebe tatsächlich vorbereitet? Eine aktuelle Studie von easybill und YouGov zeigt: Die meisten Unternehmen[...]
Resume Genius, Unsplash
Unser Newsletter

Bleiben Sie auf dem Laufenden mit regelmäßigen Informationen zum Thema Gastgewerbe. Ihre Einwilligung in den Empfang können Sie jederzeit widerrufen.