Management

Mut. Macher. Märkte – Das war das Internationale Foodservice Forum 2019

Einen Tag vor Öffnung der Messehallen zur 93. INTERNORGA trafen sich die Führenden der Gastronomie-Branche zum 38. Internationalen Foodservice Forum im Mehr! Theater in Hamburg. Bereits zum 3. Mal stellte das Theater neben dem Großmarkt die Kulisse für einen inspirierenden Tag.

© Miriam Grothe

Es ist neun Uhr morgens, das Wetter im Norden entspricht seinem Ruf und grüßt mit Wolken und Sprühregen. Im großen Food & Beverage Zelt vor dem Mehr! Theater begrüßen zahlreiche Hersteller die Kongressbesucher mit Kaffee, Brezeln und Appetizern. Das Foodservice Forum ist ausverkauft – 2.200 Besucher strömen gegen zehn Uhr ins Theater und lassen sich von Gretel Weiß begrüßen. Die Herausgeberin des foodservice Magazins ist seit 38 Jahren dabei und begrüßt zu einer kurzen Ansprache Bernd Aufderheide, Messeveranstalter der INTERNORGA und Gastgeber des Forums. Im Anschluss begrüßt Boris Tomic, Chefredakteur von foodservice, die Besucher.

1. Akt – Von Potenzialen der Branche, des Gehirns und Social Media Kanälen

Gretel Weiß, Herausgeberin foodservice Magazin

Gretel Weiß, Herausgeberin foodservice Magazin (Foto: Miriam Grothe)

Im ersten Programmpunkt führt Gretel Weiß durch die Zahlen rund um die Gastronomie. Für die Top 100 gab es in den letzten Jahren ein Umsatzplus von 25 % und auch die Zahlen von 2018 sind vielversprechend. Gretel Weiß spricht auch über die Trends, die sich über das Jahr 2018 hinaus fortzusetzen scheinen. So wird die pflanzliche Ernährung zwar immer präsenter, kann aber die Freude an Burgen und Barbecue nicht verdrängen. Poke-Bowls, Street-Food und Food-Festivals bleiben auch weiter im Trend, genau wie der Fokus auf regionale Produkte.

Mit dem Leitspruch „Mut für Neues, Gespür für Machbares und Energie für Großes“ hat Gretel Weiß auf den Punkt gebracht, was schon das Motto des Kongresses „Mut. Macher. Märkte“ verspricht.

Dr. Volker Busch, Universität Regensburg

Dr. Volker Busch, Universität Regensburg (Foto: Miriam Grothe)

Im Anschluss verrät Dr. Volker Busch den Zuschauern, wie sie ihre Gehirnkapazität besser nutzen können. Mit Charme und Witz führt er vor Augen, wie sehr sich die Ansprüche in den letzten Jahren durch die intensive Nutzung der digitalen Medien verändert haben. Das Gehirn muss auf der einen Seite die Fähigkeit zur Konzentration gewährleisten, gleichzeitig muss es auch die Kunst des Gedanken schweifen lassens ermöglichen. Durch die intensive Mediennutzung sind beide Zustände in Gefahr, auf der einen Seite leidet die Entspannung, da stets das Smartphone zur Hand ist, doch auch während der Arbeit lenkt die stete Verfügbarkeit ab, durchschnittlich wird man bei der Erledigung einer Aufgabe 11 mal unterbrochen. Im Ergebnis werden 30 % mehr Zeit für die Erledigung einer Tätigkeit benötigt und es entstehen 20 % mehr Fehler. 50 Minuten am Tag gehen durch die Unterbrechungen und die oberflächliche Aufmerksamkeit von der Arbeitszeit verloren. Volker Busch verspricht Besserung durch das Einhalten und Verteidigen einer Fokuszeit – um kreativ Assoziieren zu können, müssen Auszeiten genommen werden, die Aufmerksamkeit muss wieder selbst gesteuert werden.

Per Meurling, Food Stories Berlin

Per Meurling, Food Stories Berlin (Foto: Miriam Grothe)

Die Kunst des Storytellings im Netz brachte Per Meurling den Zuschauern näher. Als Gastro-Blogger ist er täglich mit dem Smartphone im Anschlag unterwegs und lässt seine 60.000 Follower an seinen kulinarischen Genüssen teilhaben. Der gebürtige Schwede startete seinen Blog Berlin Food Stories 2012 als Ausgleich zum Bürojob und ging auf die Suche nach Highlights in Berlin und auf der ganzen Welt. Mittlerweile erreicht er Tausende Follower, ein Post auf seiner Webseite oder bei Instagram kann die Besucher eines gastronomischen Betriebes in der darauffolgenden Zeit verdoppeln.
Per Meurling steht für die Relevanz des Influencer-Marketings und legt den Besuchern den richtigen Umgang mit dieser Form des Marketings ans Herz. Doch wie bekommt der Gastronom für seine Bemühungen um Influencer über Einladungen oder Gewinnspiele für deren Follower am Ende auch eine gute Bewertung? Der Schwede rät, in Bildern zu denken. Ganz gleich, ob angerichtete Speisen oder die gemütliche Sitzecke – wer gute und atmosphärische Motive bietet, lässt seinen Betrieb im richtigen Licht erscheinen.

