Suche
Anzeige

Auch der Unternehmer hat einen Wert

Eine nicht adäquate Unternehmensbewertung kann zu einer viel zu hohen Steuerbelastung bei Schenkungen und Erbschaften führen. “Der persönliche Wert des Unternehmers muss einkalkuliert werden”, sagt Alexander Thees, Wirtschaftsprüfer und Sachverständiger für Unternehmensbewertungen von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BBWP.

Es kommt darauf an eine wirklich fachkundige Unternehmensbewertung zu setzen.PeopleImages - iStockphoto.comPeopleImages - iStockphoto.com

Planen gastgewerbliche Unternehmer einen Verkauf oder die Unternehmensnachfolge, stehen sie regelmäßig vor der Frage der professionellen Unternehmensbewertung. Diese ist wichtig, damit es nicht zu überhöhten Forderungen der Finanzbehörden bei der Erbschaft- und Schenkungsteuer kommt, aber natürlich auch, um bei Verkaufsverhandlungen mit den potenziellen Erwerbern keine „Fantasiepreise“ aufzurufen.

Daher kommt es darauf an, zum einen auf eine wirklich fachkundige Unternehmensbewertung zu setzen. Man hört auch im Mittelstand immer wieder, dass doch einfach nur der durchschnittliche Umsatz der vergangenen Jahre mit einem bestimmten Faktor multipliziert werden müsse, um ein tragfähiges Ergebnis zu erreichen. Das ist genauso wenig richtig wie der typsierende Ansatz der Steuerbehörden, im Rahmen der vereinfachten Berechnung des Unternehmenswertes den durchschnittlichen Jahresertrag eines Unternehmens der vergangenen drei Jahre mit einem Faktor von ca. 14 zu multiplizieren.

Die Summe ist bei beiden Ansätzen in der Regel viel zu hoch und nicht realistisch – denn der tatsächliche Unternehmenswert liegt im inhabergeführten Mittelstand oftmals darunter. Eine solche Berechnungsmethode führt bei gastgewerblichen Unternehmen nicht zu einem korrekten Ergebnis, da völlig vernachlässigt wird, dass verschiedene persönliche Faktoren in der Vergangenheit das Ergebnis positiv beeinflusst haben. Diese Faktoren können jedoch nicht einfach in die Zukunft extrapoliert werden.

Partner aus dem HORECA Scout

Der Hintergrund

Die Finanzbehörden übersehen immer wieder, dass die Ertragskraft eines Unternehmens zumeist eng mit der Person des Gründers beziehungsweise des Inhabers verbunden ist. Und die Steuerpflichtigen selbst wissen nicht, dass solche personenbezogenen Einflüsse wertmindernd berücksichtigt werden müssen. Und genauso muss ein Geschäftsführer-Gesellschafter seinen eigenen Wert realistisch bei Verkaufsverhandlungen einschätzen und erkennen, dass ein Käufer den Ausstieg des bisherigen Kopfes des Betriebs erst einmal kompensieren muss.

Um bei der Erbschaft- und Schenkungsteuer zu bleiben

Personenbezogene Faktoren sind immer wertmindernd zu berücksichtigen und können einen sehr großen Anteil an der künftigen Ertragskraft haben. Wird diese Besonderheit bei der Bewertung kleiner und mittelständischer Unternehmen nicht berücksichtigt, kann ein zu hoher Steuerbetrag geschuldet werden. Bei der Standardberechnung wird immer angenommen, dass das derzeitige Management im Unternehmen verbleibt oder aber gleichwertiger Ersatz eingestellt wird. Alleine schon der Erbfall jedoch bedingt immer das Ausscheiden des Gesellschafters, und auch bei Schenkungen ist dies die Regel. Daher wird dieses Know-how des Gründers und/oder Inhabers im operativen Geschäft verloren gehen. Das führt beinahe zwangsläufig dazu, dass die bisherige Ertragskraft nicht beibehalten werden kann, sodass auch die Steuerschuld nicht auf dieser Basis errechnet werden kann.

