Suche

Unternehmensverkauf im Gastgewerbe: Übergang in den Ruhestand als strategische und finanzielle Herausforderung

  • Eine realistische Unternehmensbewertung unter Einbeziehung branchenspezifischer Faktoren wie Standortqualität, Immobilienbesitz und EBITDA-Multiplikatoren bildet die Grundlage für erfolgreiche Kaufpreisverhandlungen im Gastgewerbe.
  • Die professionelle Verkäufer-Due-Diligence ermöglicht es, Risiken proaktiv zu identifizieren, Schwachstellen zu adressieren und das Unternehmen aus einer Position der Stärke zu präsentieren – was das Vertrauen potenzieller Käufer stärkt und Kaufpreisabschläge minimiert.
  • Flexible Zahlungsmodalitäten wie Earn-out-Klauseln oder Verkäufferdarlehen sowie eine strukturierte Übergabe mit klarer Kommunikation sichern die Interessen beider Seiten und schaffen die Voraussetzung für eine stabile Nachfolge.

WWS Wirtz, Walter, Schmitz GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Steuerberatungsgesellschaft WWS Wirtz, Walter, Schmitz GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Steuerberatungsgesellschaft

Der geplante Rückzug aus dem aktiven Geschäftsleben ist für viele Unternehmerinnen und Unternehmer in der Hotellerie und Gastronomie ein einschneidender Prozess – wirtschaftlich, emotional und organisatorisch. Gerade in einer Branche, die stark durch persönliche Prägung, regionale Verwurzelung und operative Präsenz des Inhabers gekennzeichnet ist, stellt der Unternehmensverkauf aus Altersgründen eine besonders anspruchsvolle Aufgabe dar. Der Verkaufserfolg bemisst sich dabei nicht allein an einem akzeptablen Kaufpreis, sondern auch an der Übergabefähigkeit des Betriebs, an der Qualität der Vorbereitung und an der strukturierten Durchführung der Verhandlungen.

Zentraler Ausgangspunkt für jeden geplanten Unternehmensverkauf ist eine realistische Einschätzung des Unternehmenswerts. In der Hotellerie und Gastronomie spielen dabei nicht nur klassische Bewertungsansätze wie das Ertragswertverfahren eine Rolle, sondern auch betriebsindividuelle Faktoren wie Standortqualität, Auslastung, Kundenbindung, Markenwert oder Immobilieneigentum. Hotels und gastronomische Betriebe unterscheiden sich signifikant darin, ob sie als reine Betreiberunternehmen oder als Eigentümergesellschaften mit festem Anlagevermögen geführt werden. Entsprechend wirken sich diese Unterschiede auf die Höhe und Struktur des Kaufpreises aus. Während bei Betriebsübernahmen ohne Immobilienbesitz häufig Multiplikatoren auf den nachhaltig erzielbaren EBITDA (Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) zur Anwendung kommen, muss bei Inhaberimmobilien auch eine marktorientierte Bewertung des Grundstücks- und Gebäudewertes erfolgen.

Kaufpreisverhandlungen sind ein sensibler Prozess

Eine professionelle Verkäufer-Due-Diligence ist in dieser Phase ein strategisch wertvolles Instrument. Sie dient nicht nur der systematischen Aufbereitung aller relevanten Unternehmensdaten für potenzielle Käufer, sondern ermöglicht es dem Verkäufer, Risiken proaktiv zu identifizieren, Schwachstellen zu adressieren und das eigene Unternehmen aus einer Position der Stärke zu präsentieren. Diese Form der internen Unternehmensprüfung umfasst unter anderem betriebswirtschaftliche Kennzahlen, Verträge, rechtliche Strukturen, arbeitsrechtliche Gegebenheiten, steuerliche Rahmenbedingungen und nicht zuletzt auch die Qualität des Rechnungswesens. Je strukturierter diese Informationen aufbereitet sind, desto höher ist das Vertrauen auf Käuferseite – und desto geringer das Risiko von Kaufpreisabschlägen in späteren Verhandlungsrunden.

Partner aus dem HORECA Scout

Die Kaufpreisverhandlungen selbst sind ein sensibler Prozess, in dem ökonomische Rationalität und psychologische Faktoren eng miteinander verflochten sind. Verkäufer sehen sich nicht selten in der Rolle des erklärenden Gastgebers, der sein Lebenswerk veräußert, während Käufer auf die langfristige Ertragskraft und Skalierbarkeit des Betriebs fokussieren. Um einen fairen Kaufpreis zu erzielen, ist es entscheidend, plausible Zukunftserwartungen zu formulieren, unternehmerische Potenziale zu dokumentieren und Unsicherheiten nachvollziehbar einzugrenzen. Dabei ist es hilfreich, Vergleichstransaktionen aus der Branche heranzuziehen, die unter ähnlichen Rahmenbedingungen stattgefunden haben. Auch die Differenzierung zwischen Substanzwerten, immateriellen Assets und Cashflow-Potenzialen spielt eine wesentliche Rolle in der Preisfindung.

