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Behörden kündigen automatisierte Kontrollen an: 86 % der Hotel-Websites fallen bereits im Vorab-Check durch

  • Die Mehrheit der deutschen Hotel-Websites ist nicht barrierefrei: 85,6 Prozent von 19.441 untersuchten Seiten weisen WCAG-Verstöße auf, der Branchenschnitt liegt bei nur 66,5 von 100 Punkten.
  • Das „Luxus-Paradox“ zeigt, dass gerade Vier- und Fünf-Sterne-Häuser sowie große Hotelketten wegen technisch komplexer Websites häufiger scheitern als einfache Betriebe.
  • Mit den angekündigten automatisierten Website-Prüfungen der Marktüberwachungsstelle sollten Hotels ihre Templates zeitnah überarbeiten, da sich viele Fehler zentral und mit Wirkung für alle Seiten beheben lassen.

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Ein Jahr nach Inkrafttreten des Barrierefreiheitsstärkungsgesetzes (BFSG) zeigt eine bundesweite Branchenstudie der Dresdner XPORT Communication GmbH erheblichen Nachholbedarf bei der digitalen Barrierefreiheit deutscher Hotels. Für die Untersuchung wurden 19.441 Hotel-Websites automatisiert mithilfe der Wave Accessibility API von WebAIM analysiert und im eigens entwickelten hellohotel Accessibility Score (HAS) bewertet.

Die wichtigsten Ergebnisse auf einen Blick

  • 19.441 analysierte Hotel-Websites
  • 85,6 % weisen WCAG-Verstöße auf.
  • Nur 14,4 % sind frei von WCAG-Fehlern.
  • Durchschnittlicher hellohotel Accessibility Score: 66,5 von 100 Punkten.
  • 65,1 % der Hotels erreichen nicht die HAS-Bestnote „A“.
  • Nur 3,1 % der Websites weisen weder WCAG- noch Kontrastfehler auf.
  • 4- und 5-Sterne-Hotels schneiden schlechter ab als 1- und 2-Sterne-Häuser.
  • Zwischen Stadt und Land bestehen praktisch keine Unterschiede.
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Luxus-Paradox: Mehr Sterne, schlechtere Barrierefreiheit

Besonders überraschend ist das sogenannte „Luxus-Paradox“ der Studie: 4- und 5-Sterne-Hotels erreichen mit durchschnittlich 62 bis 63 Punkten deutlich schlechtere Werte als 1- und 2-Sterne-Häuser, die auf 70 bis 71 Punkte kommen. Auch größere Hotels schneiden tendenziell schlechter ab als kleinere Betriebe. Ursache sind nach Einschätzung XPORTs vor allem technisch komplexere Websites mit umfangreichen Buchungsstrecken, Multimedia-Inhalten und JavaScript-Anwendungen, die häufiger Barrieren verursachen.

Kein Stadt-Land-Gefälle – sondern ein Branchenproblem

Ob Metropole, Mittelstadt oder Kurort: Die durchschnittlichen Werte aller untersuchten Standorttypen liegen eng beieinander. Digitale Barrierefreiheit ist damit kein regionales, sondern ein flächendeckendes Problem der deutschen Hotellerie. Gleichzeitig zeigt die Untersuchung bei Hotelketten ein sehr unterschiedliches Bild: Während einige Marken Bestwerte erzielen, bleiben zahlreiche große und bekannte Hotelketten deutlich hinter ihren Möglichkeiten zurück – obwohl zentral gepflegte Websites Barrierefreiheit mit einer einzigen technischen Anpassung für alle Standorte verbessern könnten.

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Marktüberwachungs-Behörde setzt auf automatisierte Website-Prüfungen

Zusätzliche Brisanz erhält die Studie durch die erstmals veröffentlichte Vollzugspraxis der Marktüberwachungsstelle der Länder für Barrierefreiheit (MLBF). Danach sollen digitale Dienstleistungen künftig risikobasiert überwacht werden. Ein wesentlicher Bestandteil sind automatisierte Software-Prüfungen, ergänzt durch Kontrollen nach Beschwerden von Verbrauchern bzw. Gästen oder Verbänden. In die Risikobewertung fließen unter anderem Reichweite, Marktbedeutung und die Komplexität digitaler Angebote ein – Kriterien, die insbesondere auf Hotel-Websites mit Buchungsstrecken, Zimmerfiltern und Zusatzfunktionen zutreffen. Automatisierte Prüfungen dienen dabei als erste Einschätzung, bevor eine vertiefende manuelle Prüfung erfolgt.

Themen in diesem Artikel
Recht und ComplianceSoftware und SystemeMarketingBarrierefreiheitBarrierefreiheitsstärkungsgesetzBFSGCompliance

Alexander Creutzburg, Gründer und CEO der XPORT Communication GmbH: „Barrierefreiheit wird zum Qualitäts- und Compliance-Thema. Unsere Studie zeigt, dass digitale Barrierefreiheit in der Hotellerie noch längst kein Standard ist. Gleichzeitig kündigen die Behörden an, künftig automatisierte Website-Prüfungen als festen Bestandteil der Marktüberwachung einzusetzen. Für Hotelbetreiber bedeutet das: Barrierefreiheit ist nicht mehr nur ein technisches Detail, sondern ein dauerhaftes Qualitäts- und Compliance-Thema. Die gute Nachricht ist, dass sich viele der häufigsten Fehler zentral im Website-Template beheben lassen – mit Wirkung für sämtliche Seiten eines Hotels oder sogar einer gesamten Hotelgruppe.“

Über die Studie

Die Branchenstudie „Barrierefreiheit auf deutschen Hotel-Websites 2026“ untersucht 19.441 deutsche Hotel-Websites auf Basis der Wave Accessibility API von WebAIM. Aus sechs Prüfkategorien wurde der hellohotel Accessibility Score (HAS) entwickelt, der den technischen Stand der digitalen Barrierefreiheit vergleichbar macht. Die automatisierte Analyse ersetzt keine vollständige rechtliche BFSG-Prüfung, zeigt jedoch belastbar den aktuellen Status der Branche.

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