Unternehmenstransaktionen im Bereich der Hotellerie und Gastronomie sind geprägt von einer Vielzahl rechtlicher Besonderheiten, die sich insbesondere im Bereich der Gewährleistungsrechte manifestieren. Die Komplexität dieser Transaktionen resultiert aus der hohen Individualität der Betriebe, der Vielzahl an Vertragsbeziehungen und der Notwendigkeit, branchenspezifische Risiken adäquat zu adressieren. Für Käufer und Verkäufer gilt es daher, die gesetzlichen Rahmenbedingungen zu kennen und im Unternehmenskaufvertrag maßgeschneiderte Lösungen zu verankern, um Haftungsrisiken zu minimieren und Rechtssicherheit zu schaffen.
Im deutschen Recht ist die Gewährleistung beim Unternehmenskauf grundsätzlich im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) geregelt. Allerdings stoßen die gesetzlichen Vorschriften bei Unternehmenstransaktionen regelmäßig an ihre Grenzen. Insbesondere die klassischen Gewährleistungsrechte wie Nacherfüllung, Rücktritt oder Minderung sind im Kontext des Unternehmenskaufs oftmals weder praktikabel noch interessengerecht. Eine Rückabwicklung der Transaktion ist in der Regel wirtschaftlich und organisatorisch kaum durchführbar und für die Parteien meist unerwünscht. Daher werden die gesetzlichen Gewährleistungsrechte im Unternehmenskaufvertrag regelmäßig abbedungen und durch ein eigenständiges, vertragliches Haftungsregime ersetzt.
Garantie- und Haftungskonzepte
Im Zentrum der vertraglichen Gestaltung stehen Garantien, die der Verkäufer dem Käufer hinsichtlich bestimmter Eigenschaften und Umstände des Zielunternehmens einräumt. Diese Garantien umfassen typischerweise Aussagen zur Eigentumslage, zu bestehenden Verträgen, zu finanziellen Kennzahlen, zu Mitarbeitern, zu anhängigen Rechtsstreitigkeiten und zu behördlichen Genehmigungen. Im Bereich der Hotellerie und Gastronomie sind darüber hinaus branchenspezifische Aspekte zu berücksichtigen, etwa die Einhaltung lebensmittelrechtlicher Vorschriften, Hygieneanforderungen, Pacht- und Mietverträge sowie die Zulässigkeit von Veranstaltungen und Sondernutzungen. Die Haftung aus Garantieverletzungen erfolgt in der Regel verschuldensunabhängig. Der Verkäufer haftet dafür, dass die garantierten Umstände zum Stichtag der Transaktion tatsächlich bestehen. Im Falle einer Verletzung ist der Käufer so zu stellen, wie er stünde, wenn die Garantie eingehalten worden wäre. Dies kann Schadensersatz oder – seltener – eine nachträgliche Kaufpreisanpassung bedeuten. Die Parteien vereinbaren häufig Haftungshöchstgrenzen und Verjährungsfristen, um das Risiko für den Verkäufer kalkulierbar zu halten.
Branchenspezifische Risiken in Hotellerie und Gastronomie
Die Hotellerie und Gastronomie zeichnen sich durch eine hohe Personalintensität, einen starken Bezug zu Immobilien sowie eine Vielzahl von Lieferanten- und Dienstleistungsverträgen aus. Bei Unternehmenstransaktionen ist daher eine sorgfältige Due Diligence unerlässlich. Bei der Prüfung sind arbeitsrechtliche Risiken zu beachten, insbesondere hinsichtlich Überstundenregelungen, befristeter Arbeitsverträge und tariflicher Verpflichtungen. Ebenso sollten bestehende Pacht- und Mietverhältnisse im Hinblick auf ihre Laufzeiten, Kündigungsfristen sowie eventuell erforderliche Zustimmungen bei einem Eigentümerwechsel sorgfältig geprüft werden. Zudem ist es wesentlich, die Einhaltung von Hygiene- und Lebensmittelvorschriften sicherzustellen, um behördliche Maßnahmen oder potenzielle Reputationsverluste zu vermeiden. Weiterhin empfiehlt sich eine genaue Analyse laufender oder drohender Rechtsstreitigkeiten mit Gästen, Lieferanten oder Behörden. Schließlich sollte auch der Bestand und Zustand des Inventars sowie der technischen Anlagen bewertet werden, wobei insbesondere auf Wartungsbedarf und Modernisierungsmöglichkeiten zu achten ist. Die vertragliche Gestaltung sollte diese Risiken durch spezifische Garantien und Haftungsausschlüsse gezielt adressieren. So kann etwa vereinbart werden, dass der Verkäufer für die Einhaltung aller behördlichen Auflagen bis zum Closing haftet oder dass bestimmte Altlasten ausdrücklich von der Haftung ausgenommen werden.
Im Unternehmenskaufvertrag wird die gesetzliche Gewährleistung meist weitgehend ausgeschlossen. An ihre Stelle treten die individuell ausgehandelten Garantien.
Ausschluss und Begrenzung der Gewährleistung
Im Unternehmenskaufvertrag wird die gesetzliche Gewährleistung meist weitgehend ausgeschlossen. An ihre Stelle treten die individuell ausgehandelten Garantien. Der Verkäufer wird regelmäßig bemüht sein, seine Haftung auf klar definierte Fälle und Beträge zu begrenzen. Üblich sind Haftungshöchstgrenzen (Caps), Bagatellgrenzen (De Minimis) sowie Mindestschadenssummen (Thresholds), ab deren Überschreiten eine Haftung überhaupt erst eintritt. Zudem werden die Verjährungsfristen für Ansprüche aus Garantieverletzungen verkürzt, häufig auf zwölf bis 24 Monate, wobei für bestimmte Kernbereiche wie Steuern oder Umwelt bis zu fünf Jahre vereinbart werden können.
Da eine Nacherfüllung im klassischen Sinne – etwa die Nachbesserung eines Mangels – bei Unternehmenstransaktionen kaum möglich ist, werden stattdessen Kaufpreisanpassungsklauseln oder Earn-out-Regelungen vereinbart. Diese ermöglichen es, den Kaufpreis nachträglich an die tatsächliche Entwicklung des Unternehmens oder das Eintreten bestimmter Risiken anzupassen. Gerade in der Hotellerie und Gastronomie, wo Umsätze und Auslastung starken Schwankungen unterliegen, sind solche Mechanismen verbreitet, um das Risiko zwischen den Parteien fair zu verteilen.
Praktische Empfehlungen für die Vertragsgestaltung
Für Käufer empfiehlt es sich, den Katalog der Garantien möglichst umfassend und detailliert zu fassen, um alle wesentlichen Risiken abzudecken. Eine sorgfältige Due Diligence ist unerlässlich, um die relevanten Themen zu identifizieren und im Vertrag angemessen zu berücksichtigen. Verkäufer sollten darauf achten, den Umfang der Garantien auf überprüfbare und beeinflussbare Sachverhalte zu beschränken und Haftungsbegrenzungen konsequent zu verhandeln. Beide Parteien profitieren von einer klaren und transparenten Vertragsgestaltung, die Streitigkeiten nach dem Closing vorbeugt und die wirtschaftlichen Interessen wahrt. Im Streitfall kommt es entscheidend auf die Formulierungen im Vertrag an. Unklare oder lückenhafte Regelungen führen häufig zu langwierigen und kostenintensiven Auseinandersetzungen, die gerade für kleinere Betriebe existenzbedrohend sein können.
Die Gewährleistungsrechte bei Unternehmenstransaktionen in der Hotellerie und Gastronomie sind ein zentrales Element der Vertragsgestaltung. Aufgrund der branchenspezifischen Risiken und der Besonderheiten des Unternehmenskaufs ist eine individuelle, auf den konkreten Einzelfall zugeschnittene Regelung unerlässlich. Käufer und Verkäufer sollten sich frühzeitig von spezialisierten Beratern begleiten lassen, um Haftungsfallen zu vermeiden und die Transaktion rechtssicher zu gestalten. Nur so lassen sich die wirtschaftlichen Ziele beider Parteien nachhaltig erreichen und das Risiko von Streitigkeiten minimieren.







