Suche

Schluss mit Greenwashing: Was die EU-EmpCo-Richtlinie für das Gastgewerbe bedeutet

Ab September 2026 gelten europaweit verbindliche Regeln für Nachhaltigkeitsaussagen. Hotels, Restaurants und Pensionen müssen ihre Kommunikation grundlegend überprüfen – sonst drohen Abmahnungen und Vertrauensverlust.

ColiN00B, PixabayColiN00B, Pixabay

„Wir sind ein nachhaltiges Haus.“ – „Unser Betrieb ist klimaneutral.“ – „100 % umweltfreundlich.“ Sätze wie diese finden sich auf unzähligen Hotel-Websites, in Speisekarten und Werbematerialien. Bisher oft ohne Konsequenzen. Damit ist bald Schluss. Mit der EU-Richtlinie 2024/825, kurz EmpCo (Empowering Consumers for the Green Transition), zieht die Europäische Union die Zügel an – und das betrifft jeden Gastgewerbebetrieb, der mit Umwelt- und Nachhaltigkeitsargumenten wirbt.

Was steckt hinter der Richtlinie?

Die EmpCo-Richtlinie (offiziell: Richtlinie (EU) 2024/825 „Empowering Consumers for the Green Transition") ist seit März 2024 EU-weit in Kraft und muss bis September 2026 in nationales Recht umgesetzt werden. In Deutschland hat der Bundestag die Umsetzung bereits im Dezember 2025 über eine Änderung des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) beschlossen. Die EmpCo novelliert zwei bestehende EU-Verbraucherschutzrichtlinien: die Richtlinie über unlautere Geschäftspraktiken (UCPD) aus dem Jahr 2005 sowie die Verbraucherrechterichtlinie von 2011. Darüber hinaus ist sie Bestandteil des europäischen Green Deal.

Partner aus dem HORECA Scout

Das Ziel ist klar: Verbraucher sollen nicht länger durch schwammige Ökoversprechen in die Irre geführt werden. Unternehmen – egal welcher Größe und Branche – dürfen Nachhaltigkeitsaussagen künftig nur noch dann machen, wenn diese klar, nachvollziehbar und durch Fakten oder anerkannte Zertifizierungen belegt sind.

Was ist ab sofort verboten?

Die Richtlinie erweitert die sogenannte „Schwarze Liste" unlauterer Geschäftspraktiken. Folgende Aussagen sind künftig ohne entsprechende Nachweise per se unzulässig:

Lesen Sie auch
Software und SystemeBranche und Trends
No-Shows in der Gastronomie: Ursachen, wirtschaftliche Auswirkungen und wirksame Gegenmaßnahmen im Reservierungsmanagement
  • Allgemeine Begriffe wie umweltfreundlich, grün, nachhaltig, klimaneutral oder ökologisch – sofern kein anerkannter Nachweis vorliegt.
  • Aussagen über CO₂-Neutralität oder Klimaneutralität, die ausschließlich auf Kompensationsmaßnahmen (z. B. Zertifikatekauf) beruhen, ohne dass dies transparent kommuniziert wird.
  • Selbst entwickelte Umweltsiegel oder -logos ohne Basis eines zertifizierten, unabhängig geprüften Systems.
  • Zukunftsversprechen ohne öffentlich einsehbaren Umsetzungsplan mit messbaren Zwischenzielen.
  • Aussagen, die gesetzlich ohnehin vorgeschriebene Eigenschaften als besonderes Merkmal hervorheben.

Wichtig: Auch visuelle Elemente wie grüne Blätter, Wassertropfen oder naturnahe Symbole können in Kombination mit schriftlichen Aussagen als unzulässige Umweltbehauptung gewertet werden. Das betrifft Webseiten-Designs genauso wie Speisekarten oder Marketingmaterialien.

Themen in diesem Artikel
Recht und ComplianceRechtsprechung und UrteileNachhaltigkeit und UmweltschutzMarketingEU-RichtlinieGreenwashingNachhaltigkeitssiegelNachhaltigkeitsstrategie

Konkret für die Praxis: Was müssen Betriebe der Horeca-Branche jetzt tun?