2. Akt – Best Practices und Wettbewerbsfähigkeit

Nach einer fast einstündigen Pause, die zum ausgiebigen Netzwerken bei Kaffee und Burgern genutzt wurde, eröffnete My Skendo, Gründerin und CFO des frittenwerks den nächsten Part der Veranstaltung. Sie erzählte vom Wandel der althergebrachten Imbissbude in die Neugründung des frittenwerks 2014 in Düsseldorf. Die Speisekarte wurde rund um die Fritte aufgebaut, es gibt zahlreiche Sorten Poutines – eine Kartoffelspezialität aus Kanada. Insgesamt ist die Speisekarte klar und übersichtlich, der gesamte Warenkorb des Familienunternehmens beinhaltet nur 72 Produkte. Im zweiten Teil ihres Vortrages ging My Skendo auf die Zusammenarbeit mit der Inhouse-Werbeagentur teomedia ein, die im gleichen Gebäude in Düsseldorf sitzt und gemeinsam mit dem frittenwerk das Ziel verfolgte, die Fritte wieder „sexy“ zu machen. Über ein warmes, stylisches Ambiente und ein perfektes Produkt sollen die Gäste gebunden – oder auch erst über Social Media Kanäle gefunden – werden. Die junge Zielgruppe wird mit einem humorigem Marketingkonzept bespielt, so wurden zum Beispiel mit Hilfe von Facebook-Followern Namen für die Fritteusen der einzelnen Standorte gefunden – Brad Friet und Marty Mc Frie hier nur als Beispiele.

Die zweite Case Study wurde von John Vincent vorgestellt, der mit der nachhaltigen Fastfood-Kette LEON seit Jahren unter dem Motto „natural fastfood“ die gesunde Variante des schnellen Imbisses etabliert. Nahrhaftes Essen, nachhaltig produziert und serviert. Alle Restaurants arbeiten zu 100 % mit erneuerbaren Energien und zu 90 % plastikfrei. Mit zahlreichen Analogien und lebhaften Bildnissen vermittelte John Vincent die Notwendigkeit von Herz und Seele bei der Arbeit – sein Ziel ist es, jedem Mitarbeiter den Sinn seiner Arbeit bewusst zu machen.

Bevor die zweite Pause mit zahlreichen Köstlichkeiten von Salomon Foodworld, Erlenbacher, Ditsch und vielen anderen Herstellern in Angriff genommen werden konnte, entführte Prof. Stéphane Garelli von der IMD/University of Lausanne das Publikum in eine Zukunftsvision der Globalisierung. Unter dem Motto „Nothing is Certain, but Everything is Urgent“ – „Nichts ist sicher, aber alles ist dringend“ zeichnete er ein Bild der Wettbewerbsfähigkeit für 2019 und die kommenden Jahre.

3. Akt – Über Emotionen, den Mut und das Machen

David Baumgartner, Kent Hahne in der Diskussion mit Axel Weber

David Baumgartner, Kent Hahne in der Diskussion mit Axel Weber (Foto: Miriam Grothe)

Den letzten Teil des Foodservice Forums läutete Axel Weber ein, Unternehmensberater für die Branchen Foodservice, Hospitality und Retail aus Bochum. In einem Kurzvortrag vertiefte er den Ansatz, den fast alle Speaker im Lauf des Tages mehr oder weniger prägnant geäußert haben: Emotionen – die Währung der Zukunft. Die Branche rund um Freizeitvergnügen und Tourismus wächst, die Umsätze steigen stetig. Intuition und Emotion steuern vermehrt das Denken, Eskapismus und Hedonismus waren Stichworte, die das Denken und Handeln der heutigen Zeit beeinflussen, Kennzahlen werden durch Emotionen ersetzt. Zusammen mit Kent Hahne und David Baumgartner vertiefte er diese Gedanken in einer Podiumsdiskussion um Wachstum und Wandel. „Gefühle sind der Schlüsselfaktor. Jeder Gast stellt in Sekunden fest, ob ein Restaurant eine positive Energie hat oder nicht. Ganz einfach.“ resümierte Kent Hahne.

dean&david haben schon seit Jahren frische und gesunde Ernährung fokussiert – um sich nun auch weiter von der Konkurrenz abzuheben, soll mit dem neuen Slogan „We care you eat“ dem Gast die Sorge genommen werden, ob die verwendeten Produkte gut für ihn sind. Mit regionalen Lieferkreisen wird das Unternehmensversprechen der kompromisslosen Frische umgesetzt, der stete Wachstum gibt dem Konzept recht.

 

Benedikt Böhm, Extrem-Bergsteiger und Geschäftsführer Dynafit

Benedikt Böhm, Extrem-Bergsteiger und Geschäftsführer Dynafit (Foto: Miriam Grothe)

Zum Abschluss gab es Abenteuer: Der Extremsportler Benedikt Böhm, Geschäftsführer Dynafit, referierte unterhaltsam über den Mut und das Machen. Mit seinem Unternehmen startete er aus der Insolvenz und schaffte es, dass Skitourengehen wieder populär zu machen und bis heute zum einzigen Wachstumsmarkt im Wintersport zu etablieren. Nicht nur das ist ihm gelungen, durch seine Expeditionen zu den höchsten Bergen weltweit hat er gelernt, das es manchmal auch nötig ist, den Anspruch an sich selbst herunterzuschrauben, weil es Gegebenheiten gibt, die nicht beeinflusst werden können. Wichtig ist – und zwar ganz gleich in welcher Branche – wieder aufzustehen und weiter zu machen, die Grenzen, die nur im Kopf sind, niederzureißen.

Ein spannender Tag fand seinen Abschluss bei einem gemeinsamen Drink und einem letzen Bier, die verschiedenen Vorträge wurden noch einmal auf den Punkt gebracht und Verabredungen für die kommenden Tage auf der Messe getroffen.

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