Lesen Sie auch
Gastro, Recht und GewerbeRecht und Compliance
Typische Streitfragen bei Hotel- und Gastronomieimmobilien

Dazu kommen weitere Faktoren, die zu reduzierten Unternehmenswerten führen, da die zukünftig erzielbaren finanziellen Überschüsse durch diese gesenkt werden. Man sieht in der Praxis immer wieder, dass sich Geschäftsführer-Gesellschafter gar kein Gehalt oder kein angemessenes Gehalt auszahlen, sondern sich auf die Ausschüttung von Gewinnen bescheiden. Wird aber ein angemessenes Geschäftsführergehalt als Rechengrundlage angesetzt, führt allein dies zu einer spürbaren Reduzierung des Unternehmenswertes, genau wie der fiktive Lohnaufwand für Verwandte. Dieses Geschäftsführergehalt liegt im Mittelstand nicht selten bei 200.000 Euro jährlich und mehr. Zudem müssen auch bisher unentgeltlich gestellte privaten Sicherheiten und Haftungsübernahmen, etwa persönlichen Bürgschaften, in die Bewertung mit einbezogen werden.

Themen in diesem Artikel
Recht und FinanzenFinanzierungUnternehmensbewertung

Es gilt daher, dass Gesellschafter und Nachfolger im Gastgewerbe frühzeitig auf eine professionelle, KMU-adäquate Bewertung setzen sollten, um gegenüber den Finanzbehörden auf eine sachgerechte Reduzierung der Erbschaft- oder Schenkungsteuer hinwirken zu können.

Banerjee & Kollegen
Gastro, Recht und Gewerbe

Typische Streitfragen bei Hotel- und Gastronomieimmobilien

Gewährleistungsausschlüsse sind bei Bestandsimmobilien üblich, im Gastgewerbe aber nur dann tragfähig, wenn die Informationslage stimmt. Streit entsteht regelmäßig dort, wo bekannte Einschränkungen der Nutzung oder der Betriebsfähigkeit nicht sauber offengelegt und vertraglich eingeordnet werden.

Nikita Kulikov, Unsplash
Ausstattung und Interieur

Stille Verkäufer: Vor-Ort-Kommunikation als Umsatzhebel in der Gastronomie

Speisequalität und Service sind die Grundlage gastronomischen Erfolgs – doch der Umsatz entscheidet sich oft Sekunden vor dem ersten Gespräch mit dem Personal. Betriebe, die ihre Kommunikationsflächen strategisch bespielen, verwandeln passive Wände in aktive Verkäufer und steigern den durchschnittlichen Warenkorb ohne Personalmehreinsatz. Anhand verschiedener Beispiele wird deutlich, welche Flächen sich für welche Zwecke eignen – vom Schaufenster bis zum Sanitärbereich.

Ivan Vranić, Unsplash
Ausstattung und Interieur

Einbrüchen ins Restaurant vorbeugen – welche Maßnahmen können dabei helfen?

Rund 90.000 Einbrüche zählte Deutschland 2024 – und längst nicht mehr nur in Privatwohnungen. Auch Restaurants geraten zunehmend ins Visier krimineller Banden. Neben gestohlenem Bargeld bleiben oft zerstörte Einrichtung und tagelange Schließungen zurück. Gerade für kleinere Lokale kann das schnell existenzbedrohend werden – selbst mit Versicherung. Doch mit den richtigen Maßnahmen lässt sich das Risiko deutlich senken. Welche das sind, zeigt dieser Überblick.

