Suche

Jeder Mitarbeiter muss mindestens 50 Euro pro Präsenzstunde generieren

Wie es in herausfordernden Zeiten wie diesen möglich ist, nachhaltig und gleichzeitig wirtschaftlich zu agieren, das weiß Björn Grimm aus rund 20 Jahren als Berater und „KüchenCoach” sowie aus seiner eigenen Tätigkeit als Hotelier. Der überzeugte Verfechter von Qualität auf allen Ebenen der Hospitality-Dienstleistung schlug nach einem Artikel der Hamburger Tageszeitung über zu „billiges“ Essen gehen Alarm.

Grimm ConsultingGrimm Consulting

Ein Artikel auf der Titelseite des Hamburger Abendblatts hat FCSI-Mitglied Björn Grimm Anfang Dezember schon am frühen Morgen ordentlich die Stimmung verhagelt: Darin wurde ‚laut‘ darauf hingewiesen, wo man in der Hansestadt für unter 10 Euro essen gehen könne. Warum sich der Berater und Hotelier so darüber ärgerte? Weil er davon überzeugt ist, dass „billig“ die Branche kaputtmacht, die Lösung nicht im „billiger, sondern im Besserwerden“ liegt! Er schrieb einen geharnischten Leserbrief, der hohe Wellen schlug. Gut so!, findet Grimm, denn: „Billig macht die Branche kaputt!”

Nicht erst seit diesem denkwürdigen Morgen implementiert Grimm deshalb zahlreiche Maßnahmen in den von ihm betreuten Betrieben – und dreht an wichtigen Stellschrauben, nicht selten auch in den Köpfen der jeweiligen Unternehmer. Welche das sind und worauf es dabei ankommt, das berichtete er nun im FCSI-Freitagstalk interessierten Kollegen und Branchenvertretern.

Angst vor Preiserhöhung ist unbegründet

Trotzdem setzen seiner Beobachtung nach immer noch viel zu viele Unternehmer in Gastronomie und Hotellerie auf preisaggressive Angebote, aus Angst, die Gäste könnten sie sonst abstrafen. Eine Sorge, die laut dem Experten unbegründet ist: „Billig geht immer zu Lasten der Ökologie, der Mitarbeiter und der Unternehmer. Dabei ist rechnerisch erwiesen, dass bei eine zehnprozentigen Preiserhöhung man auf Gut 9 Prozent der Gäste verzichten könne – die dann wiederum Platz machen für eine Klientel, die unsere Leistung wertschätzt und bereit ist, einen angemessenen Preis dafür zu bezahlen”, erklärte Grimm den Zuhörern beim Freitagstalk des FCSI Deutschland-Österreich.

Partner aus dem HORECA Scout

Nach wie vor gehörten die Preise in der deutschen Hospitality-Branche zu den niedrigsten in Europa, beklagte Grimm. „Wir haben kein Umsatz-, sondern ein Rentabilitätsproblem! Unsere Renditen reichen nicht, um die Kosten zu decken und in die Zukunft zu investieren. Es muss endlich ein Umdenken stattfinden.” Sein Rat an alle Unternehmer in der Branche: „Verzichten Sie auf ungesunden Umsatz. Der Deckungsbeitrag ist entscheidend.” Die Frage laute nicht, wie viel Geld am Ende des Tages in der Kasse landet, sondern welcher Gewinn nötig ist, um die individuellen Kosten eines Betriebs zu decken. „Wir müssen rückwärts rechnen: erst die Ertragsziele definieren und dann das Konzept und die Produkte entwickeln, mit denen sich diese Ziele erreichen lassen. Gewinndruck erzeugt automatisch Umsatzdruck.”

Verstärkte Kostenkontrolle

Darüber hinaus gelte es, die Prime Costs aus Wareneinsatz und Personalkosten noch konsequenter als bisher im Blick zu behalten. „Die durchschnittliche Umsatzrendite von vielleicht 10 Prozent aus der Vergangenheit reicht nicht mehr, wir brauchen heute 15 Prozent. Das heißt: Die Preise müssen hoch und die Kosten noch stärker kontrolliert werden.” Grimm verwies auf die Mitarbeiterproduktivität und rechnete vor: „Jeder Mitarbeiter, der nach Mindestlohn bezahlt wird – also inklusive Nebenkosten rund 15 Euro kostet – muss mindestens 50 Euro/ netto pro Präsenz-Stunde generieren.” Viele Unternehmer machten jedoch den Fehler, Personalkosten durch die vereinbarten Arbeitsstunden zu teilen. „Mitarbeiter können aber nur Umsatz machen, wenn sie tatsächlich im Betrieb sind. Personalkosten müssen also auf die Präsenzstunden umgerechnet werden. Sie fallen deshalb real oft viel höher als gedacht, dementsprechend muss auch die Umsatzerwartung deutlich steigen.” Nicht nur aus diesem Grund seien gerade jetzt Verkaufs- und Akquise-Trainings für die Mitarbeiter wichtiger denn je.

Lesen Sie auch
Arbeitszeit, Dienstplan, und SchichtplanungGehalt, Benefits und AltersversorgungPersonalentwicklungRecruiting und Fachkräftemangel
Fachkräftemangel und Fluktuation im Gastgewerbe: Ist betriebliches Gesundheitsmanagement die Lösung?

Gute Preise passen zur Zielgruppe

Grimm empfahl, zusammen mit den Partnern aus der Lebensmittelindustrie und dem Handel auch die Warenkosten auf den Prüfstand zu stellen, sowie alle verfügbaren Fördermittel legal zu nutzen. „Man sollte außerdem immer daran denken, dass auch die 7 Prozent Mehrwertsteuer möglicherweise nur eine vorübergehende Unterstützung durch die Politik sind.” Gute Preise passen zur Zielgruppe, unterstrich Grimm. „Die Gäste müssen sich jetzt auch einmal nach uns richten.” Vor allem mit innovativen und immer wieder neuen Angeboten aus Trendsegmenten wie Veganismus, Regionalität oder Gemeinsamer Genuss ließen sich die Gäste zu höheren Ausgaben bewegen. „Wir sollten nur noch machen, was Spaß macht”, schloss der Experte. „Und Geldverdienen gehört nachhaltig dazu!”

Themen in diesem Artikel
Personalentwicklung
johannes86, iStockphoto
Gehalt, Benefits und Altersversorgung

Neue Spielregeln bei der Vergütung: Was die EU-Entgelttransparenzrichtlinie für Hotellerie und Gastronomie bedeutet

Bis Juni 2026 muss Deutschland die EU-Entgelttransparenzrichtlinie in nationales Recht umsetzen. Die neuen Regelungen betreffen Betriebe jeder Größe und bringen weitreichende Änderungen im Umgang mit Gehältern. Wer sich jetzt vorbereitet, verschafft sich einen entscheidenden Vorsprung im Wettbewerb um Fachkräfte.

Future Payments GmbH
Finanzen und Controlling

Kartenzahlungsgebühren – Zusammensetzung und typische Fallstricke

Viele Gastronomen wissen nicht, welche Kosten ihr Kartenterminal wirklich verursacht. Gebührenmodelle sind komplex, Verträge unübersichtlich – und das Kleingedruckte kann monatlich mehrere hundert Euro Unterschied bedeuten. Spätestens mit einer möglichen Kartenzahlungspflicht wird dieses Thema zum wirtschaftlichen Faktor, den kein Betrieb mehr ignorieren sollte.

EVENTMACHINE
Events und Messen

KI-Agent konfiguriert ganze Events und erhält sofortige Angebote – ohne menschliches Zutun

Was geschieht, wenn künstliche Intelligenz nicht mehr nur berät, sondern eigenständig handelt? Ein Event-Tech-Unternehmen hat einen KI-Agenten auf seinen webbasierten Konfigurator losgelassen – mit verblüffenden Ergebnissen. Die Maschine plant komplexe Veranstaltungen, erkennt Sparpotenziale und trifft Designentscheidungen wie ein erfahrener Eventmanager. Für Hotels und Locations stellt sich damit eine existenzielle Frage: Sind ihre Systeme bereit für Anfragen, die nicht von Menschen kommen?

Biohotel Eggensberger, T. Reinelt
Allgemeine Haustechnik

Risikofaktor Hotelklimatisierung – warum klassische Lösungen dem Erfolg im Weg stehen

Klimaanlagen gehören zur Standardausstattung in Hotels – doch genau diese Selbstverständlichkeit wird zum Problem. Denn während Gäste Kühlung erwarten, lehnen viele gleichzeitig die Begleiterscheinungen klassischer Systeme ab: Lärm, Zugluft, trockene Luft. Hotels investieren also in Technik, die zwar gebucht, aber kritisiert wird. Wie kann dieser Widerspruch aufgelöst werden? Und welche Alternativen bieten sich an, die nicht nur die Gästezufriedenheit steigern, sondern auch die Betriebskosten senken?

Bayerische Staatsbrauerei Weihenstephan
Beverage

Helles auf Erfolgskurs: Warum Bayerns Lieblingsbier zum Gastro-Zugpferd wird

Mild, malzig, massentauglich – und zunehmend auch alkoholfrei: Das Helle hat sich vom bayerischen Klassiker zum bundesweiten Bestseller entwickelt. Die Bayerische Staatsbrauerei Weihenstephan, älteste Brauerei der Welt, zeigt in ihrem aktuellen Themendienst, warum der Bierstil gerade jetzt für Gastronominnen und Gastronomen interessant wird – und wo die größten Absatzchancen schlummern.

Deng Xiang, Unsplash
Künstliche Intelligenz, KI und Automation

Mews BI – Zentralisierte Datenauswertung für die Hotellerie

Hotels sammeln täglich Unmengen an Daten – aus Buchungssystemen, Kassenlösungen, Online-Portalen. Die Herausforderung: Diese Informationen sinnvoll zu verknüpfen und daraus strategische Entscheidungen abzuleiten. Mews will genau das mit seinem neuen Business-Intelligence-Tool erleichtern.

Weitere Artikel zum Thema

Patrick Steeger
Während die Fluktuationsrate im Gastgewerbe bei 68 Prozent verharrt und der Krankenstand historische Höchstwerte erreicht, kämpfen Hotels und Restaurants mit strukturellen Personalproblemen. Kann systematisches Gesundheitsmanagement hier mehr sein als nur eine Symptombekämpfung? Ein Blick auf[...]
Patrick Steeger
Isabelle Weyand
Im Gastgewerbe, wo sich Qualität im Takt von Schichten, Auslastung und kurzfristigen Ausfällen verändert, ist eine effektive Führung entscheidend. Um unter diesen Bedingungen erfolgreich zu sein, benötigen Führungskräfte Verfahren, die Entscheidungen beschleunigen und die Folgen[...]
Isabelle Weyand
Hamburg Messe und Congress GmbH, Internorga 2025, Deep Dive Area
Messestände anschauen kann jeder. Aber echtes Praxiswissen mitnehmen? Die HospitalityPioneers zeigen auf der Internorga 2026, wie das geht – in ingesamt 60 kompakten Deep Dives. e2n ist mit sechs Vorträgen zu Personalmanagement, Teamführung und nachhaltiger[...]
Hamburg Messe und Congress GmbH, Internorga 2025, Deep Dive Area
PelfWave
Personalausfall im Restaurant löst eine Kettenreaktion aus: Mehr Schichten für andere, höhere Belastung, neue Ausfälle. 44 Prozent Fluktuation und 40 Prozent unbesetzte Stellen zeigen – wer qualifiziertes Personal hält, verschafft sich einen echten Wettbewerbsvorteil. Doch[...]
PelfWave
Patrick Peters
Die Einführung von Künstlicher Intelligenz wird in vielen Hotel- und Gastronomiebetrieben zunächst als technisches Projekt behandelt. KI kann aber nicht einfach „eingeschaltet“ werden, sondern ihre Einführung erfordert grundlegende organisatorische und kulturelle Veränderungen in Betrieben. Ob[...]
Patrick Peters
Unser Newsletter

Bleiben Sie auf dem Laufenden mit regelmäßigen Informationen zum Thema Gastgewerbe. Ihre Einwilligung in den Empfang können Sie jederzeit widerrufen.