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Brandgefahr durch Akkus im Gastgewerbe?

  • Lithium-Ionen-Akkus können bei Defekten ein thermisches Durchgehen auslösen, bei dem Temperaturen von über 1.000 Grad Celsius entstehen – herkömmliche Brandschutzkonzepte greifen hier nicht ausreichend.
  • Kritische Bereiche sind die eigene Geräteflotte mit improvisierten Ladeorten, E-Bike-Ladeinfrastruktur in Tiefgaragen sowie Gästezimmer, in denen Betreiber keinen Einfluss auf mitgebrachte Geräte haben.
  • Wirksamer Schutz erfordert definierte Lade- und Lagerbereiche, frühzeitige Branddetektion durch Meldeanlagen, geeignete Löschsysteme wie Sprinkleranlagen sowie geschulte Mitarbeitende, die Warnzeichen erkennen und Alarmierungsprozesse beherrschen.

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Lithium-Ionen-Akkus sind im Gastgewerbe längst fester Bestandteil des Alltags. Gäste laden Smartphones, Tablets oder E-Bikes, Hotels setzen akkubetriebene Reinigungsmaschinen ein und vielerorts wächst die Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge. Die Elektrifizierung schafft Komfort, Effizienz und neue Serviceangebote. Gleichzeitig entstehen jedoch Brandschutzrisiken, die in vielen Betrieben noch nicht ausreichend berücksichtigt werden. Denn Lithium-Ionen-Batterien unterscheiden sich in ihrem Brandverhalten deutlich von klassischen Brandlasten. Kommt es infolge eines Defekts, einer Überladung, einer mechanischen Beschädigung oder durch ungeeignete Ladegeräte zu einem sogenannten thermischen Durchgehen, entwickelt sich innerhalb kurzer Zeit eine unkontrollierte Kettenreaktion mit extremer Hitzeentwicklung. Temperaturen von weit über 1.000 Grad Celsius sind möglich.

Wo werden Lithium-Ionen-Batterien verwendet und wo lauern die Gefahren?

Im Zentrum für Brandschutzrisiken steht im Gastgewerbe die eigene Geräteflotte. Die Zahl akkubetriebener Betriebsmittel wächst kontinuierlich. Moderne Reinigungsmaschinen, Handstaubsauger, Funkgeräte, mobile Kassensysteme, Tablets, Küchengeräte oder technische Geräte für Außenbereiche summieren sich schnell zu einer erheblichen Zahl von Energiespeichern. Das Problem liegt häufig weniger in den Geräten selbst als im organisatorischen Umgang mit ihnen. Akkus werden nebenbei geladen, häufig über Nacht, in Personalräumen, Werkstätten oder Reinigungsdepots. Solche Räume sind funktional organisiert, aber selten brandschutztechnisch optimiert. Mehrfachladungen an improvisierten Steckdosen, gealterte Ladegeräte oder fehlende Zuständigkeiten schaffen ein schleichendes Risiko. Denn zu den häufigsten Auslösern für Brände zählen Überladung, mechanische Beschädigungen, Kurzschlüsse sowie die Verwendung ungeeigneter Ladegeräte.

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Eine besonders praxisnahe Herausforderung ergibt sich im Umgang mit E-Bike-Akkus. Der Fahrradtourismus hat in vielen Regionen erheblich an Bedeutung gewonnen. Hotels und Restaurants bieten Ladeplätze für Gäste, betreiben eigene Verleihangebote oder lagern sogar Akkus für Mitarbeitende. Die Ladeinfrastruktur für E-Bikes und auch E-Autos ist dabei häufig in Tiefgaragen eingebaut. Tiefgaragen sind bereits ohne Ladeinfrastruktur anspruchsvolle Brandräume. Die begrenzte Entrauchung, eingeschränkte Zugänglichkeit für Einsatzkräfte und die unmittelbare Nähe zu Gebäudestrukturen erschweren die Ereignisbewältigung. Kommt Ladeinfrastruktur hinzu, steigen Komplexität und technische Anforderungen.

Ebenfalls ein besonders sensibler Bereich sind Gästezimmer. Aus brandschutztechnischer Sicht stellen sie einen blinden Fleck dar, weil Betreiber nur begrenzten Einfluss auf das Verhalten der Gäste und den Zustand mitgebrachter Geräte haben. Während technische Anlagen des Hauses regelmäßig geprüft und gewartet werden, entziehen sich private Geräte jeder Kontrolle. Smartphones mit gealterten Akkus, beschädigte Powerbanks, E-Zigaretten, Tablets oder Laptops können Brände auslösen. Kommt es hier zu einem Brand, breitet sich dieser aufgrund der hohen Energiedichte schnell aus und kann zu erheblichen Sachschäden sowie Gefährdungen für Personen führen.