Click A Tree
Kostenmanagement

7 Wege für profitable Nachhaltigkeit in der Gastronomie

Nachhaltigkeit in der Gastronomie – klingt nach Verzicht und hohen Investitionen? Irrtum. Wer ökologische und soziale Verantwortung strategisch einsetzt, steigert nicht nur das Image, sondern auch die Rendite. Sieben praxiserprobte Wege zeigen, wie sich Umweltschutz, Teamzufriedenheit und wirtschaftlicher Erfolg gewinnbringend verbinden lassen – vom wertschätzenden Employer Branding bis zur intelligenten Müllreduktion.

Canva
Finanzen und Controlling

Gewerbesteuer-Erstattung: Vorsicht, die Zinsen sind steuerpflichtig!

Eine Gewerbesteuer-Rückerstattung klingt erst einmal nach guten Nachrichten für Hoteliers und Gastronomen. Doch Vorsicht: Was der Staat an Zinsen obendrauf zahlt, will das Finanzamt als Betriebseinnahme versteuert sehen. Ein aktuelles BFH-Urteil macht klar, dass diese scheinbare Ungerechtigkeit rechtens ist – und was Sie jetzt beachten sollten.

Infiprotec GmbH
Allgemeine Haustechnik

Brandgefahr durch Akkus im Gastgewerbe?

Lithium-Ionen-Akkus sind im Gastgewerbe längst Alltag, schaffen jedoch neue und oft unterschätzte Brandschutzrisiken – von Gästegeräten in Hotelzimmern über E-Bike-Akkus bis hin zu interner Betriebstechnik und Ladeinfrastruktur in Tiefgaragen. Entscheidend sind geeignete Lade- und Lagerkonzepte, frühzeitige Branddetektion sowie geschulte Mitarbeitende, um Risiken wirksam zu minimieren.

Weitere Artikel zum Thema

Banerjee & Kollegen
Gewährleistungsausschlüsse sind bei Bestandsimmobilien üblich, im Gastgewerbe aber nur dann tragfähig, wenn die Informationslage stimmt. Streit entsteht regelmäßig dort, wo bekannte Einschränkungen der Nutzung oder der Betriebsfähigkeit nicht sauber offengelegt und vertraglich eingeordnet werden.[...]
Banerjee & Kollegen
Canva
Eine Gewerbesteuer-Rückerstattung klingt erst einmal nach guten Nachrichten für Hoteliers und Gastronomen. Doch Vorsicht: Was der Staat an Zinsen obendrauf zahlt, will das Finanzamt als Betriebseinnahme versteuert sehen. Ein aktuelles BFH-Urteil macht klar, dass diese[...]
Canva
Infiprotec GmbH
Lithium-Ionen-Akkus sind im Gastgewerbe längst Alltag, schaffen jedoch neue und oft unterschätzte Brandschutzrisiken – von Gästegeräten in Hotelzimmern über E-Bike-Akkus bis hin zu interner Betriebstechnik und Ladeinfrastruktur in Tiefgaragen. Entscheidend sind geeignete Lade- und Lagerkonzepte,[...]
Infiprotec GmbH
Resume Genius, Unsplash
Ab 1. Januar 2027 wird die elektronische Rechnung für Geschäfte zwischen Unternehmen in Deutschland zur Pflicht. Doch wie gut sind die Betriebe tatsächlich vorbereitet? Eine aktuelle Studie von easybill und YouGov zeigt: Die meisten Unternehmen[...]
Resume Genius, Unsplash
Ibrahim Boran, Unsplash; DATEV eG
Wenn das Finanzamt eine Betriebsprüfung ankündigt, steigt bei vielen Geschäftsführern der Puls. Was als Standard-Kontrolle beginnt, entwickelt sich mitunter zu einem Verfahren mit existenziellen Konsequenzen. Ein neuer Fachratgeber dere DATEV eG zeigt, wie sich Betriebe[...]
Ibrahim Boran, Unsplash; DATEV eG
Unser Newsletter

Bleiben Sie auf dem Laufenden mit regelmäßigen Informationen zum Thema Gastgewerbe. Ihre Einwilligung in den Empfang können Sie jederzeit widerrufen.