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Wenn der Landgasthof verschwindet: Was ländliche Regionen verlieren

  • Landgasthöfe sind für ländliche Regionen weit mehr als gastronomische Betriebe: 81 Prozent der befragten Einwohner und 97 Prozent der Betreiber sehen in ihnen einen wichtigen Faktor für Lebensqualität und gesellschaftlichen Zusammenhalt.
  • Wo alternative Veranstaltungs- und Begegnungsräume fehlen, wird der Gasthof zum sozialen Zentrum – die wirtschaftliche Stabilität eines einzelnen Betriebs wirkt sich damit auf das Leben einer ganzen Gemeinde aus.
  • Betriebe sollten ihr regionales Profil mit hausgemachten und saisonalen Angeboten schärfen, dabei aber Planungs- und Personalaufwand realistisch kalkulieren und die Bürokratie als zentrale Belastung aktiv angehen.

Dawid Tkocz, PexelsDawid Tkocz, Pexels

Der Gasthof im Ortskern ist Restaurant, Treffpunkt und Veranstaltungsort zugleich. Hier finden Familienfeiern, Vereinsabende und Stammtische statt, Gäste lernen regionale Gerichte kennen und örtliche Erzeuger finden Abnehmer für ihre Produkte. Verschwindet ein solcher Betrieb, verliert eine Gemeinde deshalb häufig mehr als ein gastronomisches Angebot.

Wie wichtig Landgasthöfe für ländliche Regionen sind, zeigen zwei im März 2026 durchgeführte Befragungen im Auftrag von METRO. Für die Bevölkerungsumfrage befragte YouGov 1.000 Menschen aus ländlichen Regionen in Deutschland. Ergänzend nahmen 329 Betreiber gastronomischer Betriebe im ländlichen Raum an einer Onlinebefragung von METRO teil.

Nach den Ergebnissen halten 81 Prozent der befragten Einwohner Landgasthöfe für wichtig oder sehr wichtig für die Lebensqualität vor Ort. Zugleich äußerten 67 Prozent die Sorge, dass immer mehr dieser Betriebe verschwinden könnten. Die Befragung beschreibt damit keine konkrete Zahl bevorstehender Schließungen. Sie zeigt jedoch, dass der mögliche Verlust gastronomischer Angebote in ländlichen Regionen von einem großen Teil der Bevölkerung als Problem wahrgenommen wird.

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Landgasthöfe verstehen sich als soziale Treffpunkte

Auch die befragten Gastronomen sehen ihre Rolle deutlich über das Bewirten von Gästen hinaus. 97 Prozent betrachten den eigenen Betrieb als wichtigen Faktor für die Lebensqualität in der Region. 90 Prozent verstehen ihn zugleich als bedeutenden Treffpunkt für die örtliche Gemeinschaft.

Damit übernehmen Landgasthöfe Funktionen, für die es in kleineren Orten häufig nur wenige Alternativen gibt. Fehlen andere Veranstaltungsräume oder Begegnungsstätten, wird die Gastronomie zum Ort für private Feiern, Vereinsleben und gesellschaftlichen Austausch. Die wirtschaftliche Stabilität eines einzelnen Betriebs kann dadurch Auswirkungen auf das soziale Leben einer ganzen Gemeinde haben.

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Die Umfrage zeigt zugleich, welche Erwartungen Gäste mit einem Landgasthof verbinden. Besonders wichtig sind ihnen hausgemachte Speisen: 68 Prozent bezeichneten diese als sehr wichtig, weitere 24 Prozent als wichtig. Saisonalität wurde von 50 Prozent als besonders wichtig bewertet, regionale Zutaten von 48 Prozent. Von den befragten Betreibern sehen 86 Prozent die regionale Küche als wesentlichen Erfolgsfaktor ihres Hauses.

Regionale Ausrichtung kann damit ein klares Profil schaffen. Sie ist jedoch kein automatisches Erfolgsrezept. Hausgemachte Speisen, wechselnde saisonale Angebote und der Einkauf bei regionalen Erzeugern können zusätzlichen Planungs- und Personalaufwand verursachen. Betriebe müssen deshalb zwischen dem von den Gästen gewünschten Profil und wirtschaftlich tragfähigen Abläufen abwägen.

Themen in diesem Artikel
Branche und TrendsTourismusBürokratie

Bürokratie wird als größte Herausforderung genannt

Die befragten Landgastronomen nannten vor allem die Bürokratie als Belastung. 86 Prozent ordneten sie den größten Herausforderungen zu. 51 Prozent wünschen sich mehr politische Unterstützung, 29 Prozent eine stärkere Wertschätzung durch die Gäste. Welche konkreten Vorschriften oder Verwaltungsaufgaben als besonders belastend wahrgenommen werden, wird in der zusammenfassenden Veröffentlichung allerdings nicht näher aufgeschlüsselt.

Trotz des wirtschaftlichen Drucks blickt die Mehrheit der befragten Betreiber nicht ausschließlich pessimistisch auf die kommenden Jahre. 62 Prozent bewerteten ihre Zukunftsaussichten optimistisch. Knapp ein Drittel äußerte sich dagegen eher negativ oder negativ. Die Ergebnisse zeichnen damit kein einheitliches Bild einer Branche vor dem Verschwinden. Sie zeigen vielmehr Betriebe, die ihre regionale Bedeutung selbstbewusst einschätzen, zugleich aber mit erheblichen strukturellen Belastungen kämpfen.

Ergebnisse nicht auf alle Betriebe übertragbar

Bei der Einordnung der Zahlen ist die unterschiedliche Methodik der beiden Befragungen zu beachten. Die Bevölkerungsumfrage wurde von YouGov unter 1.000 Menschen aus ländlichen Regionen durchgeführt. Die Betriebsbefragung beschränkte sich dagegen auf 329 METRO-Kunden, die gastronomische Betriebe im ländlichen Raum führen. Sie ist deshalb nicht ohne Weiteres repräsentativ für alle Landgastronomen in Deutschland.

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Hinzu kommt, dass METRO als Lebensmittelgroßhändler selbst wirtschaftlich mit der Gastronomie verbunden ist. Die Ergebnisse liefern wichtige Hinweise auf die gesellschaftliche Funktion und die wahrgenommenen Herausforderungen von Landgasthöfen. Sie ersetzen jedoch keine amtliche Statistik zur wirtschaftlichen Entwicklung, zur Zahl der Betriebe oder zu tatsächlichen Schließungen.

Dennoch verdeutlichen die Befragungen, dass die Diskussion über Landgastronomie nicht allein anhand von Umsätzen und Betriebszahlen geführt werden sollte. Wo ein Gasthof aufgibt, kann auch ein Treffpunkt, ein Stück regionaler Esskultur und ein Teil der örtlichen Infrastruktur verloren gehen.

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