Die gute Nachricht: Nachhaltig zu kommunizieren bleibt möglich – und ist wichtiger denn je. Der entscheidende Unterschied liegt künftig in der Belegbarkeit. Hier eine Schritt-für-Schritt-Orientierung für Gastgewerbebetriebe:

1. Bestandsaufnahme: Alle Claims prüfen

Empfehlenswert ist eine systematische Prüfung aller Kanäle: Website, Social Media, Speisekarten, Prospekte und Zimmerausstattung. Jede Aussage mit ökologischem oder sozialem Bezug sollte erfasst werden. Die zentrale Frage lautet: Lässt sich das mit Fakten oder einem anerkannten Zertifikat belegen?

Lesen Sie auch
SpültechnikKünstliche Intelligenz, KI und AutomationNachhaltigkeit und UmweltschutzKostenmanagement
KI in der Spülküche: Wenn die Maschine erkennt, was sie spült

2. Siegel und Zertifizierungen auf den Prüfstand stellen

Eigene, selbst kreierte Nachhaltigkeitslabel sind künftig nicht mehr erlaubt. Erlaubt sind hingegen staatlich anerkannte oder auf zertifizierten Systemen basierende Siegel – zum Beispiel das EU Ecolabel, das DEHOGA Umweltzeichen, Viabono oder EMAS. Betreiber sollten prüfen, ob ihre bisherigen Siegel diesen Anforderungen standhalten.

3. Konkret statt pauschal formulieren

Statt vager Formeln lieber konkrete Fakten: z. B. Wir beziehen 100 Prozent Oekostrom, zertifiziert nach EEG. Oder: Wir haben unsere CO2-Emissionen seit 2020 um 40 Prozent reduziert. Konkrete, belegbare Aussagen sind nicht nur rechtssicher, sondern auch glaubwuerdiger.

4. Zukunftsversprechen dokumentieren

Wer kommuniziert, bis zu einem bestimmten Jahr klimaneutral oder nachhaltig zu werden, muss einen öffentlich zugänglichen Plan vorlegen können – mit konkreten Zwischenzielen, Maßnahmen und regelmäßiger externer Überprüfung. Ohne diesen Plan ist die Aussage künftig rechtswidrig.

Welche Konsequenzen drohen bei Verstößen?

Ab September 2026 können Wettbewerber, Verbraucherschutzverbände und Behörden gegen Verstöße vorgehen. Die Palette der Konsequenzen reicht von Abmahnungen über Bußgelder bis hin zu öffentlichen Reputationsschäden. Gerade in einer Branche, in der Vertrauen und Bewertungen so viel zählen wie im Gastgewerbe, sollte man das nicht unterschätzen.

Fazit: Chance statt Bedrohung

Die EmpCo-Richtlinie zwingt zur Ehrlichkeit – und das ist gut so. Betriebe, die Nachhaltigkeit wirklich leben, haben jetzt die Chance, sich klar von oberflächlichem Greenwashing abzuheben. Wer seine Aussagen belegen kann, gewinnt Vertrauen, Sichtbarkeit und einen echten Wettbewerbsvorteil. Wer die Zeit bis September 2026 nutzt, um die Nachhaltigkeitskommunikation auf solide Füße zu stellen, ist klar im Vorteil.

Anerkannte Nachhaltigkeitssiegel für das Gastgewerbe (Auswahl)

  • EU Ecolabel – EU-weit anerkannt, auch für Beherbergungsbetriebe
  • GreenSign Hotel und GreenSign Gastro – international anerkanntes Nachhaltigkeitszertifikat für Hotellerie und Gastronomie
  • DEHOGA Umweltzeichen – branchenspezifisch, in Deutschland etabliert
  • Viabono – deutsches Nachhaltigkeitszertifikat für Tourismus und Gastgewerbe
  • EMAS – europäisches Umweltmanagementsystem der EU-Kommission
  • Green Key – internationales Umweltzeichen für Beherbergung und Gastronomie
TheFork
Branche und Trends

No-Shows in der Gastronomie: Ursachen, wirtschaftliche Auswirkungen und wirksame Gegenmaßnahmen im Reservierungsmanagement

Nicht wahrgenommene Reservierungen zählen zu den wirtschaftlich relevantesten Einflussfaktoren im Gastronomiebetrieb und wirken sich unmittelbar auf Umsatz und Auslastung aus. Aktuelle Marktauswertungen zeigen zugleich, dass sich No-Shows durch strukturierte Prozesse im Reservierungsmanagement deutlich reduzieren lassen. Welche Maßnahmen führen dabei in der Praxis zu stabileren Abläufen?