Unternehmensverkauf im Gastgewerbe ist kein reines Zahlengeschäft

Häufig ist der Kaufpreis nicht vollständig bei Übergabe zahlbar, sondern wird über flexible Zahlungsmodalitäten realisiert. Ratenzahlungen, Earn-out-Klauseln oder Verkäuferdarlehen sind insbesondere im Gastgewerbe gängige Mittel, um einerseits die Finanzierung auf Käuferseite zu erleichtern und andererseits die Interessen des Verkäufers langfristig zu sichern. Earn-out-Vereinbarungen etwa binden einen Teil des Kaufpreises an die Erreichung bestimmter wirtschaftlicher Kennzahlen nach der Übergabe, was die Risikoverteilung zwischen Käufer und Verkäufer beeinflusst. Verkäuferdarlehen wiederum können dazu beitragen, die Kaufpreisforderung steuerlich zu gestalten und einen Kapitalzufluss über mehrere Jahre zu ermöglichen. Entscheidend ist in jedem Fall die klare vertragliche Ausgestaltung dieser Zahlungsmodelle, um nachträgliche Konflikte zu vermeiden.

Lesen Sie auch
Finanzen und ControllingRecht und ComplianceRechtsprechung und Urteile
GEMA passt TV-Tarif an: Rückerstattungen für Gastgewerbe möglich

Eine strategisch durchdachte und professionell begleitete Übergabeentscheidung ist nicht zuletzt auch ein wichtiges Signal für Mitarbeiter, Kunden und Geschäftspartner. Eine klare Kommunikation, eine ausreichende Übergangszeit sowie die frühzeitige Einbindung wichtiger Schlüsselpersonen können wesentlich dazu beitragen, Kontinuität und Vertrauen zu sichern. Gerade in inhabergeführten Hotels oder Restaurants, in denen die Unternehmerpersönlichkeit auch Teil des Markenversprechens ist, sollten Käufer und Verkäufer gemeinsam eine glaubwürdige Übergabe orchestrieren, die nicht nur formal, sondern auch emotional gelingt. Daraus folgt: Der Unternehmensverkauf im Gastgewerbe ist kein reines Zahlengeschäft, sondern eine vielschichtige Transaktion mit strategischen, rechtlichen, steuerlichen und menschlichen Dimensionen. Gerade in einer von persönlichen Bindungen geprägten Branche wie der Hotellerie und Gastronomie entscheidet auch die Qualität der Übergabe über den langfristigen Erfolg. Wer den Prozess rechtzeitig angeht, professionell begleitet und flexibel auf die Bedürfnisse potenzieller Käufer eingeht, schafft die Voraussetzung für eine stabile Nachfolge – und für einen Rückzug in den Ruhestand, der auf wirtschaftlich soliden Füßen steht.

Themen in diesem Artikel
Finanzen und ControllingFinanzierung und InvestmentRecht und ComplianceSteuernDue DiligenceNachfolgeregelungUnternehmens-NachfolgeUnternehmensbewertung
Canva
Finanzen und Controlling

GEMA passt TV-Tarif an: Rückerstattungen für Gastgewerbe möglich

Die GEMA hat den Tarif für die öffentliche Wiedergabe von Fernsehsendungen (FS-Tarif) zum 1. Januar 2025 angepasst. Grundlage ist ein Urteil des Oberlandesgerichts München. Die Änderung betrifft unmittelbar die Einstufung von Fernsehgeräten nach Bildschirmgröße und die Art der Berechnung der Vergütung. Für viele Betriebe kann dies zu geringeren laufenden Kosten und zu Rückerstattungen führen.

Online Birds
Künstliche Intelligenz, KI und Automation

Social GEO: Schon wieder nur ein neues Buzzword oder doch entscheidend für eine gute KI-Sichtbarkeit von Hotels?

Die Sichtbarkeit von Hotels verlagert sich zunehmend in KI-gestützte Such- und Empfehlungssysteme. Social GEO – die strategische Optimierung von Social-Media-Inhalten für KI-basierte Entscheidungsprozesse – wird dabei zum entscheidenden Faktor. Philipp Ingenillem, Branchenexperte und Gesellschafter von Online Birds, über die Bedeutung von Social GEO und eine kostenfreie Online-Session im Februar.

DEHOGA Bundesverband
Branche und Trends

DEHOGA launcht digitale Wissensplattform für Mitgliedsbetriebe

Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) stellt seinen Mitgliedern ab sofort eine KI-gestützte Mobile App zur Verfügung. Die Anwendung konsolidiert erstmals das gesamte Verbandswissen in einem digitalen Werkzeug – von rechtlichen Grundlagen über betriebliche Checklisten bis zu regionalen Brancheninformationen. Statt mühsamer Recherche erhalten Gastronomen und Hoteliers durch Künstliche Intelligenz sofort aufbereitete Antworten aus verifizierten Quellen.

WWS Wirtz, Walter, Schmitz GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Steuerberatungsgesellschaft
Finanzen und Controlling

Unternehmensverkauf im Gastgewerbe: Übergang in den Ruhestand als strategische und finanzielle Herausforderung

Der Verkauf eines Hotels oder gastronomischen Betriebs aus Altersgründen ist eine komplexe, strategisch anspruchsvolle Transaktion, die fundierte Vorbereitung, wirtschaftliches Augenmaß und Verhandlungsgeschick erfordert. Eine realistische Bewertung, eine frühzeitig durchgeführte Verkäufer-Due-Diligence sowie ein klar strukturiertes Verhandlungskonzept sind zentrale Erfolgsfaktoren auf dem Weg zu einem fairen und tragfähigen Kaufpreis.

Thomas Wagner, Messe Stuttgart
Branche und Trends

INTERGASTRA 2026: Wie das Young Talents Camp der Branche neuen Schwung gibt

Der Fachkräftemangel trifft das Gastgewerbe härter als viele andere Branchen. Die INTERGASTRA 2026 setzt mit dem Young Talents Camp ein deutliches Zeichen: In Halle 7 entsteht ein Erlebnisraum, der jungen Menschen zeigt, welche Perspektiven Hotellerie und Gastronomie bieten – fernab von Hochglanzbroschüren, dafür mit echten Einblicken von Praktikern.

BRITA
Events und Messen

BRITA auf der INTERGASTRA 2026: Wie intelligente Wasserfiltration Betriebsabläufe vereinfacht

Der Wasserfilterspezialist BRITA nutzt die INTERGASTRA 2026 in Stuttgart für die Präsentation mehrerer Neuheiten aus dem Profi-Segment. Im Mittelpunkt stehen digitale Überwachungssysteme, die den Filterwechsel automatisieren, sowie spezialisierte Lösungen für Spülmaschinen und Dampfgargeräte. Messebesucher können sich von Live-Demonstrationen überzeugen und frisch zubereitete Kostproben genießen.

Weitere Artikel zum Thema

Canva
Die GEMA hat den Tarif für die öffentliche Wiedergabe von Fernsehsendungen (FS-Tarif) zum 1. Januar 2025 angepasst. Grundlage ist ein Urteil des Oberlandesgerichts München. Die Änderung betrifft unmittelbar die Einstufung von Fernsehgeräten nach Bildschirmgröße und[...]
Canva
Andreas Muhme für TA Steuerberatung GmbH
Zum Jahresbeginn 2026 treten zahlreiche steuerliche Neuerungen in Kraft, die auch das Hotel- und Gastgewerbe unmittelbar betreffen. Neben der dauerhaft gesenkten Umsatzsteuer auf Speisen verändern sich unter anderem Abschreibungsregeln und arbeitsnahe Rahmenbedingungen. Welche Stellschrauben sind[...]
Andreas Muhme für TA Steuerberatung GmbH
applord GmbH
Künstliche Intelligenz verändert den Gastronomiealltag rasant – doch zwischen Effizienzgewinn und Rechtssicherheit liegt ein schmaler Grat. Während automatisierte Prozesse Arbeitsabläufe beschleunigen, verschärfen EU-Verordnungen die Anforderungen an Transparenz und Kontrolle. Wer KI rechtskonform einsetzen will, muss[...]
applord GmbH
mip Consult GmbH
E-Mail-Marketing lebt von Reichweite – doch ohne rechtskonforme Einwilligungen wird jede Kampagne zum Risiko. Moderne Consent-Management-Plattformen sind längst mehr als digitale Pflichtübung: Sie verknüpfen Marketing, Kundenservice und Compliance zu einem durchgängigen System, das Vertrauen schafft[...]
mip Consult GmbH
Tima Miroshnichenko, Pexels
Bargeld fließt, Karten piepen, Lieferanten warten auf Überweisungen – und mittendrin das Geschäftskonto, das alles koordinieren soll. Doch welche Fallstricke lauern bei der Wahl? Warum wird aus „kostenlos" schnell teuer? Und was hat Liquidität mit[...]
Tima Miroshnichenko, Pexels
Unser Newsletter

Bleiben Sie auf dem Laufenden mit regelmäßigen Informationen zum Thema Gastgewerbe. Ihre Einwilligung in den Empfang können Sie jederzeit widerrufen.