Warum sind definierte Lade- und Lagerbereiche sinnvoll?

Um das Brandrisiko durch Lithium-Ionen-Batterien zu minimieren, empfehlen sich deshalb klar definierte Lade- und Lagerbereiche, die von brennbaren Materialien getrennt und in die betriebliche Gefährdungsbeurteilung einbezogen werden. Laden Akkus in unmittelbarer Nähe zu Textilien, Verpackungen oder Reinigungschemikalien, erhöht sich das Schadenspotenzial. Das ist im Gastgewerbe relevant, weil Platzmangel häufig zu pragmatischen Zwischenlösungen führt. Doch gerade diese Improvisation kann im Ernstfall gravierende Folgen haben. Diese definierten Bereiche sollten brandschutztechnisch abgesichert sein, etwa durch feuerbeständige Abtrennungen oder automatische Löschsysteme.

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Welche Brandschutztechnik sollte eingesetzt werden?

Da bei Bränden durch Akkus enorme Hitze entsteht, gilt es zur Eindämmung Löschmittel mit einem hohen Kühleffekt einzusetzen – größere Mengen Wasser sind dazu in der Lage. Sprinkleranlagen reagieren beispielsweise schnell und können viel Wasser im Brandbereich abgeben. Sie eignen sich so für Tiefgaragen oder auch Lager. Insgesamt gelten Sprinkleranlagen für größere Räume und Lager als Standardlösung, da sie zuverlässig Entstehungsbrände bekämpfen und gleichzeitig eine schnelle Kühlung ermöglichen. Allerdings gibt es bisher keine perfekte Brandschutzlösung, denn Lithium-Ionen-Akkus selbst können nicht gelöscht werden. In der Regel werden die Akkus an eine sichere Stelle gebracht, um sie dort ausbrennen zu lassen. Von zentraler Bedeutung für den Brandschutz ist deshalb vor allem die frühzeitige Detektion. Lithium-Ionen-Brände entwickeln sich häufig dynamisch. Eine frühe Erkennung entscheidet darüber, ob ein Vorfall beherrschbar bleibt oder sich zu einem Großbrand mit schwerwiegendem Schadensereignis entwickelt. Brandmeldeanlagen spielen deshalb eine zentrale Rolle. Sie ermöglichen nicht nur die Alarmierung, sondern können automatisch Feuerschutzabschlüsse aktivieren, Rauch- und Wärmeabzüge ansteuern und Einsatzkräfte frühzeitig alarmieren. Entscheidend ist jedoch, dass Risikobereiche wie Ladezonen, Technikräume, Fahrraddepots oder Tiefgaragen in die Planung einbezogen werden.

Themen in diesem Artikel
Allgemeine HaustechnikVersicherungen und RisikomanagementBrandschutzE-BikesLadeinfrastrukturRisikomanagement

Warum sollten Mitarbeitende für Brandfälle geschult werden?

Außerdem muss auch das Verhalten im Brandfall klar geregelt sein. Die hohe Wärmeentwicklung, mögliche Rückzündungen und die toxische Rauchentwicklung bei Lithium-Ionen-Bränden machen unkoordinierte Löschversuche riskant. Für Hotel- und Gastronomiebetriebe folgt daraus vor allem die Notwendigkeit klarer Alarmierungs- und Evakuierungsprozesse sowie geschulter Mitarbeitender. Beschäftigte müssen typische Warnzeichen erkennen können. Dazu zählen ungewöhnliche Erwärmung, Rauchentwicklung, Zischgeräusche, chemischer Geruch oder sichtbare Verformungen. Ein häufig unterschätztes Thema ist auch die Entsorgung: Lithium-Ionen-Akkus dürfen keinesfalls im Hausmüll entsorgt werden, sondern müssen bei Rücknahmestellen im Handel oder Wertstoffhöfen abgegeben werden. Je früher ein kritischer Zustand erkannt wird, desto größer sind die Handlungsmöglichkeiten. Entscheidend bleibt jedoch stets die Priorität der Menschenrettung und die frühzeitige Alarmierung.

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