„Viele Weintrinker kennen zwar das Gefühl, aber nicht das dahinterstehende Phänomen: Dieses leicht trockene, herbe Mundgefühl, das bei der Verkostung von vielen Rotweinen entsteht. Verantwortlich dafür sind sogenannte Tannine – natürliche Gerbstoffe aus Traubenschalen, Kernen, Stielen und auch aus dem Holz des Fasses. Sie geben dem Rotwein Tiefe und oft auch ein erstaunliches Alterungspotenzial. Ohne Tannine hätten viele edle Tropfen keinen Charakter.
Doch woher stammt das Mundgefühl? Tannine binden Eiweiße im Speichel, wodurch der typische zusammenziehende Eindruck entsteht. Reife, gut integrierte Tannine wirken ausgeglichen, während jüngere oder besonders konzentrierte Tannine expressiver erscheinen. Und genau dieser Kontrast macht sie so spannend: Sie bestimmen nicht nur das Mundgefühl, sondern auch, ob ein Wein elegant, kraftvoll oder besonders langlebig wirkt. Selbst Weißweine können leichte Tannine besitzen, beispielsweise wenn sie in Holzfässern reifen oder eine lange Maischestandzeit hatten.
Mein persönlicher Tipp: Wenn ein Wein Ihnen zu tanninreich erscheint, kombinieren Sie ihn mit Speisen, die Fett oder Proteine enthalten. Ein gutes Stück Käse, ein Steak oder cremige Pasta wirken oft wahre Wunder. Auch ein wenig Zeit im Glas oder das Umfüllen in eine Karaffe hilft: Durch den Kontakt mit Sauerstoff werden viele Tannine spürbar weicher und der Wein präsentiert sich harmonischer.“