Gemini
Kostenmanagement

KI in der Spülküche: Wenn die Maschine erkennt, was sie spült

Bandspülmaschinen mit Kameras, Untertischgeräte mit Lernkurve, Spülanlagen mit dynamischer Energieverteilung – die Hersteller bringen Künstliche Intelligenz in einen der unterschätztesten Bereiche der Profi-Küche. Ein Überblick über drei Ansätze, die sich erkennbar unterscheiden.

SumUp, Unsplash
Finanzen und Controlling

E-Rechnungspflicht: Warum Hospitality-Betriebe jetzt handeln müssen

Die digitale Rechnungsstellung wird zur gesetzlichen Pflicht – und das schneller als viele denken. Während der Empfang elektronischer Rechnungen bereits seit Jahresbeginn verpflichtend ist, müssen Hotels und Restaurants ab 2027 schrittweise auch beim Versand umstellen. Wer weiterhin auf Papier oder simple PDF-Dokumente setzt, riskiert Compliance-Probleme. Die HGK Hotel- und Gastronomie-Kauf eG bietet mit einer cloudbasierten Lösung einen Weg, der ohne umfangreiche IT-Projekte auskommt.

Luciano Oliveira, Unsplash
Marketing

Alle 104 Spiele, drei WM-Kanäle, ein Frühstücksclub: So zeigen Telekom und Sky die Fußball-WM 2026

Wenn die WM um drei Uhr morgens anpfeift: Die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in Nordamerika stellt das deutsche Publikum vor eine ungewohnte Frage: Wie schaut man eigentlich gemeinsam, wenn die Spiele mitten in der Nacht laufen? Telekom und Sky haben darauf jetzt eine gemeinsame Antwort gefunden – mit allen 104 Spielen in der Gastronomie, drei eigenen WM-Kanälen und einem „Breakfast Club“ für die frühen Stunden.

Anastasia Ilina-Makarova, Pexels
Branche und Trends

HolidayCheck Bewertungs-Report 2026: Wie unterschiedlich Generationen bewerten – von objektiver Recherche bis zur digitalen Selbstinszenierung

Fünf Sterne oder ein TikTok-Video? Eine repräsentative Studie zeigt: Wie Menschen Hotelbewertungen nutzen und verfassen, hängt stark vom Alter ab. Während Babyboomer systematisch mehrere Plattformen vergleichen, entscheidet die Gen Z spontan und emotional – und vertraut dabei besonders auf Social Media. Was bedeutet diese Verschiebung für Hoteliers und Gastronomen?

Weitere Artikel zum Thema

Gemini
Bandspülmaschinen mit Kameras, Untertischgeräte mit Lernkurve, Spülanlagen mit dynamischer Energieverteilung – die Hersteller bringen Künstliche Intelligenz in einen der unterschätztesten Bereiche der Profi-Küche. Ein Überblick über drei Ansätze, die sich erkennbar unterscheiden.[...]
Gemini
SumUp, Unsplash
Die digitale Rechnungsstellung wird zur gesetzlichen Pflicht – und das schneller als viele denken. Während der Empfang elektronischer Rechnungen bereits seit Jahresbeginn verpflichtend ist, müssen Hotels und Restaurants ab 2027 schrittweise auch beim Versand umstellen.[...]
SumUp, Unsplash
Luciano Oliveira, Unsplash
Wenn die WM um drei Uhr morgens anpfeift: Die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in Nordamerika stellt das deutsche Publikum vor eine ungewohnte Frage: Wie schaut man eigentlich gemeinsam, wenn die Spiele mitten in der Nacht laufen? Telekom[...]
Luciano Oliveira, Unsplash
Anastasia Ilina-Makarova, Pexels
Fünf Sterne oder ein TikTok-Video? Eine repräsentative Studie zeigt: Wie Menschen Hotelbewertungen nutzen und verfassen, hängt stark vom Alter ab. Während Babyboomer systematisch mehrere Plattformen vergleichen, entscheidet die Gen Z spontan und emotional – und[...]
Anastasia Ilina-Makarova, Pexels
DZG
Die Bundesregierung senkt ihre Wachstumsprognose, die Steuereinnahmen brechen ein – und plötzlich wird die Verteilungsdebatte härter. Für Hotellerie, Gastronomie und Tourismus könnte das zur Zerreißprobe werden: Wer nicht laut genug für seine Relevanz wirbt, riskiert[...]
DZG
Unser Newsletter

Bleiben Sie auf dem Laufenden mit regelmäßigen Informationen zum Thema Gastgewerbe. Ihre Einwilligung in den Empfang können Sie jederzeit widerrufen.