Ich beschäftige mich seit vielen Jahren intensiv mit Tourismus, Hospitality und Markenentwicklung. Und selten hatte ich das Gefühl, dass sich etwas so leise – aber so grundlegend verschiebt wie gerade jetzt.
2026 wird kein Jahr der großen Neuerfindungen. Es wird ein Jahr der Neuordnung von Prioritäten. Hier sind drei Entwicklungen, die ich aktuell überall sehe – in Gesprächen mit Gästen, Hoteliers, Partnern und im eigenen Bauchgefühl.
1. Longevity wird alltagstauglich – und damit buchungsrelevant
Longevity ist 2026 kein Biohacking-Buzzword mehr. Es ist eine stille Erwartung. Viele Gäste können das Wort nicht einmal benennen – aber sie spüren sehr genau, ob ihnen ein Ort gut tut oder nicht. Nicht im Sinne von Spa & Anwendungen, sondern im ganz simplen Alltag:
- Wie schlafe ich hier?
- Wie fühlt sich mein Körper nach drei Tagen an?
- Habe ich Energie – oder bin ich nur „entspannt müde“?
Was ich immer öfter sehe: Gäste buchen bewusst Hotels,
„Slow“ ist 2026 kein Lifestyle-Trend mehr. Es ist eine Antwort auf kollektive Überforderung.
- die ruhig liegen
- natürliche Materialien verwenden
- gutes, leichtes Essen anbieten
- Bewegung selbstverständlich integrieren (nicht als Programm)
Eine Zahl, die das gut einordnet: Studien zeigen, dass über 70 % der Reisenden heute angeben, dass mentale und körperliche Gesundheit ein zentrales Buchungskriterium geworden ist – deutlich mehr als klassische Wellnessangebote.
Meine persönliche Beobachtung: Die besten Longevity-Orte reden nicht darüber. Sie funktionieren einfach. Und genau das bleibt.
2. Gäste buchen keine Hotels mehr – sie buchen Klarheit
Ein Punkt, der mich besonders beschäftigt: Reisende sind nicht erschöpft vom Arbeiten – sie sind erschöpft vom Entscheiden. Der Alltag ist komplex: Tools, Termine, Optionen, Reize. Im Urlaub will niemand optimieren, vergleichen oder planen. 2026 gewinnen deshalb Betriebe, die Systeme bieten, keine Erlebniskataloge.
Ganz konkret:
- klare Kommunikation statt Marketingfloskeln
- einfache Buchungslogiken
- verständliche Angebote
- eine erkennbare Haltung
Ich sehe immer öfter, dass Gäste lieber mehr bezahlen, wenn sie das Gefühl haben: „Hier denkt jemand für mich mit.“. Eine spannende Zahl dazu: Plattformdaten zeigen, dass Betriebe mit klar positionierten Konzepten (Adults-only, Slow Travel, Retreat-Charakter) bis zu 30 % längere Aufenthalte erzielen als vergleichbare Häuser ohne klare Linie.
Meine persönliche Überzeugung: Die Zukunft gehört nicht den größten Hotels – sondern den verständlichsten.
3. Zeit wird nicht verkauft – sie wird gestaltet
„Slow“ ist 2026 kein Lifestyle-Trend mehr. Es ist eine Antwort auf kollektive Überforderung. Was sich verändert hat: Gäste wollen Zeit nicht mehr füllen. Sie wollen sie erleben dürfen.
Ich sehe das sehr konkret:
- weniger Wochenend-Hopping
- mehr 4–7-Nächte-Aufenthalte
- weniger Programmpunkte
- mehr Raum für Nichts
Orte, die Langeweile zulassen, wirken plötzlich luxuriös. Ein leerer Nachmittag ohne Plan ist für viele wertvoller als jede Aktivität. Eine interessante Entwicklung: In mehreren europäischen Märkten steigt die Nachfrage nach längeren Aufenthalten (+15–25 %), während klassische Kurztrips stagnieren oder zurückgehen.
Meine persönliche Einschätzung: Zeit ist der einzige Luxus, der sich nicht kopieren lässt. Wer sie gut gestaltet, braucht kein Entertainment.
Fazit: Der Tourismus 2026 wird erwachsener
Was wir gerade erleben, ist kein Trend-Hype. Es ist ein Reifeprozess. Longevity, Klarheit und echte Zeit sind keine Marketingbegriffe – sie sind Antworten auf ein Leben, das für viele zu schnell, zu laut und zu komplex geworden ist.
Ich glaube fest daran: Die erfolgreichsten Betriebe der nächsten Jahre werden nicht die lautesten sein. Sondern jene, die verstanden haben, wie Menschen heute wirklich reisen wollen. Leiser. Bewusster. Und mit mehr Wirkung – für alle Beteiligten.











