Suche

DIN-Norm 77235 zur Finanzanalyse von Gewerbetreibenden gestartet

Gewerbetreibende in Deutschland können sich ab sofort eine Soll-/Ist-Analyse ihres individuellen Bedarfs an Finanzprodukten nach DIN-Norm erstellen lassen: mit Anwendung der DIN-Norm 77235 „Standardisierte Finanzanalyse für Freiberufler, Gewerbetreibende, Selbstständige und KMUs“ durch ihren Makler oder Finanzberater. Ziel der neuen Norm ist es nun, Gewerbetreibenden einen neutral ermittelten, ganzheitlichen Überblick über ihren Finanz- und Absicherungsbedarf zu liefern.

Nataliya Vaitkevich, PexelsNataliya Vaitkevich, Pexels

Denn die Komplexität einer umfassenden Finanzanalyse für Unternehmen brachte es in der Vergangenheit mit sich, dass die allermeisten Versicherungsmakler und nahezu jedes Finanzberatungsunternehmen ganz ohne oder mit unzulänglichen Analyse-Techniken der Marke Eigenbau agierten.

Unterschiedliche Analyseverfahren führten bisher zu unterschiedlichen Analyseergebnissen

Das Ergebnis ist ein Flickenteppich an komplett unterschiedlichen Analyse-Verfahren, bei dem jeder Makler, jede Beraterin zu jeweils unterschiedlichen Ergebnissen kommen muss: Mal tritt nur eine Übersicht zu den scheinbar wichtigsten Risikofeldern zutage, mal nur zu den Spezialfeldern des jeweiligen Maklers, mal gänzlich unsortiert und mal auf einzelne Themen begrenzt – und oft genug getrieben von eigenen Einkommensinteressen.

Partner aus dem HORECA Scout

Diese für Gewerbetreibende ungenügende Gemengelage veranlasste eine Gruppe von Branchenexperten, Juristen und Finanzwissenschaftlern, einen standardisierten, von Vertriebsinteressen unabhängigen Analyseprozess in Form einer DIN-Norm zu initiieren und zu erarbeiten. Diese ist in fünf Haupt-Themenfelder gegliedert: Haftung, Menschen im Unternehmen, Liquidität/Währung, Verlust/Beschädigung von Sachwerten, Recht. Darunter werden insgesamt 52 potentiell relevante Risiko- und Vorsorgethemen transparent erfasst und in einer Bedarfsabstufung priorisiert: von beispielsweise der Betriebshaftung über das Ausfallrisiko des mitarbeitenden Firmeninhabers und Bilanzrisiken aus der betrieblichen Altersvorsorge bis hin zur Rechtsdurchsetzung bei gemieteten Immobilien. Gewerbetreibende können sich die Finanzanalyse nach DIN-Norm auf Wunsch auch modular erstellen lassen, dann aber muss das jeweilige Themenfeld innerhalb der priorisierenden Gesamtansicht dargestellt werden.

Über 100 zertifizierte Makler und Finanzberater wenden die Norm bereits an

In Deutschland haben sich bereits vorab bundesweit über 100 Makler und Finanzberater vom Defino Institut für Finanznorm auf die DIN-Norm 77235 zertifizieren lassen. Defino-Vorstand Dr. Klaus Möller erwartet eine baldige flächendeckende Zunahme an Finanzdienstleistern mit einer normbasierten Finanzanalyse. Er sagt: „Die Einhaltung von Normen gewährleistet einen anerkannten Qualitätsstandard. Das ist bei Finanznormen nicht anders. Deshalb sollten Gewerbetreibende ihre Makler und Finanz- und auch Steuerberater bewusst auf die DIN-Norm 77235 ansprechen. Die Anwendung der Norm dient dem Wohle aller.“

Lesen Sie auch
DatenschutzGastro, Recht und GewerbeSteuernSoftware und Systeme
Wenn Daten plötzlich nicht mehr verfügbar sind: Das Cloud-Risiko in der Kassenprüfung

Mehr Informationen

Privat
Finanzen und Controlling

GKV-Reform ab 2027: Was auf Betriebe im Gastgewerbe als Arbeitgeber zukommt

Steigende Minijob-Beiträge, eine angehobene Bemessungsgrenze und ein neuer Ehegatten-Zuschlag: Die Krankenkassenreform wird meist aus Sicht der Versicherten diskutiert – doch für Hoteliers und Gastronomen entscheidet sie ab 2027 direkt über das Personalbudget. Warum trifft ausgerechnet das Gastgewerbe die Reform härter als fast jede andere Branche, und welche Zahlen sollten Betriebe kennen, bevor das Jahresbudget steht?

Google DeepMind, Unsplash
ESG Reporting und CSRD Standards

Neues RAL-Gütezeichen: So soll nachhaltige Gastronomie messbar werden

Ein neues RAL-Gütezeichen soll nachhaltiges Wirtschaften in gastronomischen Betrieben anhand einheitlicher Kriterien überprüfbar machen. Die Anforderungen reichen vom Einkauf und der Speiseplanung über Personal und Lebensmittelsicherheit bis zu Energieverbrauch und Abfallmanagement. Angesprochen sind Gemeinschaftsverpflegung, Catering sowie Individual- und Systemgastronomie.

Weitere Artikel zum Thema

ACCONSIS
Die Kassennachschau kommt meist unangekündigt – und entscheidet sich selten an einem einzelnen Fehler, sondern an Mustern, Abläufen und Nachvollziehbarkeit. Gerade in der Gastronomie erleben wir immer wieder dieselben Schwachstellen: technisch oft korrekt, aber organisatorisch[...]
ACCONSIS
Torsten Dettlaff, Pexabay, Pexels
Nach Angaben des Verbands wirkte die Beschwerde professionell und plausibel. Im Hotel wurden deshalb zunächst interne Abläufe und das vermeintlich betroffene Zimmer überprüft. Erst dabei fiel auf, dass die genannte Zimmernummer 721 in dem Betrieb[...]
Torsten Dettlaff, Pexabay, Pexels
Canva
Ein einziger technischer Check, knapp 20.000 Hotel-Websites – und ein Ergebnis, das die Branche aufhorchen lässt: Ausgerechnet die Häuser mit den meisten Sternen patzen am häufigsten. Was steckt hinter dem „Luxus-Paradox", und warum wird digitale[...]
Canva
Privat
Steigende Minijob-Beiträge, eine angehobene Bemessungsgrenze und ein neuer Ehegatten-Zuschlag: Die Krankenkassenreform wird meist aus Sicht der Versicherten diskutiert – doch für Hoteliers und Gastronomen entscheidet sie ab 2027 direkt über das Personalbudget. Warum trifft ausgerechnet[...]
Privat
Cottonbro, Pexels
Küche, Kühlung, Klimatisierung – im Gastgewerbe läuft der Stromzähler oft rund um die Uhr. Doch wo genau lässt sich ansetzen, um die Kosten spürbar zu senken, ohne beim Gästekomfort Abstriche zu machen? Zwischen Tarifwahl und[...]
Cottonbro, Pexels
Unser Newsletter

Bleiben Sie auf dem Laufenden mit regelmäßigen Informationen zum Thema Gastgewerbe. Ihre Einwilligung in den Empfang können Sie jederzeit widerrufen.