Unternehmensführung

100 % Familienurlaub: Wieso das Konzept „No Singles“ im Hotel aufgeht

Das Konzept, nur Familien mit Kindern in einem Hotel zu beherbergen, klingt zunächst zweifelhaft. Es bringt jedoch einige Vorteile für den Hotelier und seine Gäste mit sich.

Die Hotels der Familotel AG bieten für alle Familien das passende Programm.
© Familotel Borchard´s Rookhus
Alexander Borchard, Vorsitzender des Aufsichtsrates der Familotel AG (Foto: Familotel Borchard´s Rookhus)

Alexander Borchard, Vorsitzender des Aufsichtsrates der Familotel AG (Foto: Familotel Borchard´s Rookhus)

Das Thema kinderfreie Hotels und Restaurants war diesen Sommer eines der Aufreger-Themen der Branche. Dass es auch anders geht, zeigt das Familotel Borchard´s Rookhus. Es beherbergt, wie die meisten Hotels der Familotel Gruppe, ausschließlich Familien mit Kindern und macht mit diesem „No Singles“ Konzept gute Erfahrungen. Alexander Borchard ist Vorsitzender des Aufsichtsrates der Familotel AG und Inhaber des Familotels Borchard`s Rookhus. Im Interview beantwortet er einige Fragen zu dem Konzept der Familotel AG und erläutert, wieso Hoteliers von diesem profitieren.

Herr Borchard, können Sie kurz das Konzept Ihrer Hotels vorstellen?

100 % Familienurlaub: Das bedeutet, bei uns urlauben ausschließlich Familien. Gästen ohne Kinder gewähren wir keine Unterkunft. Der Grund für dieses konsequente Handeln ist unser Versprechen, dass sich Eltern komplett entspannen sollen, um den Urlaub, soweit es die Kinder zulassen, zu genießen. Das funktioniert nur, wenn auf niemanden Rücksicht genommen werden muss, der nicht in derselben Situation ist. Man könnte sagen, dass alle Gäste in einem Boot sitzen. Wenn ein Kind schreit oder weint, ist die Reaktion der anderen Gäste: Zum Glück ist es diesmal nicht mein Kind.

Im Storchennest können auch die Mütter der Kleinsten entspannt genießen.

Im Storchennest können auch die Mütter der Kleinsten entspannt genießen. (Foto: Familotel Borchard´s Rookhus)

Dadurch herrscht zum Beispiel im Restaurant eine total entspannte Grundstimmung. Denn wenn Kinder nicht permanent gemaßregelt werden müssen, weil Gäste ohne Kinder sich gestört fühlen könnten, verhalten sie sich auch entsprechend entspannt. Dazu kommen natürlich unsere umfangreichen Freizeitangebote und als Kern die Kinderbetreuung durch unser ausgebildetes Fachpersonal, damit Eltern auch Zeit für sich und die Kinder ein interessantes und kreatives Angebot mit gleichaltrigen Spielkameraden haben.

Welche Vorteile hat dieses Konzept für den Hotelier?

Man konzentriert sich voll auf eine Zielgruppe, dadurch kann ein gleichmäßiges Gastro-System aufgebaut werden. Unsere Küche zum Beispiel ist jeden Abend um 20.00 Uhr sauber. Es gibt keine Veranstaltungen oder ähnliches, was Überstunden und Mehrarbeit mit sich zieht. Alles ist genau planbar, das ist gut für den Wareneinsatz, die Mitarbeiterplanung und deren Zufriedenheit. Gute und geregelte Arbeitsbedingungen sprechen sich in der Branche schnell herum. Wir kennen momentan zum Glück noch keinen (Fach)Kräftemangel. Weiterhin kann man zielgerichtet und punktgenau das Marketing steuern und vielleicht am wichtigsten: Man hat es durchgehend mit dankbaren, leicht zu begeisternden und entspannten Gästen zu tun.

Wie sind Sie auf die Idee für das Konzept “No Singles im Hotel” gekommen?

Das hat sich aus den o.g. Gründen zwangsläufig so ergeben. Ich denke, dass Häuser bis zu 100 Zimmern nur wirklich erfolgreich im Familiensegment sein können, wenn sie das Konzept konsequent umsetzen. Es war ja auch nicht meine Idee, fast alle Familotels sind 100 % Betriebe. Aber im Norden Deutschlands sind wir schon einer der Vorreiter, im Süden ist das Konzept seit Jahren erfolgreich. Ein wesentlicher Faktor, damit dieses Konzept auch zur Zufriedenheit unserer Gäste umgesetzt werden kann, ist entsprechend geschultes und qualifiziertes Personal. Wir bei Familotel suchen übrigens immer mutige Mitstreiter für diese anspruchsvolle und abwechslungsreiche Aufgabe. Diese werden natürlich bei der Umstellung und Umsetzung entsprechend unterstützt und begleitet.

Sicher haben die kleinen Gäste besondere Bedürfnisse. Welchen Tipp können Sie Hoteliers geben?

Wer nicht authentisch ist, verliert! Kinder merken alles und bestrafen aufgesetzte Kinderfreundlichkeit sofort mit entsprechendem Verhalten. Wer das als Hotelier beziehungsweise Mitarbeiter nicht wirklich will, sollte es lieber lassen. Ein Wellness-Hotel kann ich führen, ohne Saunagänger zu sein, aber ein Familienhotel nur, wenn ich selbst noch ein (bisschen) Kind bin.

Die kinder- und familienfreundliche Ausrichtung ist also ein wertvoller Umsatzbringer. Würden Sie dieser Gästekategorie dennoch einen hohen Mehraufwand zuweisen?

Wer glaubt, einen Spielplatz zu bauen, ein paar Kinderbetten zu kaufen und Pommes zu frittieren würde reichen, der ist auf dem Holzweg. Wir waren zehn Jahre ein Romantik-Hotel mit Gourmetrestaurant, Feiern, Incentives etc. Der Aufwand war da, in Hinsicht auf das heutige Konzept, noch vergleichsweise überschaubar. Natürlich könnte ich heute auch vieles reduzieren, aber was soll man machen, wenn man jeden Tag eine neue Idee hat.

Am Ende sollte jeder Gast – ob Kinder, Eltern oder Singles – seinen Aufenthalt genießen. Positive Bewertungen von allen Gästen, eine hohe Kunst in der Hotelbranche?

Man kann nicht von allen Gästen positive Bewertungen bekommen oder erwarten, das geht uns in der Familienhotellerie genauso wie allen anderen. Nur super Bewertungen zu bekommen, wäre auch unglaubwürdig, die Menschen sind unterschiedlich, dementsprechend auch die subjektiven Eindrücke. Ärgerlich ist es, wenn man den Kopf für Dinge hinhalten muss, die von Dritten verursacht worden sind und man nicht beeinflussen kann, zum Beispiel das Benehmen anderer Gäste oder andere unschöne Situationen (zum Beispiel Krankheit vom Kind), das hat in einer Hotelbewertung eigentlich nichts zu suchen.

Der Unterschied zum Rest der Branche ist aber die Emotionalität der zufriedenen Gäste. Wenn eine Mutter viel mehr bekommt, als sie sich in den kühnsten Träumen vorgestellt hat – nämlich, dass unser Konzept aufgeht und sie auch Zeit für sich und den Partner findet und das Kind dabei glücklich ist – dann schreibt sie darüber auch schon mal ein halbes Buch.

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