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Voll-Hybrid, Mild-Hybrid oder doch Plug-in-Hybrid in Sachen Führung?

Die Welt in den Unternehmen kalibriert sich gerade neu. Die Homeoffice-Pflicht ebbt ab oder ist bereits aufgelöst. Menschen treffen sich wieder physisch vor Ort und bleiben da und dort weiterhin phasenweise in den heimischen vier Wänden. Wenn es nach dem Kommunikationsexperten Stefan Häsli geht, werden Monate auf uns zukommen, in denen wir viele neue Wege der Zusammenarbeit suchen müssen.
Mlenny | iStockphoto

Zu den zwei Lösungen a) Arbeiten im Homeoffice und b) Arbeiten vor Ort gesellen sich fast unzählige Zwischenformen. Auch die Formen der Kommunikation verändern sich, werden vielfältiger. Das „Entweder-Oder“ gibt es nicht mehr, weder in der Arbeitsweise noch in der Führungskommunikation.

Übergangszeiten sind sowohl Sollbruchstellen im Arbeitsklima als auch Chancen, die neue Zeit bewusst anzugehen, zu regeln und die Kommunikationskultur nicht sich selbst zu überlassen. Das Wort der Zeit lautet momentan: hybride Führung, also physische und remote Führung gleichzeitig. Haben Sie schon mal überlegt, wie viele Arten von „hybrid“ es allein in der Automobiltechnologie gibt? Vollhybrid, Plug-in-Hybrid, Mildhybrid – um nur einige zu nennen. In der Führungskommunikation wird es sogar nochmals einen Zacken komplexer.

Derzeit haben Sie die einmalige Chance, eine neue Führungskultur zu etablieren. Vielleicht eine, die Sie schon längst einführen wollten. Vielleicht eine, die Sie noch nie hatten. Vielleicht eine, von der Sie mal träumten. Nur eines ist in diesem Wandlungsprozess klar: Die, die Sie hatten, geht nicht mehr. Diejenige vor dem März 2020 nicht und auch diejenige in der Voll-Homeoffice-Pflichtzeit nicht. Heute brechen die „Plug-in“ und „Mild-Homeoffice-Zeiten“ an.

Wandlungsprozesse aktiv gestalten

Damit Sie diese nicht nur überleben, sondern für sich effizient nutzen, sollten Sie diese Tipps beachten:

Überlegen Sie sich genau, wie Sie gerade diejenigen, die nicht vor Ort sind, ansprechen. Manche Personen werden in hybriden Sitzungen meist und sehr schnell vergessen und gehen dem Betrieb dann verloren.

Pflegen Sie emotionale Bindung

Nutzen Sie insbesondere dann die Chance, wenn Sie persönliche Gespräche physisch führen können. Virtuelle Coffee-Dates sind gut. Aber Fakt ist, dass Sie als Führungskraft näher an die Menschen herantreten müssen.

Veranstalten Sie wöchentliche Meetings, bei denen alle dabei sind (physisch und online) und sorgen Sie dafür, dass vor allem auch die remot-anwesenden Mitarbeiter aktiv eingebunden sind. Sprechen Sie diese Personenkreise konkret und regelmäßig an. Sie verantworten als Führungskraft und Moderator die konsequente Kontaktpflege. Führen Sie dazu „Buch“, damit niemand vergessen wird.

Achten Sie auf einen regelmäßigen Medienwechsel

Gerade bei Online-Meetings sollten Sie dafür sorgen, dass der Kopf immer wieder frei wird. Wechseln Sie entspannende Phasen mit Kurzdiskussionen, in denen alle eingebunden sind und schaffen Sie über Gamification und unterhaltsame Elemente eine gewisse Abwechslung.

Gemeinsame Aktivitäten sind wichtig

Organisieren Sie es so, dass alle Beteiligten immer mal wieder zusammen sind und es Möglichkeiten für persönliche Zusammentreffen gibt. Das kann beispielsweise ein Spaziergang sein, bei dem sich abwechselnd alle mit allen für eine gewissen Zeit unterhalten.

Perfektionieren Sie ergebnisorientiertes Führen

Remote Arbeitsformen sind wenig fehlerfreundlich, Korrekturen können nicht so leicht vorgenommen werden, oberflächliche Ziele werden verfehlt. Jetzt erlebt die gute, alte SMART-Formel ihr Revival.

Pflegen Sie bewusste Bindekräfte, um Fliehkräften entgegenzuwirken

Die Gefahr existiert, dass sich ein Team verzettelt und auseinanderdriftet. Kontaktarmut und Misstrauen verstärkt solche Fliehkräfte. Dagegen kommen Sie nur mit Bindekräften an, beispielsweise indem Sie positive Rückmeldungen artikulieren und kommunizieren. Niemand will das fünfte Rad am Wagen sein.

Verstärken Sie die mentale Vernetzung

Thematisieren Sie unterschiedliche Vorüberlegungen: „Was ist der Grund, warum du diesen Gedanken hattest?“ Fragen Sie konkret nach und tauschen Sie die Ergebnisse in einer Runde aus. So erfahren Menschen mehr voneinander.

Fazit

Machen Sie sich bewusst Gedanken, wie Sie hybrid führen können. Reflektieren Sie gerade in der Anfangszeit umfassend und holen Sie sich Feedback sowohl aus den Homeoffice-Equipen als den Vor-Ort-Teams. Diese Rückkoppelungen sind so zentral, dass ein neues Management-Mode-Wort kreiert wurde: kommunikative Rekuperation. Warum auch nicht – das hybride Auto hat das sehr erfolgreich gemacht, vielleicht klappt’s ja auch in der Führung.

Über den Autor:

Stefan Häseli ist Kommunikationstrainer, Keynote-Speaker, Moderator und Autor mehrerer Bücher. Er betreibt ein Trainingsunternehmen in der Schweiz. Der Kommunikationsexperte begleitet seit Jahren zahlreiche Unternehmen bis in die höchsten Vorstände von multinationalen Konzernen. Er doziert an Universitäten und Fachhochschulen im Themenfeld Kommunikation